Agoraphobie

Agoraphobie

Agoraphobie ist eine mentale Angststörung, die sich darin manifestiert, dass Patienten offene und weite Plätze, sowie größere Ansammlungen von Menschen meiden und sich generell auf weiter mehr oder weniger planen Flächen sehr unwohl fühlen.

In der Psychologie wird diese Störung auch ALS „Platzangst“ bezeichnet. Das kann verwirrend sein, da Platzangst landläufig auch für das exakte Gegenteil von Agoraphobie, nämlich der sog. „Claustrophobie“, benutzt wird. Daher verwendet man im klinischen Alltag zumeist den Ausdruck Agoraphobie, um etwaigen Verwirrungen aus dem Weg Gehen zu können.

Diese Angststörung ist schon seit Jahrtausenden bekannt und nachgewiesen. Erste Fälle lassen sich ins antike Griechenland zurückdatieren. Die lange Geschichte dieser Krankheit bedingte glücklicherweise für die Betroffenen eine intensive Erforschung derselben.

Was genau ist eine Agoraphobie?

Die Agoraphobie, wie bereits einleitend erwähnt, bezeichnet die Angst vor großen, weiten, offenen Plätzen oder Landschaften und schließt meist, jedoch nicht immer, ebenso eine Phobie größeren Ansammlungen von Menschen gegenüber ein.

„Agora“ ist das alte griechische Wort für einen Marktplatz. Diese oft großzügig gestalteten offenen Plätze inmitten von Städten und Siedlungen waren alte Namensgebend für dieses psychische Leiden, das auch „Platzangst“ genannt wird. Da der Laie unter Platzangst jedoch zumeist eher eine „Claustrophobie“ also eine „Raumangst“ (d.h. die Angst vor Enge und engen Räumen und Umgebungen) versteht, kann dies mitunter verwirrend sein und Fachpersonal benutzt deswegen zumeist den Fachausdruck.

Es gibt bereits Quellen aus der europäischen Antike, die davon berichten, dass manche Menschen große Plätze selektiv vermieden und es ihnen auch unbehaglich war, sich auf freien Naturflächen aufzuhalten. Manche dieser Personen drückten jedoch nicht nur reines Unbehagen über diese Situation aus, sondern verfielen regelrecht in Angst und / oder Zustände der Raserei. Vielen ihrer Zeitgenossen schien dies seltsam zu sein und man hielt sie für besessen oder verflucht. Heute weiß man, dass es sich bei Agoraphobien um klinische diagnostizierbare psychologische Erkrankungen handelt und nicht um Flüche. Wenngleich manch Betroffener seinen Zustand als Fluch empfinden mag.

Diese lange Tradition der Krankheit hat der Forschung viel Zeit gegeben mögliche Strategien zur Heilung dieser psychologischen Abnormität zu entwickeln. Diese können sowohl therapeutischer als auch medikamentöser Natur sein und bewiesen sich in jüngster Vergangenheit als in der Regel recht hilfreich. Wenngleich eine Heilung natürlich niemals garantiert werden kann.

Was sind mögliche Ursachen einer Platzangst?

Über die genauen Ursachen einer Agoraphobie streiten die Gelehrten noch. Es gibt einige Ansätze, die jedoch sehr vielversprechend scheinen. Da dieses Leiden zudem meist nicht alleine, sondern zusammen mit anderen Angststörungen Auftritt, kann man auch dadurch eine gewisse Korrelation herstellen, die ggf. bei der Ursachenforschung hilfreich sein wird.

Besonders häufig tritt eine Agoraphobie in Personen auf, die einen generell schlechten Sinn für Orientierung oder räumliche Wahrnehmung haben. Es handelt sich hierbei aber nur um einen möglichen Indikator und bedeutet nicht, dass alle Menschen mit schlechtem Orientierungssinn an Platzangst leiden. Lediglich dass sie dafür anfälliger sein könnten.

