Wirbelsäule

Sie werden erstaunt sein, wie interessant und wichtig die Wirbelsäule ist. Um einen kleinen Einblick in dieses Fachgebiet zu gewähren, befasst sich dieser Artikel mit den Funktionen der Wirbelsäule, welche Aufgaben sie hat und wie die Wirbelsäule aufgebaut ist.

Ebenso beschäftigt sich dieser Text mit Krankheiten, Verletzungen und Beschwerden die mit der Wirbelsäule zusammenhängen. Was sollten Sie bei Rückenschmerzen unternehmen und wie können Sie diese vorbeugen? Informieren Sie sich auf dieser Seite.

Fakten über unsere Wirbelsäule

 

  • 200 Bänder und über 300 Muskeln sind am Rücken und rund um die Wirbelsäule dafür verantwortlich, dass der Mensch aufrecht Gehen kann. Mehr ALS 100 Gelenke ermöglichen außerdem die hohe Flexibilität.
  • Die meisten Rückenschmerzen treten zwischen dem 35. und dem 55. Lebensjahr auf.
  • Stress kann Rückenschmerzen verursachen, weil sich die Muskulatur vor allem im Nackenbereich verkrampfen kann. Dieser Schmerz kann sich bei einer länger anhaltenden Stressperiode großflächig ausweiten.
  • Auf der Wirbelsäule lastet oft mehr Druck, als in einem Autoreifen vorhanden ist. Beispielsweise wirkt auf sie ein Druck von bis zu 32 Bar, wenn eine Kiste mit Wasserflaschen mit ausgestreckten Beinen und vorgebeugtem Oberkörper angehoben wird.
  • Jeder siebte Mann und jede fünfte Frau leiden in Deutschland unter chronischen Schmerzen der Wirbelsäule. Dazu müssen die Rückenschmerzen länger als drei Monate durchgehend anhalten und sich dieser Zeitraum pro Jahr mindestens zweimal wiederholen.
  • Im laufe des Tages verlieren die Bandscheiben durch den Druck einen Großteil ihrer Flüssigkeit. Dadurch nimmt jeder Mensch bis zu 1,1% seiner in der Früh gemessenen Körpergröße ab. Während des Schlafes pumpen sich die Bandscheiben wieder mit genug Flüssigkeit voll, wodurch sie zu ihrer ursprünglichen Form und Größe zurückkehren.

Funktionen & Aufgaben der Wirbelsäule

Stütz- und Verbindungsfunktion

Die Wirbelsäule hat gleich mehrere wichtige Aufgaben. Sie trägt den Kopf, den Brustkorb, das Becken, die Arme und die Beine. Dadurch verbindet sie die verschiedenen Teile des Skeletts. In Verbindung mit der Rückenmuskulatur ist die Wirbelsäule des Menschen für von oben nach unten wirkende Kräfte sehr robust.

Schutzfunktion
In der Wirbelsäule befindet sich das Rückenmark und Millionen von Nervenfasern innerhalb des sogenannten Spinalkanals. Dieser Bereich hat eine Dicke von ungefähr einem Zentimeter und eine Länge von 40 bis 45 Zentimeter. Als wichtigster Teil des zentralen Nervensystems schützt die Wirbelsäule diesen Teil durch ihren röhrenförmigen Aufbau besonders gut vor äußerlichen Einflüssen.

Bewegungsfreiheit ermöglichen
Die Wirbelsäule dient auch als Drehachse, wodurch dem menschlichen Körper eine große Bewegungsfreiheit nach vorne, hinten und zur Seite ermöglicht wird. In den unterschiedlichen Bereichen der Wirbelsäule gibt es allerdings ein variierendes Ausmaß der Beweglichkeit. Während die Halswirbelsäule am beweglichsten ist, so ist die Brustwirbelsäule trotz der höchsten Wirbelanzahl am unbeweglichsten. Die Drehung nimmt dafür im Bereich der Lendenwirbel sehr stark ab.

