Neurose

Neurosen NeuroseNeurosen liegen ebenso viele unzählbare Ursachen zugrunde, wie ihre potentiellen Ausprägungen unzählbar sind.

Man spricht von einer Neurose, wenn ein Patient klar einem Leiden erlegen ist, ohne dass dieses eine physisch feststellbare Ursache hätte. Deswegen gehören Neurosen aller Arten in das Feld der Psychologie und Psychiatrie. Bisweilen können Symptome bestimmter Neurosen aber auch körperlich bemerkbar machen.

Darüber hinaus sollte man das Wort „Neurose“ ans sich lediglich als Überbegriff verstehen. Er bezeichnet keine deifinierte Krankheit, sondern eine große Familie mehr oder weniger verwandter psychischer und selten auch physischer Störungen.

Was genau ist eine Neurose?

Eine Neurose ist kein klar definierter Begriff. Darüber hinaus sind Neurosen oder das was Personen als solche Ansehen auch jeweils stark zeitabhängig. Der Bedeutung des Begriffes Neurose war seit dessen erster Einführung in die medizinische Fachwelt ständigen Veränderungen unterworfen.

Stand er noch im 19. Jahrhundert synonym für alle möglichen psychischen Erkrankungen, wurde er etwa ab den 1950er Jahren nur noch für klar als solche definierte Angststörungen verwendet. Heutzutage geht der Trend immer mehr in die Richtung komplett auf den begriff der „Neurose“ zu verzichten und ihn durch exaktere und genauere Begriffe auszutauschen.

Dieses vorgehen mag zwar für die Forschung sowie die Fachwelt interessant sein, wird aber die umgangssprachliche Nutzung dieses Begriffes kaum beeinflussen. Dazu ist der Neurosebegriff zu tief im alltäglichen Sprachgebrauch verankert. Und deckt darüber hinaus eine zu große Anzahl an etwaigen Bedeutungen ab, als dass dieses sich allzu schnell ändern würde.

Nichtsdestoweniger wird man den Begriff in Fachpublikationen kaum mehr finden. In den USA beispielsweise wird das Wort Neurose zur Beschreibung einer eines psychischen Leidens überhaupt nicht mehr gebraucht. Der Trend in Europa und dem Rest der Welt ist, wie gesagt, ähnlich.

Dennoch laufen einige ältere, aber dennoch gängige Klassifikationen psychologischer Erkrankungen unter dem Neurosebegriff. Das hat insbesondere beim diagnostizieren zur Folge, dass der Begriff immer noch Anwendung findet und vorerst auch nicht komplett aus der Fachsprache, zumindest aus der gesprochenen, verschwinden wird.

Welche Ursachen liegen einer Neurose zugrunde?

Die Anzahl möglicher ursachen üf rine Neurose ist unübersehbar groß, zudem kommt es natürlich auf den Typ der Neurose an.

Man kann jedoch grob davon ausgehen, dass vorallem Traumata, sowohl psychischer als auch physischer Natur, eine der häufigsten Gründe für die Herausbildung einer Neurose sind. Aber auch diese Traumata sind schwer zu spezifizieren, ohne sich in dem überweiten Feld möglicher Auslöser zu verlieren.

Eine mögliche Fallstudie könnte jedoch wie folgt aussehen:
Ein Patient leidet an einer Angstneurose (Angststörung), genauer gesagt an einer sog. Agoraphobie (Platzangst). Diese Neurose ist meist erworben und nicht angeboren. Wie aber kam es dazu, dass der Patient eine solche entwickeln konnte?

  1. Er durchlebte ein traumatisches Erlebnis
  2. Missbrauch von Medikamenten und Suchtmitteln
  3. Folge- und / oder Nebenerkrankung bereits vorhandener Angststörungen

Ein traumatisches Erlebnis könnte beispielsweise sein, dass der Betroffene auf einem offenen Platz Zeuge oder Opfer einer brutalen Gewalttat wurde, auch dass er dort einen verstörenden Unfall beobachtet hat ist im Rahmen des Möglichen, darüber hinaus kann er auf einem Marktplatz auch Opfer eines nicht-gewalttätigen Verbrechens gewesen sein, wie bspw. einem Taschendiebstahl.

Suchtkranke Menschen neigen dazu, eine Agoraphobie zu entwickeln. Die Mechanismen dahinter sind noch nicht ganz verstanden, aber die Statistiken unter Betroffenen sprechen für sich. Deshalb meiden Alkoholiker, Rauschgiftabhängige oder Personen, die Medikamente missbrauchen große Plätze meist ebenso wie große Ansammlungen von Menschen.

