Karpaltunnel

Karpaltunnel – Durchgang für die Nerven der Hand

Die Nerven der Hand werden im Karpaltunnel gebündelt und geschützt. Der Karpaltunnel entsteht durch den Handwurzelknochen und ein straffes Gewebeband. Im Karpaltunnel befinden sich der Mittelarmnerv und neun verschiedene Sehnen, die für die Funktionalität der Hand von wichtiger Bedeutung sind. Wird der Mediannerv eingeengt, kommt es zu Beschwerden an der Hand. Es stritt das Karpaltunnelsyndrom auf, welcher bei starker Nervenschädigung sogar operiert werden muss. Der operative eingriff kann ambulant oder mit Vollnarkose erfolgen.


Was ist ein Karpaltunnel?

Der lateinische Fachbegriff für Karpaltunnel ist Canalis carpi. Dabei handelt es sich um einen Nerven-Muskeldurchgang, welcher sich an der Unterseite des Arms in Höhe des Handgelenks befindet. Der Karpaltunnel entsteht durch die spezielle Form des Handwurzelknochens und einem zusätzlichen Gewebeband. Das Gewebeband wird auch als Retinaculum flexorum bezeichnet. Seinen Namen hat der Karpaltunnel von seiner speziellen tunnelartigen Form. Der Querschnitt des Tunnels ist groß genug, dass im Inneren des Karpaltunnels der Mittelarmnerv und wichtige Sehnen verlaufen können. So sind Sehnen und Mittelarmnerv bestens vor äußeren Einflüssen geschützt und die Hand funktioniert immer zuverlässig. Ohne die Sehnen und den Mittelnerv wäre ein Öffnen, Schließen und ein Greifen mit der Hand nicht möglich. Problematisch wird es, wenn durch Schwellungen oder Verletzungen der Mittelarmnerv eingeklemmt wird. Dann kann es zum Karpaltunnelsyndrom kommen. Verschiedene Ursachen können zum Karpaltunnelsyndrom führen. Auch andere Krankheiten können das Karpaltunnelsyndrom hervorrufen. Es treten beim Patienten starke Schmerzen auf und manchmal muss sogar operiert werden, wenn der Mittelarmnerv bereits beschädigt ist, oder die Gefahr einer weiteren Schädigung besteht. Nach einer Operation braucht es bis zu sechs Monate Zeit, bis die Wunden an der Hand wieder vollständig verheilt sind.

Funktionen & Aufgaben

Die Aufgaben des Karpaltunnels lassen sich leicht zusammenfassen:

  • Schutz der Sehnen
  • Schutz des Mittelarmnervs

Damit die Finger in den menschlichen Händen schnell und unabhängig voneinander bewegt werden können, werden Sehnen benötigt. Doch Sehnen sind sehr empfindlich und können schnell reißen oder beschädigt werden. Deshalb kommt dem Karpaltunnel eine besondere Bedeutung zu. Der Karpaltunnel bildet eine knöcherne Rinne und schützt die Sehnen perfekt vor Verletzungen oder Beschädigungen. Für die Fingerbeugemuskeln kommen insgesamt acht Sehnen zum Einsatz. Auf der Daumenseite befindet sich noch ein extra Handgelenksbeuger, mit dem das Einknicken des Handgelenks möglich ist. Neben dem Schutz vor außen gibt der Karpaltunnel den Sehnen auch einen wichtigen Halt. Denn bei einer flektierten Hand hätten die Sehnen ohne Karpaltunnel nicht genügend halt und eine Flexion wäre somit überhaupt nicht möglich.

Der Mittelarmnerv befindet sich ebenfalls im Karpaltunnel. Dadurch wird verhindert, dass der Nerv bei Handbewegungen abknickt oder eingeklemmt wird. Mithilfe des Mittelarmnervs können die Hände und Finger gebeugt und bewegt werden. Problematisch wird es, wenn es zu Schwellungen unterhalb des Karpaltunnels kommt. Dadurch nimmt der Platz für den Mittelarmnerv ab und es kommt zu Beeinträchtigungen. Denn der Mittelarmnerv liegt unter dem Retinaculum flexorum. Die Erkrankung am Karpaltunnelsyndrom kann sehr schmerzhaft sein.

