Lupe

Ob bei der Entfernung von unerwünschten Härchen; während des Wochenendeinkaufs vor dem viel zu kleingedrucktem Preisschild oder aber im Verlauf einer medizinischen Untersuchung. Nicht allzu selten stoßen wir mit unserer menschlichen Sehkraft an unsere Grenzen. Lupen können dabei nicht nur Abhilfe schaffen, sie sind auch vielseitig einsetzbar. Nebst einer kurzen Reise in die Vergangenheit, beschreibt der folgende Artikel, wie genau diese praktischen Helferlein aussehen können, nach welchem Prinzip sie eigentlich funktionieren und wie mannigfaltig sie wo zur Anwendung kommen können.


Was ist eine Lupe?

Die Begrifflichkeit „Lupe“ ist ursprünglich vom französischen „loupe“ abgeleitet worden. Im Allgemeinen verbirgt sich hinter dem optischen Hilfsmittel erst einmal ein Glas, das der Vergrößerung dient und in unterschiedlichsten Gebieten zur Anwendung kommt.
Sobald sich etwas in Brennweite der Lupe befindet, sorgt sie dafür, dass der entsprechende Gegenstand für den Anwender besser zu lesen oder zu erkennen ist.
Je nach Nutzungsbereich unterscheidet man zwischen verschiedensten Lupenarten, wie im Verlauf des Artikels noch deutlich werden wird.

Kurzer Sicherheitshinweis zur Anwendung von Lupen

Synonym verwendet wird auch häufig der Begriff „Brennglas“. Denn aufgrund ihrer charakteristischen Konvexform sind Lupen nachweislich dazu in der Lage (nicht nur die Lichtstrahlen, sondern auch) die Wärme bei einfallendem Sonnenlicht zu bündeln und leicht brennbare Stoffe beispielsweise Papier zu entzünden. Allerdings wird dieser Vorgang durch Faktoren wie dem Linsendurchmesser und der spezifischen Zündtemperatur des vorliegenden Materials beeinflusst.
Daher sollten Lupen jeglicher Art, die der Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden, in jedem Fall mit einer Schutzhülle ausgestattet sein.


Kleiner geschichtlicher Abriss

Die Entdeckung des Prinzips der heutigen Lupe lässt sich in der Geschichtsschreibung sogar schon in die Jahrhunderte vor Christus verorten. So waren es die alten Ägypter, die feststellten, dass ein Wassertropfen auf einem Blatt einen vergrößernden Effekt zur Folge hat. Im Grunde wirkt der Tropfen wie eine Linse, in dem sich das Licht bricht.
Diesen Effekt griff auch der römische Gelehrte Seneca der Jüngere im 1. Jahrhundert wieder auf.
Ungefähr 10 Jahrhunderte später war es dann der arabische Mathematiker und Optiker Abu Ali al- Hasan ibn al- Haitham, in dessen Buch „Schatz der Optik“ ein vergleichbares Hilfsmittel Erwähnung fand. Er sprach von einer geschliffenen, transparente Halbkugel, mit deren Hilfe Buchstaben vergrößert werden konnten, sobald sie mit der glatten Seite auf ein Schriftstück gelegt wurde.
Im Mittelalter griffen vor allem die älteren Mönche auf Glassteine zurück, um ihrer Altersweitsichtigkeit Einhalt zu gebieten. Linsenförmig, durchsichtig sowie plan- konvex waren sie als Lesesteine genau genommen die Vorreiter der Lupe, wie man sie heute kennt.
Jene Steine beziehungsweise die einhergehenden Kenntnisse wurden letztlich stets weiterentwickelt. Sodass gewissermaßen sämtliche gegenwärtigen optischen Instrumente und Geräte auf den damaligen Entdeckungen fußen.


Formen, Arten & Typen

Lupen (oder Vergrößerungsgläser) lassen sich in beinahe jedem Haushalt finden. Dabei können sie in vielerlei Arten und Formen unterteilt werden. Versehen werden sie mit einem Griff oder einem Gestell. Je nachdem wie und warum sie eingesetzt werden sollen, variiert die Form der Fassung.

Lupen für die tägliche Körperpflege

 

  • Handspiegel bzw. Spiegel, die hingestellt werden können sind häufig drehbar und somit beidseitig anwendbar sowie meist mit einem einseitigen Vergrößerungseffekt versehen.
  • Lupen mit Licht, die einem die Anwendung enorm erleichtern können und sprichwörtlich Licht ins Dunkel bringen können.
  • Lupen, die umgehängt werden können und auf diese Weise ein freihändiges Arbeiten ermöglichen.
  • Spezielle Aufbauten sind zum Beispiel Lupen, die in Pinzetten integriert werden und teils auch mit Licht ausgestattet sind.

