Wirkungsmechanismus der Opioidanalgetika in der Schmerztherapie

Wirkungsweise der Opiate

Opioidanalgetika – Morphin repräsentiert den Prototyp dieser Wirkstoffgruppe – vermitteln ihre Effekte über eine Bindung an bestimmte Eiweißmoleküle, den Opioidrezeptoren.

Auf der Grundlage pharmakologischer Kriterien lassen sich mindestens drei Rezeptortypen unterscheiden, die ganz überwiegend auf Nervenzellen zu finden sind und deren Stimulation sowohl in einer dämpfenden als auch in einer erregenden Wirkung resultieren kann.

Der potente analgetische Effekt der Opioidanalgetika beruht darauf, daß sie die Wirkung körpereigener morphinähnlich wirkender Substanzen (»endogene Opioide«) nachahmen, deren physiologische Funktion darin besteht, die Wahrnehmung und Verarbeitung von Schmerzreizen zu kontrollieren.

Schmerzen entstehen, wenn nach einer Gewebsschädigung spezielle Sensoren (»Nozizeptoren«) stimuliert werden. Die Erregung der Nozizeptoren wird zunächst ins Rückenmark und von dort aus zum Gehirn geleitet. Das Zentralnervensystem reagiert auf einen Schmerzreiz in vielfältiger Weise: Im Rückenmark werden Abwehrreflexe ausgelöst, im Hirnstamm werden Atmung und Blutdruck stimuliert sowie die Wachheit und Aufmerksamkeit gesteigert, und in höheren Hirnregionen erfolgt die Wahrnehmung und Bewertung der Schmerzinformation.

Opioide unterbinden die Weiterleitung von Schmerzreizen, wobei neben einer unmittelbar durch Opioideinwirkung bedingten Hemmung der neuronalen Erregungsübertragung im Rückenmark auch eine Aktivierung von Nervenbahnen von Bedeutung ist, welche aus dem Hirnstamm in das Rückenmark hinabziehen und dort eine Hemmung der Schmerzleitung herbeiführen. Opioide dämpfen darüber hinaus im Thalamus die Schmerzempfindung, und durch Angriff im limbischen System beeinflussen sie die affektive Schmerzbewertung

Nach neueren Erkenntnissen sind an der Schmerzwahrnehmung beteiligte Opioidrezeptoren nicht ausschließlich im Zentralnervensystem lokalisiert, sondern können unter bestimmten Bedingungen auch an den peripher gelegenen Nozizeptoren anzutreffen sein.

Dieser Befund erklärt die schmerzstillende Wirkung nach lokaler Morphinanwendung in entzündetem Gewebe (z. B. im Kniegelenk bei Arthroskopie). Trotz der universell anmutenden Angriffspunkte an wesentlichen Schaltstellen für die Schmerzverarbeitung ist eine befriedigende analgetische Wirksamkeit von Opioidanalgetika nicht immer zu erwarten. So können bei Schmerzen infolge von Knochenmetastasen oder nach Nervenschädigungen andere Arzneistoffe den Opioidanalgetika durchaus überlegen sein.

Weil die Wirkstärke einer Substanz von der den Schmerzen zugrundeliegenden Ursache bestimmt wird, ist es irreführend, Opioidanalgetika pauschal als »stark« wirksam zu bezeichnen und im Zusammenhang mit anderen, nicht opioidhaltigen Schmerzmitteln von »schwachen« Analgetika zu sprechen.

 


Erläuterung der Fachbegriffe

Morphin
(nach dem gr. Gott des Schlafes Morpheus) syn. Morphium; Hauptalkaloid des Opiums

Opioidrezeptoren
spezif. Bindungsstellen für Endorphine u. Opiate im Gehirn

analgetische Effekt
schmerzstillende Effekt

neuronalen Erregungsübertragung
Übertragung der Erregungsimpulse über Nerven

Thalamus
Der Thalamus ist die größte graue Kernmasse des Zwischenhirns, Funktionen: zentrale Sammel- u. Umschaltstelle für alle der Großhirnrinde zufließenden sensibel-sensor. Erregungen aus d. Umwelt und Körper

limbischen System
Das limbischen System ist ein Teil des Gehirns, es empfängt Erregungen vom Thalamus und ist u.a. die Zentrale des hormonellen und vegetativ-nervösen Regulationssystems.

affektive Schmerzbewertung
gefühlsbestimmte Schmerzbewertung

Bitte empfehlt diese Seite oder verlinkt uns:

Bitte bewerten Sie den Artikel

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (46 Stimmen, Durchschnitt: 4,32 von 5)
Loading...
Top