Federung
Bei einwirkenden Stoß- und Kompressionskräften (z. B. Laufen, Sprünge) dienen die zwischen den Wirbelkörpern liegenden Bandscheiben als sogenannte Stoßdämpfer. Gemeinsam mit den Wirbelgelenken sorgen die Bandscheiben weiters für Dreh-, Beug- und Streckbewegungen.

Balance und Effizienz
Am bedeutendsten ist jedoch die doppelte S-Form der Wirbelsäule. Im laufe der Evolution lernte der Mensch auf zwei Beinen zu gehen. Damit die Fortbewegung so effizient wie möglich funktioniert, krümmt sich die Lendenwirbelsäule nach vorne, um ein kippen des Beckens zu ermöglichen. Damit der Körper dabei nicht aus dem Gleichgewicht gerät, krümmt sich die Brustwirbelsäule zurüCK. Dieser geniale Trick führt zur Optimierung des aufrechten Ganges.

Aufbau der Wirbelsäule

33 bis 34 Wirbel:

Die Wirbelsäule wird in fünf Abschnitte eingeteilt. Von oben nach unten betrachtet lauten die einzelnen Teilstücke:

Allerdings hat der Mensch nur 24 freie Wirbel, denn die Wirbel des Kreuzbeins und des Steißbeins sind miteinander verwachsen und somit unbeweglich. Verantwortlich dafür ist das auf der Wirbelsäule lastende Gewicht. Da die Halswirbeln nur das Gewicht des Kopfes tragen müssen, sind sie eher schmal und dünn. Damit jedoch die Last des gesamten Oberkörpers getragen werden kann, mussten sich die unteren Wirbeln zu einem starken und massiven Konstrukt aus Kreuz- und SteißBein formen.

23 Bandscheiben:
Die Bandscheiben befinden sich zwischen den einzelnen freien Wirbeln und bestehen aus Faserknorpel, welche die einzelnen Wirbelkörper miteinander verbinden. Dies trägt maßgeblich zur Beweglichkeit bei.

Bänder und Muskeln:
Damit die Wirbelsäule ihre typische doppelte S-Form behält, sorgen die zahlreichen Bänder und die Rückenmuskulatur für zusätzliche Stabilisierung und erhöhen weiters die Beweglichkeit.

Wirbelbogengelenke:
Wirbelbogengelenke werden auch als Facettengelenke bezeichnet. Diese eher kleinen und paarweise auftretenden Gelenke liegen eben zwischen den Gelenkfortsätzen der oberen beziehungsweise unteren Wirbel. Diese kleinen Knochen verbinden die die einzelnen Wirbel miteinander und geben ihnen Stabilität und je nach Gelenk unterschiedliche Grade an Bewegungsfreiheit.

Die Form der Wirbelsäule:
Die Wirbelsäule hat eine doppelte S-Form. Dies schützt unter anderem den Kopf und den restlichen Körper vor Erschütterungen. Ebenso kann diese geschwungene Form deutlich höhere Belastungen aushalten, als im Vergleich dazu eine gerade und starre Anordnung der einzelnen Wirbel.

Krankheiten und Verletzungen der Wirbelsäule

Rückenschmerzen zählen in den meisten Ländern bereits zu einer regelrechten Volkskrankheit. Alleine in Deutschland leiden bereits über 70% der Bevölkerung an regelmäßigen Rückenschmerzen. Ungefähr 12% haben sogar schwere und meist chronische Schmerzen. Insgesamt gehen somit 20 Millionen Menschen aufgrund ihrer Rückenschmerzen jährlich zum Arzt. Daraus resultieren 70 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage was wiederum einen Volkswirtschaftlichen Schaden von 50 Millionen Euro nach sich zieht.

