Rückenmark

Eine Schaltzentrale des Organismus

Der menschliche Körper besteht aus Millionen Zellen, die sich zu Geweben und Organen zusammen schließen und ganz unterschiedliche Funktionen und Aufgaben haben. Damit das komplizierte Zusammenspiel funktioniert, ist eine „Schaltzentrale“ notwendig und die heißt Zentralnervensystem und besteht aus Gehirn und Rückenmark.

Das Rückenmark lateinisch medulla spinales ist ein Teil des zentralen Nervensystems. Neben den Menschen haben auch die Wirbeltiere ein Rückenmark mit ähnlichem Aufbau. Es ist eine Art Brücke zwischen dem Gehirn und dem restlichen Organismus. Durch das Rückenmark gelangen Anweisungen vom Gehirn an alle Organe und Körperteile sowie die Muskeln, die Sehnen und die Haut. Andererseits leitet das Rückenmark aber auch Signale über die Empfindungen und Gefühle von der Körper-Peripherie ans Gehirn. Ist das Rückenmark zerstört, hat das schwerste gesundheitliche Einschränkungen und oft auch den Tod zufolge.

Was ist das Rückenmark?

Das Rückenmark beginnt am Hals und reicht bei der Geburt bis zum Steißbein, später bis etwa zur Mitte Lendenwirbelsäule. Es verläuft als reichlich fingerdicker Strang entlang der Wirbelsäule in einem mit Flüssigkeit gefüllten Kanal, dem Spinalkanal zwischen den Wirbeln.

Das Rückenmark besteht hauptsächlich aus Fasersträngen und Nerven. Dabei handelt es sich zum einen um die motorischen Nerven. Sie verlaufen vom Gehirn zu den Organen und steuern deren Arbeit oder zu den Muskeln, wo sie unter anderem dafür sorgen, dass wir Bewegungen willkürlich und gezielt durchführen können. Zum anderen besteht das Rückenmark aber auch aus sensiblen Nerven. Sie verlaufen zum Gehirn und vermitteln unsere Empfindungen und Gefühle.

Funktionen und Aufgaben des Rückenmarks

Das Rückenmark arbeitet ganz eng mit dem Gehirn zusammen und hat vor allem die Aufgabe, die Steuerungs-Befehle des Gehirns an die Organe wie Herz, Lunge, Magen, Darm, Leber, Niere und Blase weiter zu leiten. Gleichzeitig ist es auch dafür verantwortlich, dass wir unsere Extremitäten bewegen können, das sich unsere Muskeln spannen und entspannen, kurz gesagt, der gesamte Organismus funktioniert.

Gleichzeitig ist es aber auch dazu da, Empfindungen und Gefühle an das Gehirn zu leiten. Die Verbindung über das Rückenmark erfolgt also in beide Richtungen. Aber das Rückenmark kann noch mehr. Einfache Reflexe werden gleich hier verschaltet, ohne, das ein Reiz erst ans Gehirn und wieder zurück geleitet werden muss.

Dafür gibt es ein paar ganz einfache Beispiele. Fasst man zum Beispiel auf eine heiße Herdplatte, dann zuckt die Hand in Bruchteilen von Sekunden schnell zurück, bevor der Schmerzreiz im Gehirn angekommen ist. Auch der Kniesehnenreflex ist so ein Beispiel. Schlägt der Arzt mit dem Hämmerchen leicht auf die Kniesehne unterhalb der Kniescheibe, dann wird der Muskel gereizt, der entsprechende Nerv im Rückenmark wird verschaltet und der Streckreflex unmittelbar ausgelöst.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Rückenmark folgende grundsätzliche Hauptaufgaben hat:

  • Weiterleitung von Informationen aus den Gehirn in alle Körperregionen
  • Weiterleitung von Informationen aus allen Körperregionen in das Gehirn
  • Verarbeitung von Reizen im Reflexbogen ohne Beteiligung des Gehirns
  • Knotenpunkt zu visceralen und autonomen Funktionen.

Anatomie und Aufbau des Rückenmarks

Das Rückenmark verläuft innerhalb der Wirbelsäule im sogenannten Spinalkanal zwischen den Wirbeln und ist beim erwachsenen Menschen um die 40 cm lang. Würde man einen Querschnitt durch das Rückenmark durchführen, sähe man eine schmetterlingsförmige graue weiche Substanz, die von einer weißlichen Substanz umgeben ist.

