Defibrillator

Erstmaßnahme bei Herzrhythmusstörungen

 

Behandlung DefibrillatorBei mehr als drei Viertel aller spontanen Herztode kommt es initial zu einer Herzrythmusstörung welche eine Unterbrechung der Blutzirkulation zur Folge hat.

 

Der Defibrillator soll den Blutkreislauf durch Wiederaufnahme der koordinierten Kontraktion erneut herstellen und somit einen Herzstillstand verhindern.

 

Seit beginn der 90er Jahre sind automatisierte Defibrillatoren auch im erste Hilfe Bereich für nicht medizinisch Geschulte Helfer im Einsatz.

In diesem Ratgeber informieren wir Sie umfassend zum Thema Defibrillatoren.

 

 

 

Was ist ein Defibrillator?

 

Bei Defibrillatoren handelt es sich um elektrische Medizinprodukte zur Wiederherstellung eines gleichmäßigen Herzschlages mittels Stromimpuls. Der Defibrillator, auch als Defi oder Schockgeber bezeichnet, gibt dabei einen Gleichstromimpuls an das unrhythmisierte Herz ab.

Dieser elektrische Schock soll die unkoordiniert arbeitende Herzmuskulatur in einer gleichzeitigen Kontraktion reorganisieren, die Pumpbewegung des Herzens wiederherstellen und so eine Wiederaufnahme der Blutzirkulation bewirken, dies wird auch als “entflimmern” bezeichnet. Je nach vorliegendem Krankheitsbild unterscheidet man zwischen synchroner und asynchroner Defibrillation.

 

 

 

Defibrillatoren Teilen sich grob in vier Gruppen auf:

 

  • Manueller Defibrillator

  • automatisierter externer Defibrillator

  • implantierbarer Defibrillator

  • Defibrillator Weste

 

 

Manuelle Defibrillatoren sind die am meisten verwendete Variante unter den Schockgebern. Sie verfügen meist über zusätzliche Funktionen wie zum Beispiel EKG, Blutdruckmessung und können sogar als externer Herzschrittmacher fungieren. Man findet sie vor allem bei Rettungsdiensten.

 

Automatisierte externe Defibrillatoren (AED) zeichnen sich durch ihre einfache Handhabung aus. Diese Geräte erkennen im Regelfall selbst, ob dem Patienten mit Hilfe einer Defibrillation geholfen werden kann. Dies macht sie besonders für Laien geeignet. Automatisierte Defibrillatoren findet man oft in öffentlichen Anlagen wie zb. Bahnhöfen, Flughäfen oder Ämtern.

 

Implantierbare Defibrillatoren (ICD) werden bei Patienten mit erhöhtem Risiko zu wiederholten, schweren Herzrhythmusstörungen eingesetzt. Anders als beim Herzschrittmacher, welcher regelmäßig die Anzahl der Herzschläge stimuliert, überwacht der Schockgeber hier das Herz und gibt nur bei Bedarf einen Impuls ab. Seit 1999 gibt es auch eine Kreuzung aus Herzschrittmacher und Defibrillator.

 

Defibrillator Westen, kurz WCD, dienen Patienten die eine vorübergehend erhöhte Gefahr zur gefährlichen Rhythmusstörung haben. Vor allem bei Patienten die sich in Vorbereitung für die Implantation eines ICD befinden kann so die Zeit bis zur Operation überbrückt werden. Die Weste erkennt dabei selbstständig ob ein Schock eingeleitet werden muss und unternimmt ohne zutun von Helfern das Entflimmern des Herzens.

 

 

 

Ursprung und Entwicklung

 

Der Einsatz von Elektrizität in der Medizin hat lange Tradition. Bereits 40 n. Chr. setzte ein Römischer Arzt Zitteraale zur Behandlung von Kranken ein. Die erste bekannte Defibrillation wird gemeinhin auf das Jahr 1774 datiert, in welchem ein Kind mit Hilfe eines Stromstoßes reanimiert wurde.

