Radiojodtherapie

Die Bestrahlung der Schilddrüse

 

Behandlung Radiojodtherapie Unter einer Radiojodtherapie versteht man die örtliche Bestrahlung der Schilddrüse in Form von radioaktiven Jodmolekülen.

Die Anwendung erfolgt hauptsächlich bei einer krankhaften Überaktivität der Schilddrüse oder bei Schilddrüsenkrebs.

Dabei ist es vorteilhaft, dass es sich bei der Schilddrüse um eine Art „Jodfänger“ handelt.

Durch die Schilddrüse wird das komplette Jod gespeichert, das vom Körper aufgenommen wird.

In diesem Ratgeber informieren wir Sie umfassend zum Thema Radiojodtherapie. 

 

Was ist eine Radiojodtherapie?

 

Bei der Radiojodtherapie handelt es sich um ein nuklearmedizinisches Therapieverfahren mit dessen Hilfe, Schilddrüsenüberaktivität, Schilddrüsenvergrößerungen, Morbus Basedow sowie einige Ausprägungen des Schilddrüsenkrebses behandelt werden.

Dabei wird das radioaktive Jod Isotop131 Jod verwendet. Dieses verfügt über einen Beta-Strahler, der eine Halbwertszeit von 8 Tagen aufweist. Der Vorteil dabei ist, dass in einem menschlichen Körper dieses Jod nur in den Schilddrüsenzellen gespeichert wird.

Dabei zerstört das radioaktive Jod zielgerichtet genau die Schilddrüsenzellen, welche auch behandelt werden sollen. Hierbei kann es nicht zu einer Schädigung der Stimmbandnerven oder zur Verletzung der Nebenschilddrüsen kommen. Ebenso gibt es nicht das nach einer Operation auftretende zusätzliche Risiko von einer Nachblutung.

Dabei ist die Strahlenbelastung , wenn man es mit einer diagnostischen Methode vergleicht, etwas höher. Man kann es in etwa mit einer Belastung, wie bei einer Narkose vergleichen.

 

Eine solche Radiojodtherapie wird in vielen Ländern mit besonderen gesetzlichen Beschränkungen und Vorgaben durchgeführt und wird in Deutschland nur stationär am Patienten vollzogen. Eine solche Art der Therapieform gibt es seit den 1940er Jahren.

Die Therapie gilt als nebenwirkungsarm. Aufgrund der langjährigen Verlaufsbeobachtung wird sie auch als sicher eingestuft. Deutschlandweit stehen hier über 120 Therapiestellen zur Verfügung. Die Anzahl der jährlichen Behandlungen liegt in Deutschland bei ca. 50.000 Stück pro Jahr.

 

 

Ursprung und Entwicklung

 

Bevor man die Radiojodtherapie eingesetzt hat, lag der Schwerpunkt nach dem Entfernen eines Schilddrüsenkarzinoms auf eine Nachbestrahlung mit Röntgenstrahlen.

Im Jahr 1941 wurde von Joseph Hamilton und John H. Lawrence die erste Therapie mit Jod durchgeführt. Im Jahr 1946 wurde dann von Samuel M. Seidlin im Montefiore Hospital in New York Jod erstmals bei Schilddrüsenkrebs mit Metastasen eingesetzt.

Was Europa anbelangt, so wurde bei einem Schilddrüsenkarzinom 1948 im Luisen-Hospital in Aachen zum ersten Mal ebenfalls die Radiojodtherapie verwendet.

 

Funktionen, Wirkung und Ziele – Behandlungen und Therapien

 

Eine Radiojodtherapie ist bei einer Schilddrüsenüberfunktion besonders wirksam. Eine Schilddrüsenüberfunktion wird durch die Loslösung eines Teils der Schilddrüsenzellen ausgelöst. Dieses Gewebeteil produziert einen erheblichen Überschuss von Hormonen, da diese nicht mehr der normalen Steuerung unterliegen.

Behandlung Radiojodtherapie Mit Hilfe der Radiojodtherapie werden diese autonom arbeitenden Zellen abgetötet und somit wird kein Hormonüberschuss mehr produziert.

Auch bei Schilddrüsenkarzinomen oder einer Vergrößerung die Schilddrüse hilft die Radiojodtherapie.

Bei den Karzinomen reichern die hier vorhandenen Krebszellen Jod an und werden durch die Beta-Strahlung abgetötet.

Bei der Schilddrüsenvergrößerung führt der Radiojodeinsatz zu einer erheblichen Verkleinerung des Kropfes. Teilweise kann der Kropf auch vollständig entfernt werden.

