Schock

So leichtfertig oft mit dem Begriff „Schock“ umgegangen wird, so ernst sollte die Erkrankung genommen werden, die wirklich dahinter steckt. Viele Menschen sind sich nicht darüber im Klaren, wie viel Gefahr tatsächlich davon ausgeht. Eine umgehende Behandlung, welche entsprechend des Schock-Typs festgelegt wird, ist unumgänglich, um akute Lebensgefahr zu vermeiden.

Was ist ein Schock?

„Schockiert“ ist man sicherlich häufig im Leben: Der Verlust des Arbeitsplatzes, der Tod eines Familiengehörigen oder auch andere negative Vorkommnisse hinterlassen uns in Schockstarre. Allerdings handelt es sich dabei nicht um einen Schock im medizinischen Sinn, denn dieser bezeichnet eine ernsthafte Erkrankung bzw. ein Symptom verschiedener Krankheiten. Wird ein Schock nicht rechtzeitig behandelt, kann dieser sogar tödlich verlaufen. Daher ist es wichtig, einen Schock so früh wie möglich diagnostizieren und entsprechend zu therapieren.

Die deutlichsten Symptome für einen Schock sind allgemein unruhiges und ängstliches Verhalten sowie blasse Haut, Zittern und Frieren. Einige Menschen empfinden kalten Schweiß, andere dagegen bekommen gerötete Haut und beginnen zu Schwitzen. Im fortgeschrittenen Zustand kann ein Schock sogar zu apathischem Verhalten bis hin zur Bewusstlosigkeit führen.

Funktion & Aufgabe

Eines der wichtigsten Kriterien zur Messung eines Schocks ist der Schockindex, bei dem die Pulsfrequenz durch den ersten Wert beim Messen des Blutdrucks dividiert wird. Liegt der Wert über 1, bedeutet dies, dass der Puls höher als der Blutdruck ist und die Person mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Schock erleidet. Es kommt mitunter auch vor, dass ein Schockzustand besteht, obwohl der Wert sich noch unter 1 befindet – dann handelt es sich um die Frühphase. Ärzte verwenden zur Diagnostizierung häufig die Fingernagelprobe. Hierbei wird dem Patienten auf den Fingernagel gedruckt, bis das Nagelbett sich weiß verfärbt. Wird es nach dem Loslassen nicht umgehend wieder rot, weil das Blut erneut einfließt, sondern benötigt dafür einige Sekunden, weist dies ebenfalls auf einen Schock hin. Hier spricht man von der sogenannten Zentralisation, einer akuten Störung der Durchblutung im Körper.

Genau genommen verteilt sich also allgemein bei einem Schock das Blut in die Mitte des Körpers. Die Gefäße in den Extremitäten verengen sich, so dass sich dort der Blutfluss verringert. Es wird dann für das Gehirn sowie für die inneren Organe zur Verfügung gestellt – der Körper versetzt sich damit also selbst in den „Notfallmodus“. Er hält die Blutversorgung der wichtigsten Körperbereiche aufrecht, um sich vor den Konsequenzen einer zu geringen Durchblutung zu bewahren. Die Gründe dafür sind verschieden und reichen vom Austreten einer hohen Menge an Blut aus einer Wunde bis hin zum Ausströmen der Flüssigkeit in umliegende Körpergewebe.

Die klassische Reaktion im Falle eines Schocks hat somit durchaus einen Sinn. Dennoch entstehen hierbei sogenannte saure Stoffwechselprodukte, weil der Stoffwechsel sich in den schlecht durchbluteteten Körperbereichen umstellt, da er nicht genug Sauerstoff erhält. Die Bildung der sauren Stoffwechselprodukte führen dazu, dass selbst aus den feinsten Kapillaren, also Gefäßen, Flüssigkeit in das umliegende Gewebe austritt. Dadurch weiten sich wiederum die Arteriole, welche das Körpergewebe stetig mit Sauerstoff beliefern.

Das genaue Gegenteil zur den Arteriolen sind im Gegenzug sogenannte Venolen, welche das Blut aus dem Körpergewebe in die großen Venen zuleitet. Im Vergleich zu den Arteriolen weiten sich die Venolen allerdings deutlich weniger, so dass es hier zu einem Blutstau kommt und dadurch wiederum Flüssigkeiten in das Gewebe austreten kann.

Im Zuge dessen reduziert sich das zirkulierende Blutvolumen weiter und die Extremitäten können noch schlechter mit Sauerstoff versorgt werden. Dabei handelt es sich um eine stetige Abwärtsspirale, die passenderweise in der Medizin als Schockspirale bezeichnet wird. Hat diese Spirale sich erst einmal in Gang gesetzt, ist sie nicht mehr zu stoppen, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird. Dann bilden sich sogenannte Mikrothromben, die zu Blutungen an verschiedenen Körperstellen führen können und verhindern, dass lebenswichtige Organe eine unzureichende Blutzufuhr erhalten. Ist dies der Fall, versagen nach und nach die Organe und der Kreislauf kollabiert. In diesem Zustand ist die Überlebenschance relativ gering, weswegen es umso wichtiger ist, sofort zu handeln.

