Hirnnerven

Hirnnerven sind entscheidend für viele Körperfunktionen

Das Gehirn ist in gewisser Hinsicht ein eigenständiges Organ. Es steht mit dem gesamten Körper in Verbindung. Im Gehirn ist eine unendliche Vielzahl an Hirnnerven zu finden. Diese Hirnnerven, bedarf jedoch für sich allein ebenfalls einer Vielzahl an Hirnnerven. Anhand des medizinischen Terminus Hirnnerv kann der Rückschluss gezogen werden, dass es sich dabei ausschließlich um die im Gehirn manifestierten Nerven handelt. Im Gegensatz dazu unterscheiden die Mediziner und die Pathologen die Rückenmarksnerven.

Was sind Hirnnerven?

Die Bezeichnung Hirnnerv trifft auf Reizleitungen zu, die ihren Ursprung unmittelbar im Gehirn haben. Hirnnerven werden unter dem lateinischen Begriff nervi cranialis (nervi steht für mehrere Nerven, cranialis ist abgeleitet von cranium, zu deutsch Schädel, Kopf) geordnet. Hirnnerven sind demnach „Schädel– oder Kopfnerven“.
Die Wurzeln der Hirnnerven sind die sogenannten hellen Hirnnervenkerne.

Ein weiteres Charakteristikum der Hirnnerven ist deren Lokalisation. Sie belegen immer eine oder mehr Durchtrittsöffnungen der Schädelknochen. Das knöcherne Gerüst des Schädels ist überaus komplex und aufgebaut. Um eine ausgewogene Vernetzung mit anderen Nerven zu erreichen, können die Hirnnerven alle vorhandenen Stellen im Knochengewölbe ungehindert durchdringen.

Insgesamt werden 12 Hirnnerven unterschieden. Sowohl in der medizinischen Fachliteratur als auch in anatomischen Abhandlungen sind jedoch Abweichungen zu finden. Die Kategorisierung der Hirnnerven ist daher nicht unbedingt als standardisiert und einheitlich zu betrachten. Studenten der Medizin nutzen darüber hinaus spezielle Eselsbrücken, um sich alle 12 Hirnnerven einprägen zu können.

Um alle Hirnnerven auseinander halten zu können, werden diese Segmente mit römischen Zahlzeichen versehen. Je nachdem, wo der zu deklarierende Hirnnerv im Gehirn austritt, erhält er eine Nummer. Ist die Austrittsposition weiter oben im Gehirn, wird mit I und nach unten hin mit II, III und so weiter fortfahrend gekennzeichnet. Diese Unterteilung existiert schon seit 1788 und ist bis heute übernommen worden.

Die Hirnnerven berühren das Rückenmark in keiner Weise. Sie gelangen direkt zu den entsprechenden Organen, die in der Medizin und in der Pathologie (Pathologie ist die Lehre von den Krankheiten) als kraniale Elemente deklariert werden.

Diese Organe sind meist im Kopf beziehungsweise kranial (zum Kopf hin gerichtet, nach oben) und erfüllen dort verschiedene Aufgaben. Um sich im Kopf zu verteilen, ist es nicht notwendig, erst das Rückenmark zu passieren. Das hat die Evolution klug eingerichtet.
Trotz der etwas eigentümlichen Quelle werden die Hirnnerven als wichtiger Teil der peripheren Nervensystems angesehen.

Was ist ein Nerv?

Zur besseren Verständlichkeit soll an diesem Punkt der Terminus Nerv erklärt werden. Bei Hirnnerven handelt es sich um eben solche Strukturen, die einen Austausch von Informationen oder Reizen realisieren können. Diese bewegen sich ständig zwischen den Körperorganen und dem Rückenmark sowie dem Gehirn hin und her.

Anatomisch (Anatomie ist die Lehre vom Bau der Organsysteme und Organe) gesehen, stellen Nerven eine Aneinanderreihung von Zellfortsätzen wie Dendriten und Axonen dar. Daraus entstehen regelrechte Fäden, die als gleichgerichtet nebeneinander (parallel) verlaufende Nervenfasern in Erscheinung treten.

Nervenfasern sind die übergeordneten Strukturen von Axonen und Dendriten von Nervenzellen und den sogenannten Myelin- oder Markscheiden. Die Myelinscheiden sind eine fetthaltige (lipidreiche) Umhüllungsschicht, die sich wie eine Spirale um die Axone rankt.

