Regression

Vollzieht man eine Regression, so findet eine rückwärtsgewandte Sakkade statt. Die Augen bewegen sich sakkadisch, dies bedeutet, dass sie sich nicht kontinuierlich (beispielsweise beim Lesen) von links nach rechts bewegen, sondern eher in ruckartigen Bewegungen. Dieser Vorgang wird als Sakkade bezeichnet. Etwa 15 bis 20 Prozent der durchgeführten Sakkaden weisen eine Regression der Augen auf. Dies kann beispielsweise aus jenem Aspekt entstehen, dass der Text nicht verstanden wurde und der Leser noch einmal nachlesen möchte. Andernfalls kann die Ursache auch eine zu weite Sakkade sein, durch die das Blickziel nicht mehr gänzlich erkennbar ist. In unserem Ratgebertext gehen wir auf die Thematik Regression ein und erläutern zudem die Thematik Krankheiten und Beschwerden, um einen noch besseren Überblick erhalten zu können.

Was ist die Regression?

Vor allem beim Lesen spielt die Regression eine wesentliche Rolle. Die Augen gleiten nicht über den Text, sondern springen regelrecht von Punkt zu Punkt, auch wenn einem das oftmals gar nicht so bewusst wird. Der Blick fällt in Form von Sakkaden von Fixation zu Fixation. Hierbei handelt es sich um die einzelnen Anhaltspunkte, die die Augen anvisieren. Etwas mit den Augen fixieren bedeutet also grob, dass man eine Sache fest im Blick hat.

Es lässt sich also sagen, dass das Lesen nicht in einem kontinuierlichen Prozess vollzogen werden, sondern abgehackte Standbilder, die aufeinander folgen, diesen Vorgang prägen. Die einzelnen Bilder werden im Schnitt mit einer Dauer von 250 Millisekunden mit den Augen festgehalten. An sich verlaufen die Sakkaden (Blicksprünge) recht schnell. Visuelle Informationen werden während der Sprünge weitestgehend unterdrückt, sodass die einzelnen Sakkaden nicht bewusst wahrgenommen werden können.

In 15 bis 20 Prozent der Sakkaden werden Rückwärtssprünge eingebaut. Diese Vorgänge tragen den Namen Regression und laufen ebenfalls vollkommen unbewusst ab. Sie treten immer dann ein, wenn ein bereits gelesener Textteil nicht verstanden wurde oder eine unterschwellige Irritation auftritt. In diesem Fall entscheidet das Unterbewusstsein, dass der Textteil oder auch ein einzelnes Wort erneut angeschaut wird.

Ein unerwarteter Druckfehler oder auch ein unverständliches Fremdwort können dazu führen, dass diese einige Zeit später in das Bewusstsein eindringen und die Regression der Augen auslösen. Sie findet nur so lange unbewusst statt, wie sie mit der normalen Verweildauer der Augen aufgelöst werden kann. Ist dies nicht mehr der Fall, so wird der Leseprozess unterbrochen. Die Aufmerksamkeit wird unter Einschaltung des eigenen Bewusstseins auf das betreffende Wort oder den Passus gelenkt.

Wissenswert: Regressionen treten nicht nur bei Lesevorgängen auf. Auch viele andere alltägliche Dinge werden mit solch einer Bewegung unterbewusst durchgeführt.

Funktion & Aufgabe

Das Gehirn kann einen Textteil nur klar erkennen und gleichzeitig verarbeiten, wenn er von dem kleinen Bereich schärfsten Sehens mit einer Farbwahrnehmung, der Fovea centralis (Sehgrube, Netzhautgrube), erfasst wird. Sie macht nur einen Grad in dem gesamten Blickfeld aus und liegt im gelben Fleck des Auges. Das gesamte Blickfeld umfasst in etwa 100 Grad und ist somit deutlich umfassender als die Fovea centralis. Es lässt sich jedoch sagen, dass die Augen sakkadisch von „einem Grad zum anderen“ springen, während ein Leseprozess vollzogen wird. Das Gehirn kann jedoch nur den kleinen Textteil verarbeiten, der in den Bereich der Fovea centralis fällt.

