Histologie

Die Untersuchung des Gewebes

Behandlung HistologieDer Begriff Histologie umfasst die Wissenschaft und Lehre sowohl vom Feinbau als auch der Funktion der verschieden Körpergewebe.

Die histologische Untersuchung ist wichtiger Bestandteil der Medizin, da beispielsweise jedes Gewebe, das von ärztlicher Seite herausgeschnitten wird, histologisch untersucht wird.

Als Goldstandard ist die histologische Diagnostik inzwischen unverzichtbarer Bestandteil der Krebsdiagnostik.

In diesem Ratgeber informieren wir Sie umfassend zum Thema Histologie. 

Was ist die Histologie?

Das Wort Histologie setzt sich aus dem griechischen Wort histos (dt. Gewebe) und lógos (dt. Lehre) zusammen und bezeichnet die „Lehre vom Gewebe“. Man kann sie auch als „Gewebelehre“ bezeichnen.

Um Gewebe- und Zellstrukturen exakt beschreiben zu können, benötigt man ein Lichtmikroskop, dessen Beitrag meist vom besser auflösenden Elektronenmikoroskop ergänzt wird. Mit diesem lassen sich Strukturveränderungen feststellen, anhand derer es dem Facharzt für Pathologie möglich ist, Krankheiten zu diagnostizieren. Mithilfe der Lichtmikroskopie kann sowohl zwischen entzündlich verändertem und gesundem Gewebe, sowie zwischen gutartigen und bösartigen Tumoren unterschieden werden.

Da die Methoden der Gewebeentnahme und –aufarbeitung stets verfeinert werden, ist die histologische Untersuchung, welche auch als feingewebliche Untersuchung oder mikroskopische Gewebeuntersuchung bezeichnet wird, heute in der Diagnostik unentbehrlich geworden.

Die Person, die eine histologische Untersuchung ausführt, bezeichnet man als Pathologe. Während dieser Beruf früher in den meisten Fällen mit der Obduktion von Leichen verknüpft wurde, spielt der Pathologe von heute eine entscheidende Ratgeberrolle bei der Beurteilung von Gewebeproben bzw. -teilen im Zusammenhang mit Behandlungsmaßnahmen von lebenden Menschen.

Ein wichtiges Arbeitsfeld des Pathologen stellt beispielweise auch die Bewertung von Schnellschnitten während einer Operation dar. Durch die Beurteilung des Gewebes durch den Pathologen erhält der Chirurg – noch während sich der Patient bewusstlos in Narkose befindet – entscheidende Informationen darüber, wie während der Operation weiter verfahren werden muss.

Ursprung & Entwicklung:

Endes des 18. Jahrhunderts beschrieb Xavier Bichat 21 verschiedene Gewebetypen im menschlichen Körper, wobei er damals noch kein Mikroskop als Hilfsmittel besaß.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts veröffentlichte Johannes Müller dann ein Werk über die Natur und Struktureigenschaften von Krebs und setzte damit die ersten Impulse zur Entstehung der Histopathologie, wobei erst Rudolf Virchow maßgeblich zur Etablierung dieses Wissenschaftszweigs beitragen konnte.

Im Jahr 1819 wurde der Begriff Histologie von Franz Josef Carl Mayer verwendet, der ihn als einen Teilbereich der Anatomie verstand.

Funktion, Wirkung & Ziele der histologischen Untersuchung:

Während einer histologischen Untersuchung untersucht ein Pathologe mithilfe eines Licht- oder Elektronenmikroskops Gewebeproben auf krankhafte Veränderungen. Dies dient u.a. zur Feststellung von Entzündungen.

Die histologische Untersuchung spielt auch in der Krebsdiagnostik eine wichtige Rolle, da Tumore nicht nur diagnostiziert werden können, sondern außerdem noch die Unterscheidung zwischen gutartigen und bösartigen Tumoren möglich ist. Zusätzlich kann auch der Grad der Bösartigkeit bestimmt und festgestellt werden, ob die vollständige Entfernung des Tumors gelungen ist.