Anatomie & Aufbau

Beim Karpaltunnel handelt es sich um eine knöcherne Rinne. Diese befindet sich am Handgelenk auf Seiten der Handfläche. Die Bildung kommt durch Verformungen der Handwurzelknochen zustande. Einfluss auf die Größe und die Form der Rinne hat die genetische Vererbung. Die Form des Karpaltunnels ist also bereits von Geburt an genetisch vorgegeben. Innen wird der Karpaltunnel von den Knochenhäuten des Handwurzelknochens begrenzt, auch Periost genannt. Das Retinaculum flexorum ergänzt die tunnelartige Struktur nach außen hin. So ist der Karpaltunnel komplett.

Beim Aufbau des Karpaltunnels ist auch das Gewebeband sehr wichtig. Es bildet die Sehnenscheide, in der sich die neun Sehnen befinden. Die neun Sehnen setzen sich aus acht Fingerbeugersehnen und einem Daumenbeuger zusammen. In der Sehnenscheide befindet sich die Synovialflüssigkeit. Die Synovialflüssigkeit ist wichtig, damit die Bänder bei Bewegungen nicht aneinander reiben. Sie macht also schnelle Bewegungen der Finger und der Hand möglich. Gleichzeitig befinden sich in der Synovialflüssigkeit Nährstoffe. Bei Schädigungen an den Bändern werden diese Nährstoffe für die Reparatur benötigt.

Der Nervus medianus, oder auch Mittelarmnerv liegt zwischen Retinaculum flexorum und den Sehnen. Er ist Teil des peripheren Nervensystems und verläuft von der Achselhöhle bis zu den Handflächen. Seinen Ursprung hat er im Plexus brachialis. Dieser Nerv ist bei allen Säugetieren in unterschiedlicher Länge vorhanden. Im Karpaltunnel zweigt ein kleiner ast vom Mittelarmnerv ab. Dieser Ast führt zur Daumenmuskulatur und erlaubt so die motorische Beweglichkeit des Daumens. Insgesamt ist der Daumen der beweglichste Finger der gesamten Hand.

Ligamentum carpi radiatum

Beim Ligamentum carpi radiatum handelt es sich um ein Band, welches sich am Handgelenk auf Seite der Handfläche befindet. Seinen Ursprung hat das Ligamentum carpi radiatum am Kopfbein. Es hat eine fächerartige Struktur und verbindet die Vieleckbeinen mit dem Dreieckbein, dem Kahnbein, dem Hakenbein und dem Handwurzelknochen. Es besitzt also wichtige stabilisierende Eigenschaften. Auch für den Karpaltunnel übernimmt das Ligamentum carpi radiatum eine wichtige Funktion. Denn das Ligamentum carpi radiatum ist zusammen mit dem Handwurzelknochen der Boden des Karpaltunnels.
Das Ligemantum carpi ratiatum kommt bei allen vierfüßigen Säugetieren vor. Seinen Ursprung hat es bei den Zwischenzehenmuskeln.

Retinaculum flexorum

Das Retinaculum flexorum ist ein Beugeband. Es ist auch unter dem Namen „Karpalband“ bekannt. Es verläuft in der Nähe des Handwurzelknochens und verläuft quer. Streng genommen ist das Retinaculum flexorum eine wichtige Verstärkung, die die Handfaszie stabiler macht. Ein selbstständiges Band ist das Retinaculum flexorum nicht. Beim Karpaltunnel kommt dem Retinaculum flexorum eine besondere Bedeutung als Dach des Tunnels zu. Wird die Hand gebeugt, sorgt der Retinaculum flexorum dafür, dass Beugemuskel und Sehnen an ihrem Platz bleiben und nicht verrutschen. Damit die Muskelsehnen richtig funktionieren können, werden vom Retinaculum flexorum sechs Fächer ausgebildet. Der Nervus medianus befindet sich in der Mitte der Fächer. Tritt das Karpaltunnelsyndrom auf, muss der Retinaculum flexorum durchtrennt werden, damit der Nerv wieder mehr Platz bekommt.


Krankheiten, Beschwerden & Störungen

Der häufigste Nerv, der im Körper einer Kompression ausgesetzt wird, ist der Nerv im Karpaltunnel. Deshalb tritt das Karpaltunnelsyndrom sehr häufig auf und sollte in jedem Fall behandelt werden. Ein unbehandeltes Karpaltunnelsyndrom kann zu bleibenden Schädigungen führen. Dauerhafte Bewegungseinschränkungen und Lähmungen können die Folge sein.

