Fluorid

Bei Fluorid handelt es sich um ein Spurenelement, welchem besondere Bedeutung bei der Zahn- und Knochengesundheit zuteilwird.

Fluorid kann über bestimmte Lebensmittel, die das Spurenelement natürlicherweise enthalten, oder durch Zusatz in Lebensmitteln oder Zahnpasta aufgenommen werden.

Um eine Überdosierung zu vermeiden, sollten die täglichen Bedarfsmengen nicht überschritten werden.

FluoridWas ist Fluorid?

Fluorid ist ein Spurenelement, das in der Erde und in Gewässern natürlicherweise vorkommt.

Das Spurenelement wird vorwiegend zur Kariesprophylaxe und -behandlung eingesetzt. Als Zusatz in Zahnpasta, Trinkwasser oder Speisesalz wird eine ausreichende Versorgung mit Fluorid sichergestellt.

In einigen Lebensmitteln, beispielsweise in schwarzem Tee, Fisch oder Hühnerfleisch, kommt Fluorid von Natur aus vor. Auch in Form von Tabletten kann das Spurenelement aufgenommen werden.

Trotz seiner gesundheitlichen Vorteile wird Fluorid von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit nicht als essentielles Spurenelement eingestuft, da Symptome eines Fluoridmangels nicht ausreichend identifiziert werden können und das Spurenelement nicht beim Wachstum von Knochen und Zähnen beteiligt ist.

Da Fluor sehr reaktiv ist, kommt es in der Natur in seiner reinen Form kaum vor. Fluor verbindet sich mit anderen Stoffen, beispielsweise Natrium oder Calcium, welche in dieser Form Fluoride genannt werden.

Chemisch gesehen handelt es sich bei diesen Verbindungen um Salze der Fluorwasserstoffsäure. Teilweise ist diese auch unter dem Namen Flusssäure bekannt.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

Da Fluoride hauptsächlich im Bereich der Knochen– und Zahngesundheit eingesetzt werden, dienen diese Stoffe hauptsächlich folgenden Zwecken:


Allgemeines

Allgemeines
NameFluorid
Andere NamenWichtigster Vertreter (Fluorit):

  • Flussspat
  • Calciumfluorid
SummenformelFluorit (CaF2)
MineralklasseHalogenide

Wirkungsweise

So wirkt Fluorid

Die exakte Wirkweise von Fluorid in der Zahngesundheit ist noch nicht abschließend geklärt. Allerdings kann eine zahnschmelzhärtende Wirkung beobachtet werden, die auf drei verschiedene Weisen zustande kommt.

Zum einen ist das Fluorid-Molekül klein genug, um in den Zahnschmelz eingebaut zu werden. Dadurch wird dieser gestärkt. Zum anderen wird davon ausgegangen, dass das Spurenelement im Mund antibakteriell wirkt.

Wie diese Wirkung zustande kommt, ist noch nicht abschließend geklärt. Des Weiteren hilft Fluorid dabei, Mineralien, die durch Säure aus dem Zahnschmelz gelöst wurden, wieder in diesen einzulagern.

Bei der Vorbeugung und Behandlung von Knochenschwund (Osteoporose) ist der Wirkmechanismus von Fluorid besser bekannt. Hier macht man sich die anregende Wirkung auf die Osteoblasten zunutze.

Diese Zellen sind für die Knochenbildung verantwortlich. Wie bei der Stärkung des Zahnschmelzes wird das Spurenelement auch in die Struktur der Knochen eingebaut und macht diese dadurch widerstandsfähiger.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Fluorid

Fluorid, das über die Nahrung in den Körper aufgenommen wird, wird über den Magen und den Dünndarm in die Blutbahn geleitet. Von dort erreicht das Spurenelement das mineralisierte Gewebe wie Knochen oder Zähne.

Bei der Aufnahme der empfohlenen Dosis reichert sich das Spurenelement nicht im Gewebe an.

Die Aufnahme in den Körper kann verringert werden, wenn die Nahrung oder das Trinkwasser, mit dem Fluorid aufgenommen wird, gleichzeitig größere Mengen Magnesium oder Calcium enthalten.


Anwendungsgebiete

Wann wird Fluorid eingesetzt?

