Gonorrhoe

Auch bekannt als:

Gonokokken
Bezeichnung: GonoNeisseria gonorrhoeae Nachweis
Ähnliche Tests: Chlamydien


Auf einen Blick

Warum wird eine Gonokokken-Kultur angelegt?

Bei Verdacht auf eine Infektion mit dem Bakterium Neisseria gonorrhoeae (=Gonokokken), das die sexuell übertragbare Erkrankung Gonorrhoe („Tripper“) verursacht.

Bei welchen Erkrankungen soll eine Gonokokken-Kultur angelegt werden?
Bei Auftreten typischer Symptome, bei Erkrankung des Sexualpartners sowie während der Schwangerschaft (Verdacht auf Infektion).

Aus welchem Probenmaterial wird eine Gonokokken-Kultur angelegt?
Aus einem  vom Infektionsgebiet entnommenen Abstrich, z.B. Urethra.(Harnröhre), Penis, Vagina, Auge, oder aus Gelenkpunktaten.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Der Test weist das Bakterium Neisseria gonorrhoeae nach, das die sexuell übertragbare Erkrankung Gonorrhoe verursacht. In Europa ist sie die zweithäufigste sexuell übertragbare Krankheit nach Chlamydien-Infektionen. Weltweit liegt die Zahl der Neuerkrankungen jährlich bei  60 Millionen. In Deutschland ist die Gonorrhoe seit 2001 nicht mehr meldepflichtig, so dass eine hohe Dunkelziffer in Bezug auf die Neuerkrankungen vorliegt. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts liegt die Inzidenz der Gonorrhoe-Fälle bei 25 – 40/100.000 Einwohner. Bei Nachweis einer Infektion mit Gonokokken erfolgt eine Therapie mit Antibiotika; unbehandelt können schwere Infektionen mit starker Beeinträchtigung der Gesundheit entstehen.

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?

Mit einem sterilen Tupfer wird Sekret oder Ausfluss am Infektionsgebiet entnommen (Gebärmutterhals, Harnröhre, Penis, Anus, Rachen, Auge, Gelenkpunktate) und auf Gonokokken untersucht. Bei manchen Tests wird auch eine Urinprobe benötigt. Um die Wahrscheinlichkeit des Erregernachweises zu erhöhen, werden in der Regel von mehreren Körperstellen Abstriche genommen.

Bemerkung: Falls eine Untersuchung einem Patienten Angst macht, ihm peinlich oder schwierig durchzuführen ist, können folgende Artikel nützlich sein: Bewältigung von Schmerzen; Unbehagen und Angst bei Untersuchungen; Tipps für Blutentnahmen; Tipps dafür, wie man Kinder helfen kann, Untersuchungen gut zu überstehen; Tipps dafür, wie man alten Menschen helfen kann, Untersuchungen gut zu überstehen.

Ein anderer Artikel – Wie wird eine Probe verarbeitet???????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????? – bietet Einblicke, wie eine Blutprobe und eine Abstrich-Kultur gewonnen und aufbereitet werden.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Der Test wird verwendet, um

  • bei typischen Symptomen die Verdachtsdiagnose der Gonorrhoe zu bestätigen;
  • sexuell aktive Menschen vorsorglich auf Gonorrhö zu untersuchen;
  • die Verdachtsdiagnose einer Gonokokken-Arthritis (meist Knie) zu bestätigen;
  • Prostituierte auf Gonorrhoe zu untersuchen (vom Gesundheitsamt vorgeschriebene Untersuchung).

Eine definitive Diagnose ist wichtig, weil Symptome einer Gonorrhö denen einer Infektion mit Chlamydien ähneln, diese beiden Erkrankungen jedoch unterschiedlich behandelt werden müssen.