Schock – was kann man selbst tun?

Der erste wichtige Schritt ist, umgehend den Notruf zu verständigen. Bis der Rettungsdienst eingetroffen ist, können Betroffene mit Erster Hilfe versorgt werden. Ist der Patient bei Bewusstsein, versetzen Sie ihn in die Schocklage: Legen Sie die Person flach hin, die Beine werden etwas hochgelagert – so kann das Blut leichter zum Herzen hin fließen. Handelt es sich allerdings um einen kardiogenen Schock (akute Herzschwäche) oder wird diese vermutet, muss dagegen der Oberkörper in einer höheren Position gelagert werden, denn ansonsten wird das Herz noch weiter belastet. Achten Sie darauf, dass der Patient so ruhig wie möglich bleibt und keinerlei Aufregung oder Stress ausgesetzt wird.

Im akuten Schockzustand droht der Körper auszukühlen. Deshalb sollten Patienten mit Decken oder Isolierfolien zugedeckt werden. Blutet der Betroffene, dann versuchen Sie, die Blutung, soweit es möglich ist, zu stoppen.

Sofern der Patient bereits bewusstlos ist oder sogar das Herz-Kreislaufsystem zum Stillstand gekommen ist, müssen klassische Erste-Hilfe-Maßnahmen, wie unter anderem das Versetzen in eine stabile Seitenlage, Herzmassage oder eine Mund-zu-Mund-Beatmung. In keinem Fall sollten Sie den Patienten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes allein lassen und stets prüfen, ob er noch atmet.

Krankheiten & Beschwerden

Abhängig davon, um welche Art eines Schock es sich handelt, sind die Ursachen hierfür verschieden. Die wichtigsten Arten des Schocks und die typischen Beschwerden bzw. Ursachen stellen wir Ihnen hier vor.

Hypovolämischer Schock

Der hypovolämische Schock resultiert aus einem starken Blutverlust aus den Gefäßen, was im Zuge einer schweren Verletzung oder großen Wunde zustande kommen kann. Mitunter ist dies sogar bei Oberschenkel– oder Beckenbrüchen der Fall. Eine Blutung kann zudem auch innen im Körper von statten Gehen, wenn ein Organ oder eine Arterie reißt oder, wenn es nach der Durchführung einer Operation zu einer Nachblutung kommt. Bei Frauen kann dieser Zustand sogar bei einer Geburt eintreten.

Hypovolämische Schocks treten weiterhin auf, wenn es im Körper zu einer Unterversorgung mit Flüssigkeit kommt. Dann zeigt sich dies in der Regel durch starken Durchfall oder mehrfaches Erbrechen. Trinkt man zu wenig, reduziert dies früher oder später das Blutvolumen im Körper.

Kardiogener Schock

Ist das Herz nicht kräftig genug dazu, damit ausreichend viel Blut in den Kreislauf gelangt, kann es hier zu einem sogenannten kardiogenen Schock kommen. Die Ursachen hierfür können wiederum vielfältiger Natur sein. Kann sich das Herz zum Beispiel durch eine Entzündung oder einen Infarkt nicht korrekt zusammenziehen, entsteht in den Blutgefäßen nicht genug Druck.
Auch bei einem zu hohen Blutvolumen im Körper kann es zu einem kardiogenen Schock kommen, weil das Herz dann überlastet wird.

Allergischer Schock
Viele Menschen leiden an Allergien – das kann unter anderem Heuschnuppen oder eine Allergie gegen bestimmte Nahrungsmittel sein. Selten kommt es hier vor, dass das Immunsystem besonders intensiv darauf reagiert, so dass es zu einem allergischen Schock kommt. Dieser kann ganz plötzlich ohne vorherige Beschwerden entstehen und ist nie ganz auszuschließen.
Ausgelöst werden kann er beispielsweise, wenn der Betroffene bestimmte Lebensmittel verzehrt, die er nicht überträgt. Schon geringe Spuren davon können ausreichen, um einen Betroffenen damit in Lebensgefahr zu bringen, weswegen bei Allergien oft penibel auf die Inhaltsstoffe geachtet werden muss.
Genauso kann es bei Antibiotika, Narkosemedikamenten oder auch bei Schmerzmitteln zu einem sogenannten anaphylaktischen Schock kommen, wenngleich auch in sehr seltenen Fällen.

Septischer Schock
Meistens entsteht ein septischer Schock im Zuge einer Infektion, die entweder den gesamten Körper betrifft oder nur lokal auftritt. Ausgelöst werden kann diese von verschiedenen Ursachen, wie von Viren, Pilzen oder auch Pathogenen (Bakterien).
Eine Infektion mit der Folge eines septischen Schocks kann beispielsweise eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse, der Lunge, des Nierenbeckens oder auch des Bauchfells darstellen.
Darüber hinaus ist es nicht auszuschließen, dass über Urin– oder Venenkatheter Bakterien in den Körper gelangen und dort zu einer Sepsis führen, die einen Schock mit sich bringen kann.

Die richtige Therapie bei einem Schock

Grundsätzlich richtet die Therapie bei einem Schock sich nach der jeweiligen Ursache, denn die Behandlungsansätze sind verschieden und müssen vom jeweiligen behandelnden Arzt individuell festgelegt werden.

Bei einem hypovolämischen Schock kommt es vor allem darauf an, das verlorene Blutvolumen im Körper möglichst zügig zu ersetzen. Daher erhält der Patient eine erhöhte Zufuhr an speziellen isotonen kristallinen sowie kolloidalen Infusionen. In einigen Fällen macht es darüber hinaus Sinn, Blutkonserven einzusetzen, um den Verlust ausgleichen zu können. Die Transfusion muss dann sehr zügig erfolgen.

Bei einem kardiogenen Schock wird der Patient mit Medikamenten zur Erhöhung der Herzkontraktionskraft sowie mit schmerzstillenden Mitteln behandelt. Gleichzeitig wird er intensiv mit Sauerstoff versorgt, so dass das Gewebe sich erholen und der Herzmuskel sich nach und nach wieder stärken kann. Sollte der Patient einen Herzinfarkt erlitten haben, kommt es vor allem darauf an, dass das verstopfte Gefäß im Herzen wieder freigelegt wird.

Die Behandlung eines anaphylaktischen Schocks erfolgt durch entsprechende Medikamente, welche dafür sorgen, dass das Immunsystem wieder in ein Gleichgewicht gebracht wird. Das können zum Beispiel Antihistaminika oder auch Glucocorticoide sein. Sie führen dazu, dass sich die Gefäße wieder verengen und die Bronchien erweitert werden.

Erleidet der Patient einen septischen Schock, müssen die entsprechenden Erreger so schnell wie möglich mit einer Therapie mit Antibiotika gehemmt werden, so dass sie sich nicht weiter im Körper ausbreiten können. Darüber hinaus sind Patienten in diesem Fall häufig auf einen Volumenersatz angewiesen und nehmen zudem über einen längeren Zeitraum gefäßverengende Medizin zu sich.

Fragen & Antworten zum Thema Schock

Wie bemerkt man einen Schock?
In den meisten Fällen erkennt man einen Schock an einigen deutlichen Symptomen: Eine blasse oder kalte Haut, Teilnahmslosigkeit, apathisches Verhalten, Frieren und Zittern, aber auch Schweiß auf der Stirn sind typische Anzeichen. Der Puls wird im frühen Stadium eines Schocks erst abwechselnd schneller und schwächer und ist dann später oft kaum noch fühlbar. Doch auch ein Schwächegefühl, Übelkeit, Erbrechen, Atemnot und Angstzustände bis hin zu Atemlosigkeit kommen des Öfteren als Symptom für einen Schock vor.
Die Prävention eines Schocks wird als sogenannte Schockprophylacxe bezeichnet. Wie der Schock behandelt wird, hängt von der Art des Schocks ab und muss individuell erfolgen.

Wann ist ein Gang zum Arzt erforderlich?
Ganz egal, um welche Art von Schock es sich handelt – dieser ist immer ein akut lebensbedrohlicher Zustand des Körpers, der eine sofortige Behandlung erfordert. Zeigen sich erste Anzeichen eines Schocks bei einem selbst oder bei einer anderen Person, sollte unverzüglich der Rettungsdienst verständigt werden. Nicht immer sind die Symptome dafür klar, so ist es im Zweifelsfall immer besser, trotzdem zu reagieren. Insbesondere, wenn es sich um einen Zeitpunkt nach einem aufwühlenden Ereignis ereignet, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch – dann darf keine Zeit verloren werden.

Wie behandelt der Arzt einen Schock?
Der erste wichtige Punkt ist, einen Schock überhaupt zu erkennen. Die Sanitäter des Rettungsdienste müssen daher möglichst genau über die Umstände unterrichtet werden, die den Schock herbeigeführt haben könnten. Das kann der Verzehr eines bestimmten Lebensmittels, eine Erkrankung des Herzen oder auch ein Insektenstich gewesen sein.
Auch muss geklärt werden, ob zuvor ein Unfall oder ein anderes einschneidendes Ereignis geschehen sein könnte. Beschreiben Sie zudem möglichst genau, wie die Symptome sich äußern – übernehmen Sie dies auch für den Betroffenen, sofern dieser nicht mehr dazu in der Lage ist.

Unser Fazit zum Thema Schock

Ein Schock ist im im Grunde nur eine Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung, Unverträglichkeit oder Ähnlichem – in all diesen Fällen ist eine sofortige Behandlung wichtig, denn ansonsten kann das Leben des Betroffenen bedroht sein. Daher gilt: Selbst beim kleinsten Verdacht oder einzelnen Anzeichen ist es immer besser, auf Nummer sicher zu gehen und den Notarzt zu verständigen. Er kann dann entsprechende Maßnahmen einleiten und eine geeignete Behandlung auswählen, mit der sich die Symptome schnellstmöglich lindern lassen.

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