Milchzähne

Das Erstgebiss im Kindesalter

Die Milchzähne gelten als Platzhalter für das spätere Erwachsenengebiss und spielen auch bei der Sprachentwicklung eine übergeordnete Rolle. Eine mangelnde Zahnhygiene im Kindesalter kann rasch einen Kariesbefall auslösen und zu weiteren Begleiterscheinungen führen. Ein regelmäßiges Zähne putzen ist für die Stärkung der Milchzähne extrem hilfreich und beugt einem vorzeitigen Milchzahnverlust vor.

Was sind Milchzähne?

Jeder Mensch hat im Zuge seines Lebens zwei unterschiedliche Gebissarten durchlaufen. In der ersten Lebenshälfte spricht man vom Milchgebiss und in der zweiten ist es ein Erwachsenengebiss. Für die Entwicklung des Menschen ist die Erneuerung der Zähne ein wichtiger Bestandteil im Wachstumsprozess. Beginnend beim Baby wird man schnell feststellen, dass der Kiefer zum einen noch extrem klein ist und zum anderen die Milchzähne durch den Kiefer erst noch hervor stechen müssen. Beginnend mit dem 6. Lebensmonat können die ersten Milchzähne zum Vorschein kommen. In der Regel sind es die mittleren Schneidezähne, die zu den Erstlingen gehören.

Mit dem körperlichen Wachstum verändert sich auch der Kiefer eines jeden Menschen. Die Platzzuweisung der einzelnen Zähne vergrößert sich solange, bis genügend Platz für die bleibenden Erwachsenen Zähne da ist. Das stattlich herangewachsene Milchgebiss von nunmehr 20 Zähnen beginnt mit dem 6. Lebensjahr Stück für Stück heraus zu fallen. Dieser Vorgang der Zahnneubildung wird auch als Wechselgebiss bezeichnet. In welchem Alter der letzte Milchzahn tatsächlich heraus fällt, kann nicht einheitlich gesagt werden. Das gestaltet sich von Mensch zu Mensch unterschiedlich, wobei die Wissenschaftler grundsätzlich vom 13. Lebensjahr Sprechen.

Funktionen und Aufgaben

Das Milchgebiss spielt im Alltag eine erhebliche Rolle. Es muss mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllen, damit der Mensch ein angenehmes Leben führen kann. Jeder Milchzahn hat im Kiefer einen vordefinierten Platz. So bilden die Backenzähne zum Beispiel den beidseitigen Abschluss und mittig sind die Schneidezähne zu finden. An gleicher Stelle wird in den nächsten Lebensjahren das dauerhafte Gebiss zum Vorschein kommen. Jeder Milchzahn gilt als Platzhalter für einen Erwachsenenzahn. Deshalb lässt sich das Milchgebiss auch als Übergangsgebiss bezeichnen. Die Nahrungsaufnahme, das Sprachvermögen – alles beginnt im Kindesalter bei den Milchzähnen, die die ersten Hürden zu tragen haben.

Zu den Grundfunktionen gehören:

 

  • Platzhalter für das Erwachsenengebiss
  • Übergangsgebiss im Kindesalter
  • Nahrungsaufnahme und Sprachvermögen

Mit dem Durchbruch der Milchzähne verändert sich nach und nach die Kieferstruktur eines jeden Menschen. Der Kiefer verformt sich und wird langsam größer. Demzufolge driften auch die Milchzähne langsam auseinander und bilden den Platzhalter für das Erwachsenengebiss. Der Hohlraum jeder einzelnen Zahnstellung ist nunmehr groß genug, damit die bleibenden Zähne durchstechen können.

Mit Beginn des ersten Milchzahns verspüren bereits Babys ab dem 6. Monat das Verlangen, feste Nahrung zu sich nehmen zu wollen. Jeder Milchzahn bildet dann einen Eckpfosten bei der Nahrungsaufnahme und Nahrungszerkleinerung. Von der flüssigen Milchnahrung geht es dann schnell zum Babybrei, bis das Kind gelernt hat, die Zähne zum Kauen zu benutzen.