Hier die gängigsten Theorien zu den möglichen Ursachen einer Agoraphobie:

  • Missbrauch von Rauschmitteln und Medikamenten
    • Die regelmäßige Einnahme vom Beruhigungs- oder Schlafmitteln werden oftmals als Auslöser für eine Platzangst angesehen. Eine Studie bewies, dass bei Personen, die sowohl unter Agoraphobie als auch unter einer Schlafmittelabhängigkeit litten, mit dem Entzug der Pillen auch die Agoraphobie zurückging.
      Aber auch die Abhängigkeit nach Rauschgiften und Alkohol wurde mit dem Entwickeln einer Platzangst in Verbindung gebracht.Darüber hinaus findet man unter den Betroffenen auch viele starke Raucher oder Kettenraucher. Ob das miteinander korreliert, ist jedoch noch Gegenstand vieler Debatten.
  • Bindungstheorie
    • Personen, denen es schwerfällt anderen Menschen zu vertrauen oder feste Bindungen zu ihnen aufzubauen, fällt es auch oft schwer, sich von ihrer gewohnten Umgebung zu lösen. Darum nehmen sie die Außenwelt oftmals als Bedrohung wahr, insbesondere große, offene Flächen. Somit können Bindungsängste mit einer Agoraphobie zumindest in Verbindung gebracht werden.
  • Räumliche Theorie
    • Wie bereits erwähnt, haben Betroffene sehr häufig einen schlechten Orientierungssinn oder eine schlechte räumliche Wahrnehmung. Dieses führt insbesondere dann, wenn man sich auf weiten monotonen Flächen aufhält, auf denen es nur wenige Wegmarken gibt, zu Unwohlsein in den Betroffenen. Auch die Hektik belebter großer Ort schwächen den ohnehin schon geringen Orientierungssinn vieler Agoraphobiker noch mehr und stärken somit die Angst und scheu vor großen Menschenmengen – was wiederum auch ein Symptom der Agoraphobie ist.
  • Evolutionäre Theorie
    • Manche Psychologen argumentieren, dass Platzangst einen evolutionären Nutzen dahingehend gehabt haben könnte, dass unsere Vorfahren durch das meiden weiter offener Ebenen sich nicht den Blicken von Fressfeinden ausgaben. Sie sehen die Agoraphobie deshalb als Weiterführung dieses evolutionären Bestandteiles an. Die Meinungen hierüber gehen allerdings sehr weit auseinander und diese Theorie gilt als so gut wie widerlegt.

Welche Symptome und Anzeichen gibt es für eine Agoraphobie

Wie bei allen psychologischen Erkrankungen sind individuellen Ausprägungen einer solchen oftmals sehr verschieden. Somit sind selbst in der Fachliteratur angeführt mögliche Symptome für eine Agoraphobie nicht viel mehr als lose formulierte Richtlinien, an denen man sich als behandelnder Arzt orientieren kann.

Des Weiteren gibt es zwei primäre Ausprägungen von Platzängsten, die sich untereinander stärker unterscheiden. Diese wären:

  • Spezifische Agoraphobie
  • Unspezifische Agoraphobie

Für erstere gilt, wie für alle spezifischen (Angst-)Störungen auch, dass sie sich immer in einem ungerechtfertigten Übermaß an zumeist negativen Reaktion auszeichnen. Das beinhaltet Angst, Furcht, Raserei, Wut usw.

Bei unspezifischen (Angst-)Störungen kann dieses Verhalten stark schwanken. Zum Teil können bisweilen keine Reaktionen erfolgen.

Die häufigere Variante ist wohl die spezifische Agoraphobie – zumindest häufiger in dem Sinne, dass sie öfter behandelt wird oder werden muss, da sie schlicht mehr Aufsehen erregt.

Weitere Symptome einer Platzangst im Überblick:

  • Kontrollverlust
  • Zurückschrecken
  • Muskelzucken
  • Fehlwahrnehmungen räumlicher Art
  • Unwohlsein
  • Beklommenheit und Wut
  • Teils heftigste Panikattacken
  • Angst vor dem Alleinsein
  • Überforderung
  • Fluchtartiges verlassen des Platzes

Wie wird eine Platzangst diagnostiziert und wie verläuft die Krankheit?

Die Diagnose erfolgt zumeist im Rahmen einer Psychotherapie. Dazu kann es nützen den Patienten direkt auf seine Ängste und Phobien anzusprechen. Aber auch das Umfeld von Agoraphobikern kann die betroffenen selbst oder den behandelnden Psychologen auf das unangemessene Verhalten des Betroffenen weiten Plätzen gegenüber hinweisen.

Eine genaue Diagnose kann häufig erst nach längeren Gesprächen gestellt werden. Zudem gilt es für den Psychologen zu beachten, sich nicht durch etwaige Aussagen Dritter in eine falsche Richtung lenken zu lassen. Denn wie bereits erwähnt, sind Agoraphobien beinahe immer im Zusammensein mit anderen Angststörungen vorhanden und selten ein Einzelphänomen. Darum kann es bisweilen leicht fallen, eine andere Störung für eine Platzangst anzunehmen. Das bedeutete im Zweifel für den Patienten, dass er falsch behandelt würde.