Da die Aufnahme von Fluorid über die Nahrung oder das Trinkwasser für eine Vorbeugung von Karies nicht ausreicht, wird empfohlen, die Zähne zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta zu putzen. Alternativ kann auch ein fluoridhaltiges Gelee oder ein Fluoridlack aufgetragen werden.

Auch zur Fluoridierung von Speisesalz wird das Spurenelement häufig verwendet. Durch Aufnahme von fluoridhaltigem Kochsalz lässt sich Karies mitunter auch vorbeugen.

Bei Kindern werden vom Zahnarzt vor allem feine Risse in den Backenzähnen mit Fluoridlack gefüllt, um Karies in diesen Rissen vorzubeugen.

Auch bei Erwachsenen, die unter einem erhöhten Kariesrisiko leiden, sollte vom Zahnarzt mindestens einmal im Jahr eine Kariesprophylaxe mit Fluorid durchgeführt werden.

Kinder ab sechs Jahren und Erwachsene sollten ihre Zähne zweimal täglich gründlich mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzen, um Karies vorzubeugen und den Zahnschmelz nachhaltig zu stärken.

In der Form von Tabletten wird Natriumfluorid vor allem zur Vorbeugung von Osteoporose eingesetzt. Auch eine bereits beginnende Osteoporose kann durch Natriumfluorid-Tabletten unter Umständen behandelt werden.


Richtige Anwendung

So wird Fluorid angewendet

Fluorid kann systemisch oder lokal angewendet werden. Unter der systemischen Fluoridierung versteht man die Zugabe des Spurenelements zu Mineralwasser, Speisesalz oder Tabletten. So soll eine Basisversorgung mit Fluorid sichergestellt werden.

Die lokale Fluoridierung erfolgt durch die Verwendung von Zahnpasta, Mundspülungen, Lacken oder Gelen, die Fluorid enthalten.

Am häufigsten wird der Wirkstoff beim Zähneputzen mit fluoridierter Zahnpasta angewendet, da die Stärkung des Zahnschmelzes so am besten sichergestellt werden kann.

Es wird empfohlen, zweimal täglich – am besten morgens und abends – mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta die Zähne zu putzen.


Medikamente

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Fluorid?

Fluoride in der Form von Natrium-, Kalium– oder Calciumfluorid sind vor allem in zahnmedizinischen Produkten sowie in Fluoridtabletten vorhanden. Auf dem Markt sind derzeit folgende Produkte, die Fluoride enthalten:

  • Zahnpasten, auch Kinderzahnpasten
  • Zahnmedizinische Gele
  • Mundspülungen
  • Zahnmedizinische Lacke
  • Tabletten
  • Lutschtabletten

Handelsnamen

Hauptsächlich finden sich Fluoride in Zahnpasten und zahnmedizinischen Gels und Lacken. Auch Fluorid-Tabletten sind in Apotheken erhältlich. Hier wird eine Auswahl vorhandener Produkte dargestellt:

Professionelle fluoridhaltige Zahnpasten

  • CleanJoy (Voco)
  • Nupro (DENTSPLY)
  • Cleanic® Fluorid (Kerr)

Mundspüllösungen

  • Act Fluor Zahnspülung (Johnson&Johnson)
  • elmex® Kariesschutz Zahnspülung (GABA)
  • Meridol® Mundspülung (GABA)
  • Profluorid M (Voco)

Fluorid-Gele

  • elmex® Gelée (GABA)
  • SENSODYNE® PROSCHMELZ (gsk)
  • Gel-Kam® (Colgate)
  • Ledermix Fluorid Gel (RIEMSER)
  • Profluorid-Gelee (Voco)
  • Septogel (Septodont)

Fluorid-Lacke

  • Bifluorid® 12 (Voco)
  • CONTROCAR® (lege artis)
  • Duraphat® (GABA)
  • Fluoridin® (Voco)
  • Fluor Protector® (Ivoclar Vivadent)
  • Multifluorid (DMG)
  • Profluorid Varnish (Voco)

Tabletten

  • D-Fluoretten® 500 I.E.
  • Fluor-Vigantol® 500 I.E.
  • Fluor-Vigantol® 1000 I.E.
  • Fluoretten® 0,5 Lutschtabeltten
  • Zymafluor® D 500
  • Zymafluor® o,5 mg Lutschtabletten

Indikationen

Prinzipiell kann jedem Menschen zur Fluoridierung der Zähne durch Zahnpasta geraten werden, auch wenn keine Karies vorliegt.

