Kiefer

Kiefer – Kieferknochen und Kiefergelenk

Der Kiefer wird in Ober- und Unterkiefer unterteilt und ist Teil des menschlichen Kopfes. Durch die Kiefergelenke und die Kaumuskulatur kann der Unterkiefer bewegt werden. Mit dem Unterkiefer wird die Nahrung zerkleinert und auch beim Sprechen wird der Unterkiefer bewegt. Der Oberkiefer lässt sich beim Menschen nicht bewegen.

Was ist ein Kiefer?

Ein Kiefer besteht aus Kieferknochen und Kiefergelenk. Er befindet sich in der unteren Gesichtshälfte. Der Kiefer unterteilt sich in Oberkiefer und Unterkiefer. Beide Teile sind mittels Kiefergelenk miteinander verbunden. Deshalb spricht man auch von einer indirekten Verbindung zwischen den beiden Kieferteilen. Der Oberkiefer ist fest und lässt sich bei Säugetieren nicht bewegen. Er ist mit dem Jochbein und dem Nasenbein fest verwachsen. Der Unterkiefer hat nur eine Verbindung zum Schläfenbein. Bei Vögeln lassen sich Ober- und Unterkiefer bewegen. Der Unterkiefer hat eine Hufeisenform.
Der lateinische Fachbegriff für den Oberkiefer ist Maxilla. Der Unterkiefer wird ALS Mandibulla bezeichnet.
Ein gesunder Kiefer ist für das Überleben der Menschen wichtig. Denn im Kiefer befinden sich die Zähne, welche für die Zerkleinerung der Mahlzeit verantwortlich sind. Auch für das Bilden von Lauten und Worten wird der Kiefer benötigt. Gibt es Probleme mit dem Kiefer oder mit dem Kaumechanismus, dann kann ein Kieferchirurg weiterhelfen. Auch Mundchirurgie und Gesichtschirurgie können zum Einsatz kommen.

Funktionen & Aufgaben

Die Aufgaben des Kiefers sind sehr übersichtlich:

  • Nahrungsaufnahme
  • Unterstützung bei der Laut- und Wortbildung

Der Kiefer ist maßgeblich an der Nahrungsaufnahme beteiligt. In Ober- und Unterkiefer befinden sich bei Erwachsenen insgesamt 32 Zähne. Um Kaubewegungen auszuführen, kann der Unterkiefer mithilfe von Muskelkraft bewegt werden. Durch die Kaubewegungen wird das Essen im Mund zerkleinert. Fehlende Zähne haben nicht nur Einschränkungen auf die Kauleistungen, sondern haben auch Auswirkungen auf andere Körperregionen. Bei schmerzenden Zähnen können die Schmerzen in andere Körperregionen ausstrahlen und es können Ohrschmerzen oder ähnliches auftreten. Zusätzlich haben fehlende Zähne eine negative Auswirkung auf das äußere Erscheinungsbild und haben psychisch negative Auswirkungen auf die betroffenen Personen.

Um Speisen zerkleinern zu können, wird teilweise viel Kraft benötigt. Deshalb gehört das Kiefergelenk auch zu den Gelenken am Körper, die den größten Belastungen ausgesetzt sind.

Gründliches Kauen von Speisen ist der erste Schritt der Verdauung von Speisen. Deshalb ist es wichtig, dass Speisen im Kiefer bereits gut zerkleinert werden, bevor man schluckt. Neben dem Kauen ist der Kiefer auch an der Sprachbildung beteiligt. Würde sich der Kiefer nicht öffnen lassen, wären eine deutliche Sprache und laute Worte oder Geräusche nicht möglich. Durch die Bewegung des Kiefers können die Worte präzise geformt werden. Die Sprache ist der wichtigste Bestandteil der Verständigung in der menschlichen Zivilisation.

Anatomie & Aufbau

Der Kiefer besteht aus verschiedenen Bestandteilen:

  • Oberkiefer
  • Unterkiefer
  • vier Fortsätze des Oberkiefers
  • drei Fortsätze des Unterkiefers
  • Nerven
  • Zähne
  • Alveolen

Oberkiefer und Fortsätze

Der Oberkiefer besitzt einen sog. Körper, den Corpus maxillae. An diesem Körper befinden sich vier Fortsätze:

  • Processus palatinus
  • Processus frontalis
  • Processus alveolaris
  • Processus zygomaticus

Der Processus palatinus wird auch als Gaumenfortsatz bezeichnet. Er liegt zwischen der Nasenfläche und dem Alveolarfortsatz. Der Processus frontalis hat die Aufgabe, Tränenbein, Nasenbein und Stirnbein miteinander zu verknüpfen. Schließlich gibt es noch den Processus alveolaris. Dessen Aufgabe ist es, den Zähnen einen Halt zu geben.

