Emotionen

Emotionen sind vorübergehende psychophysiologische Erregungszustände. Sie beinhalten also eine psychische und eine physiologische (körperliche) Komponente. Emotionen sind gekennzeichnet durch die Eigenschaften der Motivation, eines bewussten Erlebnisinhalts und einer körperlichen Ausdrucksdimension. Dies wird auch unter dem Begriff der Affektivität zusammengefasst, der oft einen Gegensatz zur Kognition darstellt.

Was sind Emotionen?

Gegenwärtig existiert noch kein einheitlicher Emotionsbegriff in den Wissenschaften. Dennoch gibt es einige grundlegende Merkmale, die mit dem Begriff „Emotion“ verbunden sind. Zum einen handelt es sich bei Emotionen um psychophysiologische Phänomene, um Zustände also, die durch eine körperliche Reaktions- und eine mentale Erlebnisebene gebildet werden, die miteinander in Wechselwirkung stehen. Emotionen sind ebenfalls durch ihre Intentionalität (ihre Gerichtetheit auf etwas) ausgezeichnet.

Zum anderen lassen sich Emotionen durch die Abgrenzung zu anderen Gefühlszuständen verstehen: Emotionen sind zwar immer durch eine Gefühlskomponente gekennzeichnet, doch nicht jedes Gefühl ist eine Emotion. So wird Schmerz zwar gefühlt, ist aber einer anderen Qualitätskategorie zugeordnet ALS die Emotionen. Ebenso abzugrenzen sind Emotionen von Instinkten oder erlebten, angeborenen Reizreaktionen des Körpers auf äußere Umstände wie beispielsweise einem Schreckerlebnis mit gekoppeltem Schreckverhalten. Emotionen sind im Gegensatz zu Stimmungen zeitlich begrenzt, während Stimmungen als längerfristige Gefühlslage verstanden werden.

Die sogenannte Zwei-Faktoren-Theorie beschreibt Emotionen als eine Kombination zweier Faktoren: Einer physiologischer Erregung und einer dazu passenden Kognition. Diese Kognition ist durch jeweilige Aktivierungszustände in unterschiedlichen Gehirnregionen gekennzeichnet. Aus einer Konfiguration verschiedenartig erregter Gehirnbereiche und damit gekoppelten spezifischen körperlichen Reaktionen entsteht schließlich die Emotion.

Der kognitive Faktor ist dabei der bestimmende der Emotion: Ein schnelles Herzklopfen kann je nach Kontext durch freudige Erregung oder durch Stress bedingt sein. Zuerst werden körperliche Symptome erlebt, die dann, je nach Kontext der Situation, durch kognitive Prozesse als eine bestimmte Emotion gedeutet werden. Ein entscheidender Faktor für eine bewusst erlebte Emotion ist also die kognitive Interpretation eines körperlichen Erregungs- oder auch Entspannungszustandes.

Emotionen sind komplexe Abläufe, die aus mehreren Komponenten bestehen, die einen „Existenzzyklus“ der jeweiligen Gefühlslage bilden. Emotionen bestehen im Wesentlichen aus einer Komposition kognitiv-körperlicher Erregungs- und Entspannungszustände.

Am Beginn dieses Zyklus steht die sensorische Wahrnehmung eines Ereignisses oder Umstands in der Außenwelt. Diese wird auf eine bestimmte Weise kognitiv verarbeitet und anschließend bewertet. Dieser Bewertung folgt die Ausschüttung von Hormonen und Botenstoffen (den Neurotransmittern) und es kommt zur Änderung des physiologischen Zustandes. Bestimmte Gehirnregionen werden stärker aktiviert, andere gehemmt, ebenso trifft dies auf verschiedene Vitalfunktionen des Körpers, wie den Blutdruck oder die Atmung, zu.

Auch andere körperliche Mechanismen wie Schweißbildung, Pupillenweitung, Muskelspannung oder das Aufrichten der Härchen am Körper können je nach Art der Erregung beteiligt sein. Die Auswirkungen der Botenstoffe auf das Gehirn und den Körper werden als Erlebnis der jeweiligen Emotion wahrgenommen.

Je nachdem wie eine bestimmte Situation oder ein Zustand bewertet wurde, wird durch die Emotion eine Motivation entwickelt. Diese kann erhaltenden oder verändernden Charakter haben. Positive Emotionen lösen meist Verhalten aus, dass zur Beibehaltung der als angenehm empfundenen Situation führt. Negative Bewertungen versuchen den unangenehmen Zustand aufzulösen, entweder durch Widerstand oder Vermeidung.

Emotionen haben darüber hinaus auch eine mit dem ausgelösten Verhalten in enger Verbindung stehende, expressive Komponente. Diese begleitet oder unterstützt das Verhalten. Wut äußert sich in einer Anspannung der Gesichtsmuskulatur, dem Zusammenziehen der Augenbrauen und schlitzförmig verengten Augen. Dies kommuniziert nicht nur die Wut, sondern fokussiert den Blick und schützt gleichzeitig die Augen des Wütenden wie ein schmaler Spalt eines Visiers in Vorbereitung eines möglichen Kampfes.

Freude hingegen kann sich im Lachen äußern, das oft „ansteckend“ wirkt. So wird der Vorgang des Lachens nicht nur wechselseitig unterstützt, sondern die Freude dadurch auch nach außen hin sichtbar gemacht.

Es gibt keinen besonderen Gehirnbereich oder keine Zentren für Emotionen. Die emotionale Empfindung entsteht im Gehirn vielmehr aus einem komplexen neuronalen Aktivierungsmuster verschiedener Bereiche. Die für emotionale Bewertung grundlegende Region des Gehirns ist das Limbische System und hier speziell ein Amygdala genannter Teil dessen.

Die Amygdala ist mit zahlreichen anderen funktionellen Teilen des Gehirns, aber auch mit dem restlichen Körper indirekt über das endokrine System verbunden und kann über diese Vernetzung bestimmte Bereiche aktivieren oder Ausschüttung von Hormonen und Neurotransmittern stimulieren. Hormone sind wiederum wichtige Regulatoren für die Abstimmung der Körperfunktionen.

Wird die Amygdala durch einen emotional relevanten Sinnesreiz auf eine bestimmte Weise aktiviert, kann sie unterschiedliche Gehirnregionen erregen und das Hormonsystem veranlassen, bestimmte Hormone auszustoßen. Erst aus dem Gesamtbild physiologischer und mentaler Vorgänge entsteht schließlich die erlebte Emotion.

Emotionen lassen sich also anhand dreier Merkmale Beschreiben:
• Als Erlebnisse des Bewusstseinszustandes oder des körperlichen Befindens,
• als von Außen beobachtbare Verhaltensmuster
• und als physiologische Veränderungen in Gehirnregionen und des Körpers (gesteigerte oder verminderte Aktivität bestimmter Gehirnbereiche, körperliche Veränderungen wie beschleunigter Herzschlag, Schwitzen, Pupillenverengung, …usw.)


Funktion & Aufgabe

Emotionen stellen so etwas wie Programme zur raschen Interaktion mit der Umwelt dar. Sie haben entweder primär motivierenden oder informativer Charakter, fordern also zu einem bestimmten Handeln auf oder teilen etwas mit. Dabei haben Emotionen starken Einfluss auf Aufmerksamkeit, Gedächtnis oder kognitive Vorgänge wie Urteilen oder Entscheiden. Sogar auf die Gesundheit haben Emotionen, durch die Vernetzung der Amygdala mit dem Hormonsystem, Auswirkung.

Emotionale Erregungszustände veranlassen das erlebende Subjekt dazu, Verhalten zu entwickeln. Sie sind neben ihrer motivierenden Eigenschaft aber darüber hinaus auch ein Organisations- und Verstärkungsmechanismus für Verhaltensweisen. Emotionen sind somit eine starke Instanz der Verhaltensbildung, nicht nur um schnell und automatisiert ohne vorheriges Nachdenken reagieren zu können, sondern auch zur Aufrechterhaltung von Tätigkeiten. Sport kann Freude machen, auch wenn er mit einer körperlichen Anstrengung verbunden ist. Hier wird durch die motivierende und verhaltensverstärkende Rolle der Emotionen ein Handlungsmuster gegen körperliche Widerstände aufrechterhalten.

Neben der motivierenden Rolle der Emotionen geben diese ebenfalls Informationen sowohl über Sachverhalte als solche (in Form einer emotionalen Bewertung, z. B. ob eine Situation bedrohlich ist oder nicht), als auch über die eigene Einstellung zu diesen Sachverhalten (wie wird eine bestimmte Situation erlebt und warum auf eine bestimmte Weise?). Emotionen teilen dem Fühlenden sowohl Aspekte seiner Umwelt als auch über ihn selbst mit.

Sowohl emotionale Einstellungen, als auch emotional belegte Sachverhalte fokussieren die Aufmerksamkeit, indem sie diese entweder motivieren oder sie auf sich lenken. Eine positive emotionale Einstellung motiviert Lernende dazu, sich auf den Lehrstoff zu konzentrieren und emotional relevante Sachverhalte werden leichter und schneller verarbeitet als neutrale.