Menschen, die zahnschädigende Nahrungsmittel wie Zucker oder Säure zu sich nehmen und keine Möglichkeit haben, sich um eine ausreichende Zahnhygiene zu kümmern, wird besonders empfohlen, eine Fluoridierung der Zahnoberflächen regelmäßig von einem Zahnarzt durchführen zu lassen.

Damit es nicht zu einer Überdosierung kommt, sollte zuvor eine Fluoridanamnese erfolgen. Dabei werden die Ernährungsgewohnheiten sowie bereits vorhandene Fluoridquellen wie Trinkwasser oder Kochsalz abgefragt, um die optimale Dosis zu ermitteln.

Besteht ein erhöhtes Kariesrisiko kann die zahnärztliche Fluoridierung mit einer zusätzlichen Anwendung von fluoridhaltigen Mundspülungen oder Gelen ergänzt werden.


Gegenanzeigen

Wann darf Fluorid nicht verwendet werden?

Ergeben sich aus der ärztlichen Fluoridanamnese Kontraindikationen, beispielsweise wenn bereits eine zu starke Fluoridierung vorliegt, sollte zusätzliches Fluorid nicht verwendet werden.

Generell gilt, dass nur eine systemische Fluoridierung angewendet werden sollte, um eine Überdosierung zu vermeiden. So sollten Menschen, die beispielsweise bereits fluoridiertes Kochsalz zu sich nehmen auf die Einnahme von Fluoridtabletten verzichten.

Auch bei Kleinkindern gelten teils strenge Untergrenzen, die unbedingt eingehalten werden sollten, um eine Überdosierung zu vermeiden.

Bei einer Allergie gegen das Spurenelement sollte auf fluoridfreie Produkte zurückgegriffen werden.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Die lokale Anwendung von Fluorid beim Zähneputzen oder bei der Kariesprophylaxe beim Zahnarzt stellt keine Gefahr für das ungeborene Kind dar.

Positive Wirkungen auf das Gebiss des Kindes scheint eine Einnahme des Spurenelements in der Schwangerschaft allerdings auch nicht zu haben. Auch beim Stillen kann die Zahnhygiene wie gewohnt fortgesetzt werden.

Um eine schädliche Überdosierung durch systemische Aufnahme von Fluorid auszuschließen, sollte vor Einnahme von Fluoridtabletten unbedingt ein Arzt zu Rate gezogen werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Sobald die ersten Milchzähne durchbrechen, sollten sich Eltern Gedanken über die Zahngesundheit ihrer Kleinkinder machen.

Es wird empfohlen, die Milchzähne einmal täglich mit einer erbsengroßen Menge Kinderzahnpasta, die maximal 500ppm Fluorid enthält, zu reinigen.

Ab dem dritten Lebensjahr sollte die Zahnreinigung zweimal täglich erfolgen. Ab einem Alter von 6 Jahren können Kinder zweimal täglich Zahnpasta mit 1000 bis 1500 ppm Fluoridgehalt verwenden.

Auch fluoridiertes Kochsalz kann für die Ernährung von Kindern verwendet werden, da eine Überdosierung hiermit so gut wie ausgeschlossen ist.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Fluorid?

Bei einer Einnahme von Fluorid sollten die maximalen Tagesdosen stets beachtet werden, um eine Überdosierung, eine sogenannte Fluorose, zu vermeiden.

Bei Menschen, die regelmäßig größere Mengen Fluorid zu sich nehmen, kann es mit der Zeit zu weißen Verfärbungen auf den Zähnen kommen. Diese haben in ihrer leichten Ausprägung keine gesundheitlichen Folgen, werden allerdings oft als ein ästhetisches Problem angesehen.

Stärkere Formen der Zahnfluorose können allerdings dazu führen, dass der Zahnschmelz an Widerstandskraft verliert.

Auch für die Knochen kann eine jahrelange Zufuhr von großen Mengen Fluorid auf Dauer zu Schäden führen.

