Blinddarm

Der Darm eines Menschen übernimmt die zentrale Rolle in der Verdauung von Lebensmitteln. Mit seinen 5 bis 7 Metern ist er eines der größten Organe im Körper, wobei der Darm in verschiedene Sektionen unterteilt ist. Eine dieser Sektionen ist der „Apendix“ – besser bekannt als Dickdarm. Aber auch dieses Teil des Darms ist wieder in verschiedene Abschnitte und einzelne Organe unterteilt. Jede übernimmt eine spezifische Aufgabe bei der Verdauung. Es gibt nur eine Ausnahme – den Blinddarm.

Was ist der Blinddarm?

Der Blinddarm ist ein sackartiger Teil des Darms. Er befindet sich am Anfang des Dickdarms und hängt in die Bauchhöhle hinunter. Häufig wird er mit dem sogenannten Wurmfortsatz verwechselt. Es ist nicht eindeutig geklärt, wie der Blinddarm sich im Laufe der Evolution verändert hat. Bekannt ist allerdings, dass dieser Teil des Darm keine Rolle mehr in der menschlichen Verdauung spielt. Auch heutzutage wird oftmals die Meinung vertreten, dass der Blinddarm keinerlei Funktion mehr im Körper hat, sondern lediglich als Verbindungsstück im Darm vorhanden ist. Das erklärt auch die Bezeichnung „Blinddarm“. Diese geht auf die griechische Bezeichnung τυφλὸν ἔντερον zurück, wobei das erste Wort frei übersetzt „blind“ oder „nutzlos“ bedeutet und das zweite Wort mit „Darm“ übersetzt werden kann.
Auch Tiere verfügen über einen Blinddarm. Im Vergleich zum menschlichen Vorbild ist der Blinddarm bei Tieren wie Vögeln allerdings länger und schlauchartig. Außerdem konnten Funktionen der Verdauung nachgewiesen werden, die beim menschlichen Blinddarm völlig fehlen.

Funktionen und Aufgaben

Aufgrund seiner Positionierung im Körper geht man davon aus, dass der Blinddarm in einem früheren Entwicklungsstadium des Menschen noch eine Rolle in der Verdauung gespielt hatte. Bei Neanderthalern war das Immunsystem noch ausgeprägert, was auch mit dem Fehlen von Hygiene und den fehlenden Kenntnissen der Nahrungszubereitung zusammen hing. Ein menschlicher Körper musste entsprechend wesentlich mehr arbeiten, um sich gegen Viren und Bakterien zu schützen. Die Forschung geht davon aus, dass im Blinddarm solche unerwünschten Schadstoffe herauszufiltern und unschädlich zu machen.

Verfall der ursprünglichen Funktionen

Da sich der menschliche Körper im Laufe der Jahrhunderte evolutionär veränderte und man das Kochen und Konservieren lernte, verlor der Blinddarm nach und nach seine Rolle als Schadstoff-Entschädiger. Andere Organe wie die Nieren und die Leber übernahmen diese Aufgaben. Da die eigentliche Verdauung im Dünndarm und dem Dickdarm stattfindet, wurde auch dafür der Blinddarm nicht mehr benötigt. Vermutlich entwickelte es sich von einer länglichen Form, wie man sie heute noch bei Tieren findet, zu der kleinen sackartigen Form, die ein menschlicher Blinddarm heutzutage aufweist.

Aufgaben des Blinddarms

Jahrzehnte lang waren Mediziner der Überzeugung, dass der Blinddarm all seine Funktionen verloren hatte. Wie jüngste Entdeckungen zeigen, ist das aber nicht ganz der Fall. Denn im Blinddarm konnte ein feines Lymphgewebe nachgewiesen werden. Dieses Gewebe dient zum Transport von Enzymen und Immunflüssigkeiten, welche beispielsweise Schadstoffe oder Bakterien unschädlich machen sollen. Der Blinddarm liefert diese Flüssigkeiten in die Darmregion, um Antigene zu binden und schnell aus dem Körper befördern zu können.

  • ehemals Verdauung und Entgiftung
  • durchsetzt von Lymphgewebe
  • Beseitigung von Schadstoffen und Allergenen

Anatomie und Aufbau

Der Blinddarm findet sich in der unteren Bauchhöhle. Würde man eine Linie vom Bauchnabel zum rechten Darmbeinstachel ziehen, würde diese Linie das untere Ende des Blinddarms berühren. Das obere Ende befindet sich wenige Zentimeter oberhalb dieser Linie. Während der Blinddarm nach unten hin geschlossen ist, geht er nach oben hin direkt in den Dünndarm über.

