Blutgefäße

Blutgefäße sind die Bahnen des Lebens

 

Das Blut, das zahlreiche lebensnotwendige Aufgaben erfüllt, ist in einem geschlossenen Kreislauf integriert. Die Gefäße reichen bis in alle Körperbereiche hinein. Sie durchdringen auch die kleinsten Gewebezonen, sodass eine allumfassende Versorgung gewährleistet werden kann. Angetrieben wird der Durchlauf des Blutes in diesem komplexen System aus Blutgefäßen durch das Herz.

Die Blutgefäße übernehmen eine entscheidende Rolle, wenn es um die Funktions- und Lebensfähigkeit aller Organe und Organgefüge geht. Sind die Blutgefäße intakt, dann ist der Organismus leistungsfähig und vital. Wie alle anderen Organe, so sind die Blutgefäße nicht unbegrenzt widerstandsfähig gegenüber allen äußeren und inneren Einflüssen. Gerade in der heutigen Zeit nehmen Erkrankungen des Blutgefäßsystems in erstaunlichem Umfang zu.

Jedes einzelne Blutgefäß und das gesamte System ist äußerst empfindlich gegenüber ungünstigen Einflüssen. Die Lebensweise der Menschen schließt heutzutage nicht aus, dass die Anzahl der Blutgefäß- und der Herzerkrankungen weiterhin anwächst.

Wie die Blutgefäße aufgebaut sind und wie sie arbeiten, in welcher Verbindung alle diese Elemente untereinander stehen und welche Wechselwirkungen es gibt, erfahren die interessierten Leser im folgenden Informationstext.

 

Was sind Blutgefäße?

 

Im umgangssprachlichen Gebrauch werden die Blutgefäße allgemein ALS Adern deklariert. In den Adern, die aus vielen flexiblen, leicht elastischen Röhren bestehen, fließt das Blut vom Herzen weg und zum Herzen hin. Gemeinsam mit dem Herzen werden die Blutgefäße unter dem Begriff Blutkreislauf zusammengefasst.

Das Blutgefäßsystem setzt sich mehreren Arten von Blutgefäßen zusammen. Deren Klassifizierung hängt von variablen Gesichtspunkten ab. Dazu gehören der spezifische Aufbau, die Funktionen und die Größe beziehungsweise der Durchmesser.

In der Anatomie (Lehre vom Aufbau) und der Pathologie (Lehre von den Krankheiten) werden verschiedene Blutgefäße differenziert. Unter dieser Voraussetzung ist auch eine gewisse Abgrenzung der Blutgefäße voneinander möglich. Das ist wiederum eine von vielen Grundlagen für eine eindeutige Erkennung von Krankheiten des Herzens und des Blutkreislaufs.

Zu den Blutgefäßen gehören:

  • Aorta oder Hauptschlager
  • Arterien oder Schlagadern
  • Arteriolen oder kleine Schlagadern
  • Venen oder Blutadern
  • Venolen oder kleine Blutgefäße
  • Kapillaren oder Haargefäße
  • Hohlvenen

Ein erwachsener Mensch verfügt in Abhängigkeit von seinem Alter und seinem Geschlecht ungefähr 140.000 Kilometer an Blutgefäßen. Daran wird deutlich, welch enorme Leistung die Blutgefäße selbst und das Herz erbringen müssen, um das Blut auch in die kleinsten Zellen des Körpers zu transportieren.

Die Evolution hat die Blutgefäße jedoch so geformt und ausgestattet, dass es bei diesem Prozess keinerlei Probleme gibt. Jeder Herzschlag und jeder Rhythmus ist vollkommen schmerzfrei, sodass der gesunde Mensch dieses tausendfach stattfindende, extrem komplizierte Ereignis nicht bemerkt.

Funktionen und Aufgaben der Blutgefäße

Die Blutgefäße erfüllen die Aufgabe, das Blut durch den Körper zu leiten. Sie sind die bauliche Basis für die rhythmische Zirkulation des Blutes. Dieser Vorgang ist das Fundament für den Nährstoff- und den Sauerstofftransport. In den Blutgefäßen fließt das Blut mit einer bestimmen Geschwindigkeit und einem bestimmten Druck.

Damit das Blutgefäßsystem reibungslos funktionieren kann, müssen alle Gefäße miteinander und mit dem Herzen verbunden sein. Nur so kann ein ungehinderter Blutfluss garantiert werden. Das geschieht bis in die Peripherie (von der Körpermitte beziehungsweise vom Rumpf entfernte, am Rand liegende Körperareale) und bis in alle inneren Organe. In der Peripherie befinden sich unter anderem die Arme und die Beine sowie der teilweise der Schädel.

Durch die extreme Verzweigung der Blutgefäße ist eine ausreichende Versorgung der Zellen und des Kreislaufsystems selbst realisierbar.

Der Mechanismus der Blutgefäße, der aus einem Zusammenziehen und einem Dehnen besteht, trägt zu einer gezielten Steuerung des Blutflusses bei. Die Blutgefäße sind zudem für eine konstante Körpertemperatur zuständig. Dabei handelt es sich um die Körperkerntemperatur, die durch die Blutgefäße reguliert wird. Sie schützen den Körper damit vor Unterkühlung und halten damit die Lebensfähigkeit aufrecht.

Die Funktionsweise aller Blutgefäße beruht auf einer abwechselnden Bewegung, die gegensätzlich ausgeführt wird.

In der Physiologie (Lehre von der Funktion der Organe und Organsysteme) werden diese Prozesse als:

  • Vasodilatation mit einer Zunahme des Gefäßquerschnittes (Gefäßerweiterung)
  • Vasokonstriktion mit einer Abnahme des Gefäßquerschnittes (Gefäßverengung)

definiert

.

Beide Vorgänge lassen sich so erklären, dass die Blutgefäße flexibel sind. Das heißt, die Muskelschichten im Inneren der Röhrensysteme werden durch das vegetative (unwillkürliche) Nervensystem so beeinflusst, dass sie sich zusammenziehen und wieder ausdehnen können. Verschiedene Bedingungen führen jedoch dazu, dass diese lebensnotwendige Fähigkeit der Blutgefäße verloren Gehen kann.

Da die Funktionen der Blutgefäße keine einheitliche Funktion erfüllen, unterscheiden sie sich auch in Hinsicht auf deren Morphologie (Gestalt). Vor allen Dingen die großen Blutgefäße übernehmen vorrangig den Bluttransport. Treffen diese auf ein Organ, dann werden sie immer dünner und sie teilen sich immer weiter. Dann werden sie zu sogenannten Endstrombahnen, die den Austausch von Stoffen übernehmen.

Dabei geht es um die Abgabe von Sauerstoffe und Nährstoffen und umgekehrt um die Aufnahme von Kohlendioxid und Stoffwechselendprodukten. Mit diesen Aufgaben ist es jedoch noch nicht abgetan. Das Blutgefäßsystem wird noch durch ein weiteres Hohlorgan, das Lymphsystem erweitert.

Das Lymphsystem ist in gewisser Hinsicht zwar ein eigenständiges Organ, es ist aber mit dem Blutgefäßsystem unmittelbar verbunden. Die großen Lymphgefäße sammeln die in den kleinen Lymphgefäßen gesammelte körpereigene Gewebsflüssigkeit. Über die Venenwinkel und die obere Hohlvene werden diese Substanzen abgeführt und ausgeschieden.

Das Blutgefäßsystem des Menschen umfasst sowohl herzferne als auch herznahe Strukturen.

Diese sind ebenfalls durch signifikante Aufgaben charakterisiert:

  • Arterien sichern den Fluss des mit Sauerstoff angereicherten Blutes (arterielles Blut) vom Herzen. Arterielles Blut erscheint daher immer hellrot und schäumt leicht. Es fließt zudem pulsierend aus einer Arterie. Die hellrote Färbung ist der hohen Konzentration an Sauerstoff zuzuschreiben.
  • Arteriolen entstehen durch eine Verzweigung und eine Verkleinerung des Querschnitts aus den Arterien. Arteriolen verzweigen sich weiter in die Metarteriolen. Sie wirken als Barriere, bevor das Blut in die Kapillaren gelangt. Das Blut kommt unter einem relativ hohen Druck aus dem Herzen und den Arterien in den Arteriolen an. Würden die Arteriolen und Metarteriolen nicht als Widerstandsgefäße ausgelegt sein, könnten die noch schmäleren Kapillaren platzen.

Aus Arterien werden Arteriolen, aus Arteriolen werden Metarteriolen, aus Metarteriolen werden Kapillaren.

  • Venen sind praktisch die Gegenspieler der Arterien. Die Venen führen sauerstoffarmes Blut von der Körperperipherie und den inneren Organen zum Herzen beziehungsweise zur Lunge hin. In den Venen befinden sich daher besondere anatomische Gefüge. Das Blut in den Venen ist dunkelrot, weil es überwiegend Kohlendioxid enthält.
  • Das Blut in den Venen verfügt auch nicht über einen so hohen Druck wie arterielles Blut. Die Venen sind so beschaffen, dass sie ohne Schwierigkeiten in der Lage sind, ein großes Blutvolumen aufzunehmen. Sie werden im medizinischen Termins daher als Kapazitätsgefäße benannt.

Aus den Kapillargefäßen werden Venolen, aus Venolen werden Venen und aus mehreren Venen entsteht die Hohlvene (obere und untere Hohlvene).

  • Venolen ergeben sich vielen verästelten Kapillaren. Diese kommen in den Venolen zusammen, sodass das an Stoffwechselendprodukten und an Kohlendioxid reiche Blut zunächst gespeichert werden kann. Die Venolen befördern das Blut in den Venen, das dieses weiter in die Hohlvenen presst.
  • ​​​​​​​Kapillaren oder Kapillargefäße liegen am nahesten an den Körperzellen. Diese Gefäße übernehmen den unmittelbaren Austausch von Gasen (Sauerstoffe, Kohlendioxid), Nährstoffen und Stoffwechselendprodukten (Abfallprodukte) sowie von Wasser. Sie gelten daher als die Austauschgefäße des Organismus. Ein einzelnes Haar ist ungefähr zehn Mal so dick wie ein Kapillargefäß. Die durchschnittliche Länge einer Blutkapillare bewegt sich in etwa um einen halben Millimeter. Dennoch sind die mikroskopisch kleinen Kapillaren befähigt, den Stoffaustausch über die halbdurchlässigen (semipermeabel) zu übernehmen.

Nicht in allen Körperteilen und Organsystemen sind die Kapillaren in gleicher Dichte vorhanden. Deutlich wird das anhand der unterschiedlichen Blutungsfähigkeit von Geweben. Die Kapillaren sind mit einem permanenten Austausch von Stoffen beschäftigt.

Diese Kapillarwände können größere lebenswichtige Moleküle oder Zellen zurückhalten, sodass diese nicht aus dem Körper ausgeschieden werden. Niedermolekulare Substanzen wie Gase, Wasser und Zucker (Glukose) können die Zellwände jedoch ungehindert durchdringen.

Anatomie und Aufbau der Blutgefäße

Das gesamte Blutgefäßsystem wird als Hohlorgan eingestuft. Alle Gefäße sind in ihrem Aufbau etwa gleichartig. Diese Aussage bezieht sich hauptsächlich auf die Gefäßwände. Diese weisen allerdings einen variierenden Aufbau auf. Werden Venen und Arterien in Hinsicht auf ihre Morphologie gegenübergestellt, dann fallen die ähnlichen Schichten der Gefäßwände auf.

Bei der histologischen Betrachtung (Histologie ist die Lehre von den Geweben) erscheinen unter dem Mikroskop:

  • innere Endothelschicht oder Tunica interna (Endothelzellen, Bindegewebe, elastische Basalmembran)​​​​​​​
  • ​​​​​​​Media oder Tunica media (glatte Muskelzellen und elastische Muskelfasern)​​​​​​​
  • äußere Gewebeschicht oder Tunca externa oder Adventitia (elastische Fasern und Bindegewebe)

​​​​​​​Die Termini Tunica und Intima stehen beide für Gewebsschicht.

Arterien – morphologische Besonderheiten

Arterien sind durch eine weitere Gewebeschicht, dier Elastica externa (eine dehnbare Haut zwischen Externa und Media) gekennzeichnet. Die Arterien, auch als Puls– oder Schlagadern bekannt, fallen durch wesentlich dickere Wände als die Venen auf. Neben den muskulären sind im Körper ebenfalls die elastischen und die Übergangsformen beider Varianten zu finden. Durch diese Ausstattung können die Arterien die Kontraktion oder das Zusammenziehen (Systole) und die Entspannung oder das Erschlaffen (Diastole) ausführen.

