Metanephrine im Urin

Auch bekannt als:
Bezeichnung:

Metanephrin und Normetanephrin im Urin, Urin-Metanephrine, gesamt und fraktioniert
Ähnliche Tests: Katecholamine in Plasma, Freie Plasma-Metanephrine


Auf einen Blick

Warum wird die Untersuchung der Urin-Metanephrine durchgeführt?

Zur diagnostischen Sicherung bei Verdacht auf das Vorliegen eines Phäochromozytoms (Hormon-produzierender Tumor der Nebennieren).

Bei welchen Erkrankungen sollten die Urin-Metanephrine bestimmt werden?
Bei Vorliegen von Symptomen wie Kopfschmerzen, Herzrasen oder Schwitzen, die durch einen episodisch oder ständig erhöhten Blutdruck (Hypertonie) verursacht werden können.

Aus welchem Probenmaterial wird die Urin-Metanephrin-Bestimmung durchgeführt?
Aus 24 Stunden-Sammelurin.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Dieser Test bestimmt die Menge an Metanephrinen, die im Urin innerhalb 24 Stunden ausgeschieden wird. Metanephrine sind inaktive Metaboliten der Katecholamine Adrenalin (Epinephrin) und Noradrenalin (Norepinephrin). Als Katecholamine bezeich¬net man eine Gruppe verwandter unter anderem hämodynamisch (Herz-Kreis¬lauf- und Blutdruck-) wirksamer Hormone, die im Nervensystem und dem Mark der Nebennieren produziert werden. Die Nebennieren sind relativ kleine paarige Organe, die beidseits am Oberpol der Nieren lokalisiert sind. Zu den wirksamen primären Katecholaminen werden das Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin gezählt. Sie werden als Reaktion auf körperliche oder emotionale Belastung vermehrt produziert und an das Blut abgegeben.

Ihre Wirkung ist vielfältig: So dienen sie als Transmitter im Gehirn und peripheren Nervensystem, steigern die Freisetzung von Glukose und freien Fettsäuren zur Energiebereitstellung, erweitern die Bronchiolen (die kleineren Bronchialäste in der Lunge) und erweitern die Pupillen. Noradrenalin hat darüber hinaus die wichtige Funktion der Vasokonstriktion (Verengung der Blutgefäße zur Steigerung des Blutdrucks), wohingegen Adrenalin zu einer Steigerung der Herzfrequenz und des Stoffwechsels führt. Wenn ihre Wirkung nicht mehr benötigt wird, werden sie zu inaktiven Metaboliten abgebaut. Dabei wird Dopamin zu Homovanillin-Mandelsäure (HVMS), Noradrenalin zu Normetanephrin und Vanillinmandelsäure (VMS) und Adrenalin zu Metanephrin und VMS metabolisiert. Sowohl die ursprünglichen Hormone als auch diese Metaboliten werden mit dem Urin ausgeschieden.

Bei der Bestimmung der Urin-Metanephrine werden sowohl die Konzentration von Metanephrin als auch die von Normetanephrin im Urin gemessen. Normalerweise erscheinen diese Metaboliten nur in sehr kleinen und fluktuierenden Mengen im Urin; in Reaktion auf verschieden Stressfaktoren können ihre Konzentrationen jedoch stark ansteigen. Phäochromozytome (seltene Nebennierentumoren) und andere Neuroendokrine Tumoren können autonom sehr große Mengen an Katecholaminen produzieren, wodurch es auch zu einem Anstieg der entsprechenden Hormone und ihrer Metaboliten im Urin kommt. Diese überschießende Katecholamin-Produktion kann entweder zu einer persistierenden Hypertonie oder zu intermittierenden hypertonen Krisen führen, was mit dem Auftreten Hypertonie-assoziierter Symptome (starke Kopfschmerzen, Herzrasen, Schwitzen, Übelkeit, Angst und Kribbelgefühl in den Extremitäten) einhergehen kann.