Lupen für medizinische Zwecke- Lesehilfen

Grundsätzlich kommen im Privatbereich mit am häufigsten Leselupen zum Einsatz.
Zunächst einmal gibt es auch in diesem Anwendungsgebiet spezielle Lupen, zum Beispiel Lesestäbe oder Lesesteine. Beide Typen haben eine flache Unterseite sowie eine gewölbte Oberseite.
Erstere wird direkt auf den Text gelegt und erzeugt (infolge ihrer eingefassten Zylinderlinse) eine eindimensionale Vergrößerung. Im Gegensatz dazu ergibt sich nach direkter Auflage des Lesesteins ein zweidimensionales Abbild.
Ein Vorteil der sich aus dieser Handhabung ergibt ist, dass der Lesevorgang beispielsweise nicht durch zitternde Hände beeinträchtigt werden kann. Je nach Volumen kann ihr Gewicht variieren.

Herkömmliche Leselupen bestehen aus einer großen Linse in Metall gefasst und einem Haltegriff. Moderne derartige Vergrößerungsgläser können allerdings auch mit Beleuchtungskomponenten, Abstandshalter oder anderem ausgestattet sein.
In jedem Fall können sie 2-bis 6-mal größere Abbilder erzeugen. Kennzeichnend für diesen Typ ist ein vergleichsweise (zum Beispiel zum Lesestab) großes Sichtfeld, fußend auf einem analog großen Linsendurchmesser. Von Vorteil ist demzufolge, dass der Leser bei gleichbleibendem Abstand zwischen Lupe und Objekt eine Position zum Vergrößerungsglas einnehmen kann, wie sie ihm am angenehmsten erscheint.
Ab einem gewissen Punkt ist, mit einer geringeren Vergrößerung einhergehend, auch eine dreidimensionale Sichtweise möglich.
Längst vom Zeitalter der Digitalisierung eingeholt, brachten die technische Entwicklung auch hier Erneuerungen hervor. Heute kann man nämlich nebst der ‚klassischen‘ Lupe auch auf die elektronische Variante zurückgreifen. Manchmal versehen mit einigen Zusatzfunktionen, ermöglichen sie Abbilder, die teils noch einmal um ein Vielfaches größer sind.

Lupen für medizinische Zwecke: in der Arztpraxis

Messlupen wie Lupenbrillen oder Detaillupen finden insbesondere bei Hautärzten Anwendung bzw. erstere auch in der Zahnmedizin.

Eine Messlupe setzt sich aus einer Detaillupe und einer integrierten Messskala zusammen. Damit ist der Mediziner in der Lage, mitunter die Größe auffälliger Hautpartien beziehungsweise über einen längeren Zeitraum dahingehende Veränderungen zu dokumentieren.

Mit Detaillupen sind Mediziner in der Lage eine 5- bis 15-fache Vergrößerung zu betrachten. Mit einem kleinen Linsendurchmesser (ca. 1 bis 3cm) steht ihnen auch nur ein sehr kleines Sichtfenster zur Verfügung. Daraus folgt ein sehr geringer Abstand zwischen Lupe und Auge, den der Arzt einnimmt, um ein größeres Gesichtsfeld zu erzielen. Daher ist dreidimensionales Sehen nicht machbar.
Weil es doch eher unüblich ist Gegenstände unmittelbar vor dem Auge zu platzieren, benötigt der richtige Umgang mit derartigen Lupen etwas Übung.

In Gegenüberstellung:

Generell differenzieren sich die beiden letztgenannten Anwendungsgebiete anhand ihrer Genauigkeit voneinander. Denn die medizinische Arbeit muss oftmals detailreicher sein. Dabei benutzen Ärzte Lupengläser, die angepasst an ihrem Schwerpunkt, in verschiedenartigen Fassungen verbaut sind.


Aufbau, Funktion & Wirkungsweise einer Lupe

Optische konvexe Linsen bestehen aus einem durchsichtigen Material, meist werden dafür Kunststoff oder Glas verwendet. Auch im Falle einer Lupe werden sie entweder auf einer oder gar auf beiden Seiten mit einer nach außen gerichteten Wölbung versehen. Dabei wird in puncto der einseitigen Rundung von einer plankonvexen und bei einer beidseitigen Wölbung von einer bikonvexen Linse gesprochen. Während das Zentrum rundlich ist, nimmt bei beiden die Dicke des Materials (das heißt der Wölbung) zu den Rändern hin ab.
Ganz grundlegend dient eine Lupe der Vergrößerung von Dingen, die sich zwischen dem Glas selbst und dem sogenannten Brennpunkt der Lupe befinden. Das bedeutet, der Brennpunkt liegt hinter der Linse. Sämtliche Dinge, die sich gleichsam vor dem Brennpunkt liegen werden letztlich vergrößert. Hierbei wird die Vergrößerung umso stärker, wenn der Gegegenstand nah am Brennpunkt positioniert wird. Also je näher der Anwender die Lupe zum ausgewählten Ding führt, desto größer wird das Abbild.
Der Bereich, welcher zwischen Brennpunkt und Lupe liegt wird wiederum als Brennweite bezeichnet und verkörpert gleichsam die wichtigste Kenngröße zur Bestimmung der erzeugten Vergrößerung.

Technische Aspekte

Das vergrößerte Abbild -häufig auch als „virtuelles Bild“ benannt- wird durch das konvexe Lupenglas (vergleichbar mit einer Sammellinse) sowie zwei nicht wahrnehmbaren Strahlen, ausgehend vom Gegenstand, erzeugt. Ein Strahl verläuft durch das Zentrum des Glases und wird nur geringfügig gebrochen. Der zweite parallel verlaufende Strahl (auch ‚Brennstrahl‘) geht direkt durch den Brennpunkt der Linse. Seine Brechung wird jedoch vom Anwender nicht in dem eigentlichen Winkel wahrgenommen, sondern geradlinig. Die unterschiedlichen Brechungen sind auch dafür verantwortlich, dass alles zu den Rändern der Lupe verschwommen wirkt.
Alles in allem erscheint dem Betrachter unter zuhilfenahmezu einer Lupe ein virtuelles und aufrechtes Abbild dessen, was er sich näher anschauen möchte.
In der Physik gibt es auch eine Formel, anhand welcher die Stärke der Vergrößerung berechnet werden kann. Hierbei ist die Vergrößerung Resultat aus dem Verhältnis des Sehwinkels mittels der Sehhilfe und ohne.

Anatomische Aspekte

Ermöglicht wird der Lupeneffekt durch den Vorgang des Akkomodierens, das heißt mithilfe der Anpassungsfähigkeit des Auges beziehungsweise seiner Brechkraft auf entsprechende Entfernungen. Er bewirkt das scharfe Abbild des Objekts, welches auf der Netzhaut erscheint. Daraus resultiert eine Regulation der Weitsichtigkeit. Dahingegen hat sie keinerlei Auswirkungen auf die Kurzsicht.
Zwar tritt das Ding vergrößert zutage, der Punkt, auf welchen sich das Auge konzentriert, liegt aber allem Anschein nach in weiterer Entfernung.


Medizinischer & gesundheitlicher Nutzen einer Lupe

 

Tägliche Körperflege

 

  • Insbesondere im Gesicht können Hautunreinheiten oder unerwünschte Härchen, wie an den Augenbrauen, mittels Vergrößerungsspiegeln besser ausgemacht und entfernt werden.
  • Ebenso kann ein Lupen- Spiegel beim Auftragen kosmetischer Produkte behilflich sein. Denn er macht ein weitaus präziseres Verteilen möglich.

Für medizinische Zwecke: außerhalb der Arztpraxis

 

  • Pinzetten mit Lupengestell sind gut dafür geeignet, von kleineren Splittern zu befreien, die unter der Haut festsitzen.
  • Sollte der Verdacht auf einen Läusebefall aufkommen, kann ein unnötiger Gang zum Arzt vermieden werden. Hierbei sollte dann darauf geachtet werden unter Zuhilfenahme einer Lupe wirklich jegliche infrage kommenden Körperstellen abzusuchen.
  • Oder aber zum Lesen oder genauerem Betrachten der eigenen Briefmarkenmarkensammlung. Anwender, die eine Lupe als Sehhilfe benutzen, können so auch gegebenenfalls ihre Weitsichtigkeit oder Alterssichtigkeit ausgleichen. Aufgrund der Akkomodation des Auges ins Unendliche wird infolgedessen häufig ein Gefühl der Entspannung ausgelöst.
    Allerdings sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass Lupen keineswegs zur Korrektur von Weit- oder Alterssicht dienlich sind.