Venen und ihre spezielle Anatomie

Die Wände der Venen sind nicht so kräftig wie die Arterienwände. Venen zeichnen sich aber durch ein größeres Volumen (Lumen = Durchmesser) und das Vorhandensein von Venenklappen aus. Venenklappen fungieren wie Ventile.

Bei den Venen gibt es die tiefen und die oberflächlichen Blutgefäße, die insgesamt enorme Mengen an Blut aufnehmen können. In stehender Position müssen die Venen entgegen der Schwerkraft arbeiten, um das Blut aus den unteren Körperteilen zum Herze zu führen.

Damit das Blut nicht zurückfließen oder versacken kann, sind in den Venen die sogenannten Venenklappen integriert. Die aus einem Plattenepithel geformten Venenventile verhindern ein Zurückfließen von Blut in die Arme und die Beine. Die Klappen falten sich auseinander und fangen somit das im Zurückfließen begriffene Blut auf

Kapillaren – die kleinsten Verzweigungen

So winzig sie sind, die Kapillaren sind mehreren Bauformen anzutreffen:

  • Fenestrierte Kapillargefäße sind mit Poren zwischen den Endothelzellen (Durchsatz von kleinen Eiweißen beziehungsweise Proteinen) ausgestattet. Sie kommen im Darm, in der Niere und in der Bauchspeicheldrüse vor.
  • Kontinuierliche Kapillaren mit mit einer durchgängigen Endothelschicht, die nur von niedermolekularen Stoffen durchdrungen werden kann. Dieser Prozess heißt Permeation.
  • Sinusoide sind erweiterte Haargefäße mit Poren und mit einer von Poren durchsetzten Basallamina. Blutkörper und hochmolekulare Eiweiße können hindurch treten. Sinusoide sind in der Leber, im Knochenmark, in der Milz und in den Lymphknoten zu finden.

Krankheiten, Beschwerden und Störungen im Zusammenhang mit den Blutgefäßen

Die Erkrankungen, die in Verbindung mit den Blutgefäßen auftreten können, werden insbesondere in der Angiologie (Lehre von den Gefäßerkrankungen) betrachtet.

Ist das Blutgefäßsystem frei von pathologischen (krankmachenden) Beeinträchtigungen, nehmen die Patientinnen und Patienten den Blutkreislauf gar nicht wahr. Kommt es jedoch zu abnormen Auffälligkeiten, dann wirken sich diese auf eine Vielzahl an medizinischen Teildisziplinen aus.

Dazu gehören:

Um eine grobe Unterteilung aller Gefäßerkrankungen vornehmen zu können, stützen sich de Mediziner auf Überbegriffe wie das arterielle und das venöse System.

Zu arteriellen Erkrankungen kommt es meist durch einen Verschluss der Gefäße infolge einer Gefäßverkalkung, durch Plaque an den Innenseiten der Gefäßwände oder durch eine Einengung (Stenose) und der damit verbundenen Reduzierung des Lumens oder einem Totalverschluss.

Gefäßerkrankungen an den Venen entstehen überwiegend durch das Nachlassen der Venenklappentätigkeit, durch eine Verringerung der Elastizität der Venenwände (es bilden sich Aussackungen) und durch einen Verschluss der Vene durch ein Gerinnsel.

Kapillaren von ebenfalls erkranken. Pathologische Veränderungen können sich beispielsweise als Ausbuchtungen in den Kapillarwänden und als Feuermal, einer gutartigen Fehlbildung der Haargefäße, manifestieren. Des Weiteren sind Blutergüsse oder Hämatome und das sogenannte Blutleck-Syndrom übliche Anomalien.

Erkrankungen der Blutgefäße und deren Folgen für die Gesundheit

Aufgrund der enormen Vielfalt an Blutgefäßen und der damit verbundenen pathologischen Erscheinungen können an dieser Stelle nicht alle Erkrankungen behandelt werden. Die Auswahl bezieht sich auf die häufigsten Gefäßkrankheiten.

– Eine weit verbreitete Erkrankung, die im Volksmund auch als Schaufensterkrankheit bekannt ist, ist medizinisch richtig ausgedrückt eine periphere arterielle Verschlusskrankheit.
Diese Krankheit verläuft in vier Stadien. Im letzten treten offene Wunden auf, die nicht oder nur eingeschränkt abheilen. Störungen der Durchblutung sind dabei hauptsächlich in den Beinen vorhanden. Die Betroffenen haben ständig Schmerzen in den Waden, den Füßen und den Oberschenkeln.
Diese Patientinnen und Patienten bleiben ständig stehen und „schauen sich die Schaufenster an“, weil die schmerzhaften Symptome oder Krankheitsanzeichen in Ruheposition nachlassen. Daher kommt dieser umgangssprachliche Begriff.
Ursache für die paVK ist die Arteriosklerose mit kalkigen oder fettigen (Cholesterin) Ablagerungen in den Arterien. Starkes Rauchen und die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) fördern diese Erkrankung ebenfalls. Die paVK muss rechtzeitig therapiert werden, um einem Schlaganfall (Apoplexie) oder einem Herzinfarkt (Myokardinfarkt) vorzubeugen.

– Die chronische venöse Insuffizienz, das chronisch-venöse Stauungssyndrom oder das Postthrombotische Syndrom (Komplex aus mehrere Symptomen) ist ein Zustand, der durch eine Behinderung des Abflusses venösen Blutes verbunden ist. Das Blut „versackt“ in den unteren Extremitäten. Erkennbar ist diese pathologische Auffälligkeit an einer Druckzunahme in den Beinvenen sowie an einem Anschwellen der Füße und Beine.

Die ebenfalls in mehreren Graden vonstatten gehende Erkrankung äußerst sich durch mannigfaltige Beschwerden.

Dazu gehören:

  • schwere und gespannte Beine
  • Besenreiser und Krampfadern (Varizen)
  • rückgängige (reversible) und später dauerhafte Ansammlungen von Wasser in den Beinen (Phlebödem oder Ödem)
  • Krämpfe in den Waden
  • Missempfindungen (Parästhesien) wie Jucken, Taubheit, Kribbeln
  • Veränderungen der Haut durch eine verminderte Zufuhr von Nährstoffen mit Stauungsexzem und der Bildung weißlicher Narben
  • Uzerationen oder Hautdefekte, Geschwüre (Ulkus cruris)

Eine Insuffizienz ist ein Funktionsverlust. Die Therapie der chronisch venösen Insuffizienz beinhaltet das Tragen von Kompressionsstrümpfen, eine Reduzierung von Körpergewicht und das Trainieren der Beinmuskulatur (Muskelpumpe) durch mehr Bewegung. Behandlungen zur Wiederherstellung geschädigter Venenklappen existieren bislang nicht.

– Morbus Osler oder die Hereditäre hämorrhagische Teleanektasie ist ein körperliches Gebrechen, das zu den Erbkrankheiten gezählt wird. In den Kapillaren bilden sich Wandausstülpungen aus, die eine Entwicklung von kurzen Überbrückungen zwischen Venen und Arterien fördern. Ein klassisches Symptom dieser Anomalie sind rot gefärbte Hautflecken.

Diese Auffälligkeiten werden sichtbar:

  • an den Lippen
  • in der Schleimhaut der Nase
  • an den Fingerspitzen
  • in der Schleimhaut des Mundes

Durch mechanische Einwirkungen kommt es schnell zur Perforation (Aufplatzen, Reißen) der betroffenen Stellen. Daraus resultieren wiederum Blutungen.

Typische und häufige Erkrankungen der Blutgefäße

 

  • chronische (anhaltend, wiederkehrend, schleichend) Störungen der Durchblutung in den Beinen oder periphere arterielle Verschlusskrankheit (Schaufensterkrankheit)
  • Erweiterungen der Gefäße
  • Funktionsverlust der Niere (Niereninsuffizienz)
  • Erkrankungen der Aorta
  • Erkrankungen der supraaortalen (Gefäßabgänge aus dem Aortenbogen) Blutgefäße
  • Krankheiten der tiefer gelegenen Venen wie Thrombose, Phlegmasie und venöse Aneurysmen
  • Einengung oder Verschluss der Herzkranzgefäße (Koronare Herzkrankheit)
  • Venenentzündung​​​​​​​ (Phlebitis)
  • ​​​​​​​​​​​​​erhöhter Blutdruck (Hypertonie)​​
  • akuter infrarenaler Aortenverschluss

sowie akute

(abrupt, unerwartet oder plötzlich) Durchblutungsstörung:

  • Lerichesyndrom beziehungsweise Verschluss der Bauchschlagader
  • Embolien (Verschluss von Blutgefäßen) in Armen, Beinen und in der Lunge
  • Krampfadern (Varikosis) mit primärer und sekundärer Varikosis
  • Kompartmentsyndrom (Tornique-Syndrom) oder Strangulation oder Abschnürung der Blutgefäße in den Armen und Beinen

​​​​​​​Eine Stenose ist eine Verengung. Bei einer Thrombose ist der ungehinderte Rückfluss der Blutes durch ein Gerinnsel (Thrombus) eingedämmt oder komplett gestört. Eine Phlegmasie ist eine Phlebothrombose, die mit einer Entzündung der Beinvenen sowie mit mit Fieber und Schmerzen der betroffenen Körperbereiche einhergeht. Ein Aneurysma. ist eine pathologische Erweiterung der Schlagader.

– Krampfadern lassen sich auf Erkrankungen der oberflächlichen Beinvenen zurückführen. Krampfadern beeinträchtigen nicht nur das Erscheinungsbild der Beine, sondern verursachen oftmals eine Venenentzündung. Risiken, die mit einer Venenerkrankung verbunden sind, sind eine Beckenvenenthrombose oder eine Lungenembolie.

– Die Carotisstenose oder eine Verengung der Halsschlagader erhöht die Gefahr eines Schlaganfalls oder Hirnschlags. Betroffen sind dabei entweder die Arteria carotis externa (äußere Kopfschlagader), die Arteria carotis interna (innere Kopfschlagader), die Arteria carotis communis (Halsschlagader) oder die Arteriae vertebrates (Wirbelarterien). Die Arterie carotis externa versorgt das Gehirn mit Sauerstoff und Nährstoffen.
Diese Erkrankung ist durch verschiedene Stadien gekennzeichnet. Ausgelöst wird sie unter anderem durch zu hohen Blutdruck, Zuckerkrankheit, Rauchen und zu hohe Cholesterinwerte.
Die Symptome der Carotisstenose sind je nach Fortschreiten der Erkrankung beispielsweise Sprachstörungen, Schwindel, Lähmungen und Störungen der Empfindlichkeit im Gesicht. Im letzten Stadium leiden die Betroffenen unter Stürzen, Sprach-, Hör- und Schluckstörungen, Streckkrämpfen und halbseitigen Ausfällen des Sehfeldes. Therapiert wird die Carotisstenose konservativ (Medikamente), operativ und interventionell (gezielter Einsatz geeigneter medizinischer Methoden).

– Die Arteriosklerose oder die Arterienverkalkung ist eine Erkrankung, die immer mehr Menschen betrifft. Die Risiken, die mit einer Verengung der Arterien auf die Patienten zukommen, sind hoch. Die Einschränkungen, die aus einer Arteriosklerose erwachsen, betreffen den ganzen Körper. Gelangt durch die im Querschnitt reduzierten Arterien zu wenig sauerstoff- und nährstoffreiches Blut in die Muskeln, dann kann das mit schwerwiegenden Folgeerscheinungen verbunden sein.
Der Ausgleich einer Engstellung in den Blutgefäßen kann durch den Körper über einen langen Zeitraum hinweg toleriert werden. Die Arterien können sich durch ihre eigenwillige „Bauweise“ selbst bis zu einem bestimmten Grad weiten. Außerdem bilden sich Umgehungskreisläufe und einzelne kleine Arteriolen können sich ohne Weiteres zu einem großen Blutgefäß zusammenschließen. Auf lange Sicht gesehen und bei permanenter körperlicher Überbelastung können Todesfälle dennoch nicht ausgeschlossen werden.
Einer Arteriosklerose können die Menschen präventiv (vorbeugend) entgegenwirken, indem sie einen gesunden Lebensstil umsetzen und auf regelmäßige körperliche Aktivitäten achten. Die Aufnahme von Trans-Fettsäuren und gesättigter Fettsäuren über die Nahrung oder über Nahrungsergänzungen kann Arteriosklerose ebenfalls hemmen.Verzicht auf das Rauchen, eine nicht zu stark gewürzte Speisenkombination und eine turnusmäßige Kontrolle von Blutzucker, Blutdruck und Cholesterin sind ebenfalls empfehlenswert. So bleiben die Blutgefäße schön frei und intakt bis in das hohe Alter.

