Nackentransparenzmessung

Reine Geldabzocke oder doch sinnvolle Vorsorgeuntersuchung während der Schwangerschaft?

Behandlung NackentransparenzmessungBei der Nackentransparenzmessung, die auch als Nackendichtemessung bezeichnet wird, handelt es sich um eine Untersuchung mit Hilfe eines Ultraschallgerätes während der Schwangerschaft.

Während dieser Untersuchung kommt es zu einer Überprüfung der Nackenfalte des ungeborenen Kindes.

Dabei sollen anlagebedingte Störungen herausgefunden werden, so beispielsweise das Down-Syndrom.

In diesem Ratgeber informieren wir Sie umfassend zum Thema Nackentransparenzmessung.

 

Was ist eine Nackentransparenzmessung?

 

Als Schwangere sollte man wissen, dass die Nackentransparenzmessung keine Kassenleistung ist, sondern eine Vorsorgeuntersuchung, die von jeder Schwangeren selbst bezahlt werden muss, die diese Untersuchung vornehmen lassen möchte.

Es handelt sich dabei um ein Verfahren, durch welches der behandelnde Arzt/die behandelnde Ärztin das Risiko einer Behinderung bei dem Ungeborenen berechnet. Ist der daraus resultierende Befund auffällig, so kann in der Folge eine weiterführende Fruchtwasseruntersuchung, die so genannte Amniozentese, oder auch eine Chorionzotten-Biopsie vorgenommen werden.

Diese weiterführende Untersuchung dient dann der Untermauerung oder Entkräftung des Ergebnisses der Nackentransparenzmessung. Die Messung der Nackenfalte bietet für sich genommen keine Diagnose, sondern begründet lediglich einen Verdachtsmoment. Es handelt sich um eine Wahrscheinlichkeitsrechnung für das Vorliegen einer Behinderung.

 

Der Ursprung und die medizinische Entwicklung der Nackentransparenzmessung

 

Heutzutage ist es normal für Schwangere, regelmäßig an Vorsorgeuntersuchungen, die der Frauenarzt bzw. die Frauenärztin anbieten, teilzunehmen. Ausgedruckte Ultraschallbilder werden dabei ausgehändigt. Aber natürlich gab es diese Möglichkeiten nicht immer.

Insbesondere die pränatalen Untersuchungen wurden in den letzten Jahrzehnten stetig verbessert. Darunter der Tripple-Test, Ultraschall und auch die Nackenfaltenmessung. Es gibt viele unterschiedliche vorgeburtliche Untersuchungen und die werdenden Eltern stehen vor der Qual der Auswahl, welche dieser sie vornehmen lassen möchten und welche nicht.

Erst seit 1992 gibt es die Möglichkeit, das Down-Syndrom bereits bei einem ungeborenen Kind festzustellen. Im Jahr 2012 kam der erste Bluttest auf den Markt, mit welchem man das Vorliegen des Down-Syndroms feststellen kann. Eine risikoreiche Untersuchung des Fruchtwassers ist damit nicht mehr notwendig und wurde durch diesen abgelöst.

 

Die Funktion, Wirkung & Ziele – Behandlungen & Therapien

 

Während der embryonalen Entwicklung kommt es auch zu einer Ausbildung des Lymphsystems und der Nieren bei dem ungeborenen Baby. Bis zur vollständigen Entwicklung ist der kleine Körper nicht in der Lage, die sich ansammelnden Flüssigkeiten auszuscheiden.

Stattdessen kommt es zu einer Ansammlung dieser Flüssigkeit im Nackenbereich. Selbstverständlich ist die Bildung dieser Nackenfalte ungefährlich für das Baby, da sie im Laufe der Schwangerschaft und mit zunehmender Entwicklung auch wieder verschwindet.

Die Messung der Nackenfalte kann lediglich in einem sehr kurzen Zeitraum von zwei bis drei Wochen während der Schwangerschaft erfolgen. Warum dieses Zeitfenster so gering ist? Das Ungeborene ist vor Erreichen der 11. Schwangerschaftswoche noch zu klein, um eine entsprechende Messung vorzunehmen.

Die Konsequenz wäre eine sehr ungenaue Messung. Hingegen sind die Nieren ab der 14. Schwangerschaftswoche vollständig ausgebildet, so dass sich die Ansammlung der Nackenfalte auflöst. Aus diesem Grund ist die 12. Schwangerschaftswoche der optimale Zeitpunkt für die Nackenfaltenmessung.

 

Wichtig zu wissen:

 

  • Die Nackenalte ist ungefährlich und bildet sich im Laufe der Entwicklung der Nieren wieder zurück.
  • Eine Messung sollte in der 12. Schwangerschaftswoche erfolgen um ein möglichst genaues Ergebnis zu erzielen.