Wann könnte der Test sinnvoll sein?
Bei Frauen sollte der Test bei folgenden Symptomen durchgeführt werden: gelblicher oder blutiger Ausfluss aus der Scheide, Blutungen im Zusammenhang mit vaginalem Geschlechtsverkehr oder brennendes/schmerzhaftes Wasserlassen. Symptome bei Männern sind: eitriger Ausfluss aus dem Penis, Juckreiz oder ein brennendes Gefühl beim Wasserlassen. Während der Schwangerschaft sollten Frauen mindestens einmal auf Gonokokken untersucht werden. Zudem sollte der Partner untersucht und gegebenenfalls mitbehandelt werden, da es sonst zu einer immer wiederkehrenden wechselseitigen Ansteckung kommen kann (Pingpong-Effekt).

Was bedeutet das Testergebnis?
Ein positiver Test signalisiert eine aktive Infektion, die mit  Antibiotika behandelt werden muss.

Gibt es weiteres, das ich wissen sollte?
Viele Menschen infizieren sich mit einer Gonorrhoe ohne es zu wissen, da ihre Symptome mild oder gar nicht vorhanden sind. Etwa. 20 % der Männer entwickeln trotz Infektion keine Symptome, infizierte Frauen bleiben sogar in über 50 % der Fälle symptomlos. Trotzdem sind sie infektiös und können ihre Sexualpartner anstecken. Personen mit einem positiven Testergebnis können sich zusätzlich mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten wie Syphilis, Chlamydien, Hepatitis B und C und hiv infiziert haben. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Infektion kann sogar ansteigen, da durch eine Gonokokken-Infektion die Schleimhäute vorgeschädigt sind und somit andere Erreger leichter eindringen und zu einer Infektion führen können. Daher empfiehlt sich eine Untersuchung auf die oben genannten Infektionen. Außerdem sollte sich der Sexualpartner ebenfalls untersuchen und gegebenenfalls behandeln lassen. Schutz vor den sexuell übertragbaren Krankheiten bietet nur geschützter Geschlechtsverkehr durch konsequente Nutzung von Kondomen.

Fällt der Test auf Gonokokken negativ aus, sollten sexuell übertragbare Erkrankungen als Ursache der Symptome nicht ausgeschlossen werden und erneute Gonokokken-Untersuchungen sowie Tests auf ähnliche Erkrankungen (wie oben erwähnt) durchgeführt werden.


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

Gonokokken sind extrem empfindlich gegen Kälte und Austrocknung. Die Abstriche sollten daher umgehend in bestimmten Transportmedien (z. B. GO-Slide Kultur-Untersuchungen) ins Labor versandt werden, damit die Untersuchung auf Gonokokken möglichst schnell erfolgen kann. Für molekularbiologische Untersuchungen werden spezielle Medien verwendet, die kein Gel enthalten.

Referenzbereich
Negativ (kein Nachweis von Gonokokken).

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
Die Untersuchung auf Gonokokken kann mit mikrobiologischen und molekularbiologischen Methoden durchgeführt werden. Mikrobiologisch werden im Direktpräparat aus Abstrichen mit Hilfe der Methylenblau- und Gram-Färbung Diplokokken nachgewiesen, die in der Kultur bestätigt werden müssen. Eine Resistenztestung kann angeschlossen werden. Während dieser Nachweis bei Männern mit entsprechenden Symptomen und in sterilen Materialien fast immer gelingt, führt er bei der Frau in über 40 % zu falsch-negativen Ergebnissen. Ursachen können u.a. vermehrte Schleimproduktion mit folgender Inhibition des Wachstums oder der PCR, Infektionen nach bereits eingeleiteter Antibiotikatherapie sowie falsche Transportbedingungen sein. Die molekularbiologische Untersuchung weist die Gonokokken mit hoher Spezifität und Sensitivität direkt nach. Durch PCR-Inhibitoren und Einsendung in ungeeigneten Transportmedien (z. B. Gel-Abstriche) können auch hier falsch-negative Befunde entstehen.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Qualitätskriterien entsprechend den Richtlinien der Bundesärztekammer (RILIBÄK) sowie der CLSI. Teilnahme an vier Ringversuchen pro Jahr.


