Cystatin C

Auch bekannt als: Creatinin, Creatinin-Clearance, glomeruläre Filtrationsrate (gfr), geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR), Mikroalbumin, Urin-Proteine
Bezeichnung: Cystatin C 
Ähnliche Tests: KreatininCreatinin ClearanceeGFR , gfr, Mikroalbumin

Auf einen Blick

Warum wird Cystatin C untersucht?

Es handelt sich um einen neuen Test zur Einschätzung der Nierenfunktion.

Bei welchen Erkrankungen sollte Cystatin C untersucht werden?
In bestimmten Situationen kann die Abschätzung der Nierenfunktion mit den etablierten Parametern wie Kreatinin und Harnstoff zu ungenauen Ergebnissen führen. Einige Studien legen daher nahe, dass eine Bestimmung von Cystatin C bei Symptomen einer Nierenfehlfunktion und/oder Erkrankungen, die bekannterweise die Nierenfunktion beeinflussen, sinnvoll wäre.

Aus welchem Probenmaterial wird Cystatin C durchgeführt?
Aus einer Blutprobe aus einer Armvene.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Cystatin C ist ein Cystein-Proteinase-Inhibitor, ein kleines Molekül, das von kernhaltigen Zellen (also Zellen, die Chromosomen und genetisches Material in ihrem Kern enthalten; dies trifft auf die meisten Zellen des Körpers zu) produziert wird. Dieses Molekül wird in einer konstanten Menge produziert und findet sich in einer Vielzahl der Körpersäfte, wie zum Beispiel im Serum, im Nervenwasser und in der Muttermilch.

Das Cystatin C wird im Glomerulus (die funktionelle Einheit der Nieren, die Wasser, lösliche Stoffe und Abfallstoffe durch ihre Wand treten lassen, während sie größere Proteine (Eiweiße) und Blutbestandteile zurückhalten) aus dem Blut gefiltert.

Die Flüssigkeit, die durch die Gefäßwände tritt, bildet das so genannte Filtrat. Der Körper resorbiert das Cystatin C, Glukose und einige andere Stoffe aus dem Filtrat, während die Abfallstoffe mit der restlichen Flüssigkeit in die Blase transportiert und schließlich mit dem Urin ausgeschieden werden. Die Menge abfiltrierte Flüssigkeit, die pro Zeiteingebildet wird, bezeichnet man als glomeruläre Filtrationsrate (gfr).

Die gfr kann auf verschiedene Art und Weise bestimmt werden und dient dem Arzt zur Beurteilung der Nierenfunktion. Die bisher verbreitetste Methode zur Bestimmung der gfr die Messung Creatinin-Clearance, ein Test, der die Konzentration des Kreatinins im Blut mit der Kreatininkonzentration in einem 24 Stunden Sammelurin vergleicht. Dieses Verfahren ist theoretisch präzise, bedeutet aber für den Patienten einen sehr hohen Aufwand und die notwendige Urinsammlung über 24 h ist in der Praxis nur selten richtig durchführbar. Heutzutage tritt diese Bestimmung daher zunehmend in den Hintergrund. Empfohlen wird die Messung des Kreatinins und des Harnstoffes und des Albumins im Serum, verbunden mit Informationen über Geschlecht, Alter, Gewicht und Rassenzugehörigkeit zur Berechnung der zu erwartenden gfr (EGFR) mit Hilfe verschiedener Formeln. Diese EGