Freie Plasma-Metanephrine

Auch bekannt als: 

Metanephrine
Bezeichnung: fraktionierte Freie Plasma-Metanephrine, (Normetanephrin, Metanephrin)
Ähnliche Tests: Katecholamine in Plasma, Metanephrine im Urin


Auf einen Blick

Warum werden die Plasma-Metanephrine untersucht?

Um eine bestimmte Tumorart der Nebenniere, das Phäochromozytom zu diagnostizieren.

Bei welchen Erkrankungen sollten die Plasma-Metanephrine untersucht werden?
Wenn Symptome eines persistierend (dauerhaft) oder episodisch erhöhten Blutdrucks auftreten begleitet von Kopfschmerzen, Herzrasen oder Schweißausbrüchen.

Aus welchem Probenmaterial wird der Plasma-Metanephrin-Test durchgeführt?
Durch Punktion einer Armvene wird eine Blutprobe gewonnen, aus der der Test durchgeführt wird.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Mit diesem Test wird die im Blutplasma vorhandene Menge an Metanephrin und Normetanephrin bestimmt. Diese Substanzen sind Metaboliten (Stoffwechselprodukte) von Adrenalin (Epinephrin) und Noradrenalin (Norepinephrin). Dabei handelt es sich um Hormone aus der Gruppe der Katecholamine, die maßgeblich an der Blutdruckregulation beteiligt sind und eine wichtige Rolle bei Stressreaktionen spielen. Sie werden im Nebennierenmark produziert (Jeder Mensch verfügt über zwei Nebennieren, die beidseits am oberen Pol der Nieren lokalisiert sind). Normalerweise finden sich im peripheren Blut oder Urin nur geringe aber stark schwankende Mengen an Katecholaminen und zugehörigen Metaboliten.

Das Phäochromocytom ist eine seltene Tumorart, deren charakteristisches Kennzeichen die exzessive Bildung von Katecholaminen ist. Dies führt konsekutiv zu stark erhöhten Konzentrationen von Metanephrin und Normetanephrin in Blut und Urin. Etwa 90 % dieser Phäochromozytome sind in den Nebennieren lokalisiert. Sie sind weit überwiegend benigne, können aber in seltenen Fällen auch ein malignes Wachstumsmuster zeigen. Benigne bedeutet hierbei, dass es nicht zur Bildung von Tochtergeschwülsten (Metastasen) in anderern Organen kommt. Die Überproduktion von Katecholaminen kann zu einer persistierenden Hypertonie (Bluthochdruck) oder auch zu akut gefährlichen hypertensiven Krisen führen. Dabei können verschieden Symptome wie Kopfschmerzen, Herzrasen, Schwitzen, Übelkeit und Angstgefühl sowie Kribbelparästhesien in den Extremitäten auftreten. Im weiteren Verlauf können die Symptome zunehmen. Die Hypertonie kann zu schweren Organschädigungen, insbesondere der Nieren und des Herzens führen. Dies geht mit einem erhöhten Risiko einher, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu entwickeln.

Die freien Plasma-Metanephrine und die Katecholamine im Urin können zur Diagnostik eines Phäochromozytoms herangezogen werden. Obwohl nur ca. 800 Fälle pro Jahr im US-amerikanischen Raum nachgewiesen werden (National Cancer Institute) ist es sehr wichtig, diese Tumorart rechtzeitig zu erkennen, da sie eine potenziell heilbare Ursache für eine Hypertonie darstellt. In der Mehrzahl der Fälle kann der Tumor operativ entfernt werden und/oder durch medikamentöse Therapie die Katecholamin-Konzentration so weit gesenkt werden, dass auch die damit assoziierten Krankheitserscheinungen geheilt bzw. abgemildert werden.