Häufige Fragen

1. Welche Symptome treten bei einer Gonorrhö auf?

Bei Frauen ähneln frühe Symptome denen einer Blasen– oder Scheidenentzündung, eine Gonorrhö in diesem Stadium wird daher häufig mit diesen beiden Infektionskrankheiten verwechselt. Symptome sind Blutungen bei vaginalem Geschlechtsverkehr, brennendes/schmerzhaftes Wasserlassen und gelblicher oder blutiger Ausfluss aus der Scheide. Frühsymptome bei Männern sind eitriger Ausfluss aus dem Penis, Penisschmerz oder ein brennendes Gefühl beim Wasserlassen. Abhängig von den Sexualpraktiken können eine Proktitis, Pharyngitis und Konjunktivitis entstehen. Eine rektale Infektion kann sich durch Ausfluss, Juckreiz und schmerzhaften Stuhlgang mit blutigem Stuhl äußern.

Die Symptome treten üblicherweise 2 bis 10 Tage nach Geschlechtsverkehr mit einem infizierten Partner auf. Die ersten Symptome können mild sein; bei 20 % der Männer und über 50 % der infizierten Frauen tritt sogar eine Infektion ohne die typischen Symptome auf.

2. Was passiert, wenn eine Gonorrhö nicht behandelt wird?
Unbehandelt kann eine Gonorrhö zu schweren Komplikationen führen. Bei Frauen kann sich die Infektion zu einer sogenannte oberen Gonorrhö entwickeln, die sich von der Scheide und den Harnleitern weiter ausbreitet und Gebärmutter (Endometritis) und Eileiter (Salpingitis) befallen kann. Entzündete Eileiter können vernarben mit dem Risiko von Eileiterschwangerschaften oder  Sterilität. Weitere Symptome einer oberen Gonorrhö sind stärkere Regelblutungen mit vermehrten Krämpfen, anomaler schleimiger Ausfluss, Schmerzen im Unterbauch (Peritonitis), Abgeschlagenheit, Fieber, Erbrechen und Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs. Weiterhin unbehandelt können Langzeit-Komplikationen entstehen, zum Beispiel Abszesse und Infektionen im Bereich der Leber. Bei Männern besteht die Gefahr, dass eine Gonokokken-Infektion auf Prostata und Hoden übergreift, was zu Unfruchtbarkeit führen kann. Die Bakterien können sich über den Blutkreislauf im ganzen Organismus ausbreiten und zum Beispiel Gelenke (Arthritis), Herzklappen (Endokarditis), Augen (Konjunktivitis) oder das Gehirn (Meningitis) infizieren und ohne Therapie zu schwerwiegenden Komplikationen führen.

3. Wie wird eine Gonorrhö übertragen?
Gewöhnlich wird Gonorrhö bei Geschlechtsverkehr mit einem Infizierten übertragen (oral, vaginal oder anal). Da Neisseria gonorrhoeae außerhalb des menschlichen Körpers für eine kurze Zeit lebensfähig ist, könnte ein mit Ausfluss benetztes Handtuch oder andere im Infektionsbereich benutzte Gegenstände einer infizierten Person die Erkrankung übertragen; dies ist jedoch selten. Eine infizierte Schwangere kann den Erreger während der Geburt auf das Neugeborene übertragen. Dadurch kann eine schwerwiegende Konjunktivitis entstehen, die im schlimmsten Fall zur  Erblindung führt.

4. Wie wird eine Gonorrhö behandelt?
Eine Reihe von Antibiotika (Cephalosporine) ist gegen den Erreger wirksam.

5. Wie kann dieser Erkrankung vorgebeugt werden?
Schutz bieten nur Barrieremethoden (Nutzung von Kondomen). Eine Impfung existiert nicht.


Weiterführende Links zum Thema

Robert-Koch-Institut (RKI), Infektionskrankheiten A-Z: https://www.rki.de/cln_049/nn_196658/DE/Content/InfAZ/G/Gonorrhoe/gonorrhoe.html?__nnn=true

AWMF Online-Leitlinien / Leitlinien der Deutschen Urologen (Nr. 043/037)

AWMF Empfehlungen zur bakteriellen Vaginose:
https://www.uni-duesseldorf.de/awmf/ll/015-028.htm

AWMF Leitlinie sexuell übertragbare Erkrankungen am männlichen Genitale:
https://www.uni-duesseldorf.de/awmf/ll/043-037.htm

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