Leitfaden zur Aufnahme einer Psychotherapie

therapieNicht alle Erkrankungen haben eine körperliche Ursache und lassen sich durch einen Mediziner behandeln. Symptome wie Abgeschlagenheit, Ängste, Selbstzweifel, innere Zwänge, Kraftlosigkeit, Übermüdung, Übelkeit, Bauchschmerzen oder andauernde Traurigkeit haben ihre Ursache oft in der Psyche eines Menschen. Hier hilft – neben der Einnahme von Psychopharmaka – der Gang zum Psychotherapeuten.

Kommt eine Psychotherapie für mich in Frage?

Möglicherweise haben Sie selbst schon den Verdacht, an einer psychischen Störung erkrankt zu sein. Schildern Sie Ihrem Hausarzt Ihre Beobachtungen. Falls er sich in diesem Bereich auskennt, wird er Ihnen sagen, woran Sie erkrankt sind und Ihnen weitere Handlungsschritte empfehlen. Manchen Hausärzte ist dieser Bereich hingegen fremd und sie verfolgen die Möglichkeit einer körperlichen Erkrankung. Sind Sie trotzdem von einer psychischen Ursache Ihrer Beschwerden überzeugt, suchen Sie sich eine andere Informationsquelle. Sie benötigen keine Diagnosestellung von Ihrem Hausarzt, um eine Psychotherapie aufnehmen zu können.

Eine weitere Anlaufstelle ist die psychologische Beratungsstelle. Diese gibt es mittlerweile in jeder Großstadt. Hier können Sie sich über psychische Erkrankungen informieren, sich Feedback zu Ihrer Einschätzung geben lassen und Vorschläge für weitere Schritte und ggf. für Therapeuten erhalten. Termine bekommen Sie in der Regel kurzfristig.

Wenn Sie Ihre eigene Recherche in der Fachliteratur, im Internet oder bei Bekannten als ausreichend empfinden, können Sie sich auch direkt selbst auf die Suche nach einem Psychotherapeuten machen.

Welcher Therapeut ist der richtige für mich?

Psychotherapeuten unterscheiden sich in Kinder- und Jugendpsychotherapeuten, in medizinische und in psychologische Psychotherapeuten.

Der Kinder- und Jugendpsychotherapeut ist speziell für die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen ausgebildet. Er behandelt ausschließlich Heranwachsende bis zu einem Alter von 21 Jahren und keine Erwachsenen.

Der medizinische Psychotherapeut hat vor seiner Weiterbildung zum Psychotherapeuten ein Studium der Medizin absolviert. Neben der therapeutischen Behandlung darf er auf Grund seiner ärztlichen Ausbildung Medikamente verschreiben, Krankschreibungen erstellen und in Krankenhäuser überweisen.

Der psychologische Psychotherapeut hat erst Psychologie studiert und dann die Ausbildung zum Therapeuten abgeschlossen. Er arbeitet in Kliniken und eigenen Praxen. Auf Grund seines Studiums hat er im psychologischen Bereich weiterreichende Kenntnisse und Erfahrungen.

Welche Therapieform ist die richtige für mich?

Von der gesetzlichen Krankenkasse finanziert werden die Verhaltenstherapie, die analytische Psychotherapie und die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Welche Therapieform die passende ist, hängt von Ihrer individuellen Situation und Ihren persönlichen Vorlieben ab. Ein objektives Entscheidungskriterium existiert nicht.

Die Verhaltenstherapie setzt im Heute an. Sie geht davon aus, dass Ihr Leiden auf erlernten, problematischen Verhaltens- und Reaktionsweisen beruht. Mittels Hausaufgaben und theoretischer Modelle analysieren Sie gemeinsam Ihren Tagesablauf und Ihre Handlungen. Darauf aufbauend erarbeiten Sie mit dem Therapeuten Alternativen und neue Erlebensmuster. Diese üben Sie nach und nach zwischen den einzelnen Sitzungen in Ihrem Alltag ein, bis Sie Ihnen selbstverständlich sind. Hierfür ist eine hohe Eigenmotivation zur Umsetzung der Vorgaben grundlegend.

Die Verhaltenstherapie umfasst in der Regel 25 wöchentlich erfolgende Sitzungen á 50 Minuten.
Die analytische Psychotherapie sieht die Ursachen Ihres Leidensdrucks in verdrängten nicht bewältigten Entwicklungsschritten, traumatischen Erfahrungen und inneren Konflikten aus Ihrer Kindheit. In der Therapiestunde sitzt der Arzt außerhalb Ihres Blickfeldes, während Sie auf einer Couch liegen. Er verhält sich neutral und dient als Projektionsfläche für Ihre Emotionen. Um Ihre verdrängten Erinnerungen bewusst werden zu lassen, erzählen Sie frei und assoziativ, was Ihnen gerade durch den Kopf geht.