In den meisten Fällen jedoch ist davon auszugehen, dass die hier beispielhafte Neurose nicht alleine auftritt, sondern im Kontext mit anderen Neurosen zu verstehen ist. In diesem Falle mit weiteren Angststörungen. So treten Agoraphobie und Clautrophobie oftmals simultan auf. Auch Waschzwänge und krankhafte Vermeidung von Schmutz und Keimen können Agoraphobien nach sich ziehen.

Die Möglichkeiten sind schier endlos.

Welche Symptome können auftreten?

Wie mit allem verhält es sich auch mit den Symptomen und den Anzeichen, die auf eine Neurose hinweisen können: Sie sind in nicht fassbarer Menge vorhanden. Nichtsdestotrotz kann man gewisse Muster erkennen, die auf neurotische Störungen hinweisen. Insbesondere dann, wenn diese Symptome in einer extremen Stärke zu Tage treten, sollte man sich Gedanken über eine mögliche Erkrankung machen.

Die häufigsten Symptome schließen unter anderem ein:

  • Angst bzw. Ängstlichkeit:
    Es ist vollkommen natürlich, Angst zu verspüren. Patienten die an einer Neurose leiden sind jedoch besonders anfällig für diese Emotion. Teilweise ist Angst ihre primäre Emotion gegenüber allem und sie sind kaum in der Lage die kleinsten und unwichtigsten Aufgaben furchtlos anzugehen. So können selbst Händewaschen und einkaufen gehen zu ungeahnten Herausforderungen für diese Menschen werden. Teilweise geraten sie in regelrechte Angststarren, die sie bewegungsunfähig zurücklassen.
  • Depression:
    Depressionen sind relativ häufig in Neurosepatienten. Sie können als Symptom einer speziellen psychischen Störung auftreten oder für sich selbst die psychische Störung sein. Dies gilt es feststellen zu lassen.
  • Gereiztheit:
    Oftmals sind Neurotiker durch ihre verworrene Weltsicht sämtlichen Eindrücken schutzlos ausgeliefert und interpretieren alles in ihrer Umgebung als direkten Angriff auf sie selbst. Das kann dazu führen, dass sie selbst freundliche Gesten fehlerhaft einschätzen und barsch oder gereizt reagieren. Dieses Verhalten erinnert nicht-betroffene Personen meist an das kleiner Kinder während einer „bockigen“ Phase.
  • Geringes Selbstwertgefühl:
    Durch das stetige Gefühl, anders zu sein als der Rest der Menschheit, fällt es betroffenen oft schwer ihren eigenen Wert zu erkennen. Des Weiteren hegen Neurotiker meist beständige Zweifel an allen ihren Taten und sind zumeist nicht mit sich selbst zufrieden. All dies führt am Ende dazu, dass Neurosepatienten von sich selbst nicht überzeugt sind und dazu neigen sich als weniger wertvoll im direkten Vergleich zu anderen Menschen anzusehen.

Wie diagnostiziert man Neurosen?

Je nach Stärke der Ausprägung kann es selbst medizinischem Fachpersonal sehr schwer fallen, eine Neurose festzustellen. Erste Verdachtsmomente kommen meist nicht vom Betroffenen selbst, sondern aus dessen Umfeld. Dies liegt teilweise daran, dass Neurotiker ihr Verhalten als nicht atypisch ansehen oder ihnen eben durch ihre psychische Störung eine klare Einschätzung des eigenen Tuns nicht möglich ist.

Überhaupt steht die Uneinsichtigkeit des Neurotikers einer Diagnose und somit einer Behandlung oft im Wege. Es bedarf großer Bemühungen seitens der Familie und des Umfeldes, wenn man einen Betroffenen dazu bewegen will, sich psychologisch behandeln zu lassen.

Nichtsdestotrotz begeben sich früher oder später die Mehrzahl von Neurotikern in fachärztliche Behandlung. Sei dies nun freiwillig oder unter Zwang. Denn leider wird letzterer bisweilen notwendig, wenn die Neurose des Patienten eine gefahr für ihn selbst oder Dritte darstellt. Das ist oftmals der Fall, wenn die Neurose Panikattacken beinhaltet. Während einer solchen ist das Verhalten eines psychologisch kranken Menschen nicht abzusehen und kann ggf. auch in Gewaltakten gegenüber Dritten enden. Insbesondere dann, wenn der Patient die Hilfeleistungen Fremder in seinem Wahn als Angriff interpretiert. Darüber hinaus kann es auch im Rahmen anderer Neurosen zu unangenehmen Akten seitens des Betroffenen kommen, die als Grund dafür herhalten können, ihn einweisen zu lassen.