Karpaltunnelsyndrom – Ursachen
Beim Karpaltunnelsyndrom wird der Nerv eingeengt. Diese Einengung kann durch Krankheiten, Entzündungen, Überlastungen oder eine einfache Schwellung verursacht werden.
Zu den Krankheiten gehören:

Auch bei Schwangerschaften kann das Karpaltunnelsyndrom auftreten. Beim Klarinette spielen, schreiben oder anderen handwerklichen Arbeiten wird die Sehnenscheide sehr beansprucht. Dadurch kann eine Sehnenscheidenentzündung verursacht werden. Bei der Entzündung ist es vor allem wichtig, dass die Schwellung sofort behandelt wird. Denn sonst kann es ebenfalls zu einem Karpaltunnelsyndrom kommen. Auch Narbenbildungen können das Auftreten des Karpaltunnelsyndroms begünstigen.

Starker Alkoholmissbrauch kann ebenfalls ein Karpaltunnelsyndrom auslösen. Erbliche Veranlagungen spielen auch eine Rolle bei der Entstehung des Karpaltunnelsyndroms. Ist der Karpalkanal zum Beispiel sehr eng, oder liegt im Handbereich ein verlängertes Muskelprofil vor, wird die Bildung der Krankheit ebenfalls begünstigt. Infektionen im Handbereich können ebenfalls die Ursache sein.

Karpaltunnelsyndrom – Symptome
Zu den ersten Symptomen eines Karpaltunnelsyndroms gehören Schmerzen oder ein gestörtes Empfinden in den Fingern. Typischerweise treten die Symptome erst einmal nachts auf. Bei weiterem Verlauf der Krankheit treten die Schmerzen zunehmend auch tagsüber auf. Schließlich kann es zum Muskelschwund kommen. Davon betroffen sind vor allem die Daumenballen. Der Muskelschwund macht sich dadurch bemerkbar, dass es schwieriger wird etwas zu greifen oder festzuhalten. Auch Taubheitsgefühle in den Fingern können auftreten. Vegetative Störungen sind die nächste Stufe des Karpaltunnelsyndroms.

Wird das Karpaltunnelsyndrom nicht behandelt kommt es im nächsten Schritt zu Nervenschädigungen. Diese machen sich dadurch bemerkbar, dass das Greifen immer schwieriger wird und das Tastgefühl weiter abnimmt. Es kann zu ersten Behinderungen im Daumenbereich kommen. Da oftmals die Schmerzfasern zerstört werden, nehmen die Schmerzen in diesem Stadium wieder ab. Besonders betroffen von der eingeschränkten Motorik sind Ringfinger, Zeigefinger und Daumen. Im schlimmsten Fall kann es zu einer kompletten Lähmung oder zu einer kompletten Taubheit in der Hand führen. Damit kann mit der Hand nichts mehr gegriffen oder festgehalten werden.

Diagnose eines Karpaltunnelsyndroms

Bei Schmerzen im Handgelenk und Daumenballenbereich sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden. Der Arzt eine körperliche Untersuchung und eine Anamnese durch. Dadurch kann das Karpaltunnelsyndrom bereits ausgeschlossen oder diagnostiziert werden. Endgültige Sicherheit bekommt man über eine Nervenleitgeschwindigkeitsmessung. Dabei wird gemessen, wie lange es dauert, bis ein Signal von einem bestimmten Ort zum Daumenballen benötigt. Es gibt bestimmte Richtwerte, mit denen der gemessene Wert abgeglichen werden kann. Gleichzeitig ist es sinnvoll, eine Vergleichsmessung an der gesunden Hand vorzunehmen.

Wird das Karpaltunnelsyndrom durch eine Schwellung verursacht, kann diese auch über eine Ultraschalluntersuchung sichtbar gemacht werden. Ultraschalluntersuchungen sind günstig und können bei vielen Ärzten durchgeführt werden. Nervenleitgeschwindigkeitsmessungen werden meist nur in Spezialkliniken durchgeführt. Erfahrene Ärzte können bereits bei einer Ultraschalluntersuchung eine Diagnose aussprechen. Wichtig ist dabei, dass die Ultraschalluntersuchung an mehreren Stellen am Handgelenk durchgeführt wird.