Ein weiterer Eckpunkt bei der Aufgabenverteilung ist das Sprachvermögen. Mit Hilfe der Milchzähne können erste Laute erlernt und ausgesprochen werden. Befinden sich im Anfangsstadium nur wenige Zähne im Kiefer, so erfolgt die Lautbildung nur ansatzweise und wird durch ein Lispeln / Nuscheln untermauert. Bei einem vollständig ausgeprägten Milchgebiss spricht man dann von einer klaren Ausformulierung von Worten und Lauten.

Die wichtigsten Aufgaben kurz zusammengefasst:

 

  • Nahrungsaufnahme
  • Schneidezähne: schneiden die Nahrung in Stücke
  • Eckzähne: Zerreißen der Nahrung
  • Backenzähne: Zermahlung von Essensresten
  • Platzhalter für das dauerhafte Gebiss
  • Sprachbildung: Worte und Laute
  • Lachen
  • Singen

Anatomie und Aufbau

Milchzähne kommen in ihrer Anzahl deutlich geringer einher als die späteren Erwachsenenzähne. Wo ein Erwachsener über 32 Zähne verfügt, so umfasst das Milchgebiss lediglich 20. Sowohl im Ober- als auch Unterkiefer gibt es jeweils vier Schneidezähne, zwei Eckzähne und vier Milchzähne. Außerdem wird man schnell feststellen, dass es interessante Farbabweichungen gibt. Milchzähne können eine weiße bis bläuliche Färbung aufweisen. Die bleibenden Zähne sind hingegen weiß bis gelblich verfärbt.

Die Ausbildung des Milchgebisses ist bei jeder Person anders. Das liegt vor allem an den unterschiedlichen Entwicklungsstufen, die ein Milchzahngebiss durchläuft. Doch eines ist stets gleich: Jeder Milchzahn ist von einem harten Zahnschmelz umschlossen. Im Vergleich zum dauerhaften Gebiss ist es aber dennoch ein eher geringer Zahnschmelz. Das Zahnmark, also der untere Bereich der Milchzähne, kann je nach Standort eine unterschiedliche Anzahl von verwobenen Wurzeln besitzen. Die Anzahl der Zahnwurzeln liegt zwischen 1 und 3 und fallen in jedem Fall extrem dünn aus. Kommt es also zu einem Wechsel zwischen Milchzahn und bleibenden zahn, so muss die Zahnwurzel erst resorbiert werden. Das Auflösen der Zahnwurzeln hat dann zur Folge, dass der Milchzahn wackelt und keinen festen Halt mehr zum Kiefer hat.

Des Weiteren beinhaltet jeder Milchzahn Dentinkanäle. Diese liegen unmittelbar im Zahnbein und weisen eine recht große Struktur auf. Durch die großen Poren besteht ein erhöhtes Risiko zu bakteriellen Infektionen, die auch durch die dünne Schmelzschicht nicht abgewendet werden können. Milchzähne bedürfen deshalb einer ganz besonderen Reinigung, damit es zu keiner vorzeitigen Schädigung kommt.

Der kontrollierte Durchbruch der Milchzähne

Die Milchzähne eines Kinds zeigen sich Schritt für Schritt und unterliegen einer kontrollierten Anordnung. Hier spielen auch die Gene eine entscheidende Rolle, ob man frühzeitig mit der Zahnung beginnt oder erst später. Das Gleiche gilt für den allgemeinen Entwicklungsstand des Kindes. Die ersten kleinen zahnecken stechen zwischen dem 5. und 10. Lebensmonat hervor. Typischerweise sind es die zentralen unteren Schneidezähne, die den ersten Zahn bilden. Zwischen dem 6. und 12. Monat kann man mit den oberen Schneidezähnen rechnen. In der Regel werden sich beide Zähne gleichzeitig zeigen, da man hier von einer paarweisen Herausbrechung spricht. Im 9. bis 13. Monat wird sich die sichtbare Zahnreihe im Oberkiefer vervollständigen. Zahnärzte sprechen von den sogenannten Frontzähnen. Die unteren Frontzähne kommen immer erst etwas später und sind bis zum 16. Lebensmonat abgeschlossen. Deutlich schmerzhafter beim Durchbruch können die ersten Backenzähne sein. Zwischen dem 1. und 2. Lebensjahr muss man mit den oberen und unteren Backenzähnen rechnen. Die Eckzähne im Kiefer bilden sich bis zum 22. Lebensmonat raus. Zu guter Letzt kommt die zweite Reihe der Backenzähne, die vom 20. bis 31. Lebensmonat abgeschlossen ist.