Darüber Weiteren gilt es aber zu bedenken, dass nur direkte Familienmitglieder Einweisungen vornehmen lassen können, insofern keine direkte Gefahr vom Betroffenen ausgeht.

Welche Behandlungsmethoden stehen zur Verfügung?

Die wirksamste Methode einer Neurose auf den Leib zu rücken ist es immer noch, sich in eine Psychotherapie zu begeben. Meist wird zusätzlich ein Psychiater, insofern dieser die Therapie nicht ohnehin schon leitet, dazugezogen. Das dient dem Zweck einer etwaigen medikamentösen Beibehandlung. Denn Psychologen dürfen keine Medikamente verschreiben. Da die moderne Therapie aber nicht mehr ohne Psychopharmaka auskommt, ist es meistens unablässig einen Psychiater mit an Bord zu holen.

Es ist also die Kombination aus Gesprächstherapie und medikamentöser Behandlung, die eine langfristige und dauerhafte Lösung für Neurosen aller Arten bietet. Darüber hinaus können bisweilen auch andere therapeutische Maßnahmen ergriffen werden. Dazu gehört beispielsweise die Schocktherapie. Jene Form der Behandlung hat sich insbesondere bei Angstneurosen als äußerst wirkungsvoll erwiesen. Nichtsdestotrotz findet der größte Teil einer jeden therapeutischen Behandlung in einer Praxis statt.

In besonders schweren und violenten Fällen können bisweilen auch rabiatere Mittel zur Behandlung des Patienten eingesetzt werden.

Des Weiteren gibt es auch eine Vielzahl experimenteller Heilungsansätze, die oftmals genutzt werden. Dazu zählen beispielsweise Lichttherapien, intuitives Malen und / oder Zeichnen, intuitives Schreiben, Beobachtungstherapie, Hypnose uvm.

Deren Einsatz und potentielle Wirkung ist jedoch stark vom vorliegenden Fall abhängig und muss darum erst vom behandelnden Psychologen im Vorfeld abgewogen werden, um keine Rückschritte in der Therapie zu erzielen.

Darüber hinaus kann es sehr wichtig für die Ärzte sein, dass sie sich ständig auf dem Laufenden halten. Denn grade die Behandlungsmethoden in der Psychiatrie werden immer feiner, genauer und besser. Darum wird Ärzten dieser Fachrichtung auch näher gelegt, so oft es ihnen möglich ist Kongresse und Tagungen zu besuchen, um ihren Patienten stets die beste Behandlung garantieren zu können.

Gibt es alternative Heilungsmethoden?

Es gibt eine Vielzahl von alternativen Methoden zur einer psychiatrischen Behandlung und keine einzige davon sollte auch nur im Entferntesten für einen Patienten infrage kommen, insofern dieses nicht ausdrücklich vom behandelnden Arzt empfohlen wurde!
Die Psyche des Menschen ist sehr anfällig für Pfuscherei und erholt sich oftmals nicht mehr, wenn sie einmal nachhaltig beschädigt wurde.

Darum Finger weg von selbsternannten Hypnotiseuren und Wunderheilern. Im besten Falle bewirken sie gar nichts und im schlimmsten Falle zerstören sie die Psyche eines Menschen irreparabel stark. Das sollte es einem nicht wert sein.

Aber wie schon angemerkt: Nicht alle alternativen heiler sind Scharlatane. Wenn der Psychiater oder Psychologe diese empfiehlt, kann man ihre Dienste bedenkenlos in Anspruch nehmen.

Gibt es hausmittel?

Nein, nicht mehr wirklich. Manche Therapieformen, wie beispielsweise die Schocktherapie, gehen auf Hausmittel zurück. Diese wurden aber inzwischen so stark verbessert und optimiert, dass man sich besser der schulmedizinischen Variationen bedient, als auf diese altertümlichen und laienhaften Urtypen der Therapie zurückzugreifen.

Vorbeugung und Prophylaxe

Es gibt keine wirklichen Mittel, um sich gegen psychische Erkrankungen, insbesondere gegen Neurosen, zu schützen. Es kann jeden treffen. Darüber hinaus sollte man aber bedenken, dass die Wahrscheinlichkeit dafür eher gering ist.

Des Weiteren ist es empfehlenswert in regelmäßigen Abständen Rücksprache mit Sachverständigen zu halten und bei dem kleinsten Verdacht auf eine Neurose sofort und ohne Ablenkung Hilfe zu suchen. Je früher man sie erkennt desto besser.

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