Traumatherapie

Mit traumatischen Erlebnissen leben lernen

 

Behandlung TraumatherapieDie Traumatherapie zielt darauf ab, ein traumatisches Erlebnis mit Hilfe eines Psychotherapeuten zu verarbeiten.
Betroffene lernen dabei, das Geschehene durch eigene Ressourcen zu bewältigen.

Das Wort Trauma ist griechisch und bedeutet allgemein Verletzung, in der Psychologie wird es jedoch als starke psychische Erschütterung verstanden.
Eine solche psychische Verletzung wird durch ein traumatisches Erlebnis verursacht.

Was ist eine Traumatherapie?

 

Bei einer Traumatherapie geht es darum, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten, um dann wieder ein möglichst normales Leben führen zu können. Dafür wenden sich die Betroffenen an einen ausgebildeten Traumatherapeuten.

Dieser hilft ihnen, über das Erlebte zu sprechen, es so gut wie möglich zu akzeptieren und zu lernen, damit zu leben. Die durch das Trauma verursachten Symptome sollen begrenzt, kontrolliert und weitestgehend aufgelöst werden.

Um das zu erreichen, kann der Therapeut mehrere Behandlungsmethoden anwenden. Die diversen Therapien sind meistens nicht als alleinige Behandlung gedacht, stattdessen sollten sie sich gegenseitig ergänzen.

Eine wissenschaftlich noch nicht ausreichend belegte These besagt, dass traumatisierte Personen eine andere Physiologie und Dynamik aufweisen, als Menschen mit anderen psychologischen Störungen.

Ab einem gewissen Schweregrad bzw. bei bestimmten Traumastörungen ist auch eine Behandlung mit Medikamenten sinnvoll.

Mögliche Behandlungsmethoden:

  • Psychoanalytisches Verfahren
  • Imaginatives Verfahren
  • Verhaltenstherapie
  • Das Narrative Verfahren
  • EMDR-Therapie
  • Gestalttherapie
  • Debriefing
  • Medikamentöse Behandlung

 

Ursprung & Entwicklung der Traumatherapie

 

Traumatische Erlebnisse existieren schon seit Menschengedenken. Eine angemessene Behandlung dieser wurde jedoch erst ca. Ende der 1970er bis Anfang der 1980er Jahre entwickelt.

Zwischen Ende des 19. und Beginn der 20. Jahrhundert haben Sigmund Freud und Joseph Breuer zum ersten Mal die Folgen von Psychotraumatas beschrieben. Die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen beschäftigten sich vor allem mit den psychosomatischen und kognitiven Folgen von extremen Belastungen wie sehr schwere Eisenbahnunglücken.

Während des ersten Weltkrieges erhielten die Folgen von Traumatas  erstmals Einzug in öffentliche Diskussionen. Die überlebenden Soldaten wiesen auffällig ähnliche Störbilder auf. Deren Symptome würden heutzutage als Posttraumatische Belastungsstörung bezeichnet werden.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden Kriegsheimkehrer dann mit dem sogenannten Survival Syndrom und die Holocaust-Überlebenden mit dem KZ Syndrom diagnostiziert. Auch die Rückkehrer des Vietnamkriegs wiesen schwere Traumatas auf und sorgten dadurch für eine sorgfältigere Erforschung von posttraumatischen Störungsbildern.

 

Funktion, Wirkung & Ziele der Traumatherapie

 

Es wird angenommen, dass ein Trauma durch eine von Stress verursachte Überforderung der Verarbeitung von Informationen kommt. Diese ist mit diversen Schutzmechanismen gekoppelt wie zum Beispiel dissoziative Mechanismen, bei denen die Betroffenen das Ereignis vom Bewusstsein abspalten.

Daher ist das Ziel einer Traumatherapie meistens, die traumatischen Erlebnisse unter kontrollierten Zuständen zugänglich zu machen. Dabei ist also eine Aktualisierung vom Trauma notwendig. Wird das Trauma in diesem labilen Zustand von fehlgeleiteten Selbstbewertungen befreit, kann es zu einer ersten Besserung kommen.