Die Emotionen leisten auch einen wichtigen Beitrag zur Gedächtnisbildung, indem sich emotional besetzte Ereignisse besonders nachhaltig und detailliert im Gedächtnis einprägen. Oftmals wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass sehr viele Menschen noch wissen, was genau sie am 11. September 2001 taten und wo sie waren, als sie von den Anschlägen auf das World Trade Center in New York erfuhren. Das schreckliche Ereignis und die Bilder „brannten“ sich gerade zu in die Erinnerungen vieler Menschen schmerzlich ein. Ebenso wird sich an einen Inhalt besser erinnert, wenn er unter Einfluss der gleichen Emotion abgerufen wird, die während es erinnerten Umstandes herrschte, als in anderen Gefühlszuständen.

Die Aspekte der informativen Rolle, der Aufmerksamkeitsfokussierung und der Unterstützung der Gedächtnisbildung der Emotionen Laufen in ihrer Bedeutung für den Urteils- und Entscheidungsprozess zusammen. Die durch die Emotionen vermittelten Informationen helfen, Situationen beurteilen und dem entsprechend eine Entscheidung über das eigene Verhalten zu treffen. Angst induziert andere Entscheidungen als Freude. Emotionen können so vor Gefahren schützen oder das Individuum davon abhalten, unverantwortliche Risiken einzugehen.

Emotionale Involvierung hilft weiterhin, die Aufmerksamkeit auf relevante Dinge zu lenken. Gefährliche oder förderliche Merkmale können so besser und schneller bemerkt werden. Durch den emotionalen Einfluss auf die Gedächtnisinhalte können bestehende Situationen auch leichter mit vergangenen Erfahrungen und deren Auswirkungen auf das Individuum verglichen werden. Dies hilft, die eigenen Erfahrungen zur Beurteilung einer aktuellen Situation heranziehen zu können.


Krankheiten & Beschwerden

Emotionen können in zweierlei Weise Gegenstand von klinischen Beschwerden sein: Als psychophysiologische Zustände wirken sie sich körperlich aus, können aber auch selbst durch bestimmte Störungen beeinflusst werden.

Emotionen haben Einfluss auf den körperlichen Gesundheitszustand. Dabei gilt vereinfacht, dass angenehme Emotionen die Gesundheit unterstützten, während schlechte den Körper anfälliger für Infektionskrankheiten durch Bakterien, Pilze und Viren machen können. Der Grund dafür liegt in den Wechselwirkungen zwischen Nerven- Hormon- und Immunsystem. Die Hormone sind wichtig für die Abstimmung der Körperfunktionen und ihre Regulation findet vorwiegend im Gehirn statt. Da die Emotionen durch die Ausschüttung von Botenstoffen und Hormonen begründet sind, haben sie daher auch großen Einfluss auf den Ablauf von Körperfunktionen wie der Aktivität des Immunsystems.

Mit diesen Wechselwirkungen zwischen Psyche und Immun- beziehungsweise Endokrinsystem beschäftigen sich die Psychoneuroimmunologie und die Psychoneuroendokrinologie. Dabei wurde festgestellt, dass bestimmte negative Emotionen wie Immunsuppressiva, also immunschwächend wirken und somit Infektionskrankheiten begünstigen können. Umgekehrt scheinen angenehme emotionale Einstellungen stärkende Wirkung auf das Immunsystem auszuüben.

Eine ähnliche Herangehensweise verfolgen auch die medizinischen Richtungen der Psychosomatik sowie der Somatopsychologie, die nach der Verflechtung körperlicher Beschwerden mit emotionalen Problemen suchen. Dabei verhalten sich beide Richtungen komplementär. Während die Psychosomatik erforscht, welche emotionalen Probleme körperliche Erkrankungen nach sich ziehen, untersucht die Somatopsychologie, wie sich körperliche Gebrechen auf psychische Vorgänge auswirken.

Doch nicht nur die Auswirkung der Emotion auf den Körper kann klinische Folgen haben, sondern die Emotionen selbst können zum Therapiegegenstand werden. Eine Beeinträchtigung des Emotionsspektrums tritt bei sogenannten affektiven Störungen, wie beispielsweise der Depression, auf. Hier ist die Bandbreite der erlebten Emotionen eingeschränkt oder auf pathologische Weise verändert.

Bei der Depression kommt es durch eine dauerhaft getrübte Stimmungslage zur verminderten Fähigkeit, angenehme oder intensive Emotionen empfinden bzw. wahrnehmen zu können. Die motivierende Kraft der Emotionen ist somit chronisch vermindert. Bei der sogenannten Manie kommt es hingegen zu Schüben kurzzeitig übersteigerter Energie und Empfindsamkeit. Die Folge ist ein extremes Aktivitätsniveau, dem häufig eine Phase intensiver Antriebslosigkeit folgt. Da die Emotionen Einfluss auf die Immunabwehr nehmen und die affektiven Störungen die Emotionen selbst betreffen, entfalten diese deshalb auch indirekt Wirkungen auf die Immunabwehr.