Nerven sind Reizleiter. Sie gegen sowohl innerlich im Körper stattfindende Veränderungen als auch Einwirkungen von außen an das Rückenmark und das Gehirn weiter. Das Ziel ist die Auslösung einer spezifischen Reaktion.

Das periphere Nervensystem

Das periphere Nervensystem, abgekürzt auch PNS, stellt das Reizleitungs- beziehungsweise Nervensystem dar, das nicht im Rückenmark und nicht im Gehirn befindlich ist. Im Schädel sind die Hirnnerven dafür zuständig, dass eine Zusammenführung mit dem Zentralen Nervensystem gewährleistet werden kann.
In den Extremitäten oder Gliedmaßen und im Rumpf sorgen die Spinalnerven für einen Kontakt zum Zentralen Nervensystem oder ZNS. Das periphere Nervensystem umfasst somit die Einheiten Hirnnerven, Spinalnerven und enterische Nerven im Bauch.
Die Lage des peripheren Nervensystems kann außerhalb des Rückenmarks- oder Wirbelkanals und des Schädels verfolgt werden. Die Aufgabe des peripheren Nervensystems besteht darin, die Effektorgane (Ziel der Reizleitung, Erfolgsorgan) mit den Spinal- und den Hirnnerven zu verketten.

Zum peripheren Nervensystem werden folgende Abschnitte gezählt:

  • willkürliches oder somatisches Nervensystem
  • unwillkürliches oder Vegetatives Nervensystem mit
    • Sympathikus oder sympathischem Nervensystem
    • Parasympathikus oder parasympathischem Nervensystem
  • enterisches Nervensystem oder Eingeweidenervensystem

Das somatische Nervensystem wird ebenfalls als animaler Part definiert. Das periphere Nervensystem verläuft bis in die Periphere beziehungsweise in die Randgebiete des Körpers hinein. Diese Zusammenhänge sind wichtig, um die Zugehörigkeit und die Funktionsweise der Hirnnerven zu verstehen.

Funktionen und Aufgaben der Hirnnerven

Jeder einzelne Hirnnerv übernimmt eine genau festgelegte Aufgabe. Er innerviert dazu unter anderem verschiedene Sinnesorgane.

Entsprechend der 12 Hirnnerven gibt es 12 Funktionen:

  • I Nervus olfactorius – Riechen
  • II Nervus opticus – Sehen
  • III Nervus oculomotoricus – Bewegung der Augen und Motorik der Pupillen (eng und weit stellen)
  • IV Nervus trochlearis – Bewegung der Augen und Motorik der Pupillen
  • VI Nervus abducens – Bewegung der Augen und Motorik der Pupillen
  • V Nervus trigeminus (Trigeminusnerv) – Empfindsamkeit (Sensibilität) des Gesichts
  • VII Nervus facialis – Mimik des Gesichts
  • VIII Nervus verstibulocochlearis – Gleichgewichts- und Hörsinn
  • IX Nervus glossopharyngeus – Schluckreflex
  • X Nervus vagus – Öffnen der Stimmritze am Kehlkopf (Artikulation)
  • XI Nervus accessorius – Drehen des Kopfes, Anheben der Schulter
  • XII Nervus hypoglossus oder Unterzungennerv – Bewegungen der Zunge

Die Mimik eines Menschen sowie die Erfassung unterschiedlicher Geschmacksrichtungen und Gerüche sind an die Hirnnerven gebunden.
Neben dem Sprechen kann sich ein Mensch auch über die Gestik (Körpersprache) und die Mimik (Ausdruck des Gesichts) ohne Worte verständlich machen und sich ausdrücken. Die Hirnnerven helfen dabei. Besonders für die Orientierung und die soziale Kommunikation im Bezug mit der Formung der Sprache sind ebenfalls zahlreiche Hirnnerven bedeutsam.

Damit Menschen nicht nur starr geradeaus blicken müssen, erfolgen die Augenbewegungen nach rechts und links sowie nach oben und nach unten gesteuert von bestimmten Hirnnerven. Diese greifen in die Funktion der Augenmuskeln ein und bewirken somit eine willkürliche oder unwillkürliche Pupillen- und Augenmotorik.

Das Engstellen oder die Verengung der Pupille bei großem Lichteinfall beziehungsweise Blendung heißt Miosis. Das Gegenteil dazu, die Mydriasis, ist die Weitstellung beziehungsweise die Erweiterung der Pupillen bei schlechtem Licht oder bei Dunkelheit. Beide Vorgänge verkörpern die Pupillenmotorik.

Eine anatomische und physiologische (Physiologie ist die Lehre von der Funktion einzelner Organe und Organsysteme) Besonderheit unter den Hirnnerven ist der Trigeminusnerv. Der Nervus trigeminus ist einerseits ein Drillingsnerv. Seine Bestandteile sind drei Nervenäste, die relativ kräftig sind. Andererseits kann der Trigeminusnerv bezüglich einer Nervenerkrankung (Trigeminusneuralgie) extreme Beschwerden bereiten.

Damit die Nahrungsaufnahme richtig funktioniert, müssen die zum Verdauungssystem gehörigen Komponenten wie Mund, Zunge, Rachen und Kehlkopf gut aufeinander abgestimmt werden. Um diese Segmente in Bewegung zu versetzen, werden wiederum Nerven benötigt.
Diese Aufgabe wird den Hirnnerven der Hals– und Nackenmuskulatur sowie den für die Zungenmuskulatur, der Rachen- und der Kehlkopfmuskulatur zuständigen Nerven zuteil. Sie unterstützen den Zerkleinerungs- und den Schluckprozess sowie die Sekretion (Ausschüttung oder Abgabe) der Magensäure.

Des Weiteren erfüllen die Hirnnerven folgende Aufgaben:

  • Benachrichtigung des Gehirns über den Blutdruck in den großen Arterien des Halses
  • Steuerung der Speicheldrüsen
  • Leitung von gesehenen Bildern zur Verarbeitungszentrake Gehirn
  • Auslösen des Kornalreflexes (Lidschluss)
  • Steuerung der Tränendrüse

Der Nervus vagus oder der „umherschweifende Nerv“ übernimmt als einziger Hirnnerv Funktionen, die sich nicht ausschließlich auf den Hals und den Kopf beziehen. Er leitet Informationen weiter, die aus den Brust- und Bauchorganen stammen. Alle Hirnnerven stehen in einem ständigen Wechselspiel miteinander.
Fallen sie aus, dann kommt es zu mannigfaltigen Krankheitsbildern und zu teilweise massiven Leiden.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Hirnnerven äußerst flexibel agieren. Sie sind verantwortlich für die unterschiedlichsten motorischen (die Beweglichkeit betreffend), vegetativen (lebenswichtige Abläufe) und sensorischen (auf die Empfindungen bezogen) Ereignisse im menschlichen Organismus. Die Hirnnerven entspringen allerdings nicht nur im Gehirn. Sie münden teilweise direkt im Gehirn ein oder verlassen dieses unmittelbar.

Anatomie und Aufbau der Hirnnerven

Alle Hirnnerven sind in beiden Hirnhälften, also paarig angelegt. Ähnlich einer Landkarte, so wird jedem einzelnen Gehirnareal wie der Hirnstamm oder dem Kleinhirn eine natürliche Zuordnung der Hirnnerven zuteil.
Im Hirnstamm sind Hirnnerven eingebettet, die eine Verknüpfung von Rückenmark und Hirn umsetzen. Hirnanhangsdrüse, Zwischenhirn und Hirnstamm beeinflussen beispielsweise die Regulierung des Blutdrucks durch die Nebennieren sowie die Schilddrüsen- und die Brustdrüsenfunktion (Produktion der Milch zum Stillen).

Das Kleinhirn, indem gleichfalls verschiedene Hirnnerven zu finden sind, trägt dazu bei, dass Bewegungsprogramme abgerufen werden können. Des Weiteren übernimmt das Kleinhirn die Koordination von Bewegungsabläufen untereinander. Veränderungen an Hirnnerven eines spezifischen Gehirnbereichs rufen Krankheitsbilder hervor, die mit den jeweiligen Hirnnerven zusammenpassen. Typisch sind unter anderem Sprach- und Seh- sowie Hörstörungen und Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit.

Anhand diagnostisch (Diagnostik ist die Erkennung und Differenzierung von Erkrankungen) relevanter Untersuchungen des Gehirns in Kombination mit den zutage tretenden, offensichtlichen Beschwerden der Patienten sind teilweise treffende Rückschlüsse auf die vorliegende Krankheit möglich.
Ausgehend von den großen Arealen des Gehirns soll nunmehr auf die Hirnnerven eingegangen werden.