Die Auslöser für Schmerzen an der Wirbelsäule können entweder entzündungsbedingte, oder degenerative Krankheiten sein. Der Unterschied liegt darin, dass eine Entzündung eine Reaktion des Immunsystem auf eine Schädigung des Gewebes ist. Entzündungen haben somit immer einen bestimmten Ausgangspunkt und können Auswirkungen auf den gesamten Organismus nach sich ziehen. Degenerative Krankheiten sind hauptsächlich auf die Abnützung der Wirbelsäule zurückzuführen. Ist allerdings eine Rückenmarksverletzung vorhanden, so kann es auch zu neurologischen Ausfällen kommen (Beispiel: komplette oder inkomplette Paraplegie/Querschnittslähmung).

Eine der häufigsten Ursachen für Rückenschmerzen ist die Skoliose. Darunter versteht man eine seitliche Krümmung der Wirbelsäule, die Beeinträchtigungen der Herz– und Lungenfunktion zur Folge haben können. Immer häufiger sind bereits Kinder von Skoliose betroffen. Obwohl eine verkrümmte Wirbelsäule optisch kaum auffällt, ist eine angemessene und rasche Behandlung sehr wichtig.

Am bekanntesten sind wohl die Begriffe Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps) und Hexenschuss (Lumbago). Bei ersterem drücken sich Teile der Zwischenwirbelsäule in den Spinalkanal und drücken dadurch auf die darin verlaufenden Nervenstränge. Es kommt zu Schmerzen und sogar motorische Ausfälle können teilweise auftreten. Als Reaktion auf einen Bandscheibenvorfall verkrampft sich häufig die Rückenmuskulatur. Dieses Verkrampfen wird volkstümlich als Hexenschuss bezeichnet.

Besonders bei zunehmendem Alter steigt das Risiko einer Erkrankung an Osteoporose an. Darunter versteht man einen übermäßigen Knochenschwund, der durch eine Demineralisierung der Knochen ausgelöst wird. Die Folge von diesem Prozess ist eine stark verringerte Belastbarkeit der Wirbelsäule. Wirbelfrakturen können die Folge sein und im schlimmsten Fall wird das Rückenmark irreparabel beschädigt, wodurch eine Querschnittslähmung ausgelöst wird.

Para- und Tetraplegie:
Umgangssprachlich wird eine Para- oder Tetraplegie als Querschnittslähmung bezeichnet. Dabei wird das Rückenmark schwer verletzt, weshalb zu einem kompletten Verlust der Sensibilität und der Beweglichkeit kommt. Dazu zählt auch der Kontrollverlust über die Darm– und Blasenfunktion, sowie eine Störung der Sexualfunktion. Wird der Nervenstrang allerdings nur teilweise verletzt, so kann es auch zu einer inkompletten Querschnittslähmung kommen.

Wird das Rückenmark im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule beschädigt, spricht man von Paraplegie, die die unteren Extremitäten lähmt. Die meisten Menschen mit dieser Verletzung können jedoch nach einiger Zeit wieder ein selbstständiges Leben im Rollstuhl führen und sind nicht rund um die Uhr auf Pflege angewiesen.

Eine Tetraplegie tritt erst auf, wenn das Rückenmark im Bereich der HWS (Halswirbelsäule) verletzt wird. Da in diesem Fall alle Extremitäten unterhalb des Halses von Lähmung betroffen sind, können diese Menschen nicht mehr ohne fachgerechte Pflege leben.

Je höher die Querschnittslähmung ist, desto geringer wird die voraussichtliche Lebenserwartung.

Häufige Symptome für Wirbelsäulenprobleme

 

Die richtige Körperhaltung

In der Nacht hat die Wirbelsäule genügend Zeit, um sich zu entspannen. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die Vermeidung der Bauchlage beim Schlaf, da diese ein Hohlkreuz verursacht. Wird allerdings in der Rückenlage ein Kopfkissen unter die Knie gelegt, so wird die Wirbelsäule ausreichend entlastet. Sollte jedoch die Seitenlage bevorzugt werden, dann darf ein orthopädisches Kopfkissen keinesfalls fehlen, weil damit ein Abknicken des Kopfes verhindert wird.

