Diabetes Autoantikörper

Auch bekannt als: 

Insel Autoantikörper
Bezeichnung: Inzellzellautoantikörper (ICA), Insulinautoantikörper (IAA), Glutamatdecarboxylase-Autoantikörper (GAD), Tyrosinphosphatase IA-2 Autoantikörper (IA-2A), ICA512 Autoantikörper, Tyrosinphosphatase-like Autoantikörper
Ähnliche Tests: GlucoseInsulin


Auf einen Blick

Warum werden Diabetes-Autoantikörper bestimmt?

  • Zur Unterstützung der Diagnose des autoimmun bedingten Diabetes mellitus Typ 1;
  • zur Vorhersage des Erkrankungsrisikos bei Familienangehörigen (momentan nur im Rahmen von klinischen Studien in Forschungsprojekten; noch nicht in der Routinediagnostik).

Bei welchen Erkrankungen oder Symptomen sollten Diabetes-Autoantikörper bestimmt werden?

Bei Patienten mit erstmals diagnostiziertem Diabetes mellitus um festzustellen, ob deren Erkrankung autoimmun bedingt ist. Ferner bei Patienten, deren Diabetes ohne Insulin behandelt wird und die große Schwierigkeiten haben, ihren Zuckerhaushalt zu beherrschen (d.h. sie können keine oder nicht annähernd normale Blutzuckerwerte erreichen).

Mit welchem Probenmaterial werden Diabetes-Autoantikörper bestimmt?
Mit Blut aus einer Armvene.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Inselzellautoantikörper (ICA), Insulinautoantikörper (IAA), Glutamatdecarboxylase-Autoantikörper (GAD) und Tyrosinphosphatase IA-2 Autoantikörper (IA-2A) sind eine Gruppe von Autoantikörpern, die bei Diabetes mellitus Typ 1 auftreten. Sie verursachen zwar nicht selbst einen Diabetes, sind aber ein Marker dafür, wie zerstörerisch das eigene Immunsystem gegen Insulin produzierende Körperzellen (in diesem Fall die ß-Zellen in der Bauschspeicheldrüse) vorgeht. Sind ca. 80–90 % der ß-Zellen vom Immunsystem zerstört worden, treten die ersten Diabetes-Symptome auf (z. B. Häufiges Wasserlassen, Durst, Gewichtsverlust und schlechte Wundheilung). Ohne ausreichende Insulinproduktion entsteht eine Hyperglykämie (hoher Blutzuckerspiegel). Werden die Symptome nicht beachtet und bleibt eine Hyperglykämie unbehandelt, kann in wenigen Tagen bis Wochen ein ernster gesundheitlicher Notfall entstehen.

Beim ICA-Test werden Autoantikörper bestimmt, die gegen eine Reihe von Proteinbestandteilen von Inselzellen gerichtet sind. Ihr Nachweis ist semi-quantitativ und erfolgt mit Hilfe der indirekten Immunfluoreszenz. GADA und IA-2A sind Autoantikörper gegen zwei bestimmte Antigene auf Inselzellen. Das einzige Antigen, das als spezifisch für ß-Zellen gilt, ist Insulin (IAA). Beim IAA-Test wird nicht unterschieden, ob das Immunsystem im Rahmen einer Insulintherapie Antikörper gegen körpereigenes oder gegen körperfremdes Insulin (menschlich oder tierisch) gebildet hat.

Etwa zehn Prozent aller Diabetes-mellitus-Fälle gehören dem Typ 1 an, sind also autoimmun bedingt. 75 % dieser Patienten sind unter 20 Jahre alt. Typ-1-Diabetes wurde früher als juveniler (jugendlicher) oder Insulin-abhängiger Diabetes bezeichnet. Um der autoimmunen Zerstörung der ß-Zellen begrifflich Rechnung zu tragen, wird er heute oft als autoimmuner Diabetes Typ 1 bezeichnet. Inselzell-Autoantikörper können Monate bis Jahre vor Ausbruch eines Typ-1-Diabetes im Blut festgestellt werden. Obwohl Personen, bei denen Inselzell-Autoantikörper im Blut gefunden werden, ein hohes Risiko haben, Diabetes Typ 1 zu entwickeln, werden nicht alle an Diabetes erkranken. Hat sich ein Typ-1-Diabetes bereits entwickelt, können bei 95 % der  Betroffenen ein oder mehrere Diabetes-Autoantikörper zum Zeitpunkt der Erstdiagnose gefunden werden. Die Bestimmung von Insel-Autoantikörpern bei Gesunden sollte nur im Rahmen von Studien erfolgen.

Wie wird das Probenmaterial gewonnen?
Üblicherweise wird Blut aus einer Armvene entnommen.

Bemerkung: Falls eine Untersuchung einem Patienten Angst oder in anderer Weise Unbehagen bereitet bzw. schwierig durchzuführen ist, können folgende Artikel nützlich sein: Bewältigung von Schmerzen, Unbehagen und Angst bei Untersuchungen; Tipps für Blutentnahmen; Tipps, wie man Kindern helfen kann, Untersuchungen gut zu überstehen; Tipps, wie man alten Menschen helfen kann, Untersuchungen gut zu überstehen.