Typische & häufige Erkrankungen

  • Karpaltunnelsyndrom
  • Knochenbruch

Fragen & Antworten

Wie kann ein Karpaltunnelsyndrom behandelt werden?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie das Karpaltunnelsyndrom behandelt werden kann. Zuerst einmal wird eine konservative Therapie durchgeführt. Dadurch versteht man eine Entlastung des Karpaltunnel- Bereichs. Stützverbände oder eine spezielle Nachtschiene helfen, den entsprechenden Bereich zu entlasten. Durch die Schiene wird verhindert, dass die Hand nachts abknickt und so die Symptome noch verstärkt werden. Auch entzündungshemmende Medikamente können helfen. Wird das Karpaltunnelsyndrom durch eine Entzündung verursacht, helfen entzündungshemmende Medikamente, dass die Schwellung abnimmt und so die Krankheit wieder geheilt wird. Die entzündungshemmenden Medikamente sollten immer mit einer Schiene oder Stützverbänden kombiniert werden.

Hilft die konservative Therapie nicht, das Karpaltunnelsyndrom zu behandeln und treten weiterhin Schmerzen auf, muss operiert werden. Für die Operation wird der gesamte Arm betäubt und abgebunden, sodass eine Blutleere für die Operation gegeben ist. Bei der Operation kann eine optische Vergrößerung zum Einsatz kommen. Bei der Operation wird das Retinaculum flexorum Band komplett durchtrennt. Dadurch bekommt der Nerv mehr Platz und es erfolgt eine Druckentlastung. Ist das Karpaltunnelsyndrom erst seit kurzer Zeit vorhanden, kann sich der Nerv vollständig erholen und es bleiben keine Schäden zurück. Der Eingriff selbst dauert nur wenige Minuten und ist sehr sicher. Komplikationen sind nur sehr selten. Insgesamt ist diese Operation am Karpaltunnel der häufigste operative Eingriff im Handbereich.

Welche Komplikationen können bei einer Karpaltunnelsyndrom- Operation auftreten?

Die Operation ist sehr sicher und sorgt dafür, dass vorhandene Schmerzen oder Missempfindungen wieder verschwinden. Bei Operationen können Infektionen, Schwellungen oder Nachbluten auftreten. Diese negativen Auswirkungen treten bei dieser Operation nur sehr selten auf. In sehr seltenen Fällen kann es zu Komplikationen nach der Operation kommen. Dazu Weichteilschwellung und Knochenentkalkung. Es kann sogar zu einer Gelenkversteifung kommen. Im Risiko- Nutzen- Vergleich überwiegt bei einer Operation sehr deutlich der positive Effekt der Operation. Wichtig bei einer Operation ist, dass sie von einem erfahrenen Arzt durchgeführt werden.

Welche Nachbehandlungen sind bei einer Operation bei Karpaltunnelsyndrom notwendig?
Ist die Operation abgeschlossen, wird die Wunde verbunden und ein Watteverband wird auf die Wunde gemacht. Eine Kompression kann ein Nachbluten verhindern. Die Kompression sollte aber nicht so fest sein, dass es zu einer Abschnürung im Arm kommt. In seltenen Fällen kommt eine Gipsschiene zum Einsatz, welche den Arm noch einmal zusätzlich ruhigstellen soll. Da nach der Operation Schmerzen auftreten können, ist eine medikamentöse Schmerzbehandlung nach der Operation empfehlenswert. Auch postoperative Kältepacks können helfen und sind schmerzmildernd.

Generell verheilt die Narbe in der Hand sehr gut. Deshalb ist eine zusätzliche Narbensalbe nicht nötigt. Nach spätestens sechs Monaten sind die Narben kaum noch zu sehen oder teilweise schon komplett verblasst. Nach der Operation ist es vor allem wichtig, dass die Finger bewegt und entsprechende Bewegungsübungen durchgeführt werden. Dadurch wird verhindert, dass eine Fingersteife auftritt. Man sollte mit kurzen Bewegungsübungen beginnen, um eine Überlastung der Hand zu verhindern. Treten Schmerzen bei den Bewegungsübungen auf, sollte diese sofort unterbrochen werden. Wie lang es wieder dauert, bis die Hand wieder vollständig einsatzfähig ist, hängt vom Patienten ab. Bei manchen Patienten ist die Hand bereits nach wenigen Tagen bereits wieder fit, andere Patienten benötigen mehrere Wochen, bis sie ihre Hand wieder vollständig nützen können.

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