Stethoskop

Einfaches Instrument, großer Nutzen

Behandlung StethoskopÄrzte sind – unabhängig von ihrem Fachgebiet – auf verschiedene Geräte und Instrumente angewiesen, um ihre Patienten untersuchen zu können.

Bei den Bildgebenden Methoden ist zum Beispiel das Röntgengerät unverzichtbar. Mit ihm kann ein Arzt in das Innere eines Körpers schauen und genau erkennen, welche Probleme bei einem Patienten vorhanden sind.

Neben den Bildgebenden Verfahren gibt es allerdings noch einfacherere Instrumente, die jeder Arzt nutzt, um sich einen Eindruck über die Gesundheit eines Patienten zu machen. Eines der wichtigsten Mitel hierbei ist sicherlich das Stethoskop.

In diesem Ratgeber informieren wir Sie umfassend zum Thema Stethoskop.

Was ist ein Stethoskop?

Bei einem Stethoskop, was umgangssprachlich soviel wie „Brustuntersucher“ heißt, handelt es sich um ein akustisches Hilfsmittel, mit dem sich Geräusche im Körper verstärken lassen. Das Gerät, welches es bereits seit dem 19. Jahrhundert existiert, existiert heute in unterschiedlichen Ausführungen.

Die gebräuchlichste Form ist das akustische Stethoskop, welches im Prinzip nur aus einem dünnen Schlauch besteht, an dessen einem Ende ein sogenanntes Bruststück und an dem andere Ende ein Ohrbügel angebracht ist. Veraltete Modelle des Stethoskops bestanden im Gegensatz dazu einfach nur aus Holz oder selten auch aus Elfenbein und stellten häufig die Form eines Trichters oder eines Horns dar. Modelle dieser Art werden auch heute noch als „Pinard-Rohr“ bezeichnet.

Exkurs zum Pinard-Rohr:

Das Pinard-Rohr zählt zu den sogenannten Hörrohren und dient auch heutzutage noch bei Geburten als eine Alternative zur Kardiotokographie, also der elektronischen Erfassung von Herztönen. Es wurde 1895 von dem Arzt Adolphe Pinard entwickelt und ist eine Vereinfachung des klassischen Stethoskops. Denn es besteht lediglich aus einem einfachen Holztrichter und einem Kopfstück, mit dem ein Arzt das Rohr zum Ohr führen kann.

Der Grund, warum das Pinard-Rohr entwickelt wurde war die Suche nach einem Hörrohr, mit dem ein Arzt auch während der Geburt die Herztöne eines Fötus abhören konnte. So etwas erwies sich bei Vorgängermodellen als Schwierig, da es aufgrund der Formen der damaligen Hörröhren oft dazu kam, dass die Instrumente auf dem Bauch der werdenden Mutter verrutschten und so Störgeräusche verursachten. Adolphe Pinard konnte dieses Problem relativ einfach beheben, indem er dem Hörstück eine leicht ovale Form verlieh. Somit ließ sich das Instrument wie ein Trichter auch auf gerundete Oberflächen legen, ohne dabei seinen Halt zu verlieren.

Obwohl die elektronische Erfassung der Herztöne die Verwendung einer Pinard-Röhre überflüssig gemacht haben, nutzen viele Ärzte sie dennoch ist, da sie einfach in ihrer Handhabung ist und zuverlässig das Abhören der Herztöne gewährleistet.

Das elektronische Stethoskop:

Eine Weiterentwicklung dieses klassischen Stethoskop ist das elektronische Stethoskop. Dieses arbeitet im Prinzip auf die gleiche Art und Weise wie das akustische Stethoskop. Allerdings setzt es technische Verfahren ein, mit denen sich der Ton zusätzlich verstärken, entzerren oder bei Bedarf auch auf einem Wiedergabegerät wie einem Computer aufgezeichnet werden kann.

Eine Sonderform des Stethoskops ist der Stethoclip, der für Hörakustiker sehr wichtig ist. Es handelt sich dabei im Prinzip nur um einen Ohrclip mit einem kleinen Schlauch, der sich bei Hörgeräten aufstecken lässt. Der Stethoclip wird ausschließlich dazu verwendet, um die Funktionstüchtigkeit eines Hörgerätes zu überprüfen und mögliche Fehler wie das Rauschen oder Verzerren von Tönen aufzuspüren.

