Evolution

Die Evolution ist der Prozess, der im Verlauf der gesamten Geschichte des Lebens die verschiedenen Arten ausgebildet hat. Sie hat noch immer einen Einfluss auf alles Lebendige, denn sie bedeutet Veränderung im Erbgut und Veränderung für ein einzelnes Lebewesen.
Die Evolution des Menschen ist dabei keine Ausnahme. Sie nachzuvollziehen und zu verstehen kann allerdings dabei helfen, einige typisch menschliche Eigenschaften und auch Leiden besser nachzuvollziehen.

Was ist die Evolution?

Für das Verständnis des evolutionären Prozesses sind ein paar Begriffe wichtig:

  • Individuum: Ein Lebewesen innerhalb einer Population
  • Population: Alle Lebewesen einer Art in einer Gruppe
  • Art: Alle Individuen mit gleichem Genotyp
  • Genotyp: Die Gesamtheit der Gene eines Individuums
  • Phänotyp: Der äußerliche Ausdruck des Genotyps und andere genetisch bedingte Eigenschaften eines Individuums

Evolution bedeutet, dass kleine Veränderungen im Genotyp, die damit Einfluss auf den Phänotyp haben, sich, sofern sie positiv für das Individuum sind, vermehren. Sorgt also der veränderte Phänotyp dafür, dass das Individuum einen Vorteil hat (bessere Nahrungsverwertung, bessere Augen, längere Hufe, etc.) bedeutet dies, dass es gegenüber seinen Konkurrenten – meist seinen Artgenossen gegenüber – einen Vorteil hat, wenn es um das Überleben geht. Eine erhöhte Überlebenschance erhöht auch die Chance auf Nachkommen und somit kann ein besserer Genotyp vererbt werden. Nach und nach kann er sich in der gesamten Population verbreiten und so die Art voran bringen. Dabei können die Richtungen, die die Evolution der Arten einschlägt, sehr unterschiedlich sein. Sie hat zum Beispiel zu solchen Kreaturen wie den blinden Höhlenspinnen und auch den parasitären Orchideen geführt. Gleichzeitig zu Giganten wie dem Blauwal und zu grazilen Wesen wie den Bärtierchen.
Der Prozess der Evolution erfasst dabei alle Lebewesen, denn alle Lebewesen interagieren mit ihrer Umwelt – den Ressourcen, den Artgenossen, Beutetieren, Fressfeinden, dem Wetter, etc. Wann immer ein veränderter Genotyp also einen Einfluss darauf hat, wie gut ein Individuum in seiner Umwelt überlebt, findet Evolution statt.
Dabei ist es häufig so, dass genetische Veränderungen überhaupt nichts bewirken, oder die Überlebensfähigkeit des Individuums komplett beeinträchtigen. In letzterem Fall wird sich das Individuum nicht vermehren und das Gen wird aus dem Genpool ausselektiert.
Dadurch, dass sich die Veränderungen auf kleinster Ebene abspielen – Gene codieren vor allem die Form von Proteinen – sind evolutionäre Prozesse enorm langwierig und alles andere als sprunghaft. Sie dauern Jahrmillionen an und sind niemals abgeschlossen. Von Beginn allen Lebens an fand Evolution statt.

Wie sich ein Genotyp verändert
Die häufigste Variante ist die Mutation. Ein „Fehler“ im Erbgut, meist in einer Keimzelle, sorgt für eine Veränderung im Nachkommen. Ist diese Änderung positiv, kann sie sich über den Nachkommen und seine Keimzellen vermehren. Ist sie negativ, wird sie dies wahrscheinlich nicht tun.
Zudem gibt es im Genpool einer Population immer eine gewisse Varianz. Es sind nämlich nicht alle Individuen einer Population identisch. In den Genen der Population stecken also verschiedene Varianten derselben Merkmale. Unter anderem kann dies die Fellfarbe, Effizienz des Hörapparates, die Huflänge, Stoffwechsel, usw. betreffen. Durch Vermischung untereinander werden aber selten bestimmte Varianten völlig dominieren, da sich die Individuen in einer stabilen Population immer wieder untereinander vermehren.

Anders ist dies, wenn zum Beispiel ein Teil der Population durch dein Umweltereignis stirbt und der Genpool verkleinert wird. Unter Umständen kann in diesem verkleinerten Genpool ein evolutionärer Vorteil stecken. Gleich ist es beim Abwandern weniger Individuen aus einer Population. Durch Paarung untereinander, mit weniger genetischer Varianz, sind stark ausgeprägte Eigenschaften stärker.
Die Evolution spielt sich also auf genetischer Ebene ab und hat damit Einfluss auf das Individuum, das diese Gene trägt. Sie ist kein gelenkter Prozess von außen und findet nur individuell statt.

