Gehstock

Beim Gehstock handelt es sich um ein Produkt, das in verschiedenen Formen und Ausführungen schon lange vom Menschen verwendet wird. Dabei spielen bei der Fertigung des Gehstocks, neben den funktionalen Aspekten, auch häufig ästhetische Vorlieben eine Rolle.
Besonders rudimentäre Modelle sind unflexibel und dienen lediglich als einfach Stütze beim Gehen. Da sich aber die Bedürfnisse von Menschen mit Problemen beim Gehen stark voneinander unterscheiden, haben sich verschiedene Modelle ausentwickelt. Einige davon dienen dabei nicht nur der Unterstützung eines Menschen beim Gehen.

Was ist ein Gehstock?

Ein Gehstock ist immer primär eine Gehhilfe. Dabei besteht der Gehstock häufig mindestens aus dem Stock an sich und dem Griff daran, der ihn besser in der Hand liegen lässt. Diese Basisform ist der Ausgang für alle Arten von Gehstöcken.
Dabei dient ein Gehstock vor allem dazu, das Skelett beim Gehen zu entlasten und einen sicheren Halt zu gewährleisten. Gehstöcke können also zur Unterstützung des Gehens verwendet werden, indem sie eventuelle Schwäche und Unfähigkeit zur Aufrechterhaltung ausgleichen.
Ein Gehstock kann aber auch primär als Unterstützung bei Laufunsicherheit verwendet werden. Hierbei spielt vor allem der Aspekt des Sichaufstützens eine Rolle.
Die Wahrnehmung eines Gehstocks kann dabei sehr unterschiedlich sein: Während der klassische Gehstock vor allem als Utensil älterer Mensch betrachtet wird, werden Krücken – die entfernten Verwandten des Gehstocks – als medizinisches Utensil betrachtet, das eventuell jeder einmal nutzen muss.
Dabei ist der Gehstock die rudimentärste Form der Mobilitätshilfe. Aus seiner Basisform lassen sich verschiedene andere Varianten ableiten, die an unterschiedliche Bedürfnisse angepasst sind. Dabei werden verschiedene Materialien, Formen und Extras verwendet. Dazu mehr unter „Formen, Arten & Typen“.

Geschichte des Gehstocks

Der Gehstock existiert als Konzept bereits seit Jahrtausenden. Dabei waren es vor allem Wanderstäbe, die früher nicht nur den Besitzer beim Überwinden von Terrain unterstützen sollten. Die besonders prächtigen Exemplare von Gesandten, Bettelmönchen, fahrenden Händlern, Abenteurern und vielen weiteren Menschen, die das Land bereisten, wiesen oft Verzierungen und Symbole auf. Sie ließen sich anhand des Stabs Dinge über die Herkunft und die Erlebnisse des Besitzers erkennen. Diese Tradition hat sich bei den Wanderstöcken in einigen Regionen noch immer gehalten.
Einfache Gehstöcke zur Unterstützung – gerade von älteren Menschen – sind auch schon lange bekannt. Besonders einfache Versionen bestanden einfach aus einem stabilen ast o.ä. und waren dem Körper nicht zwingend angepasst. Gute Gehhilfen, die besonders stabil wirkten, sowie gute Wanderstäbe, hatten immer einen hohen Wert. Dabei waren sie in der Regel aus Holz gefertigt und hatten im besten Falle Verzierungen oder Verstärkungen aus Metallen.
Die modernen Varianten, die in der Höhe gut verstellbar sind und unterschiedliche Griffe aufweisen, sind ein Produkt der Kenntnisse über Ergonomie, Anatomie und Orthopädie.
Mittlerweile haben es Gehstöcke in Deutschland auch – nach Ausführungen sortiert – in der Regelungen der Krankenkassen geschafft.

Formen, Arten & Typen von Gehstöcken

Die Vielzahl an verwendeten Materialien, Bedürfnissen und ästhetischen Vorlieben hat eine ganze Menge an Modellen und Varianten im Bereich der Gehstöcke hervorgebracht. Dabei reicht die Bandbreite von medizinischen Produkten bis hin zu Freizeitprodukten. Die Übergänge sind zum Teil fließend.

Klassische Gehstöcke

Der klassische Gehstock besteht aus einem Grundmaterial und weist den typischen, geschwungenen Griff auf. Am Fußende hat die einfachste Form eine Plastiknoppe, die Rutschfestigkeit – und damit eine höhere Stabilität – gewährleisten soll.
Dabei sind die einfachsten Stöcke nicht in der Höhe verstellbar, sondern sind steif. Sie sind also eingeschränkt in ihrer Funktionen. Man hat aber einige andere Varianten entwickelt, die sich dem Bedarf des Menschen mit Gehschwierigkeiten, anpassen.

