Kreuzband

Stabilität im Knie

Die Kreuzbänder sind zwei Bänder, die sich im Zentrum des menschlichen Knies befinden und zum sogenannten Bandapparat gehören, der dem Knie seine Stabilität und Beweglichkeit verleiht. Ihren Namen haben sie aufgrund ihrer sich kreuzenden Lage mitten im Knie erhalten.
Dieser Artikel soll Aufschluss darüber geben, wie die Kreuzbänder im Knie funktionieren und wo genau sie sich anatomisch befinden. Ferner werden die verschiedenen Krankheitsbilder und deren Behandlung, operativ und auch konventionell, beschrieben und erklärt.


 

Was sind die Kreuzbänder?

Die Ligamenta cruciata genus (zu deutsch: Kreuzbänder) bilden den sogenannten Bandapparat im Knie. Der Bandapparat wird durch das Innenband (Ligamentum collaterale tibiale) und das Außenband (Ligamentum collaterale fibulare) verstärkt. Dieser Bandapparat verleiht dem Knie, beziehungsweise dem Kniegelenk, seine Stabilität und Sicherheit bei jeder Bewegung, die das Knie macht. Durch ihre Lage halten sie im Kniegelenk die Gelenkflächen von Ober- und Unterschenkel zusammen. Dies ist wichtig, damit man in einer gefestigten Bewegung Laufen kann. Gäbe es den gesamten Bandapparat nicht, würde das Knie hin und her schlackern und es käme in der Bewegung des Laufens keine gerade Achse Zustande.

Anatomisch betrachtet, besitzen alle Säugetiere Kreuzbänder. Nicht immer sind im Tierreich jedoch ausschliesslich Unfälle Schuld an Kreuzbandverletzungen: Man hat bei Katzen und Hunden zum Beispiel festgestellt, dass neben den klassischen Traumata, wie hängenbleiben in Zäunen oder Stürzen, die Hauptursache für einen Kreuzbandriss ein degenerativer und schleichender Prozess ist. Gründe hierfür sind oft Gelenksfehlstellungen oder schlicht der Alterungsprozess. Beim Menschen hingegen ist die Ursache in der Regel immer ein Unfall, beziehungsweise eine äußere Gewalteinwirkung, was häufig bei Sportlern der Fall ist. Degenerative Prozesse wurden bisher kaum beobachtet.

Trotz ihrer wichtigen Funktion ist es möglich, auch ohne ein Kreuzband ein relativ normales Leben zu führen. Allerdings wird hierbei von sportlichen Aktivitäten abgeraten, da dem Knie eine wichtige Komponente zur Stabilität fehlt. Daher wird in den meisten Fällen eine operative Methode in Betracht gezogen.


 

Funktionen & Aufgaben

Das vordere und das hintere Kreuzband sichern das Knie in seiner Bewegung, indem sie Drehbewegungen, vor allem die Innenrotation, des Schienbeins gegenüber dem Oberschenkelknochen im Kniegelenk einschränken. So wird ein überdrehen nach innen verhindert. Dies geschieht, indem sich beide Bänder umschlingen und so zu einer stärkeren Einheit werden, die eine höhere Krafteinwirkung aushalten können. Um das Überdrehen nach außen zu verhindern, gibt es die beiden Seitenbänder. Außerdem begrenzen die Kreuzbänder das Beugen und Strecken des Knies, so dass das Kniegelenk bei voller und gesunder Funktion nicht überdehnt werden kann.

Das Kniegelenk selbst ist ein sogenanntes zusammengesetztes Gelenk. Dies bedeutet, dass sich rein funktional mehrere Gelenke zu dem komplexen Kniegelenk verbinden. Es gibt das Kniekehlgelenk (Articulatio femorotibialis), welches die beiden Flächen des Oberschenkels und des Schienbeinkopfes miteinander verbindet, sowie das Kniescheibengelenk (Articulatio femoropatellaris), das die Gelenkflächen der Kniescheibe und des Oberschenkelknochens zu einem separaten Gelenk vereint. Die Funktion des Gelenks entspricht einer Scharnierbewegung (beugen und strecken), doch auch eine Rotation (Drehung) ist durch die Beweglichkeit der Seitenbänder möglich.

Die Kreuzbänder sind sogenannte passive zentrale Fühungselemente des Kniegelenks. Sie ermöglichen dem Kniegelenk eine Roll-Gleit-Bewegung auf den Gelenkflächen, die nötig ist, da der Gelenkkopf anatomisch viel kleiner ist als die Gelenkpfanne. Damit das Gelenk hält, muss es also durch den Bandapparat gestützt werden. Sie erzeugen bei Bewegung einen Anpressdruck der beiden Gelenkflächen und fixieren somit das Gelenk in sich. Da die Seitenbänder in der Beugung zudem schlaff werden, ist es nötig, dass hier die Kreuzbänder die stabilisierende Funktion übernehmen.

Man unterscheidet die Kreuzbänder in der Funktion und auch in der Aufgabe im Kniegelenk:

vorderes Kreuzband

 

  • Begrenzt Streckung (Extension) im Knie
  • Limitierung der Innenrotation
  • Stabilisierung des Gelenks

 

hinteres Kreuzband

 

  • Verhindert Translation (gerades nach hinten schieben des Schienbeinkopfes)
  • Limitierung der Innenrotation
  • Stabilisierung des Gelenks

Durch den straffen Zug der Kreuzbänder auf das Gelenk ist es ihre Hauptaufgabe, Stabilität zu garantieren. Dies ist besonders bei sportlichen Aktivitäten wichtig.


 

Anatomie & Aufbau

Entwicklungsgeschichtlich hat man herausgefunden, dass sich die Kreuzbänder nicht innerhalb des Gelenks (intraarticulär) befinden, sondern von hinten (dorsal) in das Knie einstrahlen. Sie liegen dennoch zentral im Gelenk und befinden sich teilweise innerhalb der Gelenkkapsel. Der Gelenkschleimhautsack (Synovialsack) grenzt die Kreuzbänder zum eigentlichen Gelenk hin ab.

Die Kreuzbänder bestehen aus Kollagenen Faserzügen. Dies haben sie mit den Seitenbändern (und auch den meisten anderen Bandstrukturen im menschlichen Körper) gemeinsam. Die Faserzüge sind parallel in sogenannten Faserbündeln angeordnet und verbinden sich so über ihre gesamte Länge. Damit sie zusammenhalten, werden sie durch bindegewebige Fasern gestützt. An Ursprung und Ansatz der Bänder verdichtet sich die Faserstruktur in Richtung der Knochenhaut (Periost), damit die Komponenten besser zusammen halten. Das Verdichten wird durch das Auffächern der Faserbündel verstärkt, da sich somit die Ansatzfläche der Fixierung vergrößert. Bei Gelenken, bei denen eine hohe Krafteinwirkung möglich ist, ist es besonders wichtig, dass die Fixpunkte der weichen Strukturen so viel Fläche wie möglich nutzen können, um sich dort zu verankern.

Die Blutversorgung der Kreuzbänder verläuft dorsal (rückseits) des Kniegelenks und erfolgt durch die Arteria genus media.

Lage und Verlauf

 

  • Das vordere Kreuzband verläuft von vorne-unten-innen (antero-caudal-medial) nach hinten-oben-außen (dorso-cranial-lateral). Dies bedeutet, es zieht vom vorderen inneren Schienbeinknochen zum hinteren äußeren Teil des Oberschenkels.
  • Das hintere Kreuzband verläuft von hinten-unten-außen (dorso-caudal-lateral) nach vorne-oben-innen (antero-cranial-medial). Dies bedeutet, es zieht vom hinteren äußeren Teil des Schienbeins zum vorderen mittigen Teil des Oberschenkels.

Im Verlauf der beiden Bänder zeigen sich deren Unterschiede. Das vordere Kreuzband ist bei gestrecktem Knie vertikal und das hintere Kreuzband horizontal angelegt. Wird das Knie gebeugt, stellt sich das hintere Kreuzband auf. Das vordere Kreuzband dagegen bewegt sich nur wenig. Während in der Beugung die Kreuzbänder eher schlaff sind, bekommen sie in Streckung einen gewissen Zug, der die Überstreckung verhindert.

Die beiden Kreuzbänder überkreuzen sich nicht nur selbst, sondern sie stehen auch in Relation zu den Seitenbändern gekreuzt in der Achse. Durch diese vielfachen Überkreuzungen wird das Knie in eine stabile Position gebracht.

Wie bei fast allen menschlichen Komponenten, sind auch die Kreuzbänder in der Länge von Person zu Person unterschiedlich lang. Dies kommt daher, da das Knie entsprechend der Körpergröße und der Statur der Person stets einen anderen Umfang hat. Dadurch variiert die Länge der Bänder und dementsprechend auch ihre Dicke.


 

Krankheiten, Beschwerden & Störungen

Bei den Beschwerden oder Störungen der Kreuzbänder handelt es sich in der Regel um Traumata (Unfall, Sturz) oder stumpfe Gewalteinwirkung. Die Hauptursachen hierfür sind in Sportarten zu finden. Ein bekanntes Beispiel ist der Fußball. Wenn sich zwei Spieler nähern und beim Abschuss trifft der eine Spieler den anderen mit dem Fuß am Knie, ist die Krafteinwirkung enorm groß, so dass es in vielen Fällen zu einem Kreuzbandriss kommt. Oftmals entsteht sogar ein unhappy triad. Hierbei reißen das vordere Kreuzband, der Innenmeniskus und auch das Innenband. Je nach Schweregrad und Heilungsprognose kann solch ein Trauma für einen Berufsspieler das Ende seiner Karriere bedeuten.

Aufgrund von Lage und Anatomie ist es auch möglich, dass die Kreuzbänder reißen, wenn es zu einer vollständigen Verrenkung (Luxation) des Kniegelenks kommt. Eine vollständige Verrenkung ist jedoch selten, aber wenn sie geschieht, sind in den meisten Fällen auch die Gelenkkapsel und die restlichen Bänder gerissen. Ebenso kann es zu Schäden an den Menisken kommen.

Folgende Sportarten können beispielsweise zu Kreuzbandschädigungen führen:

  • Fußball
  • Tennis
  • Squash
  • Handball
  • Basketball
  • Abfahrtski

Obwohl es einige degenerative Erkrankungen und auch Alterserscheinungen gibt, die sich auf die Stabilität der Bänder und Menisken auswirken können, ist praktisch nichts darüber bekannt, dass auch die Kreuzbänder beim Menschen in so einem Fall betroffen sein können. Bei der Fibromyalgie zum Beispiel sind die Weichteilstrukturen in den Gelenken betroffen. Es ist also durchaus möglich, dass auch die Kreuzbänder dazu gehören können. Dies wird jedoch aktuell noch nicht in Studien erwähnt. Es ist denkbar, dass die Kreuzbänder, wenn sie Schmerzen, aufgrund ihrer Lage nicht separat zu lokalisieren sind und somit eine genaue Diagnose nicht möglich ist.

Vorderer Kreuzbandriss

Ein vorderer Kreuzbandriss, oder auch Kreuzbandruptur, kann in der Regel ohne größere Gewalteinwirkung von Außen entstehen. Hierbei genügt oft eine Überstreckung des Knies bei angespannten Oberschenkelmuskeln. Typische Sportarten, bei denen eine Ruptur entstehen kann, sind Ballsportarten wie Fußball aber auch Volleyball. Klassisch kann auch ein Sturz beim Skifahren zu einer Ruptur führen.

Hinterer Kreuzbandriss

Ein hinterer Kreuzbandriss entsteht sehr viel seltener, da es einer direkten äußeren Gewalteinwirkung auf das gebeugte Knie bedarf, damit eine Ruptur überhaupt zustande kommt. Eine mögliche Ursache ist klassischer Weise der Autounfall. Durch einen Aufprall entsteht eine genügend große Krafteinwirkung auf das Knie, die eine Ruptur erst möglich macht.

Unhappy triad (kombiniert)

Beim unhappy triad sind das fordere Kreuzband, der Innenmeniskus und auch das Innenband gerissen. Hierfür ist eine große Krafteinwirkung nötig und das Knie muss zuvor in einer bestimmten Position gestanden haben.

Behandlug & Therapie

Es gibt verschiedene Behandlungsmethoden und -ansätze. Neben der konservativen Ausheilung, die jedoch nur selten zur Anwendung kommt, gibt es eine Reihe operativer Methoden.

Mit den Möglichkeiten der heutigen modernen Medizin ist es möglich, einen Kreuzbandriss athroskopisch durchzuführen. Hierbei werden dem Patienten lediglich kleine Schnitte beigebracht, durch die die medizinischen Athroskopiegeräte eingeführt werden. Dabei wird entweder eine Kreuzbandnaht oder ein vollständiger Kreuzbandersatz vorgenommen. Welche Methode zur Anwendung kommt, richtet sich nach dem Schweregrad der Verletzung und der Lokalisation, wo das Band gerissen ist. Ein nur teilweise angerissenes Kreuzband kann man in den meisten Fällen wieder annähen (Rekonstruktion). Selbst bei einem knöchernen Ausriss kann das Kreuzband wieder angenäht werden (Refixation). Ist dies nicht mehr möglich, wird eine Transplantation durchgeführt. Hierbei wird eine patienteneigene Sehne genommen, um die Funktion des Kreuzbandes zu ersetzen. Damit die neue Sehne auch hält, wird ein Tunnel durch die Ober- und Unterschenkelknochen gebohrt, durch die das Implantat durchgezogen wird und innerhalb dieses Tunnels befestigt wird.

Bei der konventionellen Behandlung rückt die Physiotherapie in den Vordergrund. Hier werden die umliegenden Muskeln gekräftigt und stabilisiert, um den Stabilitätsverlust durch den Riss des Kreuzbandes zu kompensieren.

In der Akutphase verschreibt der Arzt Schmerzmedikamente. Nicht selten bekommen die Patienten auch manuelle Lymphdrainage, um die Schwellung, die durch das Trauma entstanden ist, zu verringern. Weiterhin bekommen die Patienten Knieorthesen, beziehungsweise besondere Schienen zur Ruhigstellung des Knies, um die Verletzung in der Heilung zu unterstützen. Das Kreuzband selbst heilt nicht wieder zusammen, jedoch sind bei einer solchen Verletzung auch die umliegenden Strukturen betroffen, mindestens die Gelenkkapsel, bei der sich meist ein schmerzhafter Gelenkserguss bildet.

Ob und welche Therapieformen infrage kommen, hängt vom jeweiligen Patienten ab und von der Tatsache, wann der Kreuzbandriss entstanden ist. Ebenso spielt das Alter und die körperliche Verfassung des Patienten eine entscheidende Rolle.

Typische & Häufige Erkrankungen

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten von Beschwerden an den Kreuzbändern. Hier finden Sie eine Auflistung der häufigsten Traumata:

  • Vollständiger Riss (Ruptur)
  • Teilriss (Teilruptur)
  • unhappy triad
  • vorderer Kreuzbandriss
  • hinterer Kreuzbandriss

 


 

Fragen & Antworten

Muss eine Teilruptur operativ behandelt werden?

Nein, es muss nicht jede Verletzung operiert werden. Solange der Patient keine Instabilität im Knie verspürt oder diese gut kompensieren kann, ist eine Operation nicht nötig. Es ist jedoch nicht auszuschliessen, dass aufgrund der vorhandenen Verletzung, weitere Folgeschäden entstehen können.

Wie lange dauert es, bis man nach einer Operation wieder Sport machen kann?
Das kommt ganz auf die Behandlung und Rehabilitation an. Fakt ist, dass man erst wieder vollständig in den Sport zurückkehren kann und sollte, sobald die Rehabilitation vollständig abgeschlossen ist. Dies kann bei einem Profisportler ein halbes Jahr dauern, bei einem regulären Patienten dauert es in der Regel bis zu einem Jahr. Wichtig ist, dass man sich an jede Sportart erst langsam wieder herantastet. Ein Kraftaufbau der Muskeln, bevor man zu seinem Sport zurückkehrt, ist ratsam.

Muss ich den Kreuzbandriss sofort operieren lassen?
Es ist durchaus von Vorteil, wenn man mit einer Operation nicht lange wartet. Dies ist wichtig, um zu verhindern, dass durch die Instabilität des Kniegelenks weitere Schäden entstehen. Zudem können abgerissene Teile der Sehne, die frei im Gelenk schwimmen, unter Umständen zu schmerzhaften Bewegungseinschränkungen führen.

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