Zum Oberkieferknochen gehört noch das Gaumenbein mit dazu. Gleichzeitig befindet sich die Kieferhöhle im Kieferknochen. Ein Teil der Mundhöhle sowie die Nasenhöhlenwände werden ebenfalls durch den Kieferknochen gebildet.

Der Oberkiefer wird in vier Bereiche eingeteilt:

  • Unterschläfenfläche
  • Gesichtsfläche
  • Augenhöhlenfläche
  • Nasenfläche

Unterkiefer und Fortsätze

Der Unterkieferknochen verfügt ebenfalls über Fortsätze:

  • Gelenkfortsatz
  • Muskelfortsatz
  • Alveolarfortsatz

Der Gelenkfortsatz sorgt für die Beweglichkeit des Unterkieferknochens. Er befindet sich am Kiefergelenk, besser gesagt am Gelenkkopf, der eine walzenförmige Gestalt aufweist. Der Muskelfortsatz dient als Anknüpfpunkt für die Muskeln, die zum Bewegen des Knochens benötigt werden. Wie beim Oberkiefer auch, ist der Alveolarfortsatz der Platz, an dem die Zähne sich befinden.
Der Unterkiefer bildet die gesamte untere Gesichtspartie, einschließlich des Kinns. Deshalb wird der Unterkiefer umgangssprachlich auch als „Kinnlade“ bezeichnet. Vom Unterkiefer nach oben verlaufen die Unterkieferäste.

Nerven und Alveolen
Im Kiefer befinden sich Nerven und Blutadern. Im Oberkiefer ist der wichtigste Nerv der Nervus maxillaris. Von diesem Hauptnerv Gehen verschiedene Äste ab. Im Unterkiefer ist der Nervus alveolaris inferior der wichtigste Nerv. Auch von ihm zweigen verschiedene Nervenstränge ab. Alveolen sind Zahnfächer, die im Ober- und Unterkiefer vorkommen. Sie bilden Vertiefungen, in welchen sich die Zähne mit ihren Zahnwurzeln befinden.

Zahnarten

Ein gesunder, erwachsener Mensch hat insgesamt 32 Zähne. Dabei spricht man auch von „bleibenden“ Zähnen. Der Fachbegriff für diese Zähne ist Dentes permanentes. Kinder besitzen sog. Milchzähne. Dabei handelt es sich um 20 Zähne, die ca. ab dem 6. Lebensjahr beginnen auszufallen. Der Grund für die Milchzähne ist, dass Kinder aufgrund des kleineren Kiefers weniger Platz im Mund haben und deshalb zuerst weniger Zähne wachsen. Die Zähne fallen meist nicht alle auf einmal aus, sondern nach und nach. Milchzähne sind viel anfälliger für Karies und lange nicht so robust wie die „bleibenden“ Zähne.

Es werden vier Arten von Zähnen unterschieden:

  • Vormahlzähne
  • Mahlzähne
  • Eckzähne
  • Schneidezähne

Die Weisheitszähne werden ebenfalls zu den Mahlzähnen mit dazugezählt. Die Mahlzähne werden auch als Backenzähne bezeichnet. Die verschiedenen Zähne heißen nicht nur unterschiedlich, sondern übernehmen auch verschiedene Aufgaben. So sind zum Beispiel die Schneidezähne zum Abbeißen sehr gut geeignet, während die Backenzähne aufgrund ihrer größeren Mahlfläche eine bessere Kaufunktion besitzen.
Menschen können bis zu vier Weisheitszähne bekommen. Die Anzahl variiert jedoch von Person zu Person. Der Begriff „Weisheitszähne“ rührt daher, dass diese Zähne erst sehr viel später als die Dentes permanentes kommen, etwa im Jugendalter. Die meisten Menschen haben nicht genügend Platz für die Weisheitszähne in ihrem Mund, bzw. die Weisheitszähne würden durch ihre Anwesenheit die gesamten anderen Zähne im Mund verschieben. Deshalb werden die Weisheitszähne meist schon entfernt, bevor sie sich vollständig ausbilden können.

Krankheiten, Beschwerden & Störungen

Erkrankungen im Kiefer sind sehr vielfältig und können verschiedenste Beschwerden hervorrufen.