 

Im späten 19. Jahrhundert wurde der erste Schockgeber an einem Tier getestet. Dieser wurden einem Hund implantiert, das Herz wurde anschließend mit einem Stromimpuls aus dem Rhythmus gebracht und konnte letztendlich mit Hilfe eines Defibrillators wieder in seinen Ursprünglichen Zustand zurück versetzt werden.

 

1946 wurde die erste Defibrillation am offenen menschlichen Herzen vorgenommen. 1956 wurde der erste Patient durch die geschlossene Brust defibrilliert. Der erste portable Schockgeber wurde 2 Jahre später entwickelt. 1962 erschien letztendlich das erste Gerät mit Kondensator welches mit deutlich reduziertem Gewicht und verbesserter Leistung leichteren Einsatz erlaubte.

 

 

 

Funktion, Wirkung & Ziele – Behandlungen & Therapien

 

Im Gegensatz zu anderen Muskeln im menschlichen Körper, besitzt das Herz einen eigenen Steuerpunkt, den sogenannten Sinusknoten. Um eine korrekte Pumpbewegung auszuführen, und damit eine maximale Auswurfleistung zu erreichen, dürfen die Herzmuskelfasern  nicht gleichzeitig kontrahieren, sondern müssen von einer Seite des Herzens zur anderen, in einer Wellenbewegung, angesprochen werden.

Auf diese Weise wird das Blut von einem Ventrikel in den nächsten weiter geleitet. Eine Herzrhythmusstörung bezeichnet eine Störung in diesem Bewegungsablauf welcher zu einer Minderversorgung mit Blut oder zu einem gänzlichen Ausfall des Herzkreislaufes führen kann. Gemeinhin wird die unkontrollierte Kontraktion des Herzens auch als “fibrillieren” oder “flimmern” bezeichnet.

 

Soltte eine, durch einen Defibrillator behebbare Störung vorliegen, werden Elektroden auf der Haut des Patienten angebracht. Hier werden entweder selbstklebende Pads oder sogenannte Paddles verwendet. Letztere haben den Vorteil, dass sie durch ihre Größe leichter Anwendbar sind und somit wichtige Zeit sparen können.

 

Ist der Patient vorbereitet wird vom Defibrillator ein Elektrischer Impuls mit bis zu 4000 Volt und einer Länge von bis zu 40 Millisekunden abgegeben. Ziel ist es, die unkontolliert zuckenden Muskelfasern zu einer gleichzeitigen Kontraktion zu bringen und somit eine geregelte Pumpfunktion wiederherzustellen. Tritt die Rhythmusstörung 5 Sekunden nach Schockabgabe immer noch nicht wieder auf, gilt der Vorgang als erfolgreich.

 

 

 

Grundsätzlich besteht ein Defibrillator aus:

 

  • einem Gleichspannungswandler

  • einer Steuereinheit

  • einem Akkumulator

  • einem Kondensator

  • einer Ausgangsschaltung

  • Elektroden zur Übertragung auf den Patrienten

 

 

Durchführung und Wirkungsweise

 

Besteht verdacht auf Notwendigkeit einer Defibrillation, wird anhand eines EKGs der Herzrhythmus ermittelt und entschieden ob das Krankheitsbild mit Hilfe eines elektrischen Impulses behoben werden kann. Die Elektroden werden dabei grundsätzlich an Spitze und Basis des Herzens angebracht.

Bei großflächigen Plattenelektroden, auch Paddles genannt, wird eine der Platten unter dem rechten Schlüsselbein und die Andere an der linken Seite, auf Höhe der 5. Rippte, angebracht.

Behandlung DefibrillatorAnschließend wird der Schock, mit Hilfe eines Auslösers, abgegeben.
Es ist dabei darauf zu Achten, dass kein physischer Kontakt zum Patienten besteht, um eine elektrische Übertragung an den Ersthelfer zu vermeiden.

In der Regel wird die Defibrillation mit einer Herz-Lungen-Massage verbunden.

Es sollte nur wenige Sekunden zwischen Massage des Herzens und der Defibrillation vergehen, dies erhöht die Chancen einer erfolgreichen Reanimation.

 

Bringt der Schock den Muskel zur Kontraktion findet eine Depolarisation der Herzmuskelzellen statt.