Etwa 90 % der Phäochromozytome sind in den Nebennieren lokalisiert und der überwiegende Teil ist benigne, d. h. sie haben nicht die Tendenz zur Metastasierung. Ein kleiner Teil zeigt aber auch ein malignes Wachstumsmuster. Werden Phäochromozytome nicht behandelt, so kann dies zu schweren Organschäden insbesondere an Herz und Nieren führen, die sehr empfindlich gegenüber Blutdruckerhöhungen sind. Das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall kann deutlich erhöht sein. Die Untersuchung der Metanephrine im Urin kann deshalb zur frühen Entdeckung eines Phäochromozytoms beitragen. Phäochromozytome sind zwar sehr seltene Tumor (in den USA ca. 800 Fälle jährlich) aber da sie eine potenziell heilbare Ursache für eine Arterielle Hypertonie darstellen, ist es sehr wichtig, sie frühzeitig zu diagnostizieren. In den meisten Fällen kann der Tumor operativ entfernt werden oder die assoziierte Hypertonie medikamentös eingestellt werden, um die genannten Komplikationen zu verhindern.

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?
24 Stunden-Sammelurin bedeutet, dass der gesamte Urin, der über 24 Stunden ausgeschieden wird, gesammelt wird. Es ist dabei besonders wichtig, dass der Urin während dieser Zeit gekühlt wird. Viele Faktoren wie starke körperliche Belastung, bestimmte Bestandteile der Ernährung, Medikamente und Genussmittel können störenden Einfluss auf die Metanephrin-Konzentration ausüben. Deshalb müssen diese Faktoren vor der Probengewinnung so weit wie möglich geklärt bzw. ausgeschaltet werden, um schließlich ein verlässliches, aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten. D. h. der behandelnde Arzt sollte über die Einnahme von Medikamenten informiert werden und bestimmte Nahrungsmittel wie Kaffee (auch entkoffeinierter), Tee, Schokolade, Vanille, Bananen, Orangen und andere Zitrusfrüchte vor der Untersuchung für einige Tage gemieden werden. Medikamente, von denen bekannt ist, das sie mit dem Katecholamin-Stoffwechsel interferieren sollten entweder abgesetzt oder wenn dies nicht möglich ist durch andere ersetzt werden. Ausserdem sollten sowohl starker körperlicher als auch psychischer Stress vor und während der Untersuchung vermieden werden, da dies die Katecholamin-Ausscheidung im Urin ebenfalls erhöhen kann.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Die Bestimmung der Urin-Metanephrine wird in der Regel bei symptomatischen Patienten eingesetzt, um den Verdacht auf das Vorliegen eines Phäochromozytoms diagnostisch zu sichern. Außerdem kann sie zur Therapie- und Verlaufskontrolle bei einem bereits bekannten Phäochromozytom angefordert werden. Die Bestimmung der Urin-Metanephrine kann auch zusammen mit der der Plasma-Metanephrine erfolgen. Ausserdem kann auch eine Bestimmung der aktiven Katecholamine im Plasma und Urin in Kombination mit den Urin-Metanephrinen sinnvoll sein.

Da die Katecholamin-Produktion im zeitlichen Verlauf sehr stark variieren kann, ist eine Bestimmung aus 24-Stunden-Sammelurin aussagekräftiger bezüglich des Nachweises einer erhöhten Sekretion, die bei einer einzelnen Blutuntersuchung auch zeitlich verpasst werden könnte. Der behandelnde Arzt wird entscheiden welcher Test bzw. welche Test-Kombination den größten Informationsgewinn verspricht. In der Regel wird man einer Bestimmung der Metanephrine als inaktiven Metabolite den Vorzug geben, da sie im Urin in größeren Mengen ausgeschieden werden als die aktiven Hormone und auch im Blut als Abbauprodukte noch vorhanden sein können, wenn die aktiven Hormone schon wieder normale Konzentrationen angenommen haben.

Da wie bereits angesprochen die Testergebnisse störanfällig sind, können auch eine Reihe falsch-positiver Ergebnisse auftreten. Deshalb macht die Bestimmung der Metanephrine als Screening-Untersuchung für die Allgemeinbevölkerung keinen Sinn. Im Falle eines falsch-positiven Testergebnisses muss deshalb zunächst das Vorliegen potenzieller Störfaktoren untersucht und diese bei einer erneuten Untersuchung kontrolliert bzw. vermieden werden.

