EMDR – Eye Movement Desensitization and Reprocessing

EMDR – Verarbeitung und Desensibilisierung mithilfe von Augenbewegungen

EMDR

Traumata können mit Hilfe von EMDR behandelt werden

EMDR ist die Abkürzung für „Eye Movement Desensitization and Reprocessing“ was auf Deutsch so viel wie „Desensibilisierung und Verarbeitung mithilfe von Augenbewegungen“ bedeutet.

Dabei handelt es sich um eine Therapie zur Behandlung von Traumata, die von Dr. Francine Shapiro entwickelt wurde.

Die Wirksamkeit dieser Psychotherapie wurde bereits durch mehrere Wissenschaftliche Studien belegt.

EMDR eignet sich sowohl für Erwachsene ALS auch für Kinder. In folgendem Ratgeber informieren wir Sie ausführlich zum Thema EMDR.

Was ist EMDR?

Eye
Movement
Desensitization
Reprocessing

Zu Deutsch in etwa:

Desensibilisierung und Aufarbeitung mithilfe von Augenbewegungen.

 

EMDR ist eine international anerkannte Form der Psychotherapie zur Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen. Charakterisierend für die Therapie sind die typischen Handbewegungen des Therapeuten, denen der Patient mit den Augen folgen soll. Allerdings sind dafür erst einmal eingehende Gespräche zwischen Therapeuten und Patienten wichtig.

EMDR ist eine Traumatherapie, die relativ jung aber sehr gut erforscht ist und vor allem zur Behandlung von traumatischen Erlebnissen eingesetzt wird.

So ist zum Beispiel wissenschaftlich nachgewiesen worden, dass EMDR deutlich schneller Wirkung zeigt, als vergleichbare Therapien. Eine verhaltenstherapeutische Methode benötigt etwa 50 % mehr Sitzungen, um die gleichen Erfolge zu erzielen.

Ursprung & Entwicklung:

Die US-Amerikanische Doktorin Francine Shapiro kam bei einem Spaziergang in einem Park auf die Idee, dass bestimmte Augenbewegungen zu Therapiezwecken eingesetzt werden könnten. Nachdem bei ihr eine Krebserkrankung diagnostiziert wurde, litt sie unter depressiven Gedanken und Ängsten. Während ihres Spaziergangs bewegte sie jedoch ihre Augen nach links und rechts und spürte dabei eine enorme psychische Entlastung.

Die Einführung von EMDR in Deutschland

In Deutschland wurde die EMDR-Behandlung von Arne Hofmann im Jahr 1991 eingeführt. Dieser war der erste, durch Francine Shapiro zertifizierte Ausbilder Europas.

Im Jahr 1995 wurde dann das allererste Ausbildungsseminar für Ärzte und Psychologen in deutscher Sprache veranstaltet. Es fand im EMDR-Institut in Berglisch Gladbach statt.

EMDRIA e. V., die erste anerkannte Fachgesellschaft Deutschlands gründete sich 1999 in Bielefeld. Heute ist EMDRIA bundesweit mit zertifizierten Therapeuten vernetzt und hat etwa 2000 Mitglieder. Zu den wichtigsten Aufgaben Vereins zählen die Etablierung von hohen Qualitätsstandards für die Anwendung und die Ausbildung von EMDR. Darüber hinaus engagiert sich EMDRIA für das Informieren der Öffentlichkeit über die positiven Wirkungen von EMDR sowie für die Anerkennung und Verbreitung dieser Methode in Deutschland.

Im Jahr 2014 wurde die Behandlungsmethode durch den Bundesausschuss offiziell in die Psychotherapierichtlinien Deutschlands aufgenommen. Schließlich wurde EMDR im Jahr 2015 von den gesetzlichen Krankenkassen in den Leistungskatalog aufgenommen.

 

Funktion, Wirkung & Ziele – Behandlungen & Therapien

Ziel der EMDR-Therapie ist es, die negativen Erinnerungen eines Traumas möglichst aufzulösen und sie mit positiven Gedanken zu verbinden. Trauma-Patienten können oft nicht über das Erlebte reden.

Es wird davon ausgegangen, dass die Erinnerungen an das Trauma so abgespeichert werden, dass sie den Patienten belasten, sein Sprachzentrum jedoch aktiv unterdrücken (der sog. „Speechless Terror“; zu Deutsch ca.: „Das sprachlose Entsetzen“). Da der Patient kaum über das Erlebte reden kann, ist es ihm auch nicht möglich, es zu verarbeiten. Hinzu kommen unbewusste negative Assoziationen, die den Alltag enorm erschweren können.