Die graue Substanz besteht aus Nervenzellen (Neuronen), Verschaltungen Interneuronen) und Stützgewebe (Gliazellen). Die weiße Form beinhaltet hauptsächlich Nervenzellen-Fortsätze, die sogenannten Dentriten und Axome. Der vordere, breitere Flügelteil des Schmetterlings wird als Vorderhorn bezeichnet, der schalere hintere Teil als Hinterhorn. In dem Bereich, wo sich das Thorakal- und Lumbalmark befinden, liegt das kleinere Seitenhorn. Betrachtet man die graue Substanz des Rückenmarks genau, dann besteht sie aus 10 unterschiedlichen Schichten. Die Nervenkerne dieser Schichten haben unterschiedliche Funktionen.

Im Zentrum des Rückenmarks verläuft ein mit Flüssigkeit gefüllter Kanal. Diese Flüssigkeit, das Gehirnwasser (lat.Liquor cerebrospinalis)besteht hauptsächlich aus Proteinen und Lymphozyten und dient dem Stoffwechsel und gleichzeitig dem Schutz der Nervenzellen. Umhüllt ist das gesamte Rückenmark von der weichen und der harten Rückenmarkshaut, die in ihrer Funktion der Hirnhaut im Schädel entspricht. Unterteilt wird das Rückenmark, was vom Schädel bis zum SteißBein reicht, beim Menschen und bei Wirbeltieren in folgende Segmente:

  • Hals– oder Zervikalmark
  • Brust- oder Thorakalmark
  • Lenden- oder Lumbalmark
  • Kreuz- oder Sakralmark
  • Schwanz- oder Kokzygealmark (beim Menschen nur rudimentär vorhanden)

Die Medizin unterteilt das Rückenmark außerdem in drei Stränge:

  • den Vorderstrang (Funiculus anterior)
  • den Seitenstrang (Funiculus lateralis)
  • den Hinterstrang (Funiculus posterior

Krankheiten, Beschwerden und Störungen des Rückenmarks

Es gibt viele Krankheiten, die direkt das Rückenmark betreffen. Bei anderen ist es nur mit betroffen. Dazu gehören zum Beispiel die Syphilis, die Multiple Sklerose, die Meningitis oder bestimmte Formen der Epilepsie. Die meisten Erkrankungen des Rückenmarks sind sehr schwerwiegend und langwierig, manchmal mit gravierenden Folgen und reichen vom Schmerzzuständen über Wahrnehmungs-und Sprachstörungen bis zu Bewegungsstörungen und Lähmungen.

Viele Störungen des Rückenmarks entstehen durch mechanische Verletzungen bei Unfällen und ein großer Teil davon durch gebrochene Wirbel, die das Rückenmark durchtrennen oder quetschen. Bei einer kompletten Durchtrennung sind die Folgen sehr schwerwiegend. Die Betroffenen erleiden eine Querschnittslähmung. Es kommt zum Funktionsausfall des gesamten sympathischen und parasympathischen Nervensystems ab der Trennungsstelle.

Eine solche Querschnittslähmung ist nach dem heutigen Stand der Wissenschaft irreversibel. Häufig ist das Rückenmark aber nicht komplett durchtrennt sondern durch einen Wirbelbruch gequetscht. Dann spricht der Mediziner von einen inkompletten Querschnitt.

Ob die Folgen solcher Quetschungen sich irgendwann teilweise oder ganz wieder geben können, hängt vom Umfang der Schädigung, der eingeleiteten Behandlung und der Effizienz von Reha-Maßnahmen ab. Trotzdem ist es leider so, dass einmal zerstörtes Rückenmark sich nicht wieder regeneriert. Die medizinische Wissenschaft beschäftigt sich seit aber schon Jahre lang damit, eine solche Regeneration bzw. ein Zusammenwachsen irgendwann zu erreichen.

Aber nicht nur durch Unfälle zum Beispiel im Straßenverkehr, beim Sport oder beim Baden, sondern auch durch Bandscheibenvorfälle und Wirbelbrüche durch Osteoporose oder Knochenschwund kann das Rückenmark geschädigt werden. Eine weitere Ursache sind Tumore am Rückenmark. Es gibt auch Krankheiten, die es angreifen können. So eine Krankheit ist zum Beispiel die Multiple Sklerose. Dabei handelt es sich um eine chronische Entzündung des Zentralnervensystems in Gehirn und Rückenmark, die ebenfalls Lähmungen und Funktionsstörungen auslöst.

Kommt es zu einer Entzündung des Rückenmarks spricht der Mediziner von Myelitis. Von einer Entzündung kann entweder das gesamte Rückenmark betroffen sein oder sich einzelne Entzündungsherde herausbilden. In beiden Fällen kann es zu ebenfalls zu Lähmungserscheinungen und anderen motorischen Ausfällen kommen.