Zuvor sind noch einige kurze Begriffserklärungen nötig:

  • sensorisch – betrifft die Sinne (Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, Tasten)
  • somatomotorisch – betrifft alle willkürlichen Muskelbewegungen der Skelettmuskulatur
  • branchiomotorisch – betrifft die unwillkürliche Muskulatur oder Eingeweidemuskulatur
  • vegetativ – betrifft das vegetative Nervensystem
  • sensibel – empfindlich
  • somatomotorisch – betrifft unwillkürliche Bewegungen Muskeln (Skelettmuskulatur)
  • viszerosensibel – Empfindlichkeit gegenüber Reizen aus den Eingeweiden

Diese Eigenschaften beschreiben die morphologische Beschaffenheit (Morphologie ist die Lehre von der Gestalt der Organsysteme und Organe) der Nervenfasern.

In Hinsicht auf den Aufbau heißt das:

  • Nerv I – sensorische, viszeroafferente Nervenfasern
  • Nerv II sensorische, somatosensible Nervenfasern
  • Nerv III vegetative, parasympathische, somatomotorische Nervenfasern
  • Nerv IV somatomotorische Nervenfasern
  • Nerv V branchiomotorische und somatosensible Nervenfasern
  • Nerv VI somatomotorische Nervenfasern
  • Nerv VII parasympathische, branchiomotorisch und vegetative Nervenfasern
  • Nerv VIII sensorische Nervenfasern
  • Nerv IX parasympathisch, sensible, branchiomotorische, sensorische Nervenfasern
  • Nerv X sensorische, branchiomotorische, vegetative Nervenfasern
  • Nerv XI somatomotorische Nervenfasern
  • Nerv XII somatomotorische Nervenfasern

Ein Hirnnerv entsteht aus mehreren gebündelten Nervenfasern mit anatomischen Abweichungen, die sich vor allen Dingen in der histologischen Betrachtung zeigen. Die Histologie ist die Lehre von den Geweben. Die Zytologie beschäftigt sich mit der Morphologie, der Physiologie und der Anatomie von Zellen.
Nervenfasern, die zum peripheren Nervensystem gehören, verfügen über eine andere Myelinscheide als Nervenfasern, die dem Zentralen Nervensystem zugeordnet werden. So ist der Hirnnerv Nervus opticus oder der Sehnerv hauptsächlich aus Astrozyten und Oligodendrozyten aufgebaut.

Damit alle Nervenfasern im Nerv einen entsprechenden Halt bekommen, werden sie mit einer straffen bindegewebigen Wand umkleidet. Infolge dessen können Informationen über längere Distanzen geleitet werden, ohne Daten zu verlieren oder diese zu verändern.
Die Reizleitung basiert auf dem Transport von einer Nervenzelle zur nächsten. Diese bilden das Grundgerüst eines Nervs oder einer Nervenfaser. Schaut man sich eine Nervenzelle unter dem Elektronenmikroskop an, sind die bereits erwähnten Dendriten und Axone zu sehen. Axone leiten die Informationen bis zu den Synapsen.

Eine Synapse ist ein Übergang zur nächsten Nervenzelle oder zu mehreren Tausend nachfolgenden Nervenzellen. In dieser Art werden alle elektrischen Impulse mittels Botenstoffen und den Synapsen mit oder ohne Verzweigungen bis an ihr Ziel fortgeführt.

Zusammenfassend noch einmal ein kleiner Überblick:

  • Synapsen mit Dendriten und Axonen werden zu Nervenzellen.
  • Viele Nervenzellen sind eine Nervenfaser.
  • Aus mehreren Nervenfasern wird ein Nervenfaserbündel.
  • Mehrere Nervenfaserbündel sind die anatomische Voraussetzung für einen Hirnnerv.

Der Hirnstamm ist truncus encephali oder truncus cerebri.
Das cerebrum ist das Gehirn.
Das Zwischenhirn ist das diencephalon.
Die Hirnanhangsdrüse ist die Hypophyse.
Das Kleinhirn wird lateinisch als cerebellum bezeichnet.