Bei der Therapie wird der Patient mit dem Trauma konfrontiert, während er bestimmte Augenbewegungen durchführen muss.

Dadurch kommt es zu einer Synchronisation von beiden Gehirnhälften beziehungsweise zu einer neuen Organisation der Erinnerungen an das Trauma. Das ist auf die sogenannte bilaterale Stimulation, also die intensive Stimulierung der Hirnhälften, zurückzuführen. Neben den Augenbewegungen kann diese Stimulation auch über Töne oder kurze Berührungen erfolgen.

Möglicherweise funktioniert EMDR ähnlich wie die erhöhte Verarbeitung während des Schlafens, bei denen es auch zu starken Augenbewegungen kommt.

Durchführung & Wirkungsweise:

  1. Phase: Anamnese und Planung

In der ersten Phase, also vor der eigentlichen EMDR-Sitzung, wird die Leidensgeschichte des Patienten mittels einer Anamnese erhoben. In dieser Phase wird außerdem zusammen mit dem Patienten ein Behandlungsplan aufgestellt. Hierbei ist es auch wichtig, dass der Patient ausführlich über die Methode informiert wird.

  1. Phase: Vorbereitung und Stabilisierung

Die zweite Phase dient der Vorbereitung des Patienten. Es werden sogenannte Stabilisierungs-Techniken eingeübt. Das ist sehr wichtig, da die folgende EMDR-Therapie äußerst belastend für den Patienten sein kann. Hierbei wird ein individuell positives Erlebnis gefunden und etabliert. Das kann zum Beispiel ein Ort sein, an dem der Patient sich sicher fühlt. Bei diesem Schritt handelt es sich um eine Vorsichtsmaßnahme. Ist die Behandlung also zu belastend für den Patienten, kann sie mithilfe der positiven Erfahrung abgebrochen werden.

In dieser Phase sollte die positive Erinnerung so stark etabliert werden, dass der Patient sie ab nun an stets und unabhängig von den Sitzungen nutzen kann. So kann der Traumapatient sich auch im Alltag vor der traumatischen Belastung schützen.

  1. Phase: Das Trauma bewerten

In der dritten Phase wird die belastende Situation bzw. das Trauma bewertet. Hier wird also geschaut, welches Erlebnis den Patienten belastet und was für ihn der schlimmste Moment in dem Geschehenen ist. Außerdem wird das Gefühl bzw. der Gedanke erarbeitet, den der Patient damit verknüpft.

Diese negative Selbstüberzeugung (z. B. „ich fühle mich hilflos“) in Bezug auf das Erlebte wird dann anhand einer Skala bewertet. In dieser Phase wird aber auch eine positive Selbstüberzeugung (z. B. „ich kann etwas ändern“) entwickelt, die anhand einer Skala bewertet wird.

  1. Phase: Desensibilisierung und Verarbeitung

Die vierte Phase umfasst das, was die meisten Menschen mit EMDR verbinden. Erst jetzt wird die typische Handbewegung durchgeführt, der der Patient mit den Augen folgen soll. Das ist also die Phase der eigentlichen Verarbeitung.

Diese Phase dauert in der Regel etwa 40 bis 45 Minuten an. Der Patient versetzt sich hierbei gedanklich und gefühlstechnisch in die belastende Situation. Meist wird dafür ein Standbild des Erlebten genutzt, das vorher erarbeitet wurde. Der Patient hält dafür den Kopf ruhig und verfolgt lediglich mit den Augen den Handbewegungen, die der Therapeut durchführt.

Diese sogenannte beschleunigte Informationsverarbeitung führt zu einem Sinken des Belastungsniveaus.

  1. Phase: Die Verankerung

In der fünften Phase kann die positive Einstellung verankert werden. Insofern die vorherige Phase erfolgreich verlaufen ist, ist eine Entlastung eingetreten. Dadurch können nun der positive Gedanke und das positive Gefühl verankert werden.

  1. Phase: Den Körper testen

Belastende Erinnerungen setzen sich stets im Körper fest. Selbst wenn der Patient vom Kopf her ein positives Gefühl hat, ist es sehr oft so, dass der Körper trotzdem eine negative Verbindung herstellt. Daher ist auch die sechste Phase sehr wichtig.