Bei einer effizienten Traumatherapie wird der Patient so stressarm wie nur möglich mit dem Erlebten konfrontiert. Dafür muss der Betroffene die sogenannten emotional-kognitiven Bewältigungsstrategien erlernen. Gleichzeitig modifiziert der Therapeut die mit dem Trauma verknüpften Gefühle, Störbilder und Symptome.

Durchführung & Wirkungsweise der Traumatherapie

 

Je nach Schweregrad und Störungsbild können diverse Behandlungsmethoden bzw. auch Kombinationen dieser bei der Traumatherapie zum Einsatz kommen. Die Durchführung und Wirkungsweise dieser Therapiemöglichkeiten unterscheiden sich mehr oder weniger voneinander.

 

Das psychoanalytische Verfahren:

Die Psychoanalyse unterstützt vor allem die unbewusste Wirkung des Traumas und versucht dieses zu behandeln. Dabei ist die sogenannte Übertragung ausschlaggebend.

Darunter verstehen Therapeuten eine unbewusste Übertragung der Erlebnisse des Patienten auf Bezugspersonen und den Analytiker. Dies geschieht in Form einer Fixierung und Wiederholung. Diese sogenannte Übertragungsneurose kann durch eine Deutung und Widerstandsanalyse nach und nach abgebaut und schließlich behandelt werden.

Es ist jedoch kontraproduktiv, die Neurose in einer solchen Therapie zu fördern, da sich das Trauma und die Symptome somit verschlimmern können. Weist der Therapeut eine neutrale Haltung vor, kann dies die Selbstbeschuldigungs-Tendenzen des Patienten verstärken oder die belastenden Erinnerungen in den Alltag zurückbringen.

Der Analytiker setzt stattdessen auf das interaktive Verständnis ihrer therapeutischen Beziehung. Hierbei identifiziert und distanziert sich der Therapeut flexibel und regelmäßig mit bzw. vom Patienten.

Dieser Umgang mit der Übertragung und Gegenübertragung bedarf einer hohen Kompetenz, da der Therapeut sich anderenfalls stellvertretend traumatisieren kann. So wird der Analytiker zum Beispiel bei einer zu großen Nähe mit dem Traumamaterial überflutet, während es bei einer zu großen Distanz zu einem kognitiven Schutzwall kommt.

 

Das imaginative Verfahren

Beim imaginativen Verfahren werden innere, traumähnliche Bilder und Verarbeitungswege genutzt, sodass tiefe Ebenen der Psyche erreicht und schließlich verarbeitet werden können. Dabei kommen zum Beispiel oft die sogenannte Ego-State-Therapie oder die Psychodynamisch-Imaginative-Traumatherapie zum Einsatz.

 

Die Verhaltenstherapie

Behandlung TraumatherapieDie Verhaltenstherapie wird bei Traumatas eingesetzt, um die negativen Erlebnisse abzuschwächen bzw. zu kontrollieren. Auch negative, erlernte Schutzmechanismen können durch diese Therapie umgangen oder gar aufgelöst werden.
Nach einem Trauma sind bestimmte Auslöser mit einem Reiz verkettet, sodass es bei den Patienten zu einer unerwünschten jedoch automatisierten Reaktion kommt.
Diese sogenannten Trigger können ebenfalls mit der traumabezogenen Verhaltenstherapie behandelt werden.

Das narrative Verfahren

Das narrative Verfahren wird international empfohlen und soll den Traumapatienten helfen, bewusste und unbewusste Teile des Traumas zu einer zusammenhängenden Geschichte zusammenzuführen. So sollen alle Elemente verarbeitet werden, wodurch wiederum Beschwerden und Symptome gelindert werden sollen.

EMDR-Therapie (Eye Movement Desensitization and Reprocessing)

Ein wesentlicher Aspekt der sogenannten EMDR-Therapie ist die bilaterale Stimulation. Therapeuten verstehen darunter eine intensive Stimulation von beiden Hirnhälften. Die Stimulation erfolgt durch Töne, kurze Berührungen oder Augenbewegungen.

