Lipidprofil

Auch bekannt als: Lipidprofil, Fettstoffwechsel-Tests
Bezeichnung: Lipidprofil
Ähnliche Tests: Cholesterin, HDL, LDL, Triglyzeride


Auf einen Blick

Was ist ein Lipidprofil?
Im Lipidprofil werden eine Reihe von Tests zusammengefasst, die oft angefordert werden, um das Risiko eines Patienten für die Entwicklung von Gefäßerkrankungen (besonders der Herzkranzgefäße und der Gefäße des Gehirns) abzuschätzen. Mit den einzelnen Tests des Lipidprofils kann das Risiko von Verengungen der Blutgefäße durch Atherosklerose gut vorhergesagt werden.

Welche Tests werden unter einem Lipidprofil zusammengefasst?
Im Lipidprofil werden gemessen: Gesamt-Cholesterin, HDL-Cholesterin (das sogenannte „gute“ Cholesterin), LDL-Cholesterin (das sogenannte „schlechte“ Cholesterin) und Triglyceride. Manchmal werden zusätzliche Werte errechnet (z. B. das Verhältnis zwischen HDL und Gesamt-Cholesterin). Die Ergebnisse des Lipdiprofils können mit weiteren Daten (z. B. Alter und Geschlecht) sowie weiteren Risikofaktoren für eine weitere Risikoberechnung verwendet werden. Bekannt ist hierfür der PROCAM-Score.

Wie wird ein Lipidprofil eingesetzt?
Das Lipidprofil wird eingesetzt, um dem behandelnden Arzt eine Entscheidungshilfe zu geben, Risikopatienten zu identifizieren und gegebenenfalls zu behandeln. Dabei werden zusammen mit den Ergebnissen aus dem Lipidprofil auch andere Herzrisikofaktoren berücksichtigt.


Das Probenmaterial

Behandlungsmöglichkeiten

Wie wird die Therapie festgelegt?
Die Behandlung basiert auf dem Gesamtrisiko des Patienten für eine koronare Herzerkrankung. Dabei wird zunächst ein Ziel-LDL-Wert festgelegt. Liegt der gemessene LDL-Wert eines Patienten oberhalb dieses Richtwertes, wird die Indikation für die Behandlung gestellt. Ziel-LDL-Werte sind entsprechend:

  • LDL weniger als 100 mg/dl (2,59 mmol/l) bei Patienten mit bestehender Herzerkrankung oder Diabetes mellitus;
  • LDL weniger als 130 mg/dl (3,37 mmol/l) bei Patienten mit zwei oder mehr Risikofaktoren;
  • LDL weniger als 160 mg/dl (4,14 mmol/l) bei Patienten mit keinem oder einem Risikofaktor.

Der erste Schritt zur Behandlung zu hoher LDL-Werte zielt auf eine Änderung der Lebensweise ab: Spezielle Diäten mit wenig gesättigten Fettsäuren und mäßige Bewegung. Ratschläge zur Ernährungsumstellung geben zum Beispiel speziell ausgebildete Diätassistenten und Ökotrophologen geben.

Kann der LDL-Spiegel durch eine fettreduzierte Diät und Bewegung nicht ausreichend gesenkt werden, kommen im nächsten Schritt Medikamente zum Einsatz. Es gibt mehrere Wirkstoffklassen, die sich als effektiv bei der Reduktion des LDL-Cholesterins erwiesen haben; eine von ihnen wird für die Therapie ausgewählt. Um die Wirkung des Medikamnts kontrollieren zu können, werden in regelmäßigen Abständen die LDL-Werte im Blut gemessen. Zeigt sich das Medikament als nicht wirksam für eine Senkung des LDL-Spiegels auf den Ziel-Wert, kann der behandelnde Arzt die Dosis des Medikaments erhöhen oder ein weiteres hinzufügen.

Risikofaktoren
Welche weiteren Faktoren (neben einem zu hohen LDL-Spiegel) müssen zur Risiko-Bewertung einer koronaren Herzkrankheit berücksichtigt werden?

Weitere Risikofaktoren sind:

  • Zigarettenrauchen;
  • Alter (Männer älter als 45, Frauen älter als 55 Jahre);
  • zu niedriges HDL-Cholesterin (weniger als 40 mg/dl bzw. 1,04 mmol/l);
  • Bluthochdruck (Blutdruck bei 140/90 oder höher bzw. Einnahme blutdrucksenkender Medikamente);
  • Auftreten von frühzeitigen Herzerkrankungen in der Familie (Herzerkrankung bei erstgradig männlichen Verwandten unter 55 Jahren oder erstgradig weiblichen Verwandten unter 65 Jahren).

Bemerkung: Ein hohes HDL-Cholesterin (60 mg/dl oder höher) wird als „negativer Risikofaktor“ bezeichnet und vermindert das Risiko einer Entstehung einer koronaren Herzerkrankung.


Der Test

 


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport
Die Stabilität und die Besonderheiten hängen von dem jeweils bestimmten Parameter zur Untersuchung des Lipidprofils ab, siehe daher unter: LDL, HDL, LDL-Subklassen, DLDL, Lp(a), VLDL, ApoB100, ApoA1

Referenzbereich
Siehe für den jeweiligen Lipidtest die Interpretation des durchführenden Labors. Die verschiedenen Methoden ergeben unter Umständen weit diffierende Ergebnisse.

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
Eine Gabe von Heparin führt zur Aktivierung der Lipolyse und somit zu einer massiven Veränderung der Lipoproteinzusammensetzung. Innerhalb von 24 Stunden vor der Blutentnahme sollte kein Alkohol aufgenommen werden. Siehe weiter unter den oben genannten Lipidtests für die spezifischen Störfaktoren.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Die Subfraktionierung unterliegt nicht der RiliBAeK.


Häufige Fragen

1. Bei einer Routine-Untersuchung zeigt sich ein Cholesterin-Wert von weniger als 200 mg/dl (5,18 mmol/l). Muss sich daran ein Lipidprofil anschließen?
Falls das Gesamtcholesterin unter 200 mg/dl gemessen wurde, keine Fälle von Herzerkrankungen in der Familie bekannt sind und auch keine weiteren Risikofaktoren, ist ein Lipidprofil wahrscheinlich nicht notwendig. Allerdings wäre eine Bestimmung des HDL-Cholesterins angebracht, um ein zu niedriges HDL ausschließen zu können. Im Rahmen vieler Gesundheitschecks werden mittlerweile Gesamtcholesterin und HDL-Cholesterin bestimmt. Falls sich dabei ein Gesamtcholesterin-Wert von unter 200 mg/dl (5,18 mmol/l) sowie ein HDL-Cholesterin-Wert von über 40 mg/dl (1,04 mmol/l) zeigen, ist ein Lipidprofil nicht zu empfehlen.

2. Wie oft sollte ein Lipidprofil durchgeführt werden?
Gesunde Personen ohne weitere Risikofaktoren für eine Herzerkrankung sollten ihre Gesamtcholesterin- und HDL-Werte alle fünf Jahre untersuchen lassen. Ein Lipidprofil ist hierbei nicht notwendig. Sind jedoch Risikofaktoren vorhanden oder hohe Cholesterin-Werte aus vergangenen Untersuchungen bekannt, sollten entsprechende Untersuchungen öfter und zusammen mit einem vollen Lipidprofil durchgeführt werden.

3. Warum kommt es vor, dass als Ergebnis des Lipidprofils hohe Triglyceride, aber kein LDL-Cholesterin angegeben wird?
Oft wird im Rahmen von Lipidprofil-Untersuchungen das LDL-Cholesterin über die anderen Messwerte berechnet. Diese Art der LDL-Bestimmung ist jedoch bei Triglycerid-Werten über 400 mg/dl (4,52 mmol/l) unzulässig. Um dennoch LDL-Cholesterin bei Triglycerid-Werten über 400 mg/dl (4,52 mmol/l) bestimmen zu können, müssen spezielle Testmethoden angewandt werden, zum Beispiel der direkte LDL-Test (DLDL-Test) oder ein Ultrazentrifugationstest für Lipide (manchmal auch Beta-Quantifizierung genannt).

4. Was ist VLDL?
Das Lipoprotein sehr geringer Dichte (very low densitiy lipoprotein, VLDL), ist eines der drei Hauptlipoproteine. Die anderen beiden sind das Lipoprotein hoher Dichte (high densitiy lipoprotein, HDL) und das Lipoprotein geringer Dichte (low density lipoprotein, LDL). Jedes dieser Partikel beinhaltet eine Mischung aus Cholesterin, Proteinen und Triglyceriden, aber in veränderlichen Anteilen. Jedes dieser drei Lipoproteinpartikel hat eine charakteristische Zusammensetzung: LDL trägt als größten Anteil Cholesterin in sich, während HDL vor allem Proteine enthält. VLDL hat als größten Anteil Triglyceride. Da VLDL den größten Anteil der frei zirkulierenden Triglyceride enthält und die Zusammensetzung der verschiedenen Teilchen relativ konstant ist, kann der VLDL-Wert berechnet werden, indem der Triglycerid-Wert in mg/dl durch die Zahl fünf geteilt wird. Da es im Moment keine einfache und direkte Methode zur Bestimmung des VLDL-Lipoproteins gibt, wird es in den meisten Einrichtungen über die Triglyceride berechnet. Dabei ist diese Art der Berechnung nicht zulässig für Triglycerid-Werte über 400 mg/dl (4,52 mmol/l, siehe Frage 3)

5. Ist eine isolierte Cholesterinbestimmung sinnvoll?
Von einer isolierten Cholesterinbestimmung wird abgeraten, da dabei Erhöhungen der Neutralfette (Triglyzeride) unentdeckt bleiben. Sehr oft ist auch bei sehr starken Erhöhungen der Triglyzeride das Gesamtcholesterin nicht erhöht. Bei diesen Patienten liegt aber sehr häufig ein sehr niedriges HDL-Cholesterin vor, was einen Risikofaktor darstellt. Eine schwere unbehandelte Erhöhung der Triglyzeride ist mit dem hohen Risiko einer Entstehung einer Bauchspeicheldrüsenentzündung verbunden und sollte daher ärztlich behandelt werden.


Weiterführende Links zum Thema

Leitlinien und Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft zur Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen: https://www.dgpr.de/47.0.html

Deutsche Gesellschaft für Arterioskleroseforschung e.V.: https://www.dgaf.de

Diagnostik und Berechnungshilfen, Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen DGFF (Lipid-Liga): https://www.lipid-liga.de/cms/

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