Anatomie der Hirnnerven – Ausflug zu Sympathikus und Parasympathikus

Wie die Leser richtig bemerkt haben, sind im Text häufig die Termini Parasympathikus und Sympathikus sowie afferent und efferent gefallen. Diese Benennungen begegnen den Interessenten nicht nur bei den Hirnnerven, sondern allgemein bei allen Nervensystemen des menschlichen Körpers.

Was macht der Parasympathikus?

Der Parasympathikus wird dem vegetativen Nervensystem zugeteilt. Im übertragen Sinn kann der Parasympathikus auch als Erholungs- oder Ruhenerv deklariert werden. Er arbeitet gegen den Sympathikus. Verschiedene Hirnnerven wie der Nervus oculomotorius, der Nervus facialis und der Nervus glossopharyngeus sind reich an parasympathischen Nervenfasern. Im Nervus trigeminus sind die parasympathischen Fasern nur in einigen Abschnitten nachweisbar.
Der Parasympathikus nutzt den Neurotransmitter (Botenstoff) Acetylcholin. Parasympathikus verursacht eine Erweiterung von Blutgefäßen und eine Kontraktion beziehungsweise ein Zusammenziehen von Muskulatur. Der Parasympathikus ruft ein Ruhephase hervor.

Was macht der Sympathikus?

Der Sympathikus ist der wirkende Nerv, der als dem Parasymathikus antagonistisch oder gegensätzlich gestellt ist. Der Sympathikus benötigt für seine Wirkung überwiegend Noradrenalin, ein weiterer Neurotransmitter und nur in geringem Umfang Acetylcholin. Der Parasympathikus sorgt für eine Verengung der Blutgefäße und für eine Erschlaffung der Muskulatur. Der Sympathikus versetzt den Organismus in eine Fluchtbereitschaft oder Stressreaktion.

Wozu sind afferente und efferente Nervenfasern da?

Die Informationen in den Nervenfasern werden immer in zwei gegensätzliche Richtungen transportiert.

Zuständig für diese Prozesse sind die:

  • afferenten Nervenfasern: führen Reize oder Impulse vom Ausgangsorgan zum Zentralen Nervensystem hin
  • efferenten Nervenfasern: führen Reize oder Impulse vom Zentralen Nervensystem weg zum Erfolgsorgan hin

Die Hirnnerven sind demnach ein Abbild anderer Nerven. Das trifft sowohl auf deren Aufbau als auch auf deren Funktion zu. Nicht alle Erkrankungen der Hirnnerven können erfahrungsgemäß genauso betrachtet werden, wie das bei pathologischen Anomalien der Eingeweide- oder der Spinalnerven der Fall ist. Sehr feine Differenzierungen müssen hierbei in Betracht gezogen werden.

Krankheiten, Beschwerden und Störungen hinsichtlich der Hirnnerven

Krankhafte Veränderungen der Hirnnerven lösen oftmals akute (plötzlich eintretend, unerwartet, schlagartig) oder chronische (einschleichend, dauerhaft, anhaltend, wiederkehrend) Beschwerden aus. Diese können entweder reversibler (rückgängig zu machen) oder irreversibler (nicht rückgängig zu machen) Art sein. Die Ausprägung der Symptome (Krankheitszeichen, Krankheitsmerkmale, Erscheinungsbild der Krankheit) hängt unter anderem von dem Ausmaß der Störungen an den Hirnnerven ab. Daraus resultierende Ausfallerscheinungen sind daher unterschiedlich stark.

Ist der Nerv I oder Riechnerv betroffen, kann eine Geruchsstörung (Anosmie) entstehen. Das ist eine Reduzierung der Geruchswahrnehmung. Ursachen einer Anosmie können Verletzungen des Schädels, Polypen, Hirntumoren, Morbus Alzheimer oder allergische Reaktionen sein.

Ist der Nerv II oder der Sehnerv betroffen, sind Ausfälle des Gesichtsfeldes (oftmals bei Migräne mit Aura) durch Druckverschiebungen im Inneren des Schädels zu bemerken.

Ist der Nerv II oder Augen- und Pupillennerv betroffen, können die Augen nicht mehr normal bewegt werden. Die Sehschärfe nimmt ab, es kommt zum Doppelbildsehen und zu Augenlähmungen.

Ist der Nerv V oder der Drillingsnerv betroffen, sind massive Schmerzen und Einschränkungen der Empfindlichkeit des Gesichts und des Kopfes zu beklagen.Oftmals hängt das Oberlid auffallend herab (Ptosis) und die Pupille sind ungleich geweitet (Anisokorie).

