Gram Färbung

Auch bekannt als:

Grampräparat, Gramfärbung
Bezeichnung: Färbung nach Gram
Ähnliche Tests: Susceptiblity Testing


Auf einen Blick

Warum wird eine Gram-Färbung durchgeführt?

Die Gramfärbung wird durchgeführt, um eine bakterielle Infektion genauer zu untersuchen. Hierbei können verschiedene Bakterientypen, wie z.B. Stäbchenbakterien oder Kokken sowie grampositive (blau) und gramnegative (rot) Bakterien differenziert werden. Darüber hinaus können auch Pilze gefärbt und erkannt werden.

Bei welchen Erkrankungen sollte eine Gram-Färbung angefordert werden?
Bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion oder bei Pilzinfektionen. Durch die Färbung kann aufgrund der Voridentifizierung der beteiligten Infektionserreger bereits eine optimierte Therapie begonnen werden.

Aus welchem Probenmaterial wird eine Gram-Färbung durchgeführt?
Die Gramfärbung kann aus Abstrichen, z.B. von Wunden, der Haut, aus Vagialabstrichen, von flüssigen Ausscheidungen, wie z.B. Sputum, Bronchialsekret, oder Urin, aus Spülflüssigkeiten von infizierten Bereichen und aus Punktaten, z.B. Liquor (Hirnflüssigkeit) Pleuraerguß (Lungenfellerguß), Perikard (Herzbeutelerguß) oder Ascites (Bauchfellerguß) durchgeführt werden.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Durch die Gram-Färbung werden Bakterien oder Pilze unter dem Mikroskop sichtbar gemacht. Daher dient dieser Test zum einen dem Nachweis der Bakterien oder Pilzen an sterilen Stellen des Körpers, wo normalerweise keine Bakterien vorkommen, z.B. im Hirnwasser (Liquor). Zum anderen können anhand des Färbeverhaltens zwei grundlegende Arten von Bakterien unterscheiden werden, nämlich Gram-negative (rot) von Gram-positiven (blau) Bakterien. Außerdem können die gefundenen Bakterien grob nach ihrer Form (z.B. Stäbchen, Kokken) und Lagerung (z.B. Haufen, Ketten) einzelnen Erregerklassen zugeordnet werden. Das Probenmaterial wird auf einen Glas-Objektträger ausgestrichen und angetrocknet.

Anschließend wird das getrocknete Material verschiedenen Färbe- und Entfärbeschritten unterzogen. Schließlich kann das so behandelte Material unter dem Mikroskop betrachtet werden. Dabei fallen die Gram-negativen Bakterien als rötlich-rosa-farbene Bakterien auf, die Gram-positiven Bakterien hingegen sind dunkelblau-violett. Der Name der Färbung leitet sich von Dr. Christian Gram ab, dem Erfinder dieses Testes.

Die Gram-Färbung sagt voraus, welcher Keim die vorliegende Infektion verursacht haben könnte, z.B. eine Pneumkokken-Lungenentzündung oder ein StaphylokokkenAbszess. Viren können durch die Gram-Färbung nicht sichtbar gemacht werden, weil ihnen die für Bakterien typische Zellwand fehlt, welche die Aufnahme von Farbstoffen erst ermöglicht.

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?

Üblicherweise werden mit einem sterilen Tupfer aus der infizierten Region direkt Zellen abgewischt oder (Wund)-Sekret (z.B. Eiter), welches Zellen enthält, aufgesaugt. Betroffene Körperflüssigkeiten werden – je nach Herkunft – entweder mit Nadeln und Spritzen punktiert und abgesaugt (z.B. Liquor, Hirnwasser) oder direkt in sterile Behälter gefüllt (z.B. Urin).


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Dieser Test ist der wohl am häufigsten durchgeführte mikrobiologische Test, um die Ursache einer Infektion herauszufinden. Da dieser Test sehr schnell Aussagen darüber macht, ob es sich bei dem gefundenen Bakterium um einen Gram-positiven oder Gram-negativen Keim handelt, kann rasch mit einer dem Keim angepassten Antibiotika-Therapie begonnen werden, während auf weitere detailliertere Testergebnisse noch ausstehen.

Wann könnte der Test sinnvoll sein?
Bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion oder bei Pilzinfektionen.