Evolution beim Menschen
Der Mensch steht relativ neu im Tierreich. Die Existenz des modernen Menschen, des Homo sapiens, gilt erst seit maximal 200.000 Jahren als gesichert. Wir sind also eine sehr junge Erscheinung auf diesem Planeten und sind dennoch, vor allem durch die Entwicklung von Kultur, mittlerweile Meister darin, die Umwelt zu unseren Gunsten zu verändern. Der Evolutionsdruck, der auf all unseren Vorfahren lastete, lastet eben nicht mehr auf uns.
Die Stammesgeschichte des Menschen lässt sich aber dennoch anhand von Fossilienfunden wunderbar rekonstruieren. Hier und dort gibt es noch Lücken oder Unklarheiten. Aber einige Erkenntnisse gelten als gesichert:

  • Vor 23-18 Mill. Jahren entwickelten sich die ersten Hominoidea
  • Vor 18-15 Mill. Jahren trennten sich die Entwicklungslinien der Gibbons un der Menschenaffen voneinander
  • Orang-Utans, Gorillas, Schimpansen und Menschen entstanden
  • Von den Schimpansen, unserem nächsten Verwandten, trennte sich unsere Entwicklungslinie vor circa 6 Mill. Jahren
  • Seit gut 5 Mill. Jahren leben uns sehr ähnliche Menschenaffen
  • Vor circa 2,5 Millionen Menschen entwickelte sich der Homo rudolfensis
  • Aus ihm gingen über den H. ergaster und den H. erectus der H. sapiens und H. neanderthalensis hervor
  • Seit circa 0,2 Mill. Jahren gibt es den modernen Menschen

Dabei gab es noch viele verschiedene andere Menschenartige, die ausgestorben sein müssen, oder vielleicht durch Vermischung mit anderen Menschenartigen verschwanden. Letzteres könnte dem Neanderthaler passiert sein.
Als gesichert gilt, dass sich der Mensch und seine Verwandten in Afrika entwickelt haben. Dort findet man die ältesten Knochen, die sich unserer Entwicklungslinie zuordnen lassen. Zudem scheint es so zu sein, dass der moderne Mensch Afrika erst vor ungefähr 70.000 Jahren verlassen hat. Er verbreitete sich, ausgehend von einer wohl sehr kleinen Population, weltweit, und überlebte in einigen Gebieten besser als in anderen. Es kam immer wieder vor, dass Menschenpopulationen ausgestorben sind. Die dichte Bevölkerung von heute war damals undenkbar.
Die Evolution des Menschen hat dem Homo sapiens darüber hinaus einige Eigenschaften beschert, die einzigartig sind. Der tiefer gelegte Kehlkopf kann Sprache bilden. Wir Gehen aufrecht. Unsere Schädeldecke ist vergrößert und die Kaumuskulatur verkleinert, um unserem Hirn Platz zu machen. Unser Gehirn und unsere Intelligenz haben zu einer Bildung von Kultur geführt, die schon längst kein rein evolutionärer Prozess mehr ist.

Funktion & Aufgaben der Evolution

Die Evolution ist notwendig für das Leben selbst. Da Leben vor allem Vermehrung und Ressourcennutzung bedeutet, muss es Mechanismen geben, die entscheiden, welches Lebewesen in den Genuss von Ressourcen kommt und sich vermehren kann.

Hierfür ist folgendes Prinzip entscheidend: Wenn etwas so beschaffen ist, dass es gegenüber Konkurrenten, die die gleichen Ressourcen benötigen, einen Vorteil hat und es sich auch noch reproduzieren kann, dann wird es dies tun.
Höchstwahrscheinlich fand so ein Prozess sogar schon während der Bildung allen Lebens mit den Makromolekülen in den Meeren statt, die allein durch ihre Form einen Vorteil gegenüber anderen Molekülen gehabt haben. Doch dies würde an dieser Stelle zu weit führen. Die Evolution des Lebens ist auf jeden Fall ein konsequenter, immer den gleichen Prinzipien folgender Prozess, der sich in der gesamten Entwicklungsgeschichte des Lebens nachvollziehen lässt.
Schließlich ist der biologische Sinn des Lebens der Arterhalt. Demzufolge ist es auch biologisch sinnvoll, per Selektion diejenigen Individuen zu bevorteilen, die aufgrund ihrer vererbbaren Eigenschaften den Genpool der Art verbessern.
Die Evolution, die ein der Natur innewohnender Mechanismus ist, sorgt also dafür, dass Arten sich kontinuierlich weiter entwickeln und die Vielfalt der Natur entstehen kann. Da dieser Prozess alle Lebewesen erfasst, und alle Lebewesen mehr oder weniger miteinander interagieren, ist es immer wieder notwendig, sich anzupassen. Die Evolution hört also nie auf, sondern sorgt für stetige Entwicklung.