Gelegentlich kann eine Bestimmung der Urin-Metanephrine auch bei asysmptomatischen Patienten sinnvoll sein, bei denen im Rahmen einer bildgebenden Untersuchung wie MRT oder CT zufällig eine Phäochromozytom-verdächtige Raumforderung aufgefallen ist. Auch bei Patienten mit einem erhöhten individuellen oder familiären Risiko (wenn schon einmal ein Phäochromozytom bei einem Patienten oder einem Familienmitglied diagnostiziert wurde) ist eine regelmäßige Bestimmung hilfreich.

Wann könnte der Test sinnvoll sein?
Wenn entsprechende Symptome oder ein zufällig in einer bildgebenden Untersuchung  entdeckter Tumor den Verdacht auf ein Phäochromozytom nahe legt. Symptome sind am ehesten mit einer persistierenden oder episodischen Hypertonie assoziiert wie Kopfschmerzen, Herzrasen, anfallsweise Gesichtsrötung und Schwitzen. Ein Phäochromozytom muss generell auch als Ursache für die Therapieresistenz einer Hypertonie in Betracht gezogen werden. Ausserdem kann der Test auch zur Therapie- und Verlaufskontrolle bei bereits bekanntem, diagnostisch gesichertem Phäochromozytom herangezogen werden.

Was bedeutet das Testergebnis?
Die Bestimmung der Metanephrine ist anfällig gegenüber Störfaktoren in der Testvorbereitung des Patienten. Da Phäochromozytome relativ seltene Tumore darstellen, können mehr falsch-positive als richtig-positive Testergebnisse auftreten. Im Falle eines symptomatischen Patienten mit sehr hoher Metanephrin-Ausscheidung sind dabei weitere diagnostische Schritte indiziert. Können keine Störfaktoren identifiziert werden, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass tatsächlich ein Phäochromozytom vorliegt. Um dies zu verifizieren kann der behandelnde Arzt sinnvollerweise zusätzlich die Bestimmung der Plasma-Metanephrine und/oder der Plasma- bzw. Urin-Katecholamine anfordern. Sind deren Werte ebenfalls erhöht, so ist eine bildgebende Lokalisationsdiagnostik erforderlich. Die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines Phäochromozytoms ist ebenfalls sehr hoch, wenn ein asymtpomatischer Patient mit einer Nebennieren-Raumforderung als Zufallsbefund eine signifikant erhöhte Metanephrin-Ausscheidung aufweist. Sind die Metanephrine dagegen nicht erhöht, so ist ein Phäochromozytom unwahrscheinlich.

Schwere Erkrankungen und körperliche oder emotionale Stressfaktoren können die Metanephrine im Plasma und Urin temporär mäßig bis stark erhöhen. Solche interferierenden Faktoren müssen im Falle eines positiven Testes ausgechlossen werden und das Ergebnis durch eine eventuelle neuerliche Untersuchung gesichert werden. Bei erneut positivem Befund ist eine weiter bildgebende Diagnostik indiziert. Ist der zweite Befund dagegen negativ, so ist das Ergebnis der ersten Bestimmung whrscheinlich durch einen der genannten Störfaktoren bedingt gewesen und ein Phäochromozytom unwahrscheinlich.

Bei einem Patienten, bei dem bereits einmal ein Phäochromozytom diagnostiziert worden ist, können erhöhte Metanephrine auf ein Rezidiv oder ein Therapieversagen hinweisen.

Gibt es Weiteres, das ich wissen sollte?
Die Bestimmung der Metanephrine kann nur einen Hinweis auf das Vorliegen eines Phächromozytoms geben, aber keinen weiteren Aufschluss über die Tumor-Lokalisation, -Größe und –Zahl. Der überwiegende Teil der Phäochromozytome ist im Nebennierenmark lokalisiert, sie können aber auch in der Bauchhöhle vorkommen. Über die Dignität des Tumors erhält man mit diesen Untersuchungen keine Information, wenngleich die meisten Phäochromozytome benigne sind. Es ist vor dem Test sehr wichtig mit dem behandelnden Arzt zu besprechen, welche Medikamente abgesetzt werden müssen und können. Er wird dann entscheiden, welche das Testergebnis stören können und ob sie ohne Gefahr abgesetzt bzw. ersetzt werden können.