Fragen & Antworten zu Emotione

Wie viele Emotionen gibt es?

Forscher sind sich nicht einig in der Frage, wie viele Emotionen es überhaupt gibt. In der Theorie gibt es verschiedene Modelle, die von sogenannten Basisemotionen Sprechen. Gemeint damit ist ein gewisser Grundstock basaler Emotionen, die durch Kombination miteinander, zusammen mit kognitiven Inhalten, alle weiteren Emotionen bilden. Oft genannte Basisemotionen sind Angst, Freude, Neugierde, Ekel, Wut und Scham.

Die Klassifikation dieser emotionalen Grundausstattung richtet sich nach der Vorstellung von Emotionen als angeborene Programme zur schnellen oder grundsätzlichen Umweltinteraktion. Für einen Organismus bedeutsam sind dabei Schutzreflexe, sowie ein exploratives Verhalten zur Erforschung der Umwelt. Diese grundsätzlichen Verhaltensweisen werden dann zu Rate gezogen, um die Grundgefühle je nach Theorie zu bestimmen.

Sind Emotionen angeboren oder erlernt?

Die Emotionen basieren auf der Funktion der Amygdala und sind als solche angeboren. Alle höheren Tiere können Angst, Freude, Neugierde oder Enttäuschung erleben. Doch sie brauchen einen Auslöser, der beim Menschen auf individuellen Erfahrungen beruht. Emotionen sind ein wichtiger Teil des impliziten Gedächtnisses, dessen Inhalte unbewusst bleiben, bis sie durch einen externen Auslöser, meist einen Sinneseindruck, aktiviert werden.

Doch genau hier beginnt die Lernfähigkeit von Emotionen. Zwar ist es nicht möglich, sich einzelne Emotionen „abzutrainiren“, doch ihr Auftreten in bestimmten Situationen kann verändert oder verhindert werden. Dies geschieht vor allem durch Umbewertung der auf eine bestimmte Weise erlebten Situation.

Was ist emotionale Intelligenz?

Der Terminus emotionale Intelligenz beschreibt die Fähigkeit einer Person, ihre eigenen oder die Emotionen anderer Personen korrekt wahrzunehmen, zu interpretieren und gegebenenfalls zu beeinflussen. Hohe emotionale Intelligenz zeichnet sich also durch die überdurchschnittliche Fähigkeit des Verständnisses der eigenen und fremden Gefühle sowie den Umgang damit aus. Dies umfasst insbesondere die Fähigkeiten, sachdienliche Informationen aus den Emotionen gewinnen sowie sich selbst und andere durch Emotionen motivieren zu können.

In der Außenwahrnehmung treten emotional intelligente Personen oft als einfühlsam auf, doch geht emotionale Intelligenz darüber hinaus. Wie alles intelligente Verhalten besteht sie aus einer Auswertung von Informationen und deren Nutzung zu einer bestimmten Anpassungsleistung an die Umwelt.


Unser Fazit

Emotionen beeinflussen Körper und Geist auf eine vielfältige Weise. Sie sind der entscheidende Motor der Motivation und organisieren große Teile des Verhaltens. Deshalb ist es wichtig, sie zu verstehen und sie durch dieses Verständnis heraus für ein gesundes Leben nutzbar zu machen. Dafür ist es wichtig, sich nicht hilflos den eigenen Emotionen auszuliefern oder sie zu verdrängen. Ein achtsamer Umgang mit ihnen liefert so wichtige Information über das eigene Selbst und die Umwelt.

Emotionen haben sich für den raschen Umgang mit unüberschaubaren, gefährlichen oder komplexen Situation entwickelt. Sie sind in der Lage in kurzer Zeit hohe Energiereserven zu mobilisieren und entschiedenes Handeln zu ermöglichen. Doch dies hat eine Kehrseite: Negative Emotionen wie Angst oder Stress haben auf lange Sicht schädliche Wirkungen auf das Immunsystem. Auch deshalb ist es wichtig, eine Sensibilität gegenüber den eigenen Emotionen zu entwickeln und den angemessenen, erfolgreichen Umgang mit ihnen zu lernen.

Bitte empfehlt diese Seite oder verlinkt uns:

Bitte bewerten Sie den Artikel

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (106 Stimmen, Durchschnitt: 4,69 von 5)
Loading...
Top