Krankheiten & Beschwerden, die der Mensch aufgrund seiner evolutionären Vergangenheit hat

So viele Vorteile der Mensch aufgrund seiner Evolution haben mag, so hat er auch ein paar ganz spezielle Nachteile, die ihn ebenfalls von fast allen anderen Tieren unterscheiden.
Anbei ein paar typische Beschwerden und ihre Ursachen:

  • Aufrechter Gang – Belastung der Wirbelsäule führt zu Rückenbeschwerden
  • Reduzierter Wurmfortsatz – Reduzierte „Tasche“ kann sich leicht entzünden und ist ansonsten nutzlos
  • Große Schädelhöhle – Das schon bei der Geburt große Hirn sorgt für Schmerzen bei der Geburt

Zudem werden wir Menschen – nicht zuletzt durch unsere Gesellschaften, den Aufbau von Sicherheit und medizinischer Versorgung – älter, als es biologisch notwendig ist. Dadurch leiden wir häufiger unter schlichten Verschleißerscheinungen des Körpers. Auch Krankheiten wie Alzheimer sind recht typisch für den Menschen.
Dadurch, dass wir fast überall überleben können und Städte bauen, leben wir zum Teil in so großen Populationen, dass Seuchen es leicht haben, uns dahinzuraffen. Unsere Antwort darauf ist die Medizin. Auch hier hat Technik die Natur abgelöst.
Da wir in den seltensten Fällen in der Wildnis ums Überleben kämpfen, findet an sich keine wirkliche Selektion mehr statt. Meistens ist die einzige Selektion, die der Mensch bei der Paarung berücksichtigt, diese der olfaktorischen oder optischen Natur.
Immerhin verändern sich dadurch Immunsystem und Aussehen von Generation zu Generation.

Fragen & Antworten zur Evolution?

Kann man die Evolution beschleunigen?

Ja. Da die Varianz im Genotyp ja vorhanden ist, kann ein Selekteur von außen bestimmen, welche Nachkommen einer Population sich vermehren können und so den Genpool in eine Richtung treiben. Menschen tun dies beispielsweise bei Nutzpflanzen und Nutztieren. Indem wir Individuen mit bestimmten Eigenschaften auswählen, sich zu vermehren, fördern wird nur diese Eigenschaften.

Verbindet Evolution alle Lebewesen?
Ja. Artenbildung heißt immer, dass eine Population von wenigen oder vielen Individuen irgendwann einen so unterschiedlichen Genpool im Gegensatz zu ihren Artgenossen hat, dass dieser nicht mehr kompatibel mit der Art ist. Eine neue Art geht also immer aus einer bestehenden hervor. Dies gilt für alle Lebewesen, weshalb auch alles Leben miteinander – zum Teil über sehr komplexe Wege – miteinander verwandt ist.

Gab es spezielle Auslöser für die menschliche Evolution?

Begünstigt wurde sie ohne Frage durch die Entwicklung des aufrechten Ganges vor circa 7,5 Millionen Jahren. Die Hände konnten nun für andere Dinge verwendet werden. Der opponierbare Daumen der Primaten begünstigte dies zusätzlich. Zudem hat das Verwenden von Feuer zum Kochen für eine höherwertigere Proteinversorgung geführt, die unserem Hirn zugute kam.

Unser Fazit zur Evolution

Die Evolution hat dem Menschen seine Position in unserer Welt beschert. Zwar müssen wir mit Rückenbeschwerden und schwierigen Geburten leben. Jedoch sind wir die einzigen Wesen mit so komplexen Sozialstrukturen und so vielen Fähigkeiten, wenn es darum geht, Probleme zu lösen und uns unsere Welt angenehm zu gestalten. Nicht zuletzt die Sprache ermöglicht uns einen Austausch, der einzigartig ist.
Zudem hat die Evolution für eine Vielfalt auf unserem Planeten gesorgt, die faszinierend und schön zugleich ist. Der Mensch ist nur ein Teil davon.

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