Die Vorteile von Sakkaden und Regressionen

Da dank der Fovea nur ein kleiner Teil vom Gehirn erkannt und bearbeitet werden kann, entsteht ein flüssiger Lesevorgang. Zudem ist es möglich, das Wörter komplett und gleichzeitig erkannt werden. Mit der Fixation (dem Blickpunkt) werden 7 bis 9, maximal jedoch bis zu 15 Zeichen oder auch Buchstaben wahrgenommen. Treten kleinere Komplikationen in puncto Texterkennung auf, so findet die Regression statt. Hierbei handelt es sich schlichtweg um den Rücksprung zur vorherigen Fixation.

Durch die Regression kann eine Problematik im Unterbewusstsein gelöst werden, ohne dass der Lesefluss großartig beeinflusst oder gar unterbrochen wird. Somit wird dieser Vorgang im Normalfall nicht einmal wahrgenommen.

Probleme während des Lesens werden mit der Regression gelöst, indem die Lesegeschwindigkeit etwas gemindert wird, jedoch nicht unterbrochen. Jedoch garantiert die Aneinanderreihung von Regressionen und Fixationen eine deutlich größere Lesegeschwindigkeit als die bewusste Bearbeitung des Problems.

Wichtig: Der Lesefluss kann von Regressionen bis zu 20 Prozent herabgesetzt werden, dennoch weist dieser Vorgang den Vorteil auf, dass der Lesefluss nicht entscheidend unterbrochen werden muss. Würde die Regression nicht stattfinden, so müsste jedes kleine Problem bewusst gelöst werden und würde einen deutlich höheren Zeitaufwand mit sich bringen. Der gewohnte und geliebte Lesefluss könnte vermutlich nicht zustande kommen, was einem die Freude sowie die Konzentration am Lesen rauben würde.

Krankheiten & Beschwerden

Es sind keine Erkrankungen bekannt, die ausschließlich regressive (rückläufige) Sakkaden betreffen. Sind die Funktionen in diesem Bereich eingeschränkt, so gehen meist Einschränkungen der Motilität (des Bewegungsvermögens) der Augen einher. Verursacht können diese Probleme durch die Stellmuskulatur der Augen, durch die Übertragung motorischer sowie sensorischer Signale per afferente beziehungsweise efferente Nervenfasern oder durch die Verarbeitung der Signale im zentralen Nervensystem.

  • Probleme mit der Stellmuskulatur der Augen
  • Probleme durch die Verarbeitung der Signale im zentralen Nervensystem
  • Probleme durch die Übertragung motorischer sowie sensorischer Signale durch afferente beziehungsweise efferente Nervenfasern

Probleme mit der Stellmuskulatur der Augen

Betrachtet man die Stellmuskulatur der Augen, so kann entnommen werden, dass diese aus je drei Muskelpaaren besteht. Diese bedienen je eine der drei möglichen Drehachsen. Ist nur eines der sechs Muskeln eingeschränkt in seiner Funktion, so treten in der Regel bereits Probleme mit der exakten Parallelführung der Augen auf. Dies gilt jedoch nicht nur für größere Augenbewegungen, sondern auch für Regressionen und Mikrosakkaden.

Motorische sowie sensorische Übertragungsprobleme

Motorische sowie sensorische Übertragungsprobleme können durch Läsionen oder auch durch krankhafte Veränderungen der motorischen Hirnnerven III sowie IV verursacht werden. Aber auch der gemischte Hirnnerv V (Nervus trigeminus), welcher auch als Gesichtsnerv betitelt wird, kann betroffen sein. Weitere Problembereiche können im Kleinhirn sowie im Hirnstamm liegen. Auch dort können mögliche Ursachen für Funktionseinschränkungen im Bezug auf die mikrosakkadische Regression liegen.

  • Läsionen der motorischen Hirnnerven III und IV
  • Läsionen am gemischten Hirnnerv V (Gesichtsnerv)
  • Läsionen im Kleinhirn sowie Hirnstamm

Degenerative, neurologische Veränderungen

Degenerative, neurologische Veränderungen stellen die häufigsten Ursachen für die Störung der Motilität der Augen durch das zentrale Nervensystem dar. Hierzu gehören Alzheimer und Parkinson. Am Anfang der Beeinträchtigungen lässt sich feststellen, dass die „Treffsicherheit“ der einzelnen Sakkaden nachlässt. Erfolgt der erste Blicksprung, so muss meist unmerklich nachjustiert werden. Dies betrifft auch Mikrosakkaden sowie Regressionen. Nach und nach geht die Fähigkeit, Texte flüssig lesen zu können und zudem schnell zu erfassen, gänzlich verloren. Somit wirkt das Lesen für Betroffene sehr ermüdend und anstrengend.