Höhe, Materialien, einzelne und doppelte Gestöcke

Gehstöcke für den medizinischen Bedarf sind in der Regel in der Höhe verstellbar. Hier haben sich vor allem Aluminiumstöcke durchgesetzt, die mittels ineinander verschiebbarer Hohlräume eine gewisse Flexibilität bieten. Auch Kunststoff (meist Carbon) wird verwendet, um solche Stöcke zu fertigen. Diese beiden Materialien haben den Vorteil, äußerlich beliebig gestaltbar zu sein.
Dazu gibt es auch noch klappbare Gehstöcke und Teleskopmodelle, die von Menschen, die nur gelegentlich das Bedürfnis haben, einen Gehstock zu verwenden, in der Tasche oder einem dafür vorgesehenen Etui transportiert werden können. Diese Modelle sind in der Regel aus leichtem Aluminium.
Hat man den Wunsch nach einem klassischen Gehstock ohne verstellbare Höhe, kann im Sanitätshaus ein solcher gefertigt werden. Hierbei wird der zukünftige Nutzer des Stockes vermessen. Unter anderem seine Hüfthöhe, seine Unterarmlänge und seine Körperhaltung spielen hierbei eine Rolle, um einen optimalen Stock zu finden, der den Körper beim Gehen entlastet und gleichzeitig nicht zu Schiefhaltungen führt.
Neben den einseitig einsetzbaren Gehstöcken, die meist so gebaut sind, dass sie für die linke und rechte Hand greifbar sind, gibt es auch noch Fälle – beispielsweise in der Rehabilitation bei verloren gegangener Fähigkeit zu Laufen und bei Beinbruch – in denen Gehstöcke beiderseits des Körpers notwendig sein kann. Hierfür sind gewöhnliche Gehstöcke in der Regel nicht geeignet und es sind weitere Stabilisationsmaßnahmen nötig, die in den Bau miteinfließen.

Kopf- und Fußende

Am oberen Ende des Gehstocks liegt in der Regel ein Griff. Der gewöhnliche, geschwungene Griff weist keinerlei besondere Eigenschaften auf. Er kann beidhändig genutzt werden und ist bei einfachen Modellen üblich.
Allerdings ist der Halt des Stocks in der Hand wichtig. Gedrehte Griffe oder ergonomische Griffe liegen besser in der Hand und verhindern dadurch ein Abrutschen. Dadurch wird das Gehen mit dem Gehstock noch sicherer. Eine Schlaufe am oberen Ende, die um das Handgelenk gelegt wird, verhindert ein Fallen aus der Hand.
Reicht ein Griff nicht aus, um zum Beispiel einer Belastung standzuhalten, können andere Wege gefunden werden. Gehstöcke, auf denen der Unterarm aufgesetzt wird, oder die die Schultern mit stützen, kommen vor. Besonders bei Menschen, die das Laufen wieder erlernen müssen, sind so umfassende Stützmaßnahmen häufig nötig.
Griffe sind dabei oft aus Gummi oder vergleichbarem Material gefertigt.
Auch am Fußende eines Gehstocks kann optimiert werden. Das einzelne Fußende kann verschiedene Materialien zur Rutschfestigkeit aufweisen:

  • Gummi
  • Plastik
  • Leder
  • Spikes (auch montierbar)

Zusätzlich dazu gibt es auch Stöcke mit drei oder vier Fußenden. Dies ist besonders bei unsicheren Menschen von Vorteil, weil diese Stöcke eine erhöhte Stabilität beim Aufsetzen aufweisen. Sie sind nicht gefährdet, abzurutschen und können daher eine große Unterstützung sein.

Freizeitmodelle und Popkultur

Auch in der Freizeit haben sich Gehtöcke zur Unterstützung noch immer gehalten und zum Teil neu positioniert. Der Wanderstab ist noch immer ein typischer Teil der Wanderkultur. Dabei dient er vor allem dem Überwinden unebenen Terrains und kann mit seinen Verzierungen, die mancherorts noch üblich sind, als Statussymbol verstanden werden.
Auch beim sogenannten Nordic Walking kommen zwei spitzendige Stöcke zum Einsatz, die bei dieser sportlichen Ertüchtigung das schnellere Laufen und das Unterstützen von Gelenken und Muskeln ermöglichen sollen.
Auch in den Darstellungen von Menschen finden sich Gehstöcke. Das prominenteste Beispiel aus dem Fernsehen wird hierbei wohl Doktor Gregory House sein. Aber auch Darstellungen des Mephisto aus Goethes Faust finden auf Theaterbühnen häufig unter Zuhilfenahme eines Stocks – meist als Accessoire – statt.
Der Gehstock als Accessoire erfreut sich dabei generell einer gewissen Beliebtheit. So drückt er Eleganz oder Stilbewusstsein aus und wird gerne zu extravaganten Moden getragen.
Auch die Zuckergehstöcke, die zu Weihnachten genascht werden, haben einen Ursprung. Höchstwahrscheinlich wurde diese Form aus den Darstellungen des heiligen Nikolaus von Myra abgeleitet, der besonders oft mit einem Stab oder Stock zu sehen ist.