Zu diesen Substanzen oder Medikamenten, die die mit der Bestimmung der Metanephrine interferieren können zählen:

• Azetaminophen
• Aminophyllin
• Amphetamine
• Appetit-Zügler
• Kaffee
• Tee
• Andere Koffeinhaltige Getränke, z. B. Cola
• Dexamethason
• Diuretika
• Adrenalin
• Alkohol
• Insulin
• Imipramin
• Lithium
• Methyldopa (Aldomet)
• MAO (Monoaminooxodase-Hemmer)
• Nikotin
• Nitroglycerin
• Nasentropfen
• Propafenon
• Reserpin
• Salicylate
• Theophyllin
• Tetrazyklin
• Trizyklische Antidepressiva
• Vasodilatatoren
Die Wirkung dieser Substanzen auf das Testergebnis kann individuell sehr unterschiedlich sein und können deshalb auch nur schwer vorhergesagt werden.


Hinweise & Störungen

Probenmaterial

24-h-Sammelurin

Stabilität und Probentransport
24-h-Sammelurin gekühlt bei 4-8°C (ggf. Stabilisierung durch Ansäuerung auf pH 2-3). Unterschiedliche Angaben zur Haltbarkeit: 24 h bis 1 Woche bei 4-8°C; 1 Monat bei -20°C.
Probentransport unter Einhaltung der Stabilitätsangaben.

Referenzbereich
Methoden- bzw. Verfahrens-abhängige Referenzbereiche. Angaben des Einsendelabors beachten.

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
Einfluss- und Störfaktoren wie oben aufgeführt.
Ein saurer Urin-pH Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Für die Bestimmung von ima gibt es derzeit keine externe Qualitätskontrolle entsprechend der Richtlinien der Bundesärztekammer (RILIBÄK). Externe Ringversuche werden angeboten.


Häufige Fragen

Kann ein Phäochromozytom in beiden Nebennieren gleichzeitig auftreten?

Ja, normalerweise ist nur eine Nebenniere betroffen, aber prinzipiell können Phäochromozytome auch multipel auftreten. Dies ist aber wahrscheinlicher bei Patienten mit einer familiären Belastung

Wenn man durch seinen Lebensstil die genannten Einflussfaktoren vermeidet, lässt sich dann das Auftreten eines Phäochromozytoms verhindern?
Nein, sie können zwar das Ergebnis der Metanephrin-Bestimmung im Plasma oder Urin beeinflussen, tragen aber nicht als Risokofaktoren zur primären Entstehung des Tumors bei.

Warum hört man in der Öffentlichkeit nur selten von Phäochromozytomen?
Weil es sich um eine sehr seltene Tumorart handelt. Dennoch ist ihre frühzeitige Diagnose sehr wichtig, da sie eine potenziell behebbare Ursache für eine Hypertonie und ihre Komplikationen darstellt.

Wird eigentlich auch Homovanillin-Mandelsäure bzw. Vanillin-Mandelsäure getestet?
Ja, gelegentlich. In den meisten Fällen reicht die Bestimmung von Metanephrin und Normetanephrin aus, um die nötigen Informationen zu erlangen. Allerdings kann die Bestimmung von HVMS oder VMS bei bestimmten anderen neuroendokrinen Tumoren hilfreich sein. Die überwiegende Zahl der Phäochromozytome produziert dagegen kein Dopamin oder HVMS.

Ist es tatsächlich erforderlich den Urin über 24 Stunden zu sammeln?
Ja, um ein aussagekräftiges Testergebnis zu erhalten ist es notwendig, den gesamten Urin von 24 Stunden zu sammeln. Da die Katecholamin-Sekretion im Tagesverlauf stark schwankt, kann es durchaus sein, dass gerade die eine Probe, die nicht mit erfasst worden ist, diejenige mit der höchsten Metanephrin-Konzentration gewesen wäre.


Weiterführende Links zum Thema

AWMF Leitlinien Phäochromozytom, Diagnostik und operative Therapie: https://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll-na/003-005.htm

Leitlinien zur Diagnostik und Therapie der Hypertonie. Deutsche Hochdruckliga und Deutsche Hypertonie Gesellschaft: https://www.paritaet.org/rr-liga/Hypertonie-Leitlinien05.pdf

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