Fragen & Antworten zur Thematik Regression der Augen

 

Können Regressionen beim Lesen vermindert oder gar vermieden werden?

Regressionen laufen unterbewusst ab und scheinen auf den ersten Blick unvermeidbar zu sein. Zudem finden sie automatisch ab. Jede stattfindende Regression vermindert die Lesegeschwindigkeit, da ungefähr 15 bis 20 Prozent der Sakkaden aus Regressionen bestehen. Mit einigen Tricks ist es jedoch möglich, Regressionen zu mindern und somit deutlich schneller zu lesen. Umso höher die Konzentration ist, umso schneller versteht man die einzelnen Textpassagen und muss nicht zurückschweifen. Je nach Schwierigkeitsgrad des Textes und Tagesform kann die Konzentration recht unterschiedlich ausfallen. Allerdings lässt sich sagen, dass mit einer erhöhten Konzentration die Anzahl der Regressionen vermindert wird und der Lesefluss deutlich schneller erfolgt. Mit einem guten Training ist es möglich, nach einiger Zeit pro Stunde bis zu 20 Minuten zu sparen.

Erhöht das schnelle Lesen die Anzahl der Regressionen?

Unter Umständen kann ein schnelles Lesen dafür sorgen, dass man die Zeilen unkonzentriert überfliegt. Viele Dinge werden nicht genau wahrgenommen, aber auch die Regression findet deutlich seltener statt. Somit lässt sich sagen, dass durch ein schnelleres Lesen auch die Regression vermindert wird. Jedoch nimmt man auch deutlich weniger wahr und weiß im Anschluss vermutlich nicht einmal halb soviel von dem Text, als hätte man ihn genau und mit Hilfe von Regressionen gelesen. Sakkaden und Regressionen sind keinesfalls negative Aspekte. Gerade Regressionen sorgen dafür, dass der Lesefluss nicht allzu oft unterbrochen wird, auch wenn das Lesen mit ihnen etwas langsamer von statten geht.

Können Menschen mit Regressionsstörungen noch flüssig lesen?

Für Menschen, die in ihrer Motilität der Augen eingeschränkt sind, ist es oftmals schwierig, Texte flüssig zu lesen. Regressionen werden oftmals nicht mehr vollständig durchgeführt oder gar zu oft, je nach Krankheitsbild. Dies sorgt dafür, dass gerade bei Alzheimer- sowie Parkinsonpatienten festgestellt werden kann, dass das Lesen sehr ermüdend und kraftaufwändig wird von statten geht. Ein wirklicher Lesefluss ist oftmals nicht mehr vorhanden, wodurch man sich aktiv und bewusst mit den einzelnen Problemen auseinandersetzen kann. Somit braucht man für einen einzelnen Text deutlich länger, als wenn Sakkaden sowie Regressionen geregelt ablaufen.

Unser Fazit zur Regression der Augen

Regressionen sind für die Menschen ein wahrer Segen, um sich während des Lesens nicht allzu genau mit allen Problemen auseinandersetzen zu müssen. Wurde ein Wort nicht genau erkannt, so erfolgt die Regression, indem der Blickpunkt erneut angestrebt wird. Somit kann das Unterbewusstsein mit dem Gehirn erneut ein Bild sammeln und dieses verarbeiten, ohne dass man es bewusst wahrnimmt. In etwa 15 bis 20 Prozent aller Sakkaden sind Regressionen, wodurch die Lesegeschwindigkeit um bis zu 20 Prozent gehemmt wird. Würde man sich jedoch aktiv mit dem Problem befassen müssen, so würde ein Lesefluss vermutlich erst gar nicht zustanden kommen können. Herrschen Einschränkungen bei der Motilität der Augen, so kann auch der Lesefluss erorm beeinträchtigt werden. Gerade Parkinson- sowie Alzheimerpatienten haben starke Probleme damit, Texte zu lesen. Es wirkt sehr anstrengend und zugleich ermüdend, sodass das Lesen der Tageszeitung oder gar das Lesen eines Buches nicht mehr möglich ist.

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