Die Ursachen für eine Myelitis sind vielfältig. Sie kann zum Beispiel als Folge von Infektionskrankheiten wie Masern, Röteln, Mumps, Malaria und Typhus auftreten. Auch eine Blutvergiftung (Sepsis) kommt als Auslöser infrage.

Eine Entzündung der Rückenmarkshäute (Meningitis) wird ebenfalls durch Viren, Bakterien oder Pilze ausgelöst oder entsteht durch die Nähe von Entzündungsherden zum Rückenmark und ist ebenfalls sehr gefährlich. Aus einer unbehandelten oder zu spät behandelten Borreliose, Syphilis, oder einer Endokarditis kann sich ebenfalls eine Rückenmarks-Meningitis entwickeln, die ebenfalls lebensbedrohlich werden und sehr schwere Krankheitszeichen auslösen kann.

Die Polio-Myelitis

Eine besondere Form der Myelitis betrifft das graue Mark. Sie wird durch das Polio-Virus ausgelöst und trägt daher den Namen Polio-Myelitis, besser bekannt als Kinderlähmung. Diese schwere Erkrankung befällt die muskelsteuernden Nerven im Rückenmark und trat Jahrhunderte lang in Form von Epidemien auf, bei denen jedes Jahr viele Tausende Menschen, besonders Kinder erkrankten und häufig auch starben.

Durch eine Mitte des 20.Jahrhunderts entwickelten wirksamen Impfstoff hat die Polio-Myelitis viel von ihren Schrecken verloren und ist, zumindest in Europa, heute so gut wie ausgerottet. Um die Kinderlähmung aber auch weltweit zu besiegen, ist es ganz wichtig, die laufenden Impfprogramme weiter durchzuführen und zu erreichen, dass die Impfbereitschaft nirgends auf der Welt nachlässt. Nur mit einer anhaltend hohen Immunisierungsrate über Jahre hinweg, lässt sich die Krankheit endgültig besiegen.

Die Degeneration der Wirbelsäule als Auslöser von Rückenmarksproblemen

Mit fortschreitendem Lebensalter, durch Vitamin– und Calciummangel, durch schwere körperliche Arbeit kann es zu einem Verschleiß der Wirbelsäule, zu einer Degeneration kommen, die auch das Rückenmark schädigen können. Zwar ist es relativ gut geschützt, aber die degenerativen Veränderungen von Bandscheiben und Bewegungselementen können die Nervenstrukturen des Rückenmarks verschieben und quetschen. Schmerzen aber auch Sensibilitätsstörungen können die Folge sein.

Kommt es zur Einengung des Rückenmarkskanals, der sogenannten Spinalkanalstenose oder zum Bandscheibenvorfall, dann sind auch Lähmungserscheinungen möglich. Eine subakute kombinierte Degeneration des Rückenmarks wird häufig auch durch langjährigen schlecht eingestellten Diabetes und durch Alkoholismus ausgelöst.

Die Syringomyelie

Sie entsteht, wenn der Fluss der Rückenmarksflüssigkeit gestört ist und sich staut. Durch den Druck können mit dem Liquor gefüllte Hohlräume entstehen, die sogenannten Syringen. Die Flüssigkeit drückt mehr und mehr auf das Nervengewebe. Es kommt zu Schmerzen und später zu neurologischen Ausfällen bis zu Taubheitsgefühlen und Lähmungen. Häufig ist die Syringomyelie angeboren, Sie entwickelt sich schleichend über Jahre bis Jahrzehnte, kann manchmal sogar von selbst zum Stillstand kommen. Eigentlich heilbar ist die Krankheit aber nicht und eine Operation ist auch nicht in jedem Fall möglich und sinnvoll. Syringomyelie kann auch durch Verletzungen der Wirbelsäule, durch Tumore oder Entzündungen der Rückenmarkshaut entstehen. Die Tumore können unter Umständen operativ entfernt, eventuell verklebte Rückenmarkshaut gelöst werden, damit die Rückenmarksflüssigkeit wieder normal fließen kann.

Eine direkte Untersuchung des Rückenmarks ist nicht möglich, weil es im knöchernen Wirbelkanal verborgen liegt und nicht zugänglich ist. Allerdings können strukturelle Veränderungen mit verschiedenen bildgebenden Verfahren wie der Computertomografie und der Magnetresonanztomografie erkennen. Eine weitere Untersuchungsmöglichkeit ist die Myelografie, eine radiologische Kontrastdarstellung der Wirbelsäule und des Spinalkanals.

Bei eventuellen Fehlbildungen im Blutgefäßsystem wird auch die Angiografie angewandt. Hinweise auf Rückenmarks-Entzündungen liefert die Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit durch eine Lumbalfunktion. Darüber werden Reflexuntersuchungen vorgenommen, die Gefühlsstörungen und Bewegungsstörungen lokalisiert und ausgewertet.