In der Regel stammen die Gewebeproben, welche in histologischen Untersuchungen verwendet werden, von Biopsien und Punktionen. Biopsien werden dann entnommen, wenn man ein Organ einer histologischen Untersuchung unterziehen möchte, ohne es wesentlich zu schädigen oder zu entfernen Auch Operationspräparate aus der chirurgischen Abteilung werden zur Diagnose einer histologischen Untersuchung unterzogen.

Weitere Anwendungsbereiche der histologischen Untersuchung sind die beispielweise die Immunhistologie und die Molekularbiologie. Bei der Immunhistologie werden die Merkmale von Tumorzellen zur besseren Behandlung noch eingehender untersucht. Bei der Molekularbiologie geht es dagegen u.a. um die Diagnostik von Infektionen.

  • Zur Feststellung von Entzündungen und anderen Veränderungen werden Gewebeproben histologisch untersucht.
  • Mithilfe der histologischen Untersuchung ist nicht nur die Feststellung eines Krebsgeschwürs möglich, sondern beispielweise auch die Unterscheidung zwischen gutartigen und bösartigen Tumoren.
  • Die Gewebeproben für histologische Untersuchungen stammen meistens von Biopsien und Punktionen.

Durchführung einer histologischen Untersuchung:

Damit eine histologische Untersuchung durchgeführt werden kann, müssen Gewebeproben im Labor zu diesem Zweck aufbereitet werden. Da dies einige Zeit dauert, liegt das Ergebnis meist erst nach mehreren Tagen vor.

Grob lässt sich die histologische Untersuchung folgendermaßen zusammenfassen:
Je nach Größe des Präparats wird ein geeigneter Gewebeteil zur genaueren Untersuchung entnommen. Dieser wird, meist über Nacht, im Automaten entwässert. Dann wird die Gewebeprobe in Formaldehyd fixiert und schließlich in flüssigem Paraffin eingebettet.

Danach werden extrem dünne Paraffinschnitt angefertigt, welche wiederum auf kleine Glasplatten, die Objektträger, aufgetragen werden. Nun werden die entnommenen Gewebeteile zur besseren Untersuchung und Beurteilung gefärbt. Die fertigen Schnitte werden nun vom Pathologen unter dem Mikroskop untersucht und beurteilt.

Wenn ein schnelleres Verfahren notwendig ist, beispielweise weil der Chirurg das Ergebnis noch während der Operation benötigt, erfolgt eine sogenannte Schnellschnittuntersuchung, auch als Gefrierschnitt bezeichnet. Hierfür wird die entnommene Gewebeprobe bloß schockgefroren. Von diesen gefrorenen Gewebeproben werden nun wiederum dünne Schnitte hergestellt.

Durch eine spezielle Einfärbung können diese Proben augenblicklich mithilfe eines Mikroskops beurteilt werden, sodass das Ergebnis innerhalb von einer Viertelstunde vorliegt und dem Chirurgen telefonisch übermittelt werden kann.

Histologie in der Krebsdiagnostik:

Bei der histologischen, oder auch mikroskopischen, Diagnostik handelt es sich um den Goldstandard der Krebsdiagnostik. Mithilfe von Biopsien können gutartige und bösartige Tumore untersucht werden. Die Probeentnahmen erfolgen dabei an verschiedenen Organen.

Beispiele hierfür wären z.B. Lymphknoten, Darmbiopsien, Magenbiopsien und Lungenbiopsien. Auch Körperflüssigkeiten wie Urin und Blut können histologisch untersucht werden. Zur genaueren Differenzialdiagnose sind oft noch weitere Untersuchungen notwendig, z.B. im molekularpathologischen Bereich.

Der Pathologe hat jedoch mehr Möglichkeiten als die bloße Diagnosestellung einer Tumorerkrankung. Mithilfe von Gewebeproben, die während einer Operation entnommen wurden, kann der Pathologe auch das Tumorstadium feststellen. Besonders Lymphknoten müssen allerdings sehr sorgfältige präpariert werden, da Lymphknotenmetastasen bei Krebserkrankungen den ausschlaggebendsten negativen Prognosefaktor ausmachen.

Die histologische Diagnostik zur Krebsdiagnose bzw. -vorsorge ist im Übrigen weiter verbreitet als sich viele bewusst sind. Die Mehrheit der Menschen unterzieht sich im Laufe ihres Lebens einmal einer histologischen Untersuchung.