Zum anatomischen Aufbau

Der Blinddarm ist in zwei Segmente unterteilt, die von einer Einstülpung des Krummdarms unterbrochen wird. Diese Einstülpung, die auch als Ileozäkalklappe bezeichnet wird, ist im Normalzustand durchlässig. Wenn sich der Blinddarm allerdings ausdehnt, schließt sich die Klappe wie bei einem Ventil und stoppt so den Transport von verdauter Nahrung durch den Darm. Das verhindert, das Krankheitserreger in den Dünndarm gelangen können, der normalerweise Keimfrei ist.
Am unteren Ende des Blinddarms hängt noch der Wurmfortsatz. Dabei handelt es sich an die Überreste eines weiteren Darmsegments, das aufgrund evolutionärer Entwicklungen verkümmert ist. Häufig wird der Blinddarm auch mit diesem Fortsatz verwechselt, der medizinisch als „Appendix“ bezeichnet wird.

Krankheiten, Beschwerden und Störungen

Die bekannteste Erkrankung der Region um den Blinddarm ist die sogenannte Blinddarmentzündung. Diese Bezeichnung ist aber irreführend, da es in den meisten Fällen nicht der Blinddarm ist, bei dem eine Entzündung auftritt. Tatsächlich ist es der Wurmfortsatz, der sich entzündet und so zu Reizungen und Schmerzen führen kann. Eine Blinddarmentzündung macht sich in den Anfangsstadien kaum bemerkbar. Gelegentlich fühlt man ein leichtes Ziehen im Bauch. Erst im Endstadium spüren die Patienten starke Schmerzen.

Ursachen einer Blinddarmentzündung

Die Ursachen für eine Blinddarmentzündung sind vielfältig. Viren und Bakterien können zu einer Entzündung führen genauso wie Fremdkörper, also beispielsweise Festkörper, die nicht in der Verdauung zersetzt werden können. Tritt eine Blinddarmentzündung auf, muss der Wurmfortsatz des Blinddarms entfernt werden. Die Entzündung lässt sich nicht durch Medikamente behandeln oder anderes therapieren. Sie kann auch nicht vom Körper selbst behoben werden. Im schlimmsten Fall wird der Wurmfortsatz so stark entzündet, dass die Darmwand perforiert wird. Es bilden sich Löcher, durch die eine Vermischung von Blut und Darmflüssigkeiten im Bauchraum stattfinden. Diese Entwicklung kann ohne die richtige Behandlung tödlich verlaufen.

Weitere Erkrankungen des Blinddarms

Neben der Blinddarmentzündung gibt es noch andere Erkrankungen, die den Blinddarm befallen können. Dazu zählen unter anderem Erbkrankheiten wie Morbus Crohn oder auch Darmkrebs. Allerdings wird bei solchen Erkrankungen nicht nur der Blinddarm befallen, sondern der gesamte Dickdarm.
Es sind auch Parasiten bekannt, bei denen der Blinddarm befallen wird. Die Parasiten nisten sich in dem Teil des Darms ein, weil sie dort nicht von den typischen Darmbewegungen gestört haben und es somit leichter ist, sich in die Darmwände zu bohren. Die Parasiten vermehren sich dort und zerstören dabei den Blinddarm, was wiederum zu Entzündungen und zu Durchbrüchen der Darmwand führt. Die Parasiten sind vergleichsweise selten und lassen sich deshalb auch nur schwer nachweisen. Eine medikamentöse Behandlung ist in den frühen Stadien eines Parasitenbefalls noch möglich. In späten Stadien droht die Gefahr eines Darmwanddurchbruchs, sodass eine Behandlung schwierig wird.

Kleiner Exkurs zu Morbus Crohn

Morbus Crohn ist eine sogenannte chronisch-entzündliche Darmerkrankung, wobei auch dieser Name etwas irreführend ist. Denn Morbus Crohn kann im ganzen Verdauungstrakt – angefangen im Mundraum bis hinunter zum After – auftreten. Die Krankheit tritt allerdings vermehrt im Dünndarm und im Dickdarm auf.
Die Krankheit wird als Autoimmunkrankheit eingestuft. Das bedeutet, dass sie zu den Krankheiten gehört, die aus einer Überstimulation des körpereigenen Immunsystems entstehen. Von 100.000 Menschen sind im Durchschnitt 150 Personen von der Krankheit betroffen, wobei die Zahl in den letzten 20 Jahren stetig angestiegen ist.

