Kniegelenk

Das Kniegelenk – das größte Gelenk des Menschen

Der menschliche Körper ist eines der komplexesten Systeme der Natur, gerne spricht man hier häufig vom Wunder der Natur. Die Anatomie beschäftigt sich mit dem Aufbau des Körpers, den Organen und ihrer Tätigkeit, den Knochen und Muskeln, den Nervensystem und den Sinnesorganen. In diesem Artikel soll das größte Gelenk des Menschen genauer behandelt werden, das Kniegelenk. Es ist eines der kompliziertesten Gelenke im Körper und ist für den aufrechten Gang eines der entscheidenden Kriterien. Durch hohe und ständige Belastungen ist das Kniegelenk häufig aber auch Ursache für schwerwiegende Probleme des Bewegungsapparats.


Was ist das Kniegelenk?

Das Kniegelenk (Articulatio genus) ist wie ein Scharnier aufgebaut und für das Beugen, das Strecken und Drehbewegungen zuständig. Dabei handelt es sich um ein Gebilde bestehend aus mehreren Elementen. Es setzt sich zusammen aus Knochen, Knorpel, Muskeln, Bändern und Sehnen. Das Kniegelenk stellt dabei die gelenkige Verbindung zwischen dem Ober- und dem Unterschenkel dar, ganz genau betrachtet, beschreibt das Kniegelenk die aneinandergrenzenden Knochen, den Knorpel und die Kapsel die das Gelenk zusammenhält. Dabei besteht das Kniegelenk aus drei Knochen, dem Oberschenkelknochen (Femur), dem Schienbein (Tibia) und der Kniescheibe (Patella). Hinsichtlich der Anatomie muss zudem auch das Gelenk zwischen Schienbein und dem Wadenbein (Fibula) zum Knie hinzugezählt werden, an den eigentlichen Bewegungen des Kniegelenks hat dieses Gelenk jedoch keinen Anteil.

Der aufrechte Gang des menschlichen Körpers wäre ohne das Kniegelenk nicht möglich. Das wie ein Scharnier aufgebaute Gelenk ermöglicht das Strecken (Extension) und das Beugen (Flexion), wobei es neben diesen beiden Hauptaufgaben auch eine leichte Drehbewegung, eine Rotation ermöglicht.


Funktionen & Aufgaben

Das Knie bzw. Kniegelenk stellt den Mittelpunkt der menschlichen Fortbewegung dar. Es ist beim Gehen und Laufen ebenso wichtig, wie beim Springen, beim schwimmen im Wasser oder auch beim Fahrradfahren. Für die unterschiedlichen Bewegungsarten ist eine gute Beweglichkeit des Kniegelenks von entscheidender Bedeutung. Damit eine solche Bewegung ohne Probleme möglich ist, ist das Zusammenspiel von Knochen, Knorpeln, Bändern, Sehnen, Schleimbeutel und den angrenzenden Muskeln besonders wichtig. Das notwendige Schmiermittel für den reibungslosen Ablauf stellt die Gelenkflüssigkeit dar, zumal dieses den Knorpel mit notwendigen Nährstoffen versorgt. Durch Knorpel am Ende der Knochen und die Menisken wird die entstehende Reibung minimiert und auch Aufpralle können somit besser abgefangen werden.

Das Knie ermöglicht durch seinen Aufbau um zwei Hauptachsen vier grundlegende Bewegungen, da es sich hier um eine Kombination aus Rad- und Scharniergelenk handelt, dem sogenannten Radwinkelgelenk. Neben den beiden Hauptrichtungen Strecken und Beugen, ermöglicht dieser Aufbau im gebeugten Zustand eine leichte Rotation nach innen und außen. Befindet sich das Knie in der Streckung, wird eine solche Rotation durch die maximale gespannten Außenbänder verhindert, eine Überstreckung ist nur bei besonders trainierten Kniegelenken oder schlaffen Bänder möglich. In der Unfallchirurgie und beim Orthopäden stellt die Beurteilung der Beweglichkeit des Knies in Kombination mit der Funktionalität und der Integrität der Bänder die Grundlage für Untersuchungen dar.

Die grundlegenden Aufgaben des Kniegelenks werden nachfolgend dargestellt.

  • ALS größtes Gelenk des menschlichen Körpers verantwortlich für den aufrechten Gang.
  • Ermöglicht vier Hauptbewegungen um zwei Achsen (Streckung, Beugung, leichte Außenrotation, leichte Innenrotation)
  • Das Kniegelenk leitet die gesamte Last des Rumpfes an das Schienbein weiter.