 

Die Durchführung und die Funktionsweise der Nackenfaltenmessung

 

Da es sich um eine Flüssigkeitsansammlung im Nacken des ungeborenen Babys handelt, wird diese transparent auf dem Ultraschall dargestellt. Um diese Untersuchung vornehmen zu können, muss der behandelnde Frauenarzt/die behandelnde Frauenärztin über eine spezielle Ausbildung hierzu verfügen.

Hinzu tritt die Notwendigkeit eines hochauflösenden Ultraschallgerätes. Im Normalfall wird die Nackenfaltenmessung per Ultraschall durch die Bauchdecke der werdenden Mutter durchgeführt. Eine vaginale Untersuchung kommt nur dann in Betracht, wenn das Ungeborene sehr ungünstig im Bauch der Mutter liegt. Es muss mit großer Sorgfalt bei dieser Untersuchung gehandelt werden.

Beispielsweise darf der behandelnde Arzt/die behandelnde Ärztin die Messung der Nackenfalte nicht zu tief ansetzen. Anderenfalls kommt es zu einem viel zu hohen Wert für die Breite. Das hochauflösende Ultraschallgerät ermöglicht eine Bestimmung der Dicke der Nackenfalte des Babys.

 

Das Ziel der Nackentransparenzmessung

 

Mit Hilfe der Nackenfaltenmessung können Rückschlüsse auf eventuell vorliegende genetische Erkrankungen gezogen werden. Dabei ist nicht etwa das Ziel die Bestimmung des Gesundheitszustandes des Babys. Die Nackenfaltenmessung ist hierzu nicht imstande. Es wird lediglich eine statistische Aussage darüber möglich, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass das Ungeborene ohne eine Behinderung auf die Welt kommt.

 

Diagnose & Untersuchungsmethoden

Welcher Wert ist „normal“ bei einer Nackenfaltenmessung? Welche Fehlbildungen können erkannt werden?

Normal ist ein Wert zwischen 1 bis 2,5 Millimetern Dicke. Liegt ein Wert um die 3 Millimeter vor, so ist das Risiko erhöht, bei 6 Millimetern und mehr ist das Risiko hoch. Wurde die Messung korrekt ausgeführt – wovon in der Regel ausgegangen werden kann – so steigt die Wahrscheinlichkeit einer Behinderung mit zunehmendem Wert der Nackenfaltenmessung.

Behandlung NackentransparenzmessungDabei sind mögliche Behinderungen bzw. Fehlbildungen des Babys Trisomie 21, also das Down-Syndrom, Trisomie 13, das Pätau-Syndrom, Trisomie 18, das Edwards-Syndrom oder aber auch vorliegende Herzfehler.

Wichtig: Die Messung der Nackenfalte kann keine Auskunft darüber erteilen, welche Fehlbildung genau vorliegen könnte.

 

Hierzu sollte man wissen, dass sowohl Trisomie 13 und Trisomie 18 schwere Fehlbildungen an den Organen hervorrufen können.

Die Lebenserwartung ist gering. Das Kleinkindalter wird dabei zumeist nicht überschritten.

Um die genaue Fehlbildung bestimmen zu können, muss sich die Schwangere weiteren Untersuchungen unterziehen.

 

Es wird empfohlen, die Nackentransparenzmessung bei Müttern ab 35 Jahren durchzuführen, ebenso bei Risikoschwangerschaften und wenn es erblich bedingt bereits zum Vorliegen von genetischen Defekten kam.

Es handelt sich nicht um eine Leistung, die von den Krankenkassen bezahlt wird, allerdings sollten Sie als werdende Eltern sich ruhig genauer nach einer Kostenübernahme erkundigen. Müssen Sie die Untersuchung dennoch selbst zahlen, so liegen die Kosten zwischen 30 und 200 Euro.

 

Die Nackentransparenzmessung gibt Aufschluss über die Wahrscheinlichkeit:

  • des Vorliegens der Trisomie 21,
  • des Vorliegens der Trisomie 18,
  • des Vorliegens der Trisomie 13 oder aber
  • des Vorliegens eines Herzfehlers.

 

Mögliche Fehlbildungen des Babys können sein Trisomie 21 (das Down-Syndrom), Trisomie 13 (das Pätau-Syndrom), Trisomie 18 (das Edwards-Syndrom) oder aber auch Herzfehler.

 

Risiken der Nackenfaltenmessung

 

  • Die Untersuchung der Nackenfalte ist absolut risikofrei.
  • Aber die Folge einer solchen können psychische Probleme sein, da die Untersuchung relativ unsicher ist.

 

Da es sich bei der Nackentransparenzmessung um eine Ultraschalluntersuchung handelt, ist diese sowohl für das Baby als auch die Mutter ohne Risiko. Nicht abzusehen sind hingegen die psychischen Probleme, die diese Untersuchung hervorrufen kann, insbesondere durch die vergleichsweise hohe Unsicherheit ausgelöst durch eine hohe falsch-positiv Rate bei den Untersuchungen.

 

Bei etwa 5 Prozent aller Untersuchungen wird ein erhöhter Wert bei der Messung der Nackenfalte festgestellt. In einem solchen Fall müssen weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Von diesen sind jedoch nur 10 Prozent tatsächlich auch von einer Behinderung betroffen.

 

Allerdings ist ein Wert im normalen Bereich zugleich kein Garant für das Nichtvorliegen einer Behinderung. Eine 100%ige Sicherheit liefert da nur eine Untersuchung des Fruchtwassers. Hierbei sollte man im Hinterkopf haben, dass eine Fruchtwasseruntersuchung stets mit dem Risiko einer Fehlgeburt einhergeht.

Sie sollten sich also zuvor gut überlegen, ob Sie eine Nackentransparenzmessung vornehmen lassen. Wenn ein Grund vorliegt, kann diese Untersuchung durchaus sinnvoll sein. Anderenfalls kann es dazu kommen, dass man sich unnötige Sorgen macht.

In jedem Fall sollten sich die beiden Partner bereits vor der Untersuchung im Klaren darüber sein, was passiert, wenn ein erhöhtes oder gar sehr hohes Risiko einer Fehlbildung das Ergebnis der Nackenfaltenmessung ist. Was soll dann geschehen?

Behandlung NackentransparenzmessungSollte man in einem solchen Fall das Risiko einer Fruchtwasseruntersuchung wirklich eingehen, um sich eine 100%ige Sicherheit zu verschaffen? Welche Reaktion erfolgt von Ihnen, wenn das Ergebnis tatsächlich eine Fehlbildung darstellt? Ist die Konsequenz eine Abtreibung?

Interessant zu wissen ist außerdem: Bei 20 Prozent der Kinder, die mit einem Down-Syndrom geboren werden, wurde nach der Nackenfaltenmessung keine erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Fehlbildung aufgewiesen. Es handelt sich lediglich um einen Indikator für eine eventuell bestehende Behinderung sein.

Mit anderen Worten: Es wird ein Verdacht geschaffen, aber keinerlei Klarheit. Ergänzende, weiterführende Untersuchungen sind ein Muss.

 

Wer kann eine Nackenfaltenmessung durchführen?

  • Frauenärzte mit einer speziellen Ausbildung bzw. Weiterbildung und einem sehr hochauflösenden Ultraschallgerät

 

Die Nackentransparenzmessung kann nur von Frauenärzten durchgeführt werden, die zum einen über eine spezielle Ausbildung und zum anderen über das nötige, unabdingbare Equipment verfügen. Ein unzureichendes Ultraschallgerät führt zwangsläufig zu falschen Ergebnissen.

Achten Sie also bei der Entscheidung für eine Nackenfaltenmessung unbedingt darauf, dass der ausführende Arzt/die ausführende Ärztin über die notwendige Qualifikation und ein hochauflösendes Gerät verfügt.

 

Unser Fazit

 

Letztendlich ist es natürlich eine schwere Frage für die werdenden Eltern, ob man die Untersuchung der Nackenfalte des Ungeborenen vornimmt oder nicht. Die Partner sollten eine solche Entscheidung zusammen treffen und sich zugleich über die Konsequenzen Gedanken machen.

Was möchten wir, wenn es ein erhöhtes Risiko einer Behinderung gibt? Möchten wir weiterführende Untersuchungen? Sollte die Fehlbildung bestätigt werden – was machen wir dann? Lassen wir eine Abtreibung vornehmen?

Wenn Sie 35 Jahre und älter sind, wird Ihr behandelnder Arzt/die behandelnde Frauenärztin Ihnen zu einer Nackentransparenzmessung raten, insbesondere, weil diese Untersuchung ohne jedes Risiko für Mutter und Kind vorgenommen werden kann.

Aber: Es wird kein Ergebnis am Ende dieser herauskommen, es handelt sich vielmehr um eine Wahrscheinlichkeitsberechnung. Lassen Sie sich nicht jedoch nicht verunsichern, es kann sehr gut sein, dass die Nackenfalte Ihres Babys vollkommen unauffällig ist.

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