Bei jahrelanger Einnahme von Fluoridtabletten kann es zu einer Versteifung der Knochen und der Wirbelsäule kommen, was diese brüchiger und weniger belastbar macht.

Deswegen muss eine Behandlung von Osteoporose mit Fluorid unbedingt vorher mit einem Arzt besprochen werden.

Besonders bei Kleinkindern sollte darauf geachtet werden, dass die empfohlenen Dosen nicht überschritten werden. Es kann in seltenen Fällen sonst zu einer akuten Fluoridvergiftung kommen. Diese äußert sich in Symptomen wie Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen und Übelkeit.

Da in Deutschland von einer Fluoridierung des Trinkwassers abgesehen wird, ist eine Überdosierung mit Fluorid bei ansonsten normaler Einnahme kaum möglich. Selbst bei einem Verschlucken von Zahnpasta wird der Höchstwert an Fluorid noch nicht erreicht.

Da Kinderzahnpasta einen viel geringeren Fluoridgehalt aufweist als normale Zahnpasta, ist das Risiko einer Überdosierung auch bei Kindern als äußerst gering einzuschätzen.


Wechselwirkungen

Welche Wechselwirkungen zeigt Fluorid?

Zum heutigen Wissenstand sind keine Wechselwirkungen von Fluorid mit anderen Medikamenten oder Mineralien bekannt.


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Fluorid zu beachten?

Besonders bei Kleinkindern sollten die empfohlenen Tagesdosen eingehalten werden, um eine Fluoridvergiftung zu vermeiden. Säuglinge, die eine ausgewogene Fertignahrung erhalten, benötigen in der Regel keine zusätzliche Gabe von Fluoridtabletten.

Generell sollte darauf geachtet werden, Fluorid nur über einen systemischen Weg aufzunehmen, d.h. entweder durch fluoridiertes Kochsalz oder Mineralwasser mit zugesetztem Natriumfluorid.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Fluorid

Fluoridhaltige Produkte sind nicht grundsätzlich apothekenpflichtig. So kann beispielsweise mit Natriumfluorid angereichertes Mineralwasser oder Zahnpasta im Supermarkt oder der Drogerie ohne Einschränkungen gekauft werden.

Einige Spezialprodukte wie Fluorid-Gels oder Tabletten sind auch in der Apotheke erhältlich. Ein Rezept ist für den Kauf nicht erforderlich.


Geschichte

Seit wann ist Fluorid bekannt?

Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts fanden Wissenschaftler heraus, dass in menschlichen Zähnen Fluoride vorhanden sind. Im Mineralwasser konnte Fluorid 1823 identifiziert werden.

Kurze Zeit später, im Jahr 1850, nahmen Forscher bereits an, dass Zahnschmelz, der mit Fluorid behandelt wurde, weniger empfindlich gegenüber Säure reagiert und Fluorid somit erfolgreich Karies verhindern kann.

Seit 1874 wird die Verwendung von Fluorid zur Kariesvorsorge empfohlen.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

In äußerst seltenen Fällen kann Fluorid allergische Reaktionen auslösen. In diesem Fall sollte sofort ein Arzt oder Apotheker aufgesucht werden.

Die empfohlene Tagesdosis an Fluorid sollte nicht überschritten werden. Bei Kleinkindern kann eine Überdosierung unter Umständen zu einer Fluoridvergiftung führen.

Zur lokalen Benutzung fluoridhaltiger Zahnpflege sollte nur eine Art der systemischen Anwendung gleichzeitig erfolgen, um eine Überdosierung zu vermeiden.


Quellen

  • Burgerstein L: Handbuch Nährstoffe. Vorbeugen und heilen durch ausgewogene Ernährung: Alles über Spurenelemente, Vitamine und Mineralstoffe. Trias, Stuttgart 2012.
  • Schek A: Ernährungslehre kompakt. Kompendium der Ernährungslehre für Studierende der Ernährungswissenschaft, Medizin und Naturwissenschaften und zur Ausbildung von Ernährungsfachkräften. Umschau Zeitschriftenverlag, Frankfurt am Main 2002.
  • Elmadfa I: Ernährungslehre. UTB, Stuttgart 2004.

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