Anwendung des Gehstocks

Bei Menschen, die auf eine Gehhilfe angewiesen sind, kann der Gehstock verwendet werden. Seine stabilisierenden Eigenschaften werden dadurch eingesetzt, dass der Träger ihn zuerst einmal an – zumeist – einer Körperseite trägt. Beim Gehen wird anstelle des Beins der Stock vorgesetzt und nutzt der Träger ihn anschließend als Stütze. Der Träger des Gehstocks tut nun einen oder zwei Schritte, wobei – je nachdem, ob ein Bein Probleme bereitet oder das Laufen allgemein eine Herausforderung ist – dies mit unterschiedlichen Druckausübungen auf den Stock und Aufsetzwinkeln des Stockes auf dem Untergrund einhergeht.
Bei beidseitger Stocknutzung werden häufig beide Gehstöcke – Krücken in diesem Fall – vorgesetzt und dann der Körper nachgezogen. Dies kann unterschiedlich schwierig und belastend für Schultern und Arme sein.

Medizinischer & gesundheitlicher Nutzen des Gehstocks

Der Gehstock erfüllt gerade bei einer ständig alternden Bevölkerung einen immensen Nutzen. Indem er in vielen Fällen helfen kann, die Mobilität von älteren und gehbinderten Menschen aufrecht zu erhalten, trägt der Gehstock zur Verbesserung der Lebensqualität bei. Denn schließlich bedeutet Mobilität:

  • Freiheit in der Ortswahl
  • Teilnahme am gesellschaftlichen Leben
  • Selbstbestimmtheit
  • Bewegung

Da diese Aspekte maßgeblich für das Wohlbefinden eines Menschen sind, kann sich dies positiv auf die Gesundheit auswirken. Vor allem die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und die Bewegung als solche, sind maßgeblich, um die Gesundheit zu erhalten.
Ein Mensch, der in seinem Gehen eingeschränkt ist, riskiert durch das absolute Meiden von Bewegung aufgrund von Unsicherheit, dass seinem Körper durch fehlende Bewegung und Teilnahme etwas genommen wird.
Sofern der Bewegungsapparat also noch so weit intakt ist, dass er mit Hilfe einer Stütze wieder besser funktionieren kann, ist ein Aufrechterhalten der motorischen Fähigkeiten Priorität. Schließlich können Schwierigkeiten beim Laufen sich noch weiter verschlimmern, wenn das Gehen ganz eingestellt wird.
In der Rehabilitation dienen Gehstöcke vor allem dem Wiederherstellen von motorischen Fähigkeiten durch Unterstützung. Auch hier ist der zentrale Aspekt, das Gehen – mit dauerhafter Unterstützung oder ohne – wieder zu erlernen.
Der größte Nutzen von Gehhilfen dieser Art ist wohl allerdings, dass damit Autonomie gegeben werden kann. Wer mit einer Unterstützung seine Mobilität sichern kann, ist nicht auf fremde Hilfe für die Fortbewegung angewiesen. Daher sollte bei Gehschwierigkeiten, sofern möglich, immer ein Arzt konsultiert und eine eventuell passende Laufunterstützung ausgewählt werden.

Fragen & Antworten zum Gehstock

Wie viel Belastung hält ein Gestock stand?

Die durchschnittlichen Modelle mit knapp einem Meter Länge halten beim Aufstützen (beim Stehen o.ä.) bis zu 100 kg stand. Für massivere Personen sind also entsprechend stabilere Fertigungen notwendig.

Wo kann man Gehstöcke kaufen, wenn man ihn nicht im Sanitätshaus fertigen lassen möchte?
Gehstöcke gibt es an vielen verschiedenen Orten zu kaufen. Es gibt Online-Shops, (seltene) Fachgeschäfte und natürlich Freizeitausstatter – mit Schwerpunkt in der Außenaktivität – die verschiedene Modelle anbieten. Ein medizinisch ideales Produkt muss aber unter medizinischer Aufsicht gefertigt sein.

Kann man einen Gehstock anstelle eines Rollators o.ä. verwenden?
Nein. Sofern man einen Rollator bereits benötigt, ist die Fähigkeit des Körpers zur eigenen Aufrechterhaltung und einwandfreien Motorik beim Gehen schon so weit beeinträchtigt, dass diese umfassende Stütz- und Unterstützungsmaßnahmen wohl notwendig sind. Ein normaler Gehstock ist lediglich zur Unterstützung eines beeinträchtigten, aber funktionalen Bewegungsapparates gewährleistet.

Unser Fazit zum Gehstock

Ein Gehstock kann vielen Menschen, die auf eine Unterstützung beim Gehen angewiesen sind, eine große Hilfe sein. Es ist hierbei auch wichtig, bei Schwierigkeiten mit der Annahme eines Stocks im Alltag zu betonen, welchen Wert die eigene Mobilität hat. Dank der vielen verschiedenen Ausführungen und Designs ist es möglich, dieses Medizinprodukt zu individualisieren, was es zusätzlich zu einer geschätzten Alltagshilfe macht.

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