Ursprung und Entwicklung:

Das Stethoskop wurde 1816 von dem französischen Mediziner namens Rene Laenec erfunden. In seiner Funktion als Arzt war Laenec oft gezwungen, bestimmte Körperfunktionen seiner Patienten wie den Herzschlag oder die Atmung zu hören. Zu dieser Zeit war es üblich gewesen, dass dies geschah, indem ein Arzt seinem Patienten den Kopf auf die Brust legte.

Da Laenec diese Vorgehensweise als umständlich erfand, suchte er nach Möglichkeiten, die Töne aus dem Körper eines Patienten zu verstärken. Dazu entwickelte er ein Höhrrohr, bei dem das Bruststück einfach eine breite Trichteröffnung und das Ohrstück ein kleiner Ausgang war.

Mit diesem Hörrohr war es Laenec schließlich möglich, Töne auch „indirekt“ hörbar zu machen. Die Weiterentwicklung zum akustischen Stethoskop erfolgte dagegen Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts, was durch die Entdeckung akustischer Membranen zur Verstärkung von Geräuschen vorangetrieben wurde.

Funktion, Wirkung & Ziele des Stethoskops:

Das Stethoskop ist ein medizinisches Instrument, mit dem sich die Geräusche des Körpers verstärken und hörbar machen lassen. Das Prinzip dahinter ist relativ einfach. Das Bruststück besteht aus einer empfindlichen Membran, die Schwingungen aufnehmen kann. Schwingungen sind nichts anderes als Töne, die die Luft vor der Membran in Bewegung versetzen.

Nimmt die Membran solche Schwingungen auf, fängt sie ebenfalls an zu schwingen, was wiederum die Luft in dem Stethoskop-Schlauch in Bewegung versetzt. Diese Bewegungen werden wiederum durch den Ohrclip direkt an das Trommelfell übermittelt, welches sich entsprechend in Schwingungen versetzen lässt. Das wird vom Gehirn dann als Töne umgewandelt. Damit bei der Verwendung des Stethoskops wirklich nur die Geräusche des Patienten gehört werden, schließen die Ohrstücke den Gehörgang beim Einsetzen zusätzlich ab.

  • Abhören von Körperfunktionen
  • Verstärken von leisen Geräuschen im Körper

Durchführung & Wirkungsweise:

Die Verwendung eines Stethoskops ist denkbar einfach. Der Arzt steckt sich die Ohrteile in seine Ohren, sodass sie seinen Gehörgang genau abschließen. Als nächstes legt er das Bruststück auf die Stelle des Körpers, die er abhören möchte. Wenn er einen leichten Druck auf das Bruststück ausübt, reduziert er mögliche Störgeräusche wie ein Rauschen oder Rascheln, was üblicherweise dann auftritt, wenn sich die Oberfläche unter dem Bruststück zu stark bewegt.

Ein Stethoskop hilft bei:

  • Abhorchen diverser Körperfunktionen

Es gibt in der Medizin viele Krankheiten oder Störungen, die sich durch das Abhören bestimmter Körperfunktionen erkennen lassen. Ein Beispiel hierfür ist ein einfacher Husten. Wenn ein Arzt bei einem Patienten überprüfen möchte, ob dieser einen gewöhnlichen Husten oder eine chronische Erkrankung wie Keuchhusten hat, wird die Bewegung der Lungen abgehorcht. Bei einem normalen Husten kann ein Arzt normalerweise normal ein- und ausatmen, ohne dass besonders auffällige Geräusche erkennbar sind.

Behandlung StethoskopBei einer chronischen Erkrankung sind die Lungenflügel dagegen in der Regel in ihrer Funktion beeinträchtigt. Beim Abhorchen mit einem Stethoskop klingt das dann wie ein sehr starkes Rauschen oder auch ein Pfeifen.

Ein anderes Beispiel wäre das Abhorchen der Herzfunktionen. Mithilfe eines Stethoskops kann ein Arzt nicht nur feststellen, ob ein Herz regelmäßig genug arbeitet, sondern auch, ob die beiden Herzklappen sich normal öffnen und schließen. Ist dies nicht der Fall, kann das ein Indiz für eine Herzerkrankung wie beispielsweise einen Herzklappenfehler sein.