Anatomie & Aufbau

Die Anatomie des Kniegelenks umfasst die daran beteiligten Knochen, die Bänder, die Kapseln ebenso wie daran entlangziehende Nerven und Blutgefäße. Die drei Knochen des Knies, Kniescheibe, Schienbein und Oberschenkelknochen, stehen in einem sehr engen Kontakt zueinander. Damit hier ein möglichst reibungsfreier Kontakt möglich ist, sind die knöchernden Flächen des Gelenks mit Knorpel überzogen und werden von einer Gelenkkapsel (Capsula articularis) umhüllt. Die Gelenkkapseln umhüllen sämtliche Flächen des Gelenks und sind aus einer stabilisierenden Faserschicht (Membrana fibrosa) und der Synovia (Membrana synovialis) zusammengesetzt, die Synovia kleidet das Kniegelenk von Innen aus. Gelenkkapseln sind mit einer Gelenkflüssigkeit gefüllt, diese unterstützt den reibungslosen Ablauf.

Das Kniegelenk setzt sich aus zwei Einzelgelenken zusammen, dem Kniescheibengelenk (Articulatio femoropatellaris) und dem Kniekehlgelenk (Articulatio femorotibialis). Das Kniescheibengelenk befindet sich zwischen der Kniescheibe und dem Oberschenkelknochen, das Kniekehlgelenk hingegen verbindet den Schienbeinkopf mit dem Oberschenkelknochen. Auf der Rückseite des Kniegelenks befindet sich weiterhin die Kniekehle (Fossa poplitea). Diese beinhaltet eine Vielzahl an Nerven und Blutgefäßen, ebenso wie den Kniekehllymphknoten (Lymphonodi poplitei).

Den vorderen Teil des Kniegelenks bildet die Kniescheibe. Diese ist zwischen der vorderen Oberschenkelmuskulatur und dem Vorderrand des Schienbeins im Fettgewebe eingebettet. Die Kniescheibe wird durch eine Sehnenverbindung gehalten und stellt an der Hinterseite einen Kontakt zum Oberschenkelknochen dar.

Einen weiteren wichtigen Bestandteil des Kniegelenks bilden die sogenannten Menisken. Diese Sitzen zwischen den überknorpelten Gelenkflächen (Kondylen) von Ober- und Unterschenkelknochen. Diese faserknorpeligen Gebilde sind mit den Gelenkkapseln verwachsen und lassen sich in Innenmeniskus (Meniscus medialis) und Außenmeniskus (Meniscus lateralis) unterscheiden. Der Außenmeniskus besitzt eine halbrunde Form ist ist vergleichsweise beweglich, der sichelförmige Innenmeniskus mist mit dem medialen Seitenband verwachsen und daher weniger beweglich. Die Menisken vergrößern die Kontaktfläche zwischen dem Oberschenkelknochen und dem Schienbein, wobei auch der Ausgleich von Unstimmigkeiten zwischen den Kondylen zu ihren Aufgaben zählt.

Komplexe Bandstrukturen

Das Kniegelenk in seiner Komplexität wird durch eine ganze Reihe an Bandstrukturen gesichert. Diese Bandstrukturen werden als Ligamente bezeichnet, wobei man sowohl die Seitenbänder als auch die Kreuzbänder dazuzählen muss.

  • Seitenbänder

    Die auch als Kollateralbänder bezeichneten Seitenbänder des Kniegelenks dienen der Stabilisierung des Knies zur Seite hin. Die Seitenbänder lassen sich in Innenband (Ligamentum collaterale mediale) und Außenband (Ligamentum collaterale laterale) unterscheiden, wobei beide Seitenbänder eine O- oder X-Beinstellung verhindern.

  • Kreuzbänder

    Für die Stabilisierung des Kniegelenks sind die Kreuzbänder von entscheidender Bedeutung. Sowohl das vordere Kreuzband (Ligamentum cruciatum anterius) als auch das hintere Kreuzband (Ligamentum cruciatum posterius) sorgen dafür, dass die Oberschenkelköpfe zum Schienbein hin nach vorne oder nach hinten gleiten können.


Krankheiten, Beschwerden & Störungen

Der komplexe Aufbau des Kniegelenks geht einher mit einer hoher Empfindlichkeit, daher zählt das Kniegelenk zu den empfindlichsten Körperregionen des menschlichen Körpers. Die Schmerzen im Knie können schlagartig und damit akut auftreten, ebenso aber von chronischer Natur sein und erst im Laufe der Zeit zu Beschwerden führen. Akute Schmerzen am und im Kniegelenk treten in den meisten Fällen bei jungen Menschen auf und sind oftmals die Folge von Verletzungen verschiedener Art. Gerade Sport ist hier ein hoher Risikofaktor, sodass hier Bänder reißen können oder andere Verletzungen eine medizinische Behandlung erfordern.