Ursachen der Krankheit

Wie genau Morbus Crohn entstehen kann, ist nicht bekannt. Es gibt keine spezifischen Faktoren, die diese Entzündung der Darmschleimheit auslösen. Es besteht lediglich die Theorie, dass ein Versagen des Immunsystems gegen bestimmte Darmbakterien im Kleinkindalter für das Ausbrechen der Krankheit verantwortlich sind. Zudem sollen Umweltfaktoren wie häufiges Rauchen, Überhygiene, eine einseitige Ernährung oder auch Psychosomatik das Risiko erhöhen, dass Morbus Crohn bei einem Betroffenen ausbricht. Denn wie andere Autoimmunkrankheiten wird zumindest die Veranlagung für die Krankheit vererbt. Wenn von den Eltern jemand unter Morbus Crohn leidet, dann besteht auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder die Krankheit zu einem Zeitpunkt in ihrem Leben bekommen können.

Zur Behandlung von Morbus Crohn

Morbus Crohn ist nicht heilbar. Allerdings Sprechen Patienten, die unter Morbus Crohn leiden, auf die gleichen Medikamente an wie Patienten, die unter Allergien leiden. Somit können Betroffene mit der richtigen medikamentösen Behandlung und einer Anpassung der Lebensgewohnheiten ein relativ normales Leben führen, ohne dass es zu Entzündungen der Darmschleimhaut oder des Blinddarms kommt. Besonders die Umstellung der Ernährung steht hierbei im Vordergrund. Die Patienten müssen auf bestimmte Lebensmittel wie beispielsweise Alkohol verzichten, um eine Reizung ihrer Darmschleimhaut zu vermeiden.

Erkennung einer Blinddarmentzündung

Wer einen anhaltenden, stechenden Schmerz im Bauchraum spürt, und das eher in der Mitte oder auf der rechten Seite, der könnte einen entzündeten Wurmfortsatz haben. Im Zweifelsfall ist ein Besuch beim Arzt notwendig, um Gewissheit zu verkommen. Ein Arzt hat hierbei zwei Methoden, wie er eine Blinddarmentzündung feststellt. Im ersten Schritt wird der Bauchraum vorsichtig abgetastet. Wenn der Patient unter dem leichten Drücken des Arztes starke Schmerzen spürt, ist das zwar ein Anzeichen für ein Leiden, aber noch könnte es sich auch um gezerrte oder gequetschte Muskeln handeln. In einem zweiten Schritt wird deshalb der Bauchraum des Patienten geröntgt. Auf den Aufnahmen lässt sich genau erkennen, ob der Wurmfortsatz des Blinddarms entzündet ist oder nicht. Denn durch die Entzündung bläht sich der Appendix regelrecht auf und kann bis zur doppelten Größe anschwellen.
Wird eine unnatürliche Vergrößerung des Wurmfortsatzes festgestellt, wird binnen kurzer Zeit eine Operation angesetzt, um die Ursache der Blinddarmentzündung zu beheben. Zu lange kann man mit der Operation nicht warten, da die Darmwände jeder Zeit durchbrechen können.

Tpische und häufige Erkrankungen

 

  • Blinddarmentzündung
  • Darmkrebs
  • Morbus Crohn

Fragen und Antworten

 

Wie verläuft die Entfernung des Blinddarms?

Da bei einer Blinddarmentzündung nicht wirklich der Blinddarm, sondern lediglich der Wurmfortsatz entfernt wird, ist der Eingriff relativ einfach und schnell erledigt. Nach einer Betäubung wird der Bauchraum über der entzündeten Stellen aufgeschnitten und der Blinddarm freigelegt. Anschließend wird der Wurmfortsatz chirurgisch entfernt und die offenen Stelle wird vernäht oder verödet. Im Anschluss wird der Bauchraum wieder verschlossen und ebenfalls zugenäht.

Kann man ohne Blinddarm leben?

Ja und Nein. Man kann ohne einen Wurmfortsatz leben und theoretisch könnte man auch ohne den Blinddarm an sich leben. Allerdings wäre ein Patient sein Leben lang auf Medikamente angewiesen, die die Funktion des fehlenden Lymphgewebes ersetzen.

Kann man sich gegen eine Blinddarmentzündung schützen?

Nein, man kann sich nicht spezifisch gegen eine Blinddarmentzündung schützen. Auch bei einem gesunden Immunsystem kann eine Entzündung auftreten und es gibt leider keine Indikatoren wie eine Erkrankung im Familienkreis, die auf ein erhöhtes Risiko für eine Blinddarmentzündung schließen lassen würden.

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