Craniomandibuläre Dysfunktionen

Bei einer Craniomandibulären Dysfunktion liegt eine Fehlfunktion des Kiefers vor. Der Kiefer öffnet und schließt nicht optimal. Folgen davon sind Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Die Fehlstellung kann angeboren sein, oder durch häufiges Zähneknirschen verursacht werden. Meist ist der Unterkiefer ungünstig verschoben. In seltenen Fällen kann es zu einer Ausrenkung des Unterkiefers kommen. Von der Craniomandibulären Dysfunktion sind ca. acht Prozent der Deutschen betroffen. Nur bei schwerwiegenden Fällen ist eine konsequente Behandlung nötig. Die Kieferfehlstellung kann weitere Beschwerden in anderen Körperregionen verursachen. Sie kann unter anderem zu Kopf-, Nacken– oder Ohrenschmerzen führen.

Kieferzysten
Kieferzysten können sich im Ober- und Unterkiefer bilden, sie entstehen aber bevorzugt im Oberkiefer. Unter einer Kieferzyste versteht man einen Hohlraum, der mit Flüssigkeit gefüllt ist. Zysten entstehen durch Entzündungen oder Entwicklungsstörungen. Sie sind gutartig, werden aber gefährlich, wenn große Mengen an Nachbargewebe weggedrängt werden oder sich eine Infektion im Hohlraum ausbreitet.

Kieferklemme
Bei einer Kieferklemme funktioniert das Öffnen und Schließen des Kiefers nicht mehr zuverlässig. Gründe dafür gibt es viele, so kann zum Beispiel eine Entzündung, ein Hämatom, Narbenbildung oder eine Fraktur des Jochbeins zu einer Kieferklemme führen. Auch Ohrspeicheldrüsenkrebs und ein verändertes Kiefergelenk können eine Kieferklemme auslösen. Da die Ursachen für eine Kieferklemme sehr vielfältig sind, ist die Behandlung dieser Krankheit sehr unterschiedlich.

Kiefergelenkentzündung
Eine Entzündung kann entweder in der Gelenkkapsel oder im Kiefergelenk auftreten. Man spricht dann auch von einer Arthritis. Häufig entstehen Entzündungen durch eine Fehlbehandlung von Zähnen oder durch chronische Überlastungen. An Platz eins der chronischen Belastungen steht das nächtliche Zähneknirschen. Aufbissschienen können nachts die nötige Entlastung für das Kiefergelenk liefern. Bei der Zahnbehandlung können Fehler bei den Zahnbrücken oder Kronen gemacht werden. Auch schlecht angepasste Prothesen oder wandernde Zähne sind ein großes Problem. Wandernde Zähne treten vor allem bei vorhandenen Zahnlücken auf.

Kieferhöhlenentzündung
Weit verbreitet sind Kieferhöhlenentzündungen. Sie werden durch Bakterien oder Viren verursacht. Häufig treten sie in Kombination mit einer Grippe oder einem viralen Infekt auf. Bei einem Schnupfen können die Bakterien von der Nase in die Nasennebenhöhlen wandern und eine Kieferhöhlenentzündung entsteht. Kieferhöhlenentzündungen sind ansteckend und können mittels Tröpfcheninfektion von einem Menschen zum anderen Menschen übertragen werden. Bei chronischen Formen der Kieferhöhlenentzündung treten zusätzlich Kopfschmerzen auf. Auch Sehstörungen können auftreten.
Neben den Kieferhöhlen können Entzündungen auch in den Zahnwurzeln auftreten. Dies ist besonders schmerzhaft und manchmal treten zusätzlich noch starke Schwellungen im Gesicht auf.

Kieferbruch
Ein Kieferbruch entsteht durch eine äußere Gewalteinwirkung. Typische Beispiele sind ein Unfall oder ein Schlag von vorne oder von der Seite auf die untere Gesichtshälfte. Der Bruch kann im unteren oder oberen Kiefer erfolgen. Meist sind die Gelenkfortsätze bei einem Bruck betroffen. Bei einem Kieferbruch treten Schwellungen auf und der Patient hat meist starke Schmerzen. Auch Blutergüsse kommen häufig vor. Nach einem Kieferbruch sind meist Ober- und Unterkiefer zueinander verschoben und passen nicht mehr optimal aufeinander. Dies kann Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Deshalb sollte ein Kieferbruch in jedem Fall von einem Arzt behandelt werden.

Lippen-Kiefer-Gaumenspalte

Die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte ist auch unter dem Fachbegriff Cheilognathopalatoschisis bekannt. Darunter versteht man eine Fehlbildung im Mundbereich. Früher war der umgangssprachliche Begriff „Hasenscharte“ gebräuchlich. Jährlich sind ca. 1500 Kinder in Deutschland von dieser Missbildung betroffen. Die Fehlbildung besteht von Geburt an. Während des Embryowachstums kommt es nicht zum vollständigen Verschluss von Gaumen, Kiefer und Lippen. Die Behebung der Missbildung benötigt einen oder mehrere chirurgische Eingriffe, je nach Ausprägung der Missbildung. Meist dauert die Behandlung einige Jahre.