 

Nochmals kurz zusammengefasst:

 

  • Radiojodtherapie hohe Wirksamkeit bei einer Schilddrüsenüberfunktion;
  • Abtötung der Krebszellen bei Schilddrüsenkarzinomen;
  • bei einer Schilddrüsenvergrößerung Verkleinerung oder Entfernung des Kropfes durch Radiojodeinsatz.

 

Durchführung und Wirkungsweise

 

Bei der Durchführung der Radiojodtherapie wird der Patient grundsätzlich stationär aufgenommen. Der Grund liegt darin, dass theoretisch immer die Möglichkeit auftreten kann, andere Menschen dadurch zu schädigen, obwohl die dabei austretende Strahlung nur über einige wenige Millimeter weit reicht.

Das rührt daher, dass bei dem hier anfallenden radioaktiven Zerfall des eingesetzten Jods nicht nur die Betastrahlung freigesetzt wird, sondern auch ein sehr geringer Anteil von der Gammastrahlung, welche eine wesentlich höhere Reichweite aufweist.

Deshalb ist es dem Patienten auch untersagt, während der Behandlung Besuch zu empfangen. Auch das Abwasser der Dusche sowie Toilette und anderes Brauchwasser wird in speziellen Behältern aufgesammelt, bis die vorhandene Strahlung dann abgeklungen ist.

 

Zunächst finden am ersten Tag des Klinikaufenthaltes ein Aufklärungsgespräch, eine Ultraschalluntersuchung bei der Schilddrüse sowie die genaue Bestimmung der erforderlichen Laborwerte statt. Danach erfolgt der Radiojodtest mit einer Testkapsel. Dadurch wird bestimmt, wir stark die Schilddrüse aktiv ist.

Im weiteren Verlauf erhält dann der Patient eine Therapieflüssigkeit oder –kapsel mit dem radioaktiven Jodinhalt. Ab diesem Punkt ist ein stationärer Aufenthalt von mindestens 48 Stunden erforderlich. Diese Maßnahme ist auch gesetzlich vorgeschrieben.

Ebenso darf die tägliche Reststrahlung der Schilddrüse bestimmte Höchstwerte nicht überschreiten. Auch kann es der Fall sein, dass die Person mehrere Woche in der Klinik bleiben muss. Diese Zeiteinteilung ist jedoch von Patient zu Patient sehr unterschiedlich.

 

Die Durchführung dieser Vorgehensweise beinhaltet eine hohe Heilungschance von 90 Prozent mit relativ geringen Nebenwirkungen aufgrund der Radiojodtherapie. Wenn dann der Patient das Krankenhaus wieder verlassen hat, kann er seinen normalen Alltag wieder aufnehmen.

 

Hilft gegen

 

  • Autonome Funktionsstörungen der Schilddrüse;
  • Basedow-Krankheit;
  • diejenigen Formen von Schilddrüsenkrebs (Karzinome), welche Jod speichern;
  • Schilddrüsenvergrößerung;
  • Kropfbildung

 

Was eine Schwangerschaft anbelangt, so sollte dies für einen Zeitraum von bis zu 6 Monaten nach der Radiojodtherapie vermieden werden. Wenn jedoch trotzdem in diesem Zeitraum eine Schwangerschaft eintritt, sollte man eine gentische Beratung durchführen lassen. Für den Abbruch einer Schwangerschaft ist jedoch dies kein Grund.

Fördert und stärkt

 

  • Krankhaftes Schilddrüsengewebe wird sicher und auf einem risikoarmen Weg entfernt;
  • eine vorherige operative Entfernung ist nicht erforderlich,
  • beim Schilddrüsenkrebs werden die Tochtergeschwülste (Metastasen) dadurch entfernt.

 

Für die Radiojodtherapie gibt es in vielen Ländern besondere gesetzliche Voraussetzungen. Wie bereits erwähnt, kann diese Therapie bei uns in Deutschland nur im Krankenhaus vorgenommen werden. In Deutschland gibt es ungefähr 120 Therapieeinrichtungen, in den über 50.000 Behandlungen im Jahr durchgeführt werden.

 

 

Diagnose und Untersuchungsmethoden

 

Aufgrund von verschiedenen Krankheiten kann die Schilddrüsenhormonproduktions-Kontrolle durch die Hypophyse eine Störung aufweisen. Dabei werden dann die Hormone völlig unabhängig vom Bedarf des Körpers und der entsprechenden Steuersignalen von der Hypophyse produziert. Dadurch entstehen mehr Hormone, als eigentlich benötigt werden und es entsteht ein unkontrolliertes Wachstum.