Hierbei wird geprüft, inwiefern das Belastungsniveau gesunken ist. Mithilfe von Tests können demnach Veränderungen der Körpererfahrungen festgestellt werden. Durch die Therapie sollten alle mit dem Trauma verbundenen Missempfindungen vom Patienten weniger belastend erlebt werden.

  1. Phase: Der Abschluss

Gemessen an den Ergebnissen der 6. Phase wird nun das zukünftige Vorgehen besprochen und geplant. Therapeut und Patient beurteilen also gemeinsam vergangene und anstehende Sitzungen. Außerdem wird dargelegt, wie sich der Patient zu verhalten hat, wenn die belastenden Erinnerungen auftreten.

In einer Nachbefragung wird nochmals die vorangegangene EMDR-Sitzung reflektiert. Hier wird gefragt, wie der Patient die Sitzung überstanden hat, wie es ihm in der Zwischenzeit dadurch ergangen ist und ob das Trauma immer noch besteht.

Hilft gegen:

  • posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS)
  • Belastende Erfahrungen
  • Trauer aufgrund von Verlusten
  • Die Folgen einer Bindungstraumatisierung
  • Verhaltens- und Entwicklungsstörungen bei Kindern
  • Panik- und Angststörungen
  • Depressionen
  • Chronische Schmerzen
  • Phantomschmerzen
  • Psychosomatische Erschöpfungssyndrome (z. B. Burn-Out-Syndrom)
  • Substanzungebundene Abhängigkeit (insbesondere im Zusammenhand mit einem Trauma)

EMDR zeigt primär bei PTBS und anderen Folgen eines Traumas eine herausragende Wirkung. Es wird aber auch erfolgreich bei Angst- und Panikzuständen, Depressionen oder Entwicklungsstörungen bei Kindern eingesetzt.

Neue wissenschaftliche Studien belegen zudem, dass EMDR bei der Behandlung von Alkoholabhängigkeit und Phantomschmerzen wirksam ist. Die Therapie hilft generell vor allem dann, wenn die Störbilder durch ein belastendes Lebensereignis verursacht worden ist.

Diagnose & Untersuchungsmethoden

Die Diagnose spielt bei EMDR eine sehr wichtige Rolle. Damit die eigentliche Therapie stattfinden kann, ist es nämlich notwendig, das am stärksten belastende Erlebnis zu identifizieren. Außerdem müssen mögliche Kontraindikationen (Gegenanzeigen), Risiken und Nebenwirkungen weitestgehend ausgeschlossen werden können. Das ist wichtig, da der Patient während der Behandlung direkt mit den belastenden Erlebnissen konfrontiert wird.

Ohne ausführliche Diagnose kann es somit zu einer Verschlimmerung des Trauma-Erlebnisses kommen. Aus diesem Grund besteht die Therapie auch zu einem sehr großen Teil aus ausführlichen Gesprächen zwischen Therapeut und Patienten.

Risiken & Nebenwirkungen:

  • Starke Belastung durch das erneute Durchleben des Traumas
  • Ausbleiben der gewünschten Besserung
  • Anstieg des Belastungsniveaus bei einer längeren Behandlung

Wie auch bei allen anderen Arten der Psychotherapie, so ist auch bei EMDR eine zeitweilige Verschlimmerung der Belastung möglich. EMDR sollte daher stets mit großer Vorsicht und in bestimmten Situationen (s. Gegenanzeigen und Wechselwirkungen) gar nicht ausgeübt werden.

Behandlung Verhaltenstherapie, EMDR

Durch die Therapie ist auch eine (kurzzeitige) Verschlechterung des Traumas möglich.

Der Patient wird während der Behandlung nämlich mit dem Trauma konfrontiert. Bei falscher Durchführung kann es daher zu einer stärkeren Verankerung und dadurch zu einem Anstieg des Belastungsniveaus kommen.

Die EMDR-Therapie bedarf außerdem sehr viel Zeit. Um Erfolge erzielen zu können, sind ein Beziehungsaufbau, eine Vorbereitung und die Stabilisierung des Patienten unabdingbar. Allerdings benötigen vergleichbare Therapien zur Traumabehandlung wissenschaftlich nachgewiesen noch mehr Zeit, um die gleichen Erfolge zu erzielen.