Ist der Nerv VII oder der Mimiknerv betroffen, klagen die Patientinnen und Patienten über eine Hypakussis (Abnahme der Hörfähigkeit), eine Reduzierung der Geschmackswahrnehmung und partielle Gesichtslähmungen. Mit dieser Störung geht eine Austrocknung der Augen und ein übertrieben lautes Hören (Hyperakussis) einher.

Ist der Nerv VIII oder der Hör- und Gleichgewichtsnerv betroffen, sind Übelkeit, Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, Fallneigung, Nystagmus oder Augenzucken und Schwerhörigkeit typische Anzeichen.

Ist der Nerv IX oder der Rachennerv betroffen, sind Störungen der Schluckfähigkeit durch Einschränkungen des Schluckreflexes (Gaumenzäpfchen beziehungsweise Würgereflex ist beeinträchtigt) zu erkennen.

Ist der Nerv X oder der der Kehlkopfnerv betroffen, sprechen die Patienten heiser. Die Stimme verändert sich demnach merklich. Sowohl beim Rachen- als auch beim Kehlkopfnerv sind lebensbedrohliche Situationen durch eine massive Atemnot (Postikuslähmung) und besorgniserregende Schwankungen der Herzfrequenz nicht auszuschließen.

Ist der Nerv XI geschädigt, halten die Patienten ihren Kopf zu einer Seite geneigt. Sie haben große Probleme, den Arm zu heben und drehen den Kopf zur Seite der Nervenläsion.

Ist der Nerv XII betroffen, sind Beschwerden mit dem Schlucken und beim Sprechen zu befürchten. Die körperliche Untersuchung weist auf Schwierigkeiten oder ein Unvermögen hin, die Zunge herauszustrecken.

Der Postikusnerv oder Musculus cricoarytaneus posterior ist der einzige von drei Kehlkopfmuskeln, der in der Lage ist, die Stimmritze des Kehlkopfes zu öffnen. Tritt eine Dysfunktion durch eine Schädigung des Hirnnerven auf, kann keine Einatmung erfolgen, weil der Kehlkopf verschlossen ist.

Klassische Auswirkungen von Fehlfunktionen oder Schädigungen an den Hirnnerven

Grundsätzlich sind die Hirnnerven wie alle Nervensystem extrem anfällig bei ungünstigen Einwirkungen von innen oder von außen. Nicht selten sind krankhafte Auffälligkeiten bestimmten Vorerkrankungen zuzuschreiben.

Welche klinischen Mängel an den Hirnnerven dann auftreten, werden in dieser Liste aufgezeigt:

  • Defekte an den verbindenden Nervenfasern
  • Defekte an Gehirnbereichen mit einer kontrollierenden Funktion über die Hirnnerven
  • Störungen an einem Hirnnerv

Verursacht werden können diese Erscheinungen durch indirekte oder direkte Einflüsse. Eine unvermittelte krankmachende Wirkung auf die Hirnnerven haben Verletzungen, entzündliche Prozesse, Infektionen (Krankheitskeime dringen in den Organismus ein), mangelhafte Blutzufuhr (Ischämie), Gifte (Toxine), Drogen und variierende medikamentöse Substanzen.
Weitere Kausalitäten bestehen bei Vorliegen von Lungenkrebs (Karzinom der Bronchien), Aussackungen oder Ausstülpungen der Hauptschlagader (Aorta, Aneurysma), nach chirurgischen Eingriffen an der Schilddrüse.

Diagnostik bei Verdacht auf Hirnnervenerkrankungen

Die neurologische Diagnostik bei möglichen Hirnnervenerkrankungen und bei dementsprechenden Symptomen st sehr umfangreich. Es können sogar alle 12 Hirnnerven separat diagnostisch betrachtet werden.

Oftmals sind es erstaunlich einfache Tests wie:

  • Prüfung des Geruchssinns
  • Prüfung des Geschmackssinns
  • Fingerperimetrie (Finger wird vom Untersucher am offenen Auge entlang geführt
  • Fixierungsprüfung des Fingers
  • Motoriktest: Augen zukneifen, Aufblasen der Wangen, Runzeln der Stirn
  • Gleichgewichtstest
  • visuelle Betrachtung durch den Arzt zur Erkennung von Lähmungen
  • Auslösung des Würgereflexes
  • Schultertest
  • Herausstrecken der Zunge

Ergänzend dazu können moderne bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie, Röntgen und Computertomografie eingesetzt werden. Auch ein Elektroenzephalogramm zur Messung der Hirnströme oder ein Elektromyogramm kann sinnvoll sein.