Durch die richtige Technik beim Heben von Gegenständen kann der Verschleiß deutlich reduziert werden. Lasten müssen gleichmäßig verteilt werden, um eine einseitige Belastung zu vermeiden. Beim Anheben kann die Wirbelsäule zusätzlich durch aktives Anspannen der Rücken, Bauch– und Beckenmuskulatur vor Verletzungen geschützt werden. Im besten Fall wird jedoch das Anheben, oder das Tragen von schweren Gegenständen vermieden.
Da vor allem die Menschen in den Industrieländern sehr viel Zeit im Sitzen verbringen, wird der richtigen Sitzposition ein immer größer werdende Bedeutung zugesprochen, um die Wirbelsäule so wenig wie möglich zu beanspruchen. Worauf ist dabei zu achten?

  • aufrechte und entspannte Sitzposition
  • Ober- und Unterschenkel sollen einen rechten Winkel (90°) bilden
  • Arme abstützen, um den Oberkörper zu entlasten
  • gesamte Sitzfläche nutzen
  • unterschiedliche Sitzpositionen einnehmen, um eine einseitige Belastung der Wirbelsäule vorzubeugen
  • die Rückenlehne sollte eine wirbelsäulengerechte Form haben
  • nach jeder Stunde sollte ein Spaziergang von fünf Minuten eingehalten werden
  • Ideal: Kann der Neigungswinkel und die Höhe des Tisches verändert werden, schont dies nicht nur die Halswirbelsäule, sondern entlastet sogar die Augen aufgrund des besseren Überblicks.

Bleibt im Sitzen die doppelte S-Form der Wirbelsäule erhalten und bildet durch ein leicht nach vorne gekipptes Becken ein natürliches Hohlkreuz, so befindet man sich mit großer Wahrscheinlichkeit in der richtigen Sitzposition.

Typische & häufige Erkrankungen

 

  • Bandscheibenvorfall (Prolaps)
  • Bandscheibenentzündung
  • Lumbago (Hexenschuss)
  • Skoliose
  • Osteochondrose
  • Arthrose der Zwischenwirbelgelenke

Fragen & Antworten

Wie kommt es zum Verschleiß der Wirbelsäule?

Abnützungserscheinungen der Wirbelsäule gibt es bei jedem Menschen. Das Ausmaß des Verschleißes kann aber sehr unterschiedlich sein. Gründe für den Verschleiß:

  • zu wenig Bewegung
  • Fehlhaltungen
  • Verformung der Wirbelsäule
  • schwere körperliche Arbeiten
  • schwache Muskulatur

Der Verschleiß beginnt immer damit, dass die Bandscheiben ihre Fähigkeit das Wasser zu binden, verlieren. Dadurch wird der Abstand zwischen den einzelnen Wirbelkörpern geringer und der Druck auf die anderen Komponenten der Wirbelsäule erhöht sich, wodurch sich diese wiederum schneller abnutzen. Dieser Vorgang wird als „Verschleißkaskade“ bezeichnet.

Was kann man gegen den Verschleiß der Wirbelsäule unternehmen?
Obwohl die Abnützung ein völlig natürlicher Prozess ist, so kann man ihn trotzdem verlangsamen. Leichtes Ausdauertraining und rückengerechtes Verhalten können die Wirbelsäule bereits vor Überbelastungen schützen. Sind allerdings bereits häufige Rückenschmerzen durch den Verschleiß vorhanden, so ist eine Schmerztherapie zu empfehlen.

Wie werden Wirbelsäulenerkrankungen diagnostiziert?
In erster Linie sollte ein Facharzt/eine Fachärztin für Wirbelsäulenerkrankungen aufgesucht werden. Bei einer körperlichen Untersuchung werden die Schmerzpunkte an der Wirbelsäule systematisch abgetastet und ebenso wird das Gangbild und die Stellung der Wirbelsäule kontrolliert. Daraufhin entscheidet der behandelnde Arzt, ob entweder eine Röntgenuntersuchung, eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Computertomographie (CT) vorgenommen wird. Manchmal reichen auch einfache Blutprobe aus, um entzündungsbedingte Schmerzen zu diagnostizieren.

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