Der Artikel „Wie wird eine Probe verarbeitet????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????“ bietet Hinweise, wie eine Blutprobe und eine Abstrich-Kultur gewonnen und aufbereitet werden.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Allgemein ist die Bestimmung von Diabetes-Autoantikörpern für die Diagnose eines autoimmunen Typ-1-Diabetes nicht notwendig. Ein genereller Suchtest der Bevölkerung auf Autoantikörper wird als nicht sinnvoll erachtet, da ein Großteil der positiv Getesteten keinen Diabetes entwickeln wird, aber beunruhigt wäre und für die Betroffenen keine vorbeugende Therapie möglich ist. Der Test kann jedoch zum Beispiel bei Personen sinnvoll sein, deren Geschwister oder Eltern an Typ-1-Diabetes erkrankt sind, da hier ein deutlich höheres Risiko besteht.

Eine Bestimmung der Autoantikörper in Bezug auf Diabetes wird vorallem dann angefordert, wenn festgestellt werden soll, ob Diabetes Typ 1 oder andere Ursachen eines Diabetes (z. B. Übergewicht oder Insulinresistenz) vorliegen. Werden bei einem Patienten mit Diabetes ICA, GADA oder IA-2A nachgewiesen, kann die Diagnose Typ-1-Diabetes gestellt werden. IAA muss vor Beginn einer Insulin-Therapie bestimmt werden. Wie ICA, GADA oder IA-2A spricht der Nachweis von IAA bei nicht mit Insulinbehandelten Diabetespatienten für einen Diabetes Typ 1.

Generell wird empfohlen, entweder nur ICA oder nur die Kombination GADA/IA-2A zu bestimmen, da die Methoden sehr kostenintensiv sind. Zwischen Erwachsenen und Kindern treten üblicherweise Unterschiede im Autoantikörper-Profil auf. IAA sind normalerweise die ersten Autoantikörper, die bei Kindern mit hohem Diabetes-Risiko erscheinen. Entwickelt sich die Erkrankung weiter, können IAA verschwinden; dann gewinnt der Nachweis von ICA, GADA und IA-2A an Bedeutung. Zu Beginn eines Diabetes Typ 1 ist IA-2A seltener positiv als ICA oder GADA. Während über 50 % der an Diabetes Typ 1 neu erkrankten Kinder IAA-positiv sind, ist das Auftreten von IAA bei Erwachsenen kaum zu beobachten. Deshalb kann bei Diabetesrisiko-Kindern IAA ebenfalls angefordert werden.

Im Rahmen von Forschungen, die sich mit der Vorhersage der Entwicklung eines Diabetes Typ 1 befassen, werden Inselzell-Autoantikörper bestimmt. Je mehr Insellzell-Autoantikörper eine nicht-diabetische Person in ihrem Blut aufweist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, später an Diabetes Typ 1 zu erkranken.

Wann kann der Test sinnvoll sein?
Wird bei einer Person erstmals Diabetes diagnostiziert und der behandelnde Arzt äußert den Verdacht auf einen autoimmunen Hintergrund, kann die Bestimmung einer Kombination von Diabetes-Autoantikörpern angefordert werden. Dabei müssen IAA-Messungen als Marker für einen autoimmunen Prozess vor einer Insulintherapie erfolgen. Insulin-Injektionen menschlichen oder tierischen Ursprungs können das Immunsystem des Körpers anregen, Antikörper dagegen zu produzieren. Diese Antikörper würden das Ergebnis einer IAA-Messung verfälschen, da der IAA-Test nicht unterscheidet zwischen Antikörpern gegen körpereigenes oder körperfremdes Insulin.

Ein oder mehrere Diabetes-Autoantikörper können bei Personen bestimmt werden, deren Geschwister oder Eltern an Diabetes Typ 1 erkrankt sind. Dabei sollten eine Eingangsmessung und in gewissen Abständen weitere Messungen durchgeführt werden, je nach Empfehlung des Arztes in einer Untersuchungseinrichtung.

Was bedeutet das Testergebnis?
Normalerweise lassen sich bei Personen ohne Diabetes keine Diabetes-Antikörper im Blut nachweisen. Werden Bevölkerung oder bei Verwandten von an Diabetes Typ 1 Erkrankten Diabetes-Autoantikörper gefunden, kann dies ein erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Typ-1-Diabetes sein, obwohl falsch positive Ergebnisse auftreten können. Viele dieser bei einer Diabetes-Autoantikörper-Untersuchung postiv Getesteten werden jedoch niemals einen Diabetes Typ 1 entwickeln; bei ihnen ist in der Regel der Autoantikörper-Spiegel im Blut gering und/oder die Antikörper sind nur vorübergehend nachweisbar.