Für medizinische Zwecke: in der Arztpraxis

Lupen erleichtern Medizinern präziseres Arbeiten. So werden sie beispielsweise in der Zahnmedizin während millimetergenauen Bohrungen verwendet.
Um nur einige andere Beispiele zu nennen, seien folgende Bereiche etwas näher beleuchtet:

  • Auch Dermatologen –also Hautärzte- bedienen sich der Vorteile. Da sie damit Hautveränderungen genauer untersuchen können. Veränderungen, Flecken oder Unebenheiten –mit dem bloßen Augen nur schwer auszumachen- können solchermaßen besser lokalisiert und entsprechende Diagnosen exakter gestellt werden. Somit können sie mit (als Dermatoskope bezeichnete) speziellen Lupen beispielsweise Hautkrebserkrankungen frühzeitig erkennen und weitere Maßnahmen ergreifen.
  • Oft sind Lupen in komplexeren Geräten wie dem ‚Otoskop‘ verbaut. Im Zusammenspiel mit anderen Bausteinen(einer Lichtquelle und einem Trichter, in welchem sich die Lupe befindet) wird solch ein Hilfsmittel vom Hals- Nasen- Ohren- Arzt für Ohrenspiegelungen benutzt. Dies erleichtert ihm Diagnosen zu Erkankungen wie Mittelohrentzündungen sowie Gehörgang- oder Trommelfellverletzungen zu stellen.
  • Zur Untersuchung zum Beispiel der Netzhaut, der Aderhaut und des Sehnervs finden Lupen ebenfalls bei Augenärzten Anwendung. Via verschiedenster Methoden unter dem Einsatz vielseitig verbauter Vergrößerungsgläser können sie Augenerkrankungen rechtzeitig diagnostizieren.

Vergrößerungsgläser haben demnach in nahezu jeder Arztpraxis ihren festen Platz und können bei rechtzeitigem Einsatz schnell schlimmeres verhindern.


Fragen & Antworten zu Lupen

Kann ich mithilfe einer Lupe auf das Tragen einer Brille oder von Kontaktlinsen verzichten?
Nein! Grundsätzlich kann mit einer Lupe eine Weitsichtigkeit oder Alterssichtigkeit lediglich zeitweise ausgeglichen, jedoch niemals korrigiert werden. Zur Korrektur mittels Brille oder Kontaktlinsen werden zwar auch Konvexlinsen eingesetzt, allerdings besitzen diese eine weitaus größerer Brennweite. Unmittelbar vor den Augen getragen bilden sie mit ihnen eine funktionelle Einheit. Deshalb sollten Lupen allein als Notbehelf in Frage kommen. Wobei es von Vorteil ist, dass Lupen etwaigen Veränderungen der Dioptrie- Werte nicht angepasst werden müssen.
An diesem Punkt sei auch noch einmal die Unwirksamkeit von Vergrößerungsgläsern bei Kurzsichtigkeit betont!

Wo kann ich eine Lupe kaufen?
Oftmals können Lupen (als Lesehilfen) in Brillen- Fachgeschäften oder in Apotheken käuflich erworben werden. Aber auch in Kaufhäusern lassen sie sich häufig im Sortiment finden.
Wird eine Lupe mehr für hygienische beziehungsweise kosmetische Zwecke gesucht, empfiehlt sich der Gang in die Drogerie.
Natürlich gibt es mittlerweile auch im Internet zahlreiche Anbieter, bei dem sich womöglich die passende Lupe finden lässt.

Warum steht das virtuelle Bild plötzlich kopfherum?
In dem Moment, in welchem die Brennweite der Lupe überschritten wird, können die Lichtstrahlen von der Sammellinse nicht mehr gebündelt werden. Sobald sich der Benutzer mit der Lupe in der Hand vom Objekt weiter entfernt, kreuzen sich die Strahlen allmählich und das Abbild erscheint letztendlich verkehrt herum.


Unser Fazit zu Lupen

Eine Lupe ist ein geeignetes Hilfsmittel, um Tücken unserer eingeschränkten Sehkraft entgegenzuwirken. Aufgrund ihrer Form- und Anwendungsvielfalt gehört sie sowohl in vielen Privathaushalten als auch in der Arztpraxis zu Recht bereits fest zum Inventar. Vielen als Lesehilfe bekannt, kann sie ebenso präventiv etwas beitragen und ernstzunehmenden Krankheitsbildern den Kampf ansagen.

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