Der Verlauf der Krankheit ist meist relativ typisch. Die Platzangst kommt spontan. Angeborene Agoraphobien sind die Ausnahme. Sie wird oftmals durch Ereignisse im Leben der Person oder Suchtmittelmissbrauch ausgelöst.

Einmal etabliert bleibt sie verhältnismäßig gleich. Zwar kann die Intensität von Panikattacken variieren, alles in allem aber verschlimmern sich unbehandelte Platzängste nicht, sie werden dafür aber von alleine auch meist nicht besser.

Wie wird eine Agoraphobie therapiert?

Die zwei großen Möglichkeiten, die zur Behandlung einer Agoraphobie zur Verfügung stehen, sind: Psychotherapie und / oder Medikamente. Dabei ist die Kombination aus beiden wohl das gängigste Modell. Darüber hinaus gibt es auch ganzheitliche Versuche der Heilung, die aber oftmals keine großen Fortschritte versprechen.

  • Psychotherapie
    • Während einer Psychotherapie gibt es verschiedene Ansätze, nach denen der Therapeut vorgehen kann. Viele beginnen oftmals mit Gesprächen, um dem Problem näher auf den Grund gehen zu können und imstande zu sein etwaige Ursachen festzusetzen. Dies ist aber zumeist nur der erste Schritt.Besteht ein Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Therapeut, dann kann die Sache anders angegangen werden. Nämlich mittels einer sog- „Schocktherapie“. Im Rahmen dieser wird der Patient selektiv, unter steter Betreuung des behandelnden Therapeuten, seinen Ängsten ausgesetzt. Alles in allem heißt das, dass der Patient zusammen mit dem Psychologen große Plätze und / oder Menschenmengen aufsucht und sich darin mit ihm bewegt. Das soll dem Betroffenen die Angst vor seiner Angst nehmen.In den meisten Fällen ist dieser Therapieansatz recht erfolgreich und kann mit entsprechender therapeutischer Nachbearbeitung auch zu langfristig anhaltenden Erfolgen führen.
  • Medikamentöse Behandlung
    • Bei einer medikamentösen Behandlung, die zumeist simultan mit einer Psychotherapie stattfindet, werden dem Patienten entsprechende Psychopharmaka verschrieben, die bei der Regulation seiner Angststörung helfen sollen. Da diese Verschreibungen jedoch nur von einem Psychiater vorgenommen werden können, müssen solche entweder gesondert konsultiert oder direkt als Therapeut aufgesucht werden.Insofern die Agoraphobie des Patienten durch übermäßigen Konsum von Rauschmitteln verursacht wird, können auch Medikamente verschrieben werden, die den Betroffenen bei einem Entzug unterstützen sollen.

Gibt es Hausmittel?

Eher nicht. Obschon eine Schocktherapie auch privat durchgeführt werden kann, ist doch davon in der Regel abzuraten. Der Schaden, den man anrichtet ist oft größer als der Erfolg, den man so erzielt.

Wie beuge ich vor und häufig gestellte Fragen

Eine Vorbeugung ist imgrunde nicht möglich. Man kann seine Psyche zwar festigen und von Rauschgiftmissbrauch absehen, aber treffen können Psychische Erkrankungen dennoch jeden.

Fragen & Antworten zur Agoraphobie

Wie hoch sind die Heilungschancen?

Die Aussichten auf Heilung sind besonders bei einer Agoraphobie sehr hoch, hängen aber stark von Patient und Therapeut ab.

Kann man spontan Platzangst entwickeln?
Rein theoretisch: Ja. Aber so funktionieren Angststörungen in der Regel nicht. Es bedarf eines Grundes, wenn sich eine Agoraphobie einstellt. Wird dieser Grund jedoch erfüllt, kann es zu mehr oder weniger spontanen Agoraphobien kommen.
Beispielweise dann, wenn man auf dem Marktplatz Opfer eines Gewaltverbrechens wird, kann man Plätze daraufhin mit Panik meiden.

Wie hilft man Angehörigen mit einer Agoraphobie?
Indem man für sie da ist und Verständnis für die Situation zeigt, selbst wenn es oft schwerfällt. Meistens ist die Situation für einen selbst genauso unangenehm wie für die Betroffenen auch. Aber mit gutem familiärem oder partnerschaftlichem Rückhalt, gehen Heilungen oft besser von statten.

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