Fragen und Antworten zum Thema Blutgefäße

 

Wie verhalten sich Blutgefäße bei warmen und bei kalten Außentemperaturen?

Die Reaktionen des Organismus auf schwankende Temperaturen sind an die Blutgefäße gebunden (Thermoregulation). Die Nervenzellen in der Haut, im Gehirn und im Rückenmark (Thermorezeptoren)  nehmen die Temperaturschwankungen wahr und leiten diese weiter an die zuständigen Schaltstellen im Gehirn.

Neben der Hypophyse schüttet auch die Schilddrüse Hormone aus. Diese regen die Blutgefäße an, sich zusammenzuziehen oder sich zu erweitern. Um den Körper zu kühlen, weiten sich die Blutgefäße. Mehr Blut kann hindurchströmen (Hautfarbe nimmt zu). Dadurch wird mehr Wärme abgegeben. Umgekehrt ziehen sich die Blutgefäße zusammen, um den Menge des pro Minute fließenden Blutes zu drosseln. Unter dieser Voraussetzung verbleibt mehr Wärme in Körper (blasses Aussehen bei Kälte).

Warum werden meist die Venen punktiert und nicht die Arterien?

Die Abnahme von Blut oder das Legen einer venösen Infusion geschieht fast immer über die an der Körperoberfläche verlaufenden, teilweise sichtbaren Venen. Das hat mehrere Vorteile. Zu einen werden Medikamente über eine Infusion venös schnell in den Körper geleitet, weil venöses Blut zum Herzen hin fließt. Sticht man in einen Vene, kommt das Blut nicht mit einem so immensen Druck herausgeschossen wie bei einer Arterie. Das Risiko, große Blutmengen zu verlieren, ist demnach niedriger.

Venen lassen sich wegen der fehlenden Druckbelastung ausgehend vom Herzen länger offen halten. Darüber hinaus können oberflächlich liegende Venen durch Tasten (Palpation) besser lokalisiert werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten bei Gefäßerkrankungen werden praktiziert?

Die moderne Medizin hält eine Fülle an Behandlungsarten für Patienten und Patientinnen mit erkrankten Blutgefäßen bereit. Einige bewährte Methoden sollen an dieser Stelle aufgezeigt werden.

Dazu zählen:

  • Verödung oder Sklerosierung von Besenreisen
  • Verabreichung gerinnungshemmender Arzneimitteln, Calziumanatgonisten, Digitalispräparaten und fettsenkenden Medikamenten
  • Bypassoperationen für den Ersatz von defekten Herzklappen
  • Ballondialatation zur Erweiterung der Blutgefäße durch mit Luft gefüllte Ballons (Angioplastic)
  • Einsatz eines Herzschrittmachers oder Defibrillators gegen Unregelmäßigkeiten des Herzrhythmus
  • Bypassoperationen zur künstlichen Neuanlange von Blutgefäßen
  • Neurostimulatoren sind Geräte, die implantiert oder eingepflanzt werden, um gegen chronische Herzschmerzen vorgehen zu können
  • Venengymnastik
  • Endarteriektomie mit einer Ausschabung der Kalkdepots

 

Welche negativen gesundheitlichen Effekte werden durch Krankheiten der Blutgefäße begünstigt?

Werden an den Blutgefäßen krankhafte Veränderungen deutlich, dann müssen diese so bald wie möglich diagnostiziert und therapiert werden.

Ist das nicht der Fall, entstehen ernsthafte Krankheitsbilder wie:

  • periphere arterielle Verschlusskrankheit
  • koronare Herzkrankheit
  • Herzinfarkt
  • Angina Pectoris
  • Angina abdominalis oder Darminfarkt
  • Aneurysma

Dank fortschrittlicher diagnostischer Untersuchungstechniken und durch das Wissen der Mediziner lassen sich auch derartige Beeinträchtigungen relativ zielgerichtet und präzise erkennen.

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