Mit der EMDR-Traumatherapie sollen verdrängte Erinnerungen gelockert und anschließend verarbeitet werden. Das Konzept wurde von Francine Shapiro entwickelt, die beobachtete, dass rasche Augenbewegungen zu einer Reduktion der durch Traumatas ausgelösten Ängste führen kann.

Die Gestalttherapie

Bei der Gestalttherapie werden Körper, Geist und Seele einheitlich betrachtet. Es wird also berücksichtigt, dass die drei Ebenen sich wechselseitig beeinflussen. Außerdem wird hierbei das soziale Umfeld mitbetrachtet.

Mit der Gestalttherapie kann dem Traumapatienten beispielsweise eine Kontaktgrenze nahegebracht und beigebracht werden.

Das kann z. B. notwendig sein, wenn eine Person, die sexuell belästigt wurde, kein Gespür für Grenzen mehr kennt bzw. dieses gestört ist.

Mit Gestalt-Traumatherapie können Betroffene auch lernen, negative Gefühle zu kontrollieren, anstatt Angst davor zu haben, von ihnen überflutet zu werden.

Auch gestörte Körperwahrnehmungen können mit dem Verfahren wieder normalisiert werden.

Das Debriefing

Beim Debriefing handelt es sich um ein umstrittenes Verfahren, das bei Massenereignissen eingesetzt wird. Dabei wird das Erlebte immer wieder unter den Betroffenen erzählt. Dadurch sollen die Geschehnisse abgeflacht und integriert werden.

Das Debriefing ist mehr als Soforthilfe und weniger als Therapieverfahren anzusehen. Die Methode kann eher bei einer hohen Stressbelastung als bei wirklichen Traumatas Wirkung zeigen. Wenn jedoch eine traumatische Informationsverarbeitungsstörung existiert, können die Störungsbilder sogar erschwert und vertieft werden.

Medikamentöse Behandlung:

In manchen Fällen bzw. bei einem gewissen Schweregrad des Traumas kann eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein. Diese sollte allerdings nur begleitend zu einer gesprächsorientierten Therapie stattfinden, da sie nur die Symptome unterdrückt und nicht die Ursache behandelt.

Die medikamentöse Therapie beinhaltet meistens Psychopharmaka wie:

  • Tranquilizer
  • Antidepressiva
  • SSRI (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer)
  • Neuroleptika

Diese Arzneimittel greifen in die Hirnfunktionen des Betroffenen ein, indem sie das Gleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn beeinflussen. Klinische Studien haben ans Licht gebracht, auf welche Neurotransmitter eingewirkt werden sollte, um die Symptome eines Traumas zu regulieren.

Die Traumatherapie hilft bei:

 

Eine Traumatherapie hilft Personen, belastende Erfahrungen zu verarbeiten, um wieder ein weitestgehend normales Leben führen zu können. Bei diesen Erlebnissen kann es sich sowohl um Naturkatastrophen und Unglücke als auch um von Menschen verursachte Unheile handeln.

Beispiele für Naturkatastrophen, die Traumatas verursachen können:

  • Erdbeben
  • Überflutungen
  • Wirbelstürme
  • Lawinen-Unglücke

Beispiele für Unglücke, die Traumatas verursachen können:

  • Bahn- und Auto-Unfälle
  • Flugzeugabstürze
  • Gas-Explosionen

Beispiele für durch andere Menschen verursachte Traumatas:

  • Überfall
  • Entführungen
  • Geiselhaft
  • Folter
  • Vergewaltigung oder sexueller Missbrauch (vor allem durch nahestehende Personen)

 

Die Traumatherapie fördert & stärkt:

 

Eine Traumatherapie fördert und stärkt die psychische Gesundheit von Personen, die aufgrund traumatischer Erlebnisse schwere psychische Störbilder aufweisen. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Traumatisierung
  • Posttraumatische Belastungsstörung
  • Psychotrauma

Die Therapie kann also bei allen Symptomen dieser Krankheitsbilder weiterhelfen und dadurch für ein ausgeglichenes und normales Leben der Betroffenen sorgen.