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?
Durch Punktion einer Armvene wird eine Blutprobe gewonnen. Für ein korrektes Messergebnis ist dabei besonders die Einhaltung bestimmter Verhaltensregeln des Patienten vor dem Zeitpunkt der Blutentnahme notwendig. Es wichtig, den behandelnden Arzt über die Ernährungsgewohnheiten und die Einnahme von Medikamenten zu informieren. Epinephrin und andere Katecholamin-artige bzw. Katecholamin-haltige Präparate sollten mindestens eine Woche vor dem Test abgesetzt werden. Azetaminophen sollte für mindestens 48 Stunden pausiert werden und der Patient sollte 8 – 10 Stunden vor der Blutentnahme nüchtern sein. Insbesondere ist darauf zu achten, dass der Patient während mindestens vier Stunden vor der Probenentnahme kein Koffein (Kaffee, Tee) sowie keinen Alkohol oder Tabak konsumiert hat. Zwar gibt es noch einige Unstimmigkeiten über die richtige Abnahme-Technik; im Allgemeinen wird jedoch empfohlen, die Blutentnahme am liegenden Patienten nach einer 15 – 30 minütigen Ruhephase vorzunehmen. (Eine andere Empfehlung lautet, dass dem aufrecht sitzenden Patienten ohne vorausgehende Ruhephase Blut entnommen werden kann.)


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Es handelt sich um einen relativ neuen Testparameter, so dass noch kein breiter Konsens darüber besteht, wie er richtig angewandt wird. Studienergebnisse zeigen jedoch, dass die Bestimmung aus dem Plasma sensitiver ist als die traditionellere aus 24h-Sammelurin. Die hohe Sensitivität bringt allerdings auch eine Reihe falsch-positiver Testergebnisse mit sich, besonders bei Patienten bei denen vom klinischen Bild her die Wahrscheinlichkeit für ein Phäochromozytom eher gering ist. Deshalb kann dieser Test nicht als routinemäßige Screening-Untersuchung für die Allgemeinbevölkerung eingesetzt werden. Der primäre Nutzen besteht also darin, bei Patienten bei denen das klinische Bild ein Phäochromozytom nahe legt die Diagnose zu sichern. Da das Ergebnis durch eine große Zahl von Störfaktoren wie Stress, Koffein, Alkohol oder Medikamente beeinflusst werden kann, müssen im Falle eines positiven Ergebnisses diese Faktoren berücksichtigt werden. Um das ursprüngliche Ergebnis zu verifizieren muss nach entsprechender Ausschaltung der Störungen der Test ggf. wiederholt werden.

Die Bestimmung der Plasma-Metanephrine kann auch bei asymptomatischen Patienten sinnvoll sein, wenn es im Rahmen einer bildgebenden Diagnostik, die aus anderen Gründen durchgeführt wird, zur Zufallsdiagnose eines Nebennierentumors kommt. Ausserdem kann auch ein stark erhöhtes individuelles (Phäochromozytome können rezidivieren) bzw.  familiäres Risiko (wenn bereits ein oder mehrere Blutsverwandte an einem Phäochromozytom erkrankt sind) eine Bestimmung der Metanephrine notwendig machen.

Wann könnte der Test sinnvoll sein?
Bei Verdacht auf das Vorliegen eines Phäochromozytoms. Dieser Verdacht drängt sich auf, wenn Symptome einer persistierenden oder intermittierenden Hypertonie auftreten wie z. B. Kopfschmerzen, Herzrasen, Schwitzen oder Gesichtsrötung, insbesondere wenn sie therapieresistent sind und nicht anderweitig erklärt werden können. (Die Phäochromozytom-assoziierte Hypertonie reagiert in der Regel nicht auf ein konventionelles Therapieregime).

Der Test ist auch sinnvoll, wenn in einem bildgebenden Verfahren zufällig ein Nebennierentumor entdeckt wird oder wenn eine familiäre Phäochromozytom-Belastung vorliegt. Ausserdem wird er zur Nachsorge bei Patienten eingesetzt, die schon einmal ein Phäochromozytom hatten, da diese Tumorart zu Rezidiven neigt.

Was bedeutet das Testergebnis?
Da der Test sehr sensitiv ist aber Phächromozytome relativ selten sind können u. U. mehr falsch-positive als richtig-positive Befunde auftreten. Allerdings ist der negative Vorhersage-Wert sehr gut, das bedeutet, dass im Fall von normalen Metanephrin-Werten das Vorliegen eines Phäochromozytoms sehr unwahrscheinlich ist (Ausschlussdiagnostik).