Kieferentspannung bei Zähneknirschen

Wenn Patienten nachts oft mit den Zähnen knirschen, kann eine Kieferentspannung helfen, das Zähne knirschen zu mindern. Ob ein Zähne knirschen vorliegt, kann der Zahnarzt leicht an den Abnutzungserscheinungen der Zähne feststellen. Ein Zahnarzt oder Kieferorthopäde kann bestimmte Übungen zur Kieferentspannung empfehlen. Diese Übungen werden täglich durchgeführt. Damit wird verhindert, dass ein zu hoher Druck aufgebaut wird und der Kiefer im Laufe des Tages nicht zu sehr verkrampft. Die meisten Entspannungsübungen dauern nur wenige Minuten.

Typische & häufige Erkrankungen

 

  • Craniomandibuläre Dysfunktionen
  • Kieferzysten
  • Kieferklemme
  • Kiefergelenkentzündung
  • Kieferhöhlenentzündung
  • Kieferbruch
  • Lippen-Kiefer-Gaumenspalte
  • Zähneknirschen

Fragen & Antworten

Was kann man gegen Zähneknirschen tun? 

Zähneknirschen passiert unbewusst im Schlaf und die Ursache dafür ist meist psychischer Stress. Wacht man morgens mit schmerzendem Kiefer auf, ist dies ein Indiz für nächtliches Zähneknirschen. Bei Zähneknirschen sollte man in jedem Fall zum Zahnarzt gehen. Zu hohe Kronen oder schlechtsitzende Prothesen können ebenfalls Auslöser für Zähneknirschen sein. Diese Mängel kann der Zahnarzt leicht beheben.

Des Weiteren kann der Zahnarzt eine individuelle Aufbissschiene anfertigen. Dadurch werden die Schädigungen an den Zähnen, die durch das Zähneknirschen entstehen, minimiert. Um die Kiefermuskulatur zu entspannen helfen spezielle Entspannungsübungen oder zum Beispiel auch Yoga. Auch die Muskulatur im Nacken-, Stirn- und Schulterbereich sollte gezielt entspannt werden. Wärmeanwendungen können in den betroffenen Regionen ebenso helfen, wie der Besuch bei einem Psychotherapeuten.

Wie stark kann ein Mensch zubeißen? 

Die maximale Gewichtskraft, die ein Mensch bei einem Biss erreichen kann, sind 80 Kilogramm. Das ist im Vergleich zum Tierreich sehr wenig. So erreicht zum Beispiel der weiße Hai mit einem Biss eine Gewichtskraft von bis zu 1,8 Tonnen. Damit hat der weiße Hai die stärkste Bisskraft der Welt.

Wie wird ein ausgekugelter Kiefer wieder eingerenkt? 
Ein Kiefer kann entweder einseitig oder beidseitig ausgerenkt sein. Einen einseitig ausgerenkten Kiefer erkennt man daran, dass er halboffen ist und sich auf beiden Seiten unterschiedlich verhält. Ein beidseitig ausgerenkter Kiefer ist komplett offen. In keinem Fall ist es empfehlenswert, den Kiefer mit Gewalt einrenken zu wollen. Meist wird das Auskugeln des Kiefers mit einem knackenden Geräusch begleitet.

Zum Einrenken wird der Unterkiefer vorsichtig an den Schneidezähnen und am Kinn festgehalten und dann zuerst nach vorne und dann nach unten gezogen. Die Bewegungen sollten langsam und nicht ruckartig erfolgen. Dadurch soll der Kiefer aus seiner ungewollten Lage gelöst werden. Anschließend wird der Unterkiefer von unten her vorsichtig nach hinten geschoben. Ist der Kiefer wieder eingerenkt, sollte erst einmal eine Ruhephase eingelegt werden.

Klappt das Einrenken des Kiefers nicht oder ist die Muskulatur zu verkrampft, sollte man einen Arzt aufsuchen. Spezialisierte Ärzte haben meist mehr Übung als der Patient beim Einrenken des Kiefers und wissen, wie sie die Einrenkung durchführen müssen. Ist das Einrenken erfolglos, wird im Notfall auch eine Vollnarkose angewendet. In der Vollnarkose sind die Muskeln optimal entspannt und der Arzt kann die Einrenkung des Kiefers schnell und zügig durchführen.

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