Der Therapeut sollte den Patienten idealerweise schon länger kennen. Er sollte nicht nur Kenntnisse zum Trauma (Vergangenheit) sondern auch zu den daraus resultierten Verhaltungsstörungen (Gegenwart) und den verfälschten Erwartungen (Zukunft) haben. Bei einem sorgfältigen Behandlungsaufbau werden all diese Punkte berücksichtigt.

Gegenanzeigen & Wechselwirkungen:

  • Bestimmten Augenerkrankungen (vor allem Veränderungen vom Augeninnendruck oder Netzhauterkrankungen)
  • Psychotische Syndrome
  • Borderline
  • Hirnorganische Krankheiten

Unser Fazit:

EMDR zählt nachgewiesenermaßen zu den effektivsten Methoden zur Behandlung eines Traumas. Durch die Neuorganisation der Erinnerungen und die Verknüpfung der Hirnhälften können die Patienten das Erlebte verarbeiten, ihr Belastungsniveau sinken oder gar das Trauma komplett auflösen.

Da es sich bei EMDR um eine relativ neue Behandlungsmethode handelt und immer mehr Studien weitere Anwendungsmöglichkeiten bestätigen, ist zu erwarten, dass die Therapie sich in Zukunft auch zur Behandlung weiterer psychischer Erkrankungen etabliert.


EMDR ist eine psychotherapeutische Methode zur Behandlung von psychischen Traumata, PTBS (Posttraumatische Belastungsstörungen) bei Erwachsenen und Kindern, Ängsten, Phobien, Panikstörungen, psychosomatischen Störungen und chronischen Schmerzzuständen.

EMDR eignet sich auch zur Anwendung und Unterstützung bei – starker Trauer – Problemen mit der Bewältigung einer Krankheit – Süchten – Bewältigung von Unfallfolgen – Konzentrationsstörungen – gewünschten Verhaltensänderungen (sexuellen)

Die Liste ist nicht vollständig. Den Namen erhielt die Methode durch eine Entdeckung der Psychotherapeutin Francine Shapiro. Unter dem Eindruck von heftigen Emotionen, Gedanken etc. kann durch schnelle, rhythmische Augenbewegungen (Eye Movement) die Desensibilisierung (Desensitization) und die prozessuale Verarbeitung (Reprocessing) dieser psychischen Belastungen extrem beschleunigt werden.

Die Augenbewegungen bei der sogenannten REM-Phase (Rapid Eye Movement) im Schlaf erfüllen möglicherweise ähnliche Zwecke. Augenbewegungen sind allerdings nur eine Möglichkeit der bilateralen (zweiseitigen) Stimulation. Möglich sind auch taktile oder auditive Reize, also z.B. wechselseitiges, rhythmisches Beklopfen der Oberschenkel oder akustische Signale im Rechts-Links-Wechsel. Belastende Ereignisse der Vergangenheit werden dabei nicht aus dem Gedächtnis gelöscht, sondern in einen neuen Zusammenhang gestellt.

So kann z.B. die bei einem Trauma empfundene Hilflosigkeit und Verzweiflung, die bei einer posttraumatischen Störung auch die Gegenwart überschatten kann, umgewandelt werden in das Bewusstsein der jetzigen Stärke und das Gefühl der Zuversicht. Die moderne Hirnforschung konnte zeigen, dass bei diesen Prozessen alte – belastende – neuronale Netzwerke in neue – stärkende – neuronale Netzwerke eingebunden werden. Um es mit dem Computer zu vergleichen: der Arbeitsspeicher wird wieder frei. Wir haben wieder Zugriff auf alle Programme und Ressourcen, die nicht länger von dem belastenden Material blockiert und ausgebremst werden. Ähnlich wie bei der Meridian-Energie-Technik geschehen diese Veränderungen auf überraschend schnelle Weise. Dysfunktionen.

Eine EMDR-Behandlung gliedert sich üblicherweise in die 8 Schritte

1. Anamnese
2. Stabilisierung mit Auskundschaften der vorhandenen Ressourcen
3. Bewertung der subjektiv empfundenen Belastung der negativen und der positiven Kognition
4. Desensibilisierung und Reprocessing mit Hilfe der bilateralen Stimulation (Augenbewegungen …)
5. Überprüfung der Bewertung und Verankern der positiven Kognition
6. Körpertest (Bodyscan)
7. Abschluss mit Hinweisen auf die möglichen Abläufe und Prozesse nach der Behandlungssitzung
8. Überprüfung in der nächsten Sitzung.

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