Was bedeutet das Testergebnis?
Wenn feststeht, dass es sich in der Probe um einen Gram-positiven oder –negativen Erreger handelt, kann mit einer passenden Antibiotika-Therapie begonnen werden, noch ehe Ergebnisse aus Bakterien-Kulturen vorliegen. Die Gram-Färbung sagt weder über die Identität eines Erregers etwas aus noch über seine Sensibilität auf bestimmte Antibiotika. Nur eine Kultur aus dem entnommenen Material kann diese Fragen beantworten.

Gibt es weiteres, das ich wissen sollte?
Auch bei geringfügigen Symptomen sollte eine bakterielle Infektion ernst genommen werden. Es sollte ein ärztlicher Rat eingehot werden, um – falls nötig – rasch mit einer Therapie beginnen zu können, damit die Infektion nicht schlimmer wird und sich nicht ausbreitet. Unbehandelt kann sich eine zunächst lokale bakterielle Infektion über den ganzen Körper ausbreiten und schwere Schäden an Geweben und Organen verursachen.


Hinweise & Störungen

Probenmaterial

Eine Vielzahl von Materialien wie z.B. Abstriche, Eiter, Ascites, Pleurapunktat, Urin, Liquor ist geeignet für eine Gramfärbung.

Stabilität und Probentransport
Grampräparate werden unmittelbar aus Abstrichtupfern oder aus direkten Materialien der Patienten angelegt. Die Abstrichtupfer dürfen nicht ausgetrocknet sein. Für die spätere Anzucht von besonders empfindlichen Bakterien (z.B. Gonokonnen) sind spezielle Transportmedien (z.B. Port-a-cul bei Verdacht auf Gonorrhoe) erforderlich.

Referenzbereich
Normalerweise sind keine Bakterien oder Pilze in sterilen Körperflüssigkeiten nachweisbar. Auf normalerweise mit physiologischer Flora besiedelten bereichen, wie z.B. Haut, Schleimhaut, Darm, müssen die normalen Standorttypischen Bakterien und Pilze von möglichen pathogenen Infektionserrgern differenziert werden.

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
Bei zu kurzen Färbezeiten, falschen Konzentrationen, zu starker Entfärbung können falsche Färbeergebnisse mit Fehldifferenzierungen auftreten. Besonders zarte Bakterien, wie z.B. Listerien oder Haemophilus spp. können in stark mit physiologischer Flora kontaminierten Abstrichen, aber auch im zellreichen Liquor bei Meningitis übersehen werden. Bei ausgeprägter Leukozytose können in flüssigen Präparaten (Liquor, Ascites, Eiter etc.) durch Phagozytose und Zellzerfall mit Freisetzung hydrolytischer Enzyme Bakterien lysiert werden, die dann nicht mehr im Grampräparat erkennbar sind. Bei Verwendung ungeeigneter Transportmedien ist die spätere Anzucht von empfindlichen Infektionserregern, wie z.B. Gonokokken, nicht gewährleistet.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Nach den Richtlinien der BÄK und der DGHM werden 4-mal jährliche externe Ringversuche in der Gramfärbung empfohlen.


Häufige Fragen

Welche Therapie-Optionen stehen gegen bakterielle Infektionen zur Verfügung?

Gegen bakterielle Infektionen ist die Gabe von Antibiotika die wichtigste Maßnahme.

Was genau kann bei der Gram-Färbung unter dem Mikroskop bestimmt werden?
Je nach Färbeverhalten werden die Bakterien in Gram-positive oder Gram-negative eingeteilt. Außerdem kann die Form der Bakterien weitere Informationen über die Bakterienart liefern (z.B. stäbchenförmig) und die Art und Weise, wie die Bakterien zusammengelagert sind. Z.B. liegen Staphylokokken (staph) in Haufen zusammen, während Streptokokken (strep) sich in Ketten gruppieren.

Was passiert, wenn über der Gram-Färbung hinaus noch weitere Informationen benötigt werden?

Eine Gram-Färbung wird normalerweise in Verbindung mit einer Bakterien-Kultur angefertigt. Die Kultur ermöglicht eine genauere Bestimmung des Bakteriums sowie eine bessere Anpassung der Antibiotika-Therapie gegen den ermittelten Keim.

Kann eine Gram-Färbung zu Hause durchgeführt werden?
Nein. Eine Gram-Färbung kann nur geschultes Labor-Personal durchführen.


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