Gerade das Kreuzband als wichtiger Stabilisator im Kniegelenk gilt bei Sportarten wie dem Skifahren oder Fußball als stark gefährdet. Bei Rotationsbewegungen wie sie bei solchen Sportarten immer wieder auftreten, besteht die Gefahr eines Kreuzbandrisses. Nicht selten handelt es sich bei solchen Unfällen dann um eine Kombination aus mehreren Verletzungen. Neben dem vorderen Kreuzband reißen hier häufig die inneren Seitenbänder oder auch der innerer Meniskus wird verletzt. Eine solche Kombination von verschiedenen Beschädigungen des Kniegelenks wird umgangssprachlich gerne auch als Unhappy triad bezeichnet. Eine solche Verletzung der Ligamente geht in vielen Fällen mit einer Beschädigung der darum befindlichen Blutgefäße einher. Die zerrissenen Gefäße sorgen für einen Erguss im Kniegelenk, starke Schwellungen sind die Folge daraus. Für den behandelnden Arzt erschwert ein solcher Gelenkerguss die Untersuchung, in vielen Fällen helfen aufgrund von schmerzhaften Bewegungseinschränkungen nur noch Röntgenbilder, eine MRT-Aufnahme oder eine Gelenkspiegelung bei der Diagnose.

Neben den akuten Verletzungen des Kniegelenks spielen häufig chronische Gelenkbeschwerden zu den am häufigsten auftretenden Beschwerden rund um das Kniegelenk. Hier ist das Thema Kniegelenksarthrose gerade bei fortgeschrittenem Alter häufig Ursache für vielerlei Probleme. Im Anfangsstadium einer solchen Arthrose führen Belastungen im Alltag zu Schmerzen im Knie, hier spricht man vom sogenannten Anlaufschmerz. Nimmt der Grad des Entzündung über kurz oder lang zu, kann die Lebensqualität durch einen dauerhaften Schmerz, auch im Ruhezustand, stark beeinträchtigt werden. Die Menisken zum Beispiel können nicht nur durch einen Unfall beschädigt werden, sondern auch in Folge einer fortgeschrittenen Arthrose leiden.

Hilfe bei leichten Verletzungen oder einer Arthrose im Anfangsstadium versprechen hier bestimmte Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol. Bei Rissen der Bänder und schwerwiegenden akuten Verletzungen hilft in vielen Fällen lediglich eine Operation, wobei es sich in den meisten Fällen um eine minimal-invasive und schonende Knie-Arthroskopie handelt. Bei fortgeschrittener Arthrose hilft häufig nur eine Spülung des Kniegelenks und als letztes Mittel der Behandlung eine Prothese als Ersatz für das Kniegelenk. Diese Prothese verspricht schon nach kurzer Zeit Besserung, ist jedoch auch mit Bewegungseinschränkungen auf Dauer verbunden.

Risikofaktoren für Kniebeschwerden

Kniebeschwerden treten meist nicht einfach so auf, sondern bestimmte Faktoren sorgen dafür, dass es Probleme innerhalb oder außerhalb des Kniegelenks gibt. In vielen Fällen, gerade mit fortgeschrittenem Alter haben diese Beschwerden mit Abnutzungserscheinungen zu tun, aber auch Unfälle oder Fehlverhalten können zu Beschwerden am Knie führen. Wichtige Risikofaktoren werden im Folgenden genauer erklärt.

  • Mangelnde Bewegung

    Bei wenig Bewegung kann das Knie und sein Knorpelgewebe nicht ausreichend durchblutet werden. Die für das Kniegelenk sehr wichtigen Nährstoffe können somit nicht in ausreichender Form bereitgestellt werden. Bei der Belastung des Knies wird der Knorpel gequetscht und Flüssigkeit tritt aus. Durch die Mischung dieser Flüssigkeit mit der Flüssigkeit der Gelenkkapsel reichern sich die wertvollen Nährstoffe an. Bei unzureichender Bewegung bekommt der Knorpel zu wenig dieser Mischung und Kniebeschwerden sind die Folge.

  • Zu hohes Gewicht

    Ein zu hohes Gewicht kann sich negativ auf die Gesundheit der Knie auswirken. Zu starkes Übergewicht sorgt dafür, dass der Druck auf die Gelenke zu stark ist. Übergewicht stellt daher ein starkes Risiko für Knieprobleme dar.

  • Starke Belastung

    Zu wenige Bewegung, aber auch eine zu hohe Belastung kann zu Problemen mit dem Kniegelenk führen. Durch eine ständige Überlastung entzünden sich Muskeln und Sehnen. Dies kann bei übertriebenen sportlichen Ehrgeiz ebenso der Fall sein, wie auch bei körperlichen Arbeiten durch stehende Tätigkeiten oder schweres Heben.