Risiken & Nebenwirkungen einer Traumatherapie

 

  • Nebenwirkungen der Medikamente
  • Retraumatisierung
  • Anfängliche Verschlimmerung der psychischen Störbilder

In der Regel bringt die therapeutische Behandlung eines Traumas keine Risiken mit sich. Oftmals ist die erste Wahl der Therapie jedoch eine medikamentöse Behandlung, welche zu diversen Nebenwirkungen führen kann.

Die Medikamente werden oft eingesetzt, um den Patienten den Einstieg zu erleichtern, bei dem sie gezielt mit den belastenden Erlebnissen konfrontiert werden. Dadurch wird auch die Gefahr einer Retraumatisierung verringert.

Behandlung TraumatherapieBei der Retraumatisierung verfestigen sich die ungünstigen Denkweisen der Traumapatienten, da sie ihre Erinnerungen erneut durchleben. Daher ist es enorm wichtig, ausschließlich von einem ausgebildeten Therapeuten behandelt zu werden.

Ohne eine medikamentöse Behandlung ist also das Risiko von einer Verstärkung der Symptome groß. Die verwendeten Medikamente bringen jedoch auch jeweils unterschiedliche Nebenwirkungen mit sich.

Die Medikamente reduzieren allerdings nur die Symptome oder Begleiterscheinungen des Traumas und nicht die eigentliche Ursache. Sie können zwar hilfreich sein, sollten aber immer von einer gesprächsorientierten Traumatherapie begleitet werden.

Bis die erwünschte Besserung anfängt einzutreten, müssen Betroffene mit einer Verstärkung der Störbilder und Symptome rechnen. Eine Traumatherapie bedarf viel Geduld und Zeit, bis sie eine deutliche Wirkung zeigt.

Gegenanzeigen & Wechselwirkungen einer Traumatherapie

 

Unter bestimmten Bedingungen sollten gewisse Methoden der Traumatherapie nicht angewandt werden. Absoluten Kontraindikationen einer Traumatherapie sind:

  • Akute Suizidalität (Suizidgefährdung)
  • Schwerwiegende Störungen von der Verhaltenskontrolle
  • Ein akutes, psychotisches Erleben
  • Ein akutes Risiko einer Retraumatisierung (z. B. aufgrund von einem weiterhin bestehendem Kontakt zum Verursacher)

Bei gewissen Konditionen können sich die Beschwerden der Betroffenen durch die Therapie verschlechtern. Dies ist vor allem bei einer Behandlungsmethode, die eine direkte und gezielte Konfrontation des Traumas beinhaltet, der Fall.

Wer behandelt?

 

  • Traumatherapeuten
  • Psychotherapeuten
  • Psychoanalytiker
  • Hypnosetherapeuten
  • Verhaltenstherapeuten
  • Schmerztherapeuten
  • Neuropsychologen

Eine Traumatherapie bedarf viel Kompetenz, weshalb sie ausschließlich von ausgebildeten Therapeuten durchgeführt werden sollte. Anderenfalls kann es zu einer erheblichen Verschlimmerung des Traumas und der damit einhergehenden Störbilder, Symptome und Begleiterscheinungen kommen.

 

Unser Fazit zur Traumatherapie

 

Obwohl die Traumatherapie eine recht neue Behandlungsmethode darstellt und noch zahlreiche Forschungsgebiete offen stehen, kann sie zu einer deutlichen Besserung oder gar Heilung des Traumas führen.

Ausgebildete Traumatherapeuten arbeiten auf dem aktuellen Stand der Forschungen und können dadurch einen wirksamen Heilungsprozess unterstützen und herbeiführen. Durch intensive Arbeit diverser Fachleute ist es in den letzten Jahren zu einem rasanten Anstieg von wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen gekommen.

Allerdings kann die Suche nach einem geeigneten Therapeuten schwer sein. Dieser muss nicht nur kompetent sein, sondern auch menschlich zu dem Patienten passen. Die Diagnose- und Therapiemöglichkeiten haben aber in den letzten Jahren einen immensen Fortschritt erlebt, der zu einer deutlich besseren Behandlung von Traumatas führt.

 

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