Typische und häufige Erkrankungen der Hirnnerven

 

  • zentrale Fazialisparese
  • Internukleäre Augenlähmung
  • Trigeminusneuralgie
  • halbseitiger Gesichtkrampf
  • Schlaganfall (Apoplex)
  • konjugierte Blickparesen (Augen können nicht waagerecht oder senkrecht bewegt werden)
  • Glossopharyngeusneuralgie (Schmerzen im Rachen)
  • Trochliarisparese (Lähmung des oberen Augenmuskels)
  • periphere Fazialisparese
  • Hemianopsie (halbseitige Sehstörung)
  • Scheuklappen-Phänomen (vorübergehender Ausfall des Gesichtsfeldes beider Augen)
  • Stauungspapille (Schwellung am Übergang des Sehnervs in die Netzhaut)
  • Strabismus (Schielen)
  • Parese oder Lähmung der Kaumuskeln
  • Paralyse der mimischen Muskeln (Bellsche Lähmung)
  • Tinnitus (anhaltende Ohrgeräusche) oder Taubheit (Gehörverlust)
  • Drehschwindel (Vertigo)
  • Verminderung des Speichelflusses
  • Reduzierung von Magensäureausschüttung
  • Verringerung der Darmbewegung
  • Polyneuritis cranialis (viele Hirnnerven sind erkrankt)
  • Kiefersperre
  • Speiseröhrenkrämpfe (Ösophagusspasmus)

 

Fragen und Antworten zu Hirnnerven

 

Was ist der Nervus accessorius?

Der Nervus accessorius ist der 11. Hirnnerv. Dieser Nerv ist allerdings kein echter Hirnnerv, denn er hat seinen Ursprung im Rückenmark und nicht im Gehirn. Der Nervus accessorius kann oft Nackenschmerzen auslösen.

Wieso kommt es bei der Trigemimusneuralgie zu den unerträglichen Schmerzen?

Der Ursprung einer Trigeminusneuralgie ist am Nervus trigeminus, einem Hirnnerv zu suchen. Durch einen Druck, der durch ein nahe am Nerv befindliches Blutgefäß bewirkt wird, kommt es zu einer starken Reizung des Nervs.
Währenddessen werden Irritationen (Läsion, Beschädigung) der Myelinschicht hervorgerufen. Diese sollen den Nerv eigentlich schützen. Ist die Myelinschicht jedoch „aufgerieben“, werden die freiliegenden Nervenzellen angegriffen. Diese verändern sich und lösen sogenannte Kurzschlüsse aus. Schmerzen sind die Folge. Der Trigeminusnerv ist als einziger Nerv mit allen anderen Hirnnerven verkettet. Daher sind die Schmerzen so flächig.

Stehen die Hirnnerven mit Migräne in Verbindung?

Die Symptome einer Migräne wie Übelkeit, Erbrechen, Ausfälle des Gesichtsfeldes, Schwindel und rasende halbseitige Kopfschmerzen sind der Effekt einer Reizung von Nervenzellen. Diese begründen wiederum entzündliche Abläufe der im Hirnstamm verlaufenden Hirnnerven. Insbesondere der Trigeminusnerv spielt eine wesentliche Rolle. Daraus resultiert die extreme Schmerzhaftigkeit und der anfallsartige Ausbruch dieser neurologischen Erkrankung.

Begleitet wird dieser Prozess durch:

  • zeitweilige Minderdurchblutung der Hirnnerven
  • Abgabe von Botenstoffen zur Erweiterung der Blutgefäße
  • Unregelmäßigkeiten der Erregbarkeit der Hirnrinde

Beteiligt ist das Serotonin, ein Neurotransmitter, der die Blutgefäße erweitert. Serotonin erhöht darüber hinaus die Gefäßdurchlässigkeit. Gewebswasser aus den Blutgefäßen kann in die umliegenden Gehirnbereiche austreten und minimale Ödeme bilden. Die Schwellung engt die Nerven ein und es kommt zwangsläufig zu Schmerzen

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