Die fibrillirenden Zellen werden koordiniert in einen uniformen Zustand versetzt. Dies ermöglicht es dem Sinusknoten, welcher der primäre, unabhängige Taktgeber des Herzens ist, die erneute Übernahme des Herzrhythmusses und somit eine Rückkehr zur ordnungsgemäßen Pumpbewegung.

 

 

 

Hilft gegen

 

  • Kammerflimmern

  • Kammerflattern

  • ventrikuläre Tachykardie

 

 

Solange eine Aktivität des Herzens, mit einer dieser Spezifikationen auftritt, ist eine Defibrillation Möglich und sinnvoll. Bei Ventrikulärer Tachykardie ist zwischen pulsloser und pulsatiler Tachykardie zu unterscheiden, wobei vor allem bei Ersterer eine Impulsgebung angezeigt ist.

 

 

 

Diagnose und Untersuchungsmethoden

 

Bei Zusammenbruch des Kreislaufes und Verdacht auf eine Herzrhythmusstörung kann anhand eines EKG (Elektrokardiogramm) festgestellt werden ob die Funktion des Herzens beeinträchtigt ist. Ob eine Schockgebung angezeigt wird oder nicht, muss im jeweiligen Fall beurteilt werden. In der Regel wird das Ergebniss des EKGs von einem Kardiologen ausgewertet welcher anschließend entsprechende Maßnahmen einleitet.

 

Automatisierte externe Defibrillatoren verfügen ebenfalls über eine Diagnosefunktion. Hier wird nach Anlegen der Pads am Patienten ein EKG durchgeführt und anschließend eine Empfehlung abgegeben. Dies erlaubt es auch Laien in der Ersthilfe eine lebensrettende Reanimation mittels Stromschlag durchzuführen.

 

 

 

Risiken und Nebenwirkungen

 

  • nasser Untergrund

  • Zahnprothesen

  • Metallische Gegenstände am Körper des Patienten

 

 

Je nach Umgebung muss vom Ersthelfer darauf geachtet werden ob eine Übertragung der Elektrizität auf Umstehende bzw. ihn selbst möglich ist. Auch Zahnprothesen können ein Risiko darstellen, da sie brechen und vom Patienten eingeatmet werden können.

 

Soltte der Patient metallische Gegenstände am Körper tragen, könnten Verbrennungen entstehen und sollten daher nach Möglichkeit entfernt werden.

 

 

Gegenanzeige und Wechselwirkungen

 

  • Thromben

  • starke Unterkühlung

  • vergiftung mit Digitalis

  • Schilddrüsenüberfunktion

  • morphologische Veränderungen des Herzens

  • Physischer Kontakt zu Ersthelfer

  • Patientenverfügung

 

 

Von Ersthelfern ist vor allem auf Eigenschutz zu achten, ist dieser nicht gewährleistet, gilt dies als absolute Kontraindikation. Wünscht ein Patient keine lebenserhaltenden Maßnahmen, ist ebenfalls von einer Reanimation abzusehen.

 

 

 

Wer behandelt?

 

  • Ärzte

  • medizinisch geschultes Fachpersonal

  • Laien mit automatisierten Defibrillatoren

Sachgemäße manuelle Defibrillation kann nur von Ärzten durchgeführt werden, da die Diagnose und Durchführung der Schulung und Erfahrung bedarf. Dank der automatisierter Defibrillatoren ist jedoch auch eine Ersthilfe durch ungeschulte Helfer möglich.

 

 

 

Fazit

 

Die Notwendigkeit des Einsatzes von Schockgebern in der modernen Medizin ist heute unumstritten. Als Standardausrüstung in Notaufnahmen, Rettungswägen und, dank der Erfindung des AEDs, in öffentlichen Gebäuden, sind sie aus dem Feld der ersten Hilfe nicht mehr weg zu denken.

 

Auch wenn Defibrillatoren nicht für alle akuten Herzstörungen einsetzbar sind, zählen sie doch zu den erfolgversprechendsten Maßnahmen bei inidzierten Herzrhythmusstörungen.

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