Manche Patienten mit einem Typ-1-Diabetes entwickeln nie messbare Diabetes-Autoantikörper-Spiegel im Blut; dies ist jedoch sehr selten. Die Mehrheit der Personen (ca. 95 %) mit neu aufgetretenem Diabetes Typ 1 hat mindestens einen Diabetes-Autoantikörper im Blut. Folglich ist von einem Typ-1-Diabetes auszugehen, wenn bei einem Patienten mit Diabetes-Symptomen Diabetes-Autoantikörper (z. B. ICA, GADA, IA-2A und/oder IAA) nachgewiesen werden.

Bei gesunden Personen mit messbaren Diabetes-Autoantikörpern ist – wie erwähnt – das Risiko erhöht, Diabetes Typ 1 zu entwickeln. Je höher die gemessenen Werte sind, desto wahrscheinlicher ist das Auftreten der Erkrankung. Es entwickelt jedoch nicht jeder Mensch mit Diabetes-Autoantikörpern einen Diabetes Typ 1. Das Risiko ist relativ hoch, wenn ein Nichtdiabetiker mit einem oder mehreren Diabetes-Autoantikörpern auf eine Glucose-Injektion mit einer geringen Insulin-Antwort reagiert. Hat eine Person mit messbarem ICA Verwandte ersten Grades mit manifestem Diabetes Typ 1 und ist die Insulin-Ausschüttung auf eine intravenöseGlukose-Injektion gering, so liegt das Risiko bei 60 Prozent, in den nächsten fünf Jahren einen Diabetes Typ 1 zu entwickeln. Da der Arzt jedoch über keine wirksamen Behandlungsstrategien verfügt, Diabetes Typ 1 zu verhindern, werden generelle Suchtests auf Diabetes-Antikörper in der Bevölkerung nicht empfohlen. Bei Verwandten ersten Grades von Typ-1-Diabetikern sollte mit dem Arzt besprochen werden, ob eine Bestimmung sinnvoll erscheint.

Was sollte man außerdem wissen?
Arzt und Patient müssen gemeinsam entscheiden, ob Diabetes-Antikörper gemessen werden sollten, wenn bei Verwandten ersten Grades diese Erkrankung auftritt oder aufgetreten ist. GADA-, IAA- und IA-2A-Tests können automatisiert durchgeführt werden. Die Bestimmung von ICA ist sehr laborintensiv; die Interpretation erfordert eine qualifizierte Fachkraft für die Auswertung im Labor.

Diabetes-Autoantikörper können auch bei Patienten mit anderen Autoimmunerkrankungen positiv sein, (z. B. bei der Hashimoto Thyreoiditis oder beim autoimmun bedingtem M. Addison).


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

Bei Raumtemperatur ist die Probe für zwei Tage stabil; in dieser Zeit können Autoantikörper zuverlässig bestimmt werden. Bei Lagerung bei 4° C ist die Probe eine Woche lang stabil. Bei Lagerung bei -20° C können Autoantikörper auch nach Jahren noch nachgewiesen werden.

Referenzbereich
Normalerweise werden keine Autoantikörper nachgewiesen.
Referenzbereich: Negativ.
Der Grenzwert für positive Ergebnisse kann von Labor zu Labor oder bei unterschiedlichen Methoden schwanken, da es keine Standardisierung der Referenzbereiche gibt. Die für den Befund gültigen Referenzbereiche sollten daher die im Laborbefund angegeben werden.

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
Autoantikörper werden bevorzugt aus Serum gemessen. Die Verwendung von EDTA- bzw. Heparinplasma oder Zitratplasma sollte nur erfolgen, wenn die entsprechenden Testsysteme dafür evaluiert wurden und dies in der Testbeschreibung angegeben ist.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Für die Bestimmung der Autoantikörper besteht keine Ringversuchspflicht nach den RiLiBäk. Die Methode ist soweit möglich anhand von WHO-Referenzseren normiert und standardisiert. Jedoch können gerade bei der Bestimmung von Autoantikörper auf verschiedenen Testsystemen oft erhebliche quantitative Titerunterschiede auftreten. Qualitätskriterien sind definiert und werden in verschiedenen externen Ringversuchen geprüft.


Häufige Fragen

Werden die ß-Zellen in der Bauschspeicheldrüse durch ICA, GADA und IA-2A zerstört?

Sie werden in Zusammenhang mit der Zerstörung von ß-Zellen gebracht und reflektieren einen schwelenden autoimmunen Prozess; sie werden aber nicht für die Zerstörung der ß-Zellen verantwortlich gemacht.

Kann eine frühe Diagnose die Zerstörung von ß-Zellen aufhalten?
Im Moment nicht. Treten Symptome wie häufiges Wasserlassen, Gewichtsverlust und Hyperglykämie (hohe Blutzuckerspiegel) auf, sollte man an Diabetes denken. Es sollte erwogen werden, den Blutzucker kontrolliert einzustellen; dies kann dabei helfen, das Auftreten von diabetes-typischen Komplikationen (z. B. an Nieren oder Augen) zu minimieren.

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