Werden bei einem symptomatischen Patienten hohe Konzentrationen an Metanephrinen im Blut nachgewiesen, dann ist das Vorliegen eines Phäochromozytoms wahrscheinlich. Es wird sich dann eine bildgebende Diagnostik (z. B. MRT: Magnet-Resonanz Tomographie) anschließen, um Aufschluss über die Tumorlokalisation zu gewinnen). Auch im Falle eines asymptomatischen Patienten mit dem Zufallsbefund einer Nebennieren-Raumforderung in der bildgebenden Diagnostik, ist es wahrscheinlich, dass es sich dabei um ein Phäochromozytom handelt, wenn der Betroffene erhöhte Metanephrine aufweist.

Wenn dagegen ein symptomatischer oder auch asymptomatischer Patient nur moderat erhöhte Metanephrine aufweist, dann müssen zunächst Störfaktoren (siehe oben) in Betracht gezogen und ausgeschaltet werden bevor das Resultat durch eine erneute Bestimmung verifiziert wird, ggf. zusätzlich auch aus 24 h-Sammelurin. Anschließend werden wieder bildgebende Verfahren zur Lokalisationsdiagnostik eingesetzt.

Werden bei einem Patienten mit bekanntem Phäochromozytom trotz erfolgter Therapie wiederholt erhöhte Metanephrine festgestellt, so muss entweder eine Therapie-Resistenz oder ein Rezidiv in Erwägung gezogen werden.

Gibt es Weiteres, das ich wissen sollte?
Die Bestimmung der Plasma-Metanephrine gibt zwar einen wichtigen Hinweis auf das Vorliegen eines Phäochromozytoms, aber sagt nichts über dessen Lokalisation aus. Der Großteil befindet sich allerdings in der Nebenniere und der überwiegende restliche Teil in der Bauchhöhle. – Mit diesem Test kann die Dignität (Gutartigkeit bzw. Bösartigkeit) des Tumors nicht beurteilt werden.


Hinweise & Störungen

Probenmaterial

Heparinplasma, EDTA-Plasma

Stabilität und Probentransport
Heparin- bzw. EDTA-Vollblut nach Entnahme auf (Nass-)Eis transportieren und rasch in Kühlzentrifuge zentrifugieren. Lagerung des Plasmas bis zur Messung bei -70°C.
Verschickung tiefgefrorenen Plasmas.

Referenzbereich
Methodenabhängige Referenzbereiche des Einsendelabors verwenden

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
Sensitive Methode mit eher falsch positiven Befunden.
Störungen durch körperlichen oder psychischen Stress, bestimmte Nahrungsstoffe und Medikamente

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Für die Bestimmung von ima gibt es derzeit keine externe Qualitätskontrolle entsprechend der Richtlinien der Bundesärztekammer (RILIBÄK). Externe Ringversuche werden angeboten.


Häufige Fragen

Können mehrere Phäochromozytome gleichzeitig auftreten?

Selten ja, insbesondere bei einer starken familiären Belastung. Es kann auch in beiden Nebennieren gleichzeitig auftreten.

Korreliert die Konzentration der Plasma-Metanephrine mit der Tumorgröße?

Nein, dies ist eher nicht der Fall. Das quantitative Ausmaß der Katecholamin-Produktion ist typischerweise von anderen charakteristischen Eigenschaften des Tumors abhängig; auch kleine Phäochromozytome können exzessive Mengen an Katecholaminen produzieren.

Ist es wirklich erforderlich vor der Blutentnahme die strengen Diät-Regeln einzuhalten und sich bei der Punktion hinzulegen?
Es gibt vereinzelt Unstimmigkeiten darüber, welche Maßnahmen für eine verlässliche Testdurchführung zu ergreifen sind. Es ist bekannt, dass der Metanephrin-Spiegel im Blut durch Faktoren wie Stress, Ernährungsgewohnheiten und bestimmte Medikamente beeinflusst wird. Interferierende (störende) Substanzen müssen daher möglichst vermieden werden, um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten. Außerdem sollte sich der Patient in einem Zustand körperlicher und seelischer Ruhe befinden.

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