Ein ebenfalls wichtiges Anwendungsgebiet ist die Verfolgung des Blutflusses beim Pulsmessen. Wenn ein Arzt den Puls seines Patienten misst, dann muss er verschiedene Werte ermitteln.

Dazu zählen auch der systolische und der diastolische Druck in den Venen und Arterien. Dazu lässt der Arzt bei aufgepumpter Armmanschette langsam Luft aus der Manschette und hört mit dem Stethoskop ab, wann er das Fließen des Blutes wahrnehmen kann. Elektronische Blutdruckmesser haben heutzutage Sensoren, die diese Vorgehensweise ersetzt haben.

Allgemein lassen sich alle Anwendungen eines Stethoskops unter dem Begriff „Auskulation“ zusammengefasst, was einfach „Abhorchen“ bedeutet.

Der Unterschied zwischen akustischen und elektronischen Stethoskopen:

Ein akustisches Stethoskop funktioniert wie bereits beschrieben durch die Bewegung von Luft, die eine Membran im Bruststück des Instruments in Schwingungen versetzt. Die Körpergeräusche werden auf diese Weise verstärkt.

Ein elektronisches Stethoskop ist dagegen technisch fortgeschrittener. Die Töne werden auch weiterhin durch die Schwingungen von Membranen erzeugt.

Allerdings werden diese Schwingungen in elektronische Signale übersetzt und über Kabel weitergeleitet, die die Membranen mit den Ohrstücken verbinden. Die Signale sind dadurch in der Regel störungsfreier.

Ein weiterer Vorteil der elektronischen Stethoskope besteht allerdings darin, dass sich die Signale zusätzlich verstärken lassen, indem die Sensivität der Membranen verändert wird. Auf diese Weise lassen sich selbst sehr leise Geräusche noch anhören, die mit einem akustischen Stethoskop eventuell überhört worden wären.

Diagnose & Untersuchungsmethoden:

Das Stethoskop ist ein fester Bestandteil beim Erstellen von Diagnosen, die das Innere eines Patienten betreffen. Wenn jemand zum Arzt geht und über Müdigkeit, Schmerzen im Brustraum oder Magenkrämpfe klagt, gibt es diverse Möglichkeiten, welche Ursachen den genannten Leiden zugrunde liegen könnten. Wenn der Arzt nun eine Diagnose für den Patienten erstellen will, klärt er verschiedene Dinge ab.

Es wird beispielsweise die Reaktion der Pupillen auf Lichteinstrahlungen verfolgt, um Verletzungen des Kopfes oder des Gehirns auszuschließen. Ein Blick in den Rachen des Patienten verrät, ob sich dort irgendwelche Fremdkörper befinden, die die Gesundheit beeinträchtigen. Es wird Blut entnommen, um Gifte oder andere Schadstoffe im Blut auszuschließen. Im Zuge dieser ganzen Untersuchungen wird aber auch der Brustraum oder der Bauchraum des Patienten abgehört.

Wenn keine Auffälligkeiten hörbar sind, wird das genauso vermerkt wie ein Befund von Störgeräuschen bei der Atmung, verdächtige Herztöne oder auffällige Bewegungen des Darms. Solche Feststellungen erleichtern es dem Arzt, eine Diagnose aufzustellen, da er genau abgleichen kann, ob bestimmte Anzeichen eines Leidens vorhanden sind oder eben fehlen.

Risiken, Nebenwirkungen, Gegenanzeigen und Wechselwirkungen:

  • keine bekannt

Unser Fazit:

Das Stethoskop ist ein sehr wichtiges Instrument der klassischen und auch der modernen Medizin. Es gibt einem Arzt Einblicke über Bewegungen des Körpers, die von außen nicht auf Anhieb erkennbar sind. Auf diese Weise ist ein Arzt in der Lage zu sagen, ob das Herz eines Menschen normal arbeitet oder ob eine eventuelle Beeinträchtigung vorliegt.

Obwohl es mittlerweile Verfahren gibt, die genauer sind und einige Vorzüge bieten ist das Stethoskop dennoch aufgrund seiner einfachen Handhabung und seiner präzisen Ergebnisse immer noch unverzichtbar.

Bitte empfehlt diese Seite oder verlinkt uns:

Bitte bewerten Sie diesen Artikel
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (33 Stimmen, Durchschnitt: 4,75 von 5)
Loading...

 Rechtliche Hinweise