Dies kann auch unter ganz harmlosen Umständen der Fall sein, beispielweise durch die Untersuchung eines Abstrichs, den der Frauenarzt zur Krebsfrüherkennung gemacht hat. Auch die Blutprobe beim Hausarzt kann u.U. schon aufgrund eines diffizilen Krankheitsbildes Leukämie untersucht worden sein.

Diagnose & Untersuchungsmethoden:

Damit eine histologische Untersuchung durchgeführt werden kann, muss die entnommene Gewebeprobe zunächst in ein Labor geschickt werden.

Behandlung HistologieDort ist eine entsprechende Aufarbeitung der Probe für die Untersuchung unter dem Mikroskop notwendig.

Zusammen mit dem Anforderungsschein erhält der der Pathologe vom behandelnden Arzt Informationen, die für die histologische Untersuchung notwendig sind.

Bei einer Magenbiopsie kann die Frage beispielweise lauten: Geschwür oder Magenkrebs?

Auf der Grundlage der Ergebnisse der histologischen Untersuchung des Tumorgewebes kann der Pathologe feststellen, welcher Tumortyp vorliegt, ob dieser gutartig oder bösartig ist und wie ähnlich das Tumorgewebe dem Ursprungsgewebe ist.

Mithilfe der Untersuchungsergebnisse des Pathologen sowie der genauen Beurteilung der Ausbreitung des Tumors im Körper, auch als Staging bezeichnet, kann das für den Patienten am besten geeignetste Therapieverfahren festgelegt werden.

  • Gewebeprobe muss zunächst mit einem Aufforderungsschein ins Labor geschickt werden.
  • Aufgrund der Ergebnisse der pathologischen Untersuchung erfolgt die Feststellung des Tumortyps, dessen Gutartigkeit oder Bösartigkeit und die Beurteilung der Ähnlichkeit zwischen Tumor und Ursprungsgewebe.
  • Auf der Grundlage der Ergebnisse dieser Untersuchungen und des Stagings kann die für den Patienten passendste Therapieform ausgewählt werden.

Risiken & Nebenwirkungen:

Bei der histologischen Untersuchung selbst kommt es weder zu Risiken noch Nebenwirkungen. Allerdings bestehen aufgrund der Entnahme der Gewebeprobe diverse Risiken. So kann es aufgrund der Punktion oder Biopsie beispielweise zu Entzündungen kommen. Auch bei einer Entnahme während einer Operation bestehen die allgemeinen Operations- und Narkoserisiken.

  • Die histologische Untersuchung selbst ist ohne Risiken oder Nebenwirkungen.
  • Risiken bestehen im Rahmen der Probeentnahme, da es durch eine Punktion beispielweise zu Entzündungen kommen kann.

Zeitspanne zwischen histologischer Untersuchung und Ergebnis:

Je nach Umfang der histologischen Untersuchungen kann diese einige Tage in Anspruch nehmen. Bei Schwierigkeiten oder Ungenauigkeiten kann es manchmal notwendig sein, dass die Gewebeprobe von verschiedenen Pathologen analysiert wird. Hierfür muss die Probe an ein Referenzlabor geschickt werden. Dies kann die Wartezeit wiederum verlängern.

Die Untersuchungsergebnisse werden schließlich dem behandelnden Arzt übermittelt.

Wer behandelt?

 

  • Pathologe

Gewebeproben werden in nahezu allen medizinischen Bereichen entnommen. Dies kann durch einen Chirurgen, aber beispielweise auch durch einen HNO-Arzt oder Dermatologen erfolgen. Die histologische Untersuchung selbst wird dann vom Pathologen durchgeführt.

Unser Fazit:

Die histologische Untersuchung stellt einen wichtigen Bereich der Medizin dar. Im Bedarfsfall ist es unbedingt ratsam, diese Untersuchung durchführen zu lassen. Sollte es Gegenanzeigen geben, die gegen eine Probeentnahme sprechen, sollte genau abgewogen werden, ob auf eine histologische Untersuchung verzichtet werden kann oder nicht.

Bitte empfehlt diese Seite oder verlinkt uns:

Bitte bewerten Sie diesen Artikel
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (40 Stimmen, Durchschnitt: 4,93 von 5)
Loading...

 Rechtliche Hinweise