  • Schwache Muskulatur

    Auch eine weniger oder untrainierte Muskulatur kann ein Risikofaktor für Kniebeschwerden sein. Sind die Muskeln des Oberschenkels nicht stark genug, wird der Druck auf das Kniegelenk erhöht. Wer einen gut trainierten Oberschenkel besitzt, minimiert die Belastungen des Kniegelenks um bis zu 30 Prozent.

  • Sport

    Ein Risikofaktor für Knieprobleme ist weniger der Sport an sich, sondern vor allem die Verletzungen die in Folge der sportlichen Betätigung auftreten können. Bestimmte Sportarten wie Fußball oder Skifahren sind hier die größten Risikofaktoren. Durch die hier ausgeführten intensiven Bewegungen mit extremen Drehungen kommt es häufig zu schweren Verletzungen des Kniegelenks.

Typische & häufige Erkrankungen

Bei den häufigen und typischen Erkrankungen des Kniegelenks kann zwischen traumatischen Verletzungen und entzündlichen Prozessen unterschieden werden.

traumatische Verletzungen:

  • Prellungen (Kontusionen): Durch Stöße, Schläge oder Stürze werden Bänder, Knorpel, Muskeln, Knochen oder die Haut gequetscht.
  • Verrenkungen (Luxationen): Eine übermäßige Drehung der Gelenkflächen. Diese wird häufig durch schlaffe Bänder begünstigt und geht oftmals einher mit Rissen von Bändern oder den Kapseln.
  • Zerrungen (Distorsionen): Durch eine Überdehnung entstehen feine Risse im Gewebe.
  • Bänder- oder Kapselriss: In Folge starker Zerrungen reißen Bänder und Kapseln, bei starken Bänder reißt die Verankerung am Knochen, hier wird vom knöchernen Ausriss gesprochen.
  • Riss des Meniskus: Trott vor allem beim Sport auf und kann die Folge von Verrenkungen, plötzlichen Drehbewegungen oder abrupten Abstoppen sein. Ein Meniskusriss kann auch aufgrund von Verschleißerscheinungen auftreten.

entzündliche Prozesse:

Neben den typischen Erkrankungen rund um das Kniegelenk, können auch allgemeine Erkrankungen der Knochen oder angeborene Fehlbildungen oder- Stellungen der Beine oder der Hüfte für Knieprobleme sorgen.

Fragen & Antworten

 

Gibt es Möglichkeiten das Kniegelenk durch spezielles Training zu stärken?

Die Stabilität des Kniegelenks hängt sehr stark von den Muskeln die darum verteilt sind ab. Durch Sport oder spezielle Übungen ist es also tatsächlich möglich Beschwerden im Knie zu lindern oder vorzubeugen. Alle Übungen die Ober- und Unterschenkel stärken, dienen auch der Kräftigung des Kniegelenks. Umso mehr die Muskeln trainiert sind, desto mehr wird das Gelenk geschont und entlastet.

Kann eine Arthrose im Knie geheilt werden?

Die Arthrose ist eine vorzeitige und krankhafte Verschleißerscheinung des Knorpels im Kniegelenk. Durch diesen Verschleiß reiben die Kniegelenkflächen aufeinander und führen zu starken Schmerzen beim Betroffenen. bei der Arthrose im Knie handelt es sich um ein weiter fortschreitendes Leiden, welches nicht geheilt werden kann. Dennoch lässt sich die Arthrose durchaus behandeln. Bei dieser Behandlung stehen die Wiederherstellung der Beweglichkeit und die Verlangsamung der Kniearthrose im Mittelpunkt. Die Behandlung kann sowohl mit konservativen als auch operativen Methoden erfolgen.

Wann muss man bei Kniebeschwerden zum Arzt?

Die Ursachen für Kniebeschwerden können ganz unterschiedlicher Natur sein, nicht immer ist dabei sofort der Gang zum Arzt notwendig. Wenn es sich um oberflächliche Verletzungen in Folge eines Sturz handelt, können die Schürfwunden häufig ganz einfach selbst versorgt werden. Tiefer gehende Wunden hingegen sollten beim Arzt untersucht werden, dabei könnte es zu Verletzungen der Gelenkkapseln gekommen sein. Blaue Flecken oder Ergüsse können schon nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Sofern Schmerzen im Knie nicht nach wenigen Tagen vergangen sind, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Der direkte Weg zum Arzt sollte bei Funktionsstörungen des Kniegelenks aufgesucht werden, ebenso wenn das Knie stark anschwillt und Hitze abstrahlt.

Bitte empfehlt diese Seite oder verlinkt uns:

Bitte bewerten Sie den Artikel

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (81 Stimmen, Durchschnitt: 4,47 von 5)
Loading...
Top