Dabei dürfen vier Wochen vor der Radiojodtherapie keine Schilddrüsenhormone, Kontrastmittel oder jodhaltigen Medikamente vom Patienten eingenommen werden. Der Grund liegt darin, dass der Botenstoff , der von der Hypophyse her kommt und der auch die Schilddrüse anregt, Jod aufzunehmen, sehr konzentriert im Blut zirkulieren muss und durch die Außenbeeinflussung dann zu viel radioaktives Jod aufgenommen wird. Auch eine Schwangerschaft darf, wenn eine solche Behandlung beginnt, nicht vorhanden sein.

Der Erfolg einer Radiojodtherapie wird in einem Abstand von drei bis sechs Monaten durch eine Ganzkörperszintigrafie überprüft. Teilweise ist es auch erforderlich, eine weitere Radiojodtherapie durchzuführen. Wenn bei der Laborkontrolle nach der Therapie eine Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert wird, kann er erforderlich sein, Schilddrüsenhormone in Form von Tabletten einzunehmen.

 

Nochmals kurz in Stichworten:

 

  • Diagnose
  • Störung der Schilddrüsenhormon-Produktions-Kontrolle durch unterschiedliche Krankheiten
  • vor der Durchführung der Therapie darf kein zusätzliches Jod aufgenommen werden
  • Nachkontrolle nach drei bis sechs Monaten

 

Risiken und Nebenwirkungen

 

  • Vorübergehende Blutbildveränderungen;
  • Schwellung und Entzündung der Schilddrüse;
  • Entstehung von Mundtrockenheit;
  • Entzündung des Magens und der Speicheldrüse;
  • Entstehung Schilddrüsenunterfunktion.

 

Auch eine Radiojodtherapie hat Nebenwirkungen, die jedoch teilweise vorrübergehend sind und auch nur bei einem bestimmten Prozentsatz der Patienten auftauchen.

 

Wechselwirkungen und Gegenanzeigen

 

  • Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel und Mineralstoffen beeinflussen negativ eine solche Therapie;
  • negative Beeinflussung bei der Einnahme von Eisentabletten oder bei Verwendung von Algenprodukten.

 

Einige Mineralstoffe, dazu gehört beispielsweise Calcium, beeinflussen negativ die Ergebnisse eines solchen Therapie. Dies ist auch bei der Einnahme von Eisentabletten der Fall. Auch bei Algenprodukten können hier Wechselwirkungen auftreten. Algen erhalten von Natur aus hohe Mengen von Jod und deshalb sollten diese Produkte auch entsprechend gemieden werden.

 

Wer behandelt?

 

  • stationärer Krankenhausaufenthalt erforderlich;
  • während des Krankenhausaufenthaltes keine Besuche.

 

Die Radiojodtherapie muss in Deutschland von Fachärzten in einem Krankenhaus stationär durchgeführt werden. Während des Krankenhausaufenthaltes darf kein Besuch empfangen werden, weil die betroffene Person dabei auch eine Strahlenquelle darstellt und somit die Gefahr besteht, andere Menschen zu schädigen. Da dann die Strahlenaktivität nach der Durchführung immer mehr nachlässt, kann der Patient das Krankenhaus nach 2-4 Tagen wieder verlassen.

 

Fazit

 

Beim Einsatz der Radiojodtherapie sind die Heilungschancen bei den differenzierten Schilddrüsenkarzinomen sehr gut. Aufgrund der vorliegenden Statistiken liegt hier bei den Patienten eine 10-Jahres-Überlebensrate zwischen 80 und 90 %. Dabei ist jedoch eine genaue Nachsorge besonders von Bedeutung. Auch wird die Häufigkeit von Rückfällen und das Risiko an einem Schilddrüsenkarzinom zu sterben, durch die Radiojodtherapie wesentlich gesenkt.

 

Auch sind Patienten, bei denen zusätzlich Fernmetastasen in Leber oder Lunge, die auch Jod speichern gut behandelbar. Wenn jedoch bereits Knochenmetastasen vorliegen, welche auch Jod aufnehmen, können diese durch eine Radiojodtherapie kaum beeinflusst werden. Die Radiojodtherapie bei Krebs wird jedoch dann eingesetzt, wenn durch eine Operation eine Heilung nicht mehr möglich ist.

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