Typische und häufige Erkrankungen des Rückenmarks

 

  • mechanische Rückenmarksverletzungen
  • Rückenmarktumor
  • Verengung des Rückenmarkkanals (Spinalstenose)
  • Entzündung des Rückenmarks (Myelitis)
  • Entzündung der Rückenmarkhäute
  • Degeneration des Rückenmarks
  • Multiple Sklerose
  • Syringomyelie
  • Amyotrophe Lateralsklerose (als)

Fragen und Antworten zum Thema Rückenmark

 

Was ist ein Rückenmarksinfarkt, wie entsteht er und ist er gefährlich?

Vom Rückenmarksinfarkt spricht der Mediziner, wenn durch unzureichenden Blutfluss die Sauerstoffzufuhr im Rückenmark unterbrochen ist. Dabei kann sowohl die bauchseitige Arterie (arteria spinalis anterior) als auch die rückenseitige Arterie (arteria spinalis posterior) betroffen sein. Die häufigsten Ursachen für einen Rückenmarksinfarkt sind Arterienverkalkung, Embolien, angeborene Gefäßmissbildungen und Tumore. Ein Rückenmarksinfarkt ist, genau wie der Herzinfarkt und der Hirninfarkt eine lebensbedrohliche Erkrankung und immer ein ärztlicher Notfall. Trotzdem sind die Überlebenschancen recht hoch (im Durchschnitt bei etwa 70 Prozent, falls die Behandlung schnell genug einsetzt. Wird das Zeitfenster für die Beseitigung der Verstopfung überschritten, drohen irreversible Schädigungen des Rückenmarks. Glücklicherweise ist der Rückenmarkinfarkt aber eine recht seltene Erkrankung.

Bei mir soll die Rückenmarksflüssigkeit untersucht werden. Was lässt sich daran erkennen und wie funktioniert das?

Zur Untersuchung der Gehirn und Rückenmarksflüssigkeit (Liquor)muss diese durch eine Lumbalpunktion gewonnen werden. Dazu wird mit Hilfe einer Hohlnadel unterhalb des Rückenmarkes zwischen dem 2. und 5.Lendenwirbel eingestochen und aus einem sackartigen Hohlraum etwas Nervenwasser abgezapft. Die Prozedur empfinden die meisten Patienten als etwas unangenehm aber nicht schlimm und sie ist im Prinzip auch nicht gefährlich.
Bei der Untersuchung des Liquors im Speziallabor kann man Entzündungs-Marker, Bakterien, Viren und Tumorzellen nachweisen und so die Ursache von Erkrankungen des Rückenmarks aber auch anderer Erkrankungen finden.

Kann bei einem Unfall verletztes Rückenmark heilen?

Statistisch betrachtet erleiden in Deutschland jeden Tag 20 Menschen eine schwere mechanische Verletzung des Rückenmarkes und 15 von ihnen können einer permanenten Lähmung entgehen und zum Teil wieder ganz gesund werden. Es kommt immer darauf an, ob die Nerven nur gequetscht oder ganz durchtrennt sind. Aber auch die Geschwindigkeit, mit der das verletzte Rückenmark zum Beispiel durch eine Operation wieder entlastet werden kann, spielt eine wichtige Rolle. So steigen die Chancen einer neurologischen Wiederherstellung beträchtlich. „Time is spine“ lautet deshalb ein wichtiges Motto internationaler Neurochirurgen.

Bei einer vollständigen Durchtrennung des Rückenmarkes gibt es dagegen bis heute keine Heilungschancen. Das Nervenzellen nicht wieder zusammenwachsen können, hängt damit zusammen, dass sie von einer Myelinschicht umgeben sind. Die schützt die Zellen, verhindert aber gleichzeitig ihre Regeneration. Allerdings glauben viele Experten, dass es der Wissenschaft irgendwann gelingen wird, diese Barriere zu überwinden und mit Hilfe von Stammzellen das durchtrennte Rückenmark wieder zusammen zu fügen.

Was hat die Krankheit als mit dem Rückenmark zu tun?

als steht für Amyotrophe Lateralsklerose und ist eine bis heute unheilbare degenerative Erkrankung das neuralen Nervensystems, das für die Muskelbewegungen zuständig ist. Betroffene leiden unter zunehmender Muskelschwäche, Muskelzuckungen, Sprech- und Schluckstörungen. Ein prominenter als-Patient ist der bekannte US-Wissenschaftler Stephen Hawking, der schon mit 21 Jahren erkrankte. als kann entweder die motorischen Nerven in der Hirnrinde oder auch jene in der Vorderhornregion des Rückenmarks betreffen.

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