Zudem deutet der Therapeut Ihre Träume. Aus beidem leitet er Ihre typischen Denk- und Beziehungsmuster ab. Diese lassen sich nun von Ihnen bearbeiten. In der Woche finden zwei bis drei Sitzungen statt, insgesamt 160 bis 300 über zwei bis vier Jahre.

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie hat sich aus der analytischen entwickelt. Auch sie sieht die Ursachen Ihres Leidens in Ihren vergangenen Erfahrungen. Allerdings sitzen Sie hier Ihrem Therapeuten gegenüber und dieser lenkt aktiv das Gespräch und Ihre Gedankengänge. Statt Ihre problematischen Muster ganzheitlich zu verändern, konzentriert sich diese Therapieform auf Ihren so genannten „Zentralen Konflikt“ Sie umfasst 50 bis 100 Sitzungen, von denen wöchentlich eine stattfindet.

Wie finde ich einen Therapeuten?

Namen von möglichen Therapeuten lassen sich auf verschiedenen Wegen finden. Die örtliche psychologische Beratungsstelle und Ihr Hausarzt können Ihnen mögliche Therapeuten empfehlen. Auch bei Ihrer Krankenkasse können Sie eine Liste potentieller Psychotherapeuten erhalten. Auskunft im Internet geben unter anderem die Psychotherapeutensuche der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung, der Psychotherapie-Informationsdienst der Deutschen Psychologen Akademie und die Bundes-Psychotherapeuten-Kammer. Gute Übersichten erhalten neben der Adresse auch die Ausbildung und die Therapieform.

Bei Ihrer Entscheidung können nicht nur die Ausbildung und die Therapieform, sondern auch das Geschlecht und das Alter des Therapeuten sowie seine mögliche Spezialisierung und die lokale Entfernung relevant sein. Bei hoher Antriebslosigkeit und Motivationsproblemen oder Ängsten das Haus zu verlassen empfiehlt es sich, jemanden aus Ihrer näheren Umgebung auszuwählen.

Wenn Sie Ihre Entscheidung getroffen haben, folgt als nächstes ein Anruf beim Therapeuten. Er hat in der Regel sehr eng gefasste Telefonzeiten, die Sie auf seinem Anrufbeantworter abhören können. Im Gespräch erfahren sie dann, ob und ab wann Sie eine Therapie bei ihm beginnen können. Die Wartezeit beträgt im Durchschnitt drei Monate.

Es empfiehlt sich, bei mehreren Psychotherapeuten anzufragen. In Ausbildungsinstituten für Psychotherapeuten erhalten Sie oft einen schnelleren Termin. Die Zwischenzeit können Sie mit Gesprächen bei der psychologischen Beratungsstellen überbrücken.

Was passiert dann?

Ihre Therapie beginnt mit fünf (beziehungsweise acht bei der analytischen Psychotherapie) so genannten probatorischen Sitzungen. Diese dienen zum einen zur Abklärung Ihrer psychischen Symptome und der Notwendigkeit einer Therapie und zum anderen zum gegenseitigen kennen lernen, um herauszufinden, ob Sie langfristig miteinander arbeiten können. Falls Sie nach den probatorischen Sitzungen bei dem Therapeut bleiben wollen, wird dieser einen Antrag für die Kostenübernahme bei Ihrer Krankenkasse stellen. Hierfür benötigt er von Ihnen einen ärztlichen Konsiliarbericht, der bestätigt, dass Ihre Symptome weder auf körperliche Ursachen noch auf die Einnahme von Medikamenten zurückzuführen sind. Werden die Kosten übernommen, können Sie nun die Psychotherapie bei Ihrem Therapeuten fortsetzen.

Zusammenfassung

Für die Aufnahme einer Psychotherapie stellen Sie als erstes bei Ihrem Arzt, bei einer Beratungsstelle oder durch Eigenrecherche fest, ob Ihre Symptome einer psychischen Erkrankung entsprechen. Ist dies der Fall, müssen Sie sich entscheiden, ob Sie zu einem medizinischen oder einem psychologischen Psychotherapeuten möchten und ob Ihre Therapie verhaltensorientiert, analytisch oder tiefenpsychologisch ausgerichtet sein soll.

Namen von möglichen Therapeuten erhalten Sie von Ihrem Arzt, Ihrer Krankenkasse oder durch Recherche im Internet. Nachdem Sie einen Termin vereinbart haben, folgen nach etwa drei Monaten die probatorischen Sitzungen. Hiernach stellt Ihr Therapeut einen Antrag auf Kostenübernahme bei der Krankenkasse. Bei Genehmigung können Sie die Therapie mit ihm fortsetzen.

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