Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis)

Tendovaginitis Sehnenscheidenentzündung

Viele verschiedene Berufsgruppen werden von Sehnenscheidenentzündungen geplagt.

Dazu gehören Bürokräfte, die viel Zeit am Computer verbringen, aber auch Physiotherapeuten. Man leidet unter ziehenden und stechenden Schmerzen. Häufig ist das Handgelenk betroffen.

In fast allen Fällen kann eine Sehnenscheidenentzündung vollständig geheilt werden.

 

 

Was ist eine Sehnenscheidenentzündung?

Eine Sehnenscheidenentzündung (auch Tendovaginitis, Peritendinitis oder Paratendinitis) kann an jeder Sehnenscheide entstehen, die durch monotone Bewegung oder eine falsche Haltung besonders starker Reibung ausgesetzt ist, sodass die Gelenkschmiere (Synovia) nicht mehr ausreichend schützt. Dann reibt die Sehnenscheide am Knochen oder an einem Knochenvorsprung.

Am häufigsten ist das Handgelenk betroffen. Aber auch der Fuß oder einzelne Finger können darunter leiden. Eine Sehnenscheidenentzündung tritt häufig bei Handwerkern, Physiotherapeuten, Musikern, Sportlern, Masseuren und Menschen, die viel Zeit am Computer verbringen, auf. Daher sollte man einige Tipps im Alltag umsetzen, um das Risiko einer Erkrankung zu verringern.

Ursache einer Sehnenscheidenentzündung

 

  • monotone Bewegungen (beim Musizieren, z.B. Gitarre, Geige Schlagzeug u.v.m.)
  • dauerhaft falsche Haltung (am Computer, z.B. Tastatur, Schreibtisch oder Stuhl sind zu niedrig oder zu hoch eingestellt)
  • starke Belastung (beim Sport, beispielsweise beim Hanteltraining oder akrobatischen Übungen)

All diese Belastungen sorgen dafür, dass die Sehnenscheide sich Verletzungen zuzieht, welche sich recht schnell entzünden und diverse Symptome, wie stechende und ziehende Schmerzen, hervorrufen.

In seltenen Fällen ist eine entzündlich-rheumatische Gelenkerkrankung der Grund einer Sehnenscheidenentzündung. Sie kann aber auch die Folge einer Infektion (z.B. von Chlamydien, Mykroplasmen oder Gonokokken) sein. Um das herauszufinden ist ein Bluttest unumgänglich.

Symptome einer Sehnenscheidenentzündung

Bei einer Sehnenscheidenentzündung kann man unter folgenden Symptomen leiden.

  • Man verspürt einen stechenden oder ziehenden Schmerz im betroffenen Körperteil.
  • Die entzündete Stelle schwillt an und ist gerötet oder besonders warm.
  • Man hört ab und an ein leichtes Knischen im Gelenk.

Sind weitere Symptome vorhanden, die hier nicht aufgelistet sind, kann eine Infektion die Ursache sein, welche die Sehnenscheidenentzündung ALS Folge hat, wie z.B. Chlamydien.

Diagnose einer Sehnenscheidenentzündung

Bei der Diagnose fragt der Arzt zu aller erst nach Beruf und Freizeitaktivitäten des Patienten. Wer viel am Schreibtisch zu arbeiten hat, ein Instrument spielt oder besonders viel Sport betreibt, läuft schneller Gefahr an einer Sehnenscheidenentzündung zu erkranken. Aber euch Physiotherapeuten oder Masseure Weiterhin werden die oben genannten Symptome überprüft. Sollte sich der Arzt dennoch unsicher sein, ob es sich tatsächlich um eine Entzündung der Sehnenscheiden handelt, so kann entweder ein Bluttest oder eine bildgebende Untersuchung, wie MRT, Röntgen oder Ultraschall, genauere Informationen geben.

Krankheitsverlauf bei Sehnenscheidenentzündung

Es handelt sich um einen langwierigen Verlauf, welcher jedoch bei früher Entdeckung der Erkrankung keine Folgeschäden mit sich bringt. Das gilt nur solange man sich an die vorgeschriebene Behandlung hält und keine Begleiterkrankungen wie Rheuma, Gelenkentzündungen o.ä. vorliegen. Je schneller eine Sehnenscheidenentzündung behandelt wird, desto besser verläuft die Heilung.

Behandlung einer Sehnenscheidenentzündung

Meist wird eine konservative (also nicht operative) Behandlung bevorzugt.

  • nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), wie Ibuprofen wirken entzündunghemmend und schmerzlindernd.
  • Spezielle Salben wirken ebenfalls entzündungshemmend und abschwellend.
  • Kortisonpräparate werden in seltenen Fällen angewendet, z.B. bei wiederkehrenden Entzündungen, da die Liste der Nebenwirkungen recht lang ist und den Sehnen sogar geschadet werden kann.
  • Wärmezufuhr lindert den Schmerz.
  • Kältezufuhr hilft bei der Heilung der Entzündung.

In jedem Fall sollte die verursachende und weitere belastende Bewegungen mehrere Tage bis Wochen unterlassen werden. Wer seine Sehnen zu früh wieder belastet, muss mit einem Rückfall rechnen, welcher durchaus weitere Schäden mit sich bringen kann. In besonders schweren Fällen, bei denen die konservative Behandlung nicht anschlägt, wird schließlich auch operiert. Dabei spaltet der Chirurg die Sehnenscheide, wodurch die Reibung reduziert wird.

Bei Infektionen als Ursache macht man mithilfe des Bluttests den Erreger ausfindig und bekämpft diesen anschließend mit einem passenden Antibiotikum.

Hausmittel bei Sehnenscheidenentzündungen

Wie bei den meisten Krankheiten, bei denen keine Operation zwingend notwendig ist, können Hausmittel helfen, die Symptome zu lindern. So auch bei einer Sehnenscheidenentzündung. Jedoch sollte einem bewusst sein, dass Hausmittel einen Besuch beim Arzt nicht vollständig ersetzen. Für eine sichere Diagnose, um Folgeschäden zu verhindern und um bei Komplikationen schnell handeln zu können, ist ein Besuch beim Arzt unabdingbar. Selbst wenn man sich gegen eine medikamentöse Behandlung entscheidet, ist so gewährleistet, dass alle Risiken möglichst gering bleiben. Außerdem kann ein Arzt auch homöopathische Medikamente empfehlen.

Folgende Hausmittel können bei Sehnenscheidenentzündungen helfen:

  • Feuchtkalte Umschläge kühlen schmerzhafte Stellen, inbesondere wenn diese mit Essig versetzt sind. Dazu einen Esslöffel Essig in ein Glas Wasser rühren und die Umschläge darin tränken.
  • Aber auch Auflagen mit Meerrettich, Heilerde oder Quark können helfen.
  • Eine Salbe mit Propolis (Bienenharz) wirkt entzündungshemmend.

Wie kann man eine Sehnenscheidenentzündung vorbeugen?

In vielen Berufen werden die Sehnenscheiden besonders beansprucht. Als Handwerker, Berufsmusiker, Physiotherapeut oder bei einem Bürojob muss man sich des Risikos einer solchen Erkrankung bewusst sein. Man kann jedoch versuchen, dieses so gering wie möglich zu halten, indem man folgende Tipps beherzigt.

Pausen einlegen

Regelmäßige Pausen geben den Sehnenscheiden Zeit um sich zu erholen.

Entlastung

Eine richtige Körperhaltung oder Polster für die Handgelenke können wahre Wunder wirken. Die Tastatur sollte zum Beispiel gerade auf dem Tisch liegen, damit die Handgelenke gerade bleiben. Ein Polster unmittelbar vor der Tastatur unterstützt zusätzlich.

Richtig Aufwärmen

Vor dem Sport sollte der Körper immer gut aufgewärmt werden. Gerade die Handgelenke werden oft Vergessen. Diese sind jedoch besonders anfällig. Beim Aufwärmen sollte man niemals vergessen, sich richtig zu dehnen. Im Fitnessstudio kann man nachfragen, wie ein richtiges Aufwärmtraining auszusehen hat.

Abwechslung

Falls es irgendwie möglich ist, sollte man dafür sorgen, dass keine monotonen Bewegungen tagtäglich über mehrere Stunden ausgeübt werden. In einem Bürojob ist das oft fast unmöglich. Dann ist eine richtige Haltung und Pause machen aber umso wichtiger.

Fragen & Antworten zur Sehnenscheidenentzündung

Was passiert in der Sehnenscheide bei einer Entzündung?

Sehnen verbinden Muskeln und Knochen miteinander. Bei Stellen, an welchen eine starke Belastung durch Reibung vorliegt, sind Sehnen in eine Sehnenscheide gepackt. Also vor allem am Handgelenk, aber auch an anderen Knöcheln und Gelenken. Sehnenscheiden sind doppelwandige Schläuche.Die innere Wand wird Synovialhaut genannt. Bei der äußeren Wand handelt es sich um eine Bindegewebsschicht. Diese beiden werden durch die Gelenkschmiere (Synovia) getrennt. Synovia sorgt dafür, dass die Reibung zwischen den Schichten nicht zu stark ist. Durch die oben genannten Faktoren, wie stetige gleichbleibende Bewegung reibt sich die Haut der Sehnenscheide auf. Dabei entstehen kleine Verletzungen, welche sich entzünden können. Dann spricht man von einer Sehnenscheidenentzündung.

Können Sehnenscheidenentzündungen chronisch werden?

Ja, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Dann können weitere Verletzungen mit chronischen Folgen entstehen, sogenannte Repetitive Strain Injury (engl). Daher ist es besonders wichtig beim kleinsten Verdacht einen Arzt aufzusuchen. Vor allem Sehnenscheidenentzündungen an der Hand können schnell sehr beeinträchtigend werden.

Ein „Schnellender Finger“ als Folge einer Sehnenscheidenentzündung

Erster Hinweis für einen Schnellenden Finger (Tendovaginitis stenosans) ist es, wenn man den Finger nicht richtig strecken oder beugen kann und dieser schnell nach vorne schnappt. Dann ist die Sehne überlastet. Das passiert, wenn eine Beugesehne entzündet oder verdickt ist und nicht mehr durch das Ringband passt. Das Ringband ist dazu da, die Sehne und die Sehnenscheide am Knochen zu fixieren, um zu verhindern, dass sich diese beim Strecken oder Beugen voneinander lösen.
Verdickt sich die Beugesehne weiter, kann der Finger gar nicht mehr bewegt werden. Ein Arzt kann eine solche Erkrankung aber früh genug erkennen.
Bei einer Sehnenscheidenentzündung an der Hand sollte man seine Finger also weiterhin beobachten, um bei ersten Anzeichen einen Arzt aufsuchen zu können.

  • Wenn der Finger nach vorne oder nach hinten schnellt, sobald man ihn versucht zu beugen oder zu strecken,
  • Wenn er gar nicht mehr bewegt werden kann,
  • Wenn ruckartige Bewegungen besonders Schmerzen,
  • Wenn man Schmerzen in der Handfläche verspürt,
  • Wenn man einen ziehenden Schmerz an der Innen- oder Außenseite des Fingers empfindet,
  • Und natürlich wenn der Finger bereits ab und an schnappt,

sollte dringend ein Arzt aufgesucht werden. Je früher man solch eine Erkrankung erkennt, desto besser kann dagegen vorgegangen werden. Eine Operation lässt sich vermeiden, wenn die Beugesehne sich durch Kortison behandeln lässt.

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