Unterschiede zwischen dem Milchzahngebiss und dem Erwachsenengebiss

Der offensichtlichste Unterschied zwischen dem Milchzahngebiss und den dauerhaften Zähnen ist die allgemeine Größenordnung. Milchzähne werden in einem kleinen Mundkiefer eingebettet und bilden im Ober- und Unterkiefer eine Zahnreihe aus jeweils 10 Zähnen. Mit fortschreitendem Alter wird die Kopf– und Mundstruktur größer und auch der Kiefer verändert seine Form. Die Milchzähne scheinen nun optisch auseinander zu driften und hinterlassen jeweils eine kleine Zahnlücke. Sobald der Kiefer groß genug ist, beginnen sich die ersten Milchzähne zu lösen. Der frei gewordene Platz wird nun durch einen deutlich größeren Zahn eingenommen, welcher Bestandteil des dauerhaften Gebisses ist. Das bleibende Gebiss umfasst insgesamt 32 Zähne und wirkt deutlich größer als das Milchgebiss. Vorzufinden ist nun eine in sich geschlossene Zahnreihe ohne Lücken.

Krankheiten, Beschwerden und Störungen

Obwohl die Milchzähne nur ein Übergangsgebiss darstellen, so sind auch diese keinesfalls vor Krankheiten oder Beschwerden gefeilt. Deshalb sollte ein großes Augenmerk auf eine gesunde Zahnpflege gelegt werden. Milchzähne verfügen über eine sehr dünne Schmelzschicht und sind extrem anfällig für Karies. Schuld daran kann eine zu süße Ernährung oder aber eine Vernachlässigung der Mundpflege sein. Speziell bei Kleinkindern sollte man in diesem Fall nicht nachlässig sein. Ein frühzeitiger Bakterienbefall kann das Erstgebiss dauerhaft schädigen.

Ein ähnliches Problem findet man auch vor, wenn ein Kleinkind zu lange an der Babyflasche gehalten wird. Durch den ständigen Nuckel Mechanismus kann es zu einer Schiefstellung der Milchzähne im vorderen Kieferbereich kommen. Zu süße Getränke verursachen gleichzeitig den sogenannten Babyflaschenkaries, welchen man mit gezielten Tricks gut entgegenwirken kann. Spätestens ab dem 24. Lebensmonat sollte man sein Kleinkind von der Babyflasche abgewöhnen und zum Trinken aus einem Plastebecher herantasten.

Wird ein Baby über die Muttermilch gefüttert, so kann ein Kariesbefall grundsätzlich ausgeschlossen werden, da keine Babyflasche samt Nuckel zum Einsatz kommt. Dennoch besteht auch hier die Gefahr des Bakterienbefalls. Über die Haut der Mutter oder gar das Anfassen des Kindes können Krankheitserreger ungehindert in den Mundraum gelangen. Die gerade erst durchbrechenden Milchzähne werden geschädigt, sofern keine entsprechende Mundhygiene erfolgt. Bereits vor dem ersten Zahnen kann man ein Kleinkind auf die Zahnpflege spielerisch vorbereiten und erste Putzversuche unternehmen.

Problematisch wird es aber auch, wenn die Milchzähne zu lange im Kiefer verbleiben. Mit zunehmendem Alter bilden sich langsam die Erwachsenenzähne heraus. Die Milchzähne müssen weichen. Doch nicht immer fällt ein Milchzahn rechtzeitig von allein heraus. Dann kann es passieren, dass der Milchzahn vom Zahnnachfolger zur Seite verdrängt wird und beide Zähne im Gebiss sichtbar sind. Spätestens jetzt sollte man schnellstmöglich den Zahnarzt aufsuchen, damit der überflüssige Milchzahn gezogen werden kann.

Probleme beim Zahnen

Sobald sich bei einem Kleinkind die ersten Zähne ankündigen, möchten Eltern diesen Teil der Kindesentwicklung am liebsten überspringen. Bei einem Großteil der Kinder wird das Zahnen von unangenehmen Problemen begleitet. Der Kiefer wird schmerzempfindlich und weist sogenannte Druckschmerzen auf. Die äußere Mundregion kann leicht gerötet oder gereizt sein. Sobald man diese Anzeichen bemerkt, wird man auch rasch einen dünnen Stuhlgang feststellen. Babys / Kleinkinder werden Wund und werden oftmals von Fieberattacken geplagt. Das Zahnen ist für Kinder extrem anstrengend und belastend und kann zu einer Schwächung des gesamten Immunsystems führen. Zusätzliche Begleiterscheinungen sind ein allgemeines Unwohlsein, Schlafstörungen, Schrei- und Schmerzattacken. Hier gilt es Ruhe zu bewahren, damit man dem Kind die Übergangsphase zum ersten Milchgebiss so angenehm wie nur möglich gestalten kann.

Das Wichtigste kurz zusammengefasst:

  • schmerzender Kiefer
  • Rötungen und Schwellungen im Mund
  • wunde Haut im Mundbereich
  • gerötete Wangen
  • Fieber
  • veränderter Stuhlgang
  • Unwohlsein
  • unruhiger Schlaf
  • zunehmendes Babygeschrei

Ein zu früher Milchzanverlust

Werden Milchzähne nicht regelmäßig geputzt und gepflegt, kann es schnell zu einem Bakterienbefall kommen. Karies ist die Folge und kann schon im Kindesalter dazu führen, dass sich erste Löcher herausbilden. Beschädigte Milchzähne müssen durch den Zahnarzt repariert und wieder aufbereitet werden. Hier spielt es keine Rolle, dass die Milchzähne sowieso ab dem 13. Lebensjahr durch neue ersetzt werden. Die Milchzähne sind ein wichtiger Bestandteil zur allgemeinen Mundhygiene und Mundpflege und sollten dementsprechend gut behandelt werden. Ein vorzeitiger Verfall des Milchzahns kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass er herausgezogen werden muss. Im Kiefer verbleibt eine unwiderrufliche Zahnlücke, die erst dann wieder geschlossen werden kann, wenn der entsprechende dauerhafte Zahn durch den Kiefer bricht. Mit jedem vorzeitigen Zahnverlust können sich das Sprachvermögen und die Lautbildung verändern. Auch die Zerkleinerung von Nahrungsmitteln kann problematisch werden.

Zähneknirschen bei Kleinkindern

Das Zähneknirschen bei Kleinkindern ist ein typisches Anzeichen dafür, dass die erste Milchzähne durchgebrochen sind und das Baby bzw. Kleinkind damit beginnt, sich neu zu entdecken. Die ersten Zähne sind am Anfang noch recht ungewöhnlich, zumal ein Baby erst noch lernen muss, damit umzugehen. Das Knirschen der zähne ist also etwas vollkommen natürliches, sofern es auch rechtzeitig wieder aufhört. Bis zum 3. Lebensjahr sollte der Zahnungsprozess abgeschlossen sein. Natürlich kann das je nach Kind variieren und darf nicht allzu ernst angesehen werden. Knirscht ein Kind dennoch mit den Zähnen weiter, so sollte man sich ernsthafte Gedanken machen. Denn durch das ständige aneinander reiben der Zähne, wird der Milchzahn Schritt für Schritt abgenutzt und kann dauerhaft geschädigt werden. Hier gilt es den Auslöser zu finden, welcher manchmal nur auf Stress oder eine allgemeine Unzufriedenheit beruht.

Typische und häufige Erkrankungen:

 

  • Karies
  • Babyflaschenkaries
  • Zahnfleischentzündung
  • Zahnfehlstellungen im Kiefer
  • Zahnschmerzen
  • ein zu früher Milchzahnverlust
  • Zähneknirschen

Fragen und Antworten

Sind die Milchzähne bleibende Zähne?

Nein. Milchzähne sind die Vorstufe zum Erwachsenengebiss und bilden sich ab dem 6. Lebensmonat heraus. Der Gebisswechsel erfolgt in der Regel am dem 13. Lebensjahr.

Wie viele Zähne umfasst das Milchgebiss?

20 Stück. 8 Schneidezähne, 4 Eckzähne und 8 Mahlzähne

Mit welchen Erkrankungen muss man bei den Milchzähnen rechnen?

Die häufigste Erkrankung ist Karies. Denn speziell Kleinkinder neigen dazu, zu viel Süßes zu essen und zu trinken, was wiederum bei einer unzureichenden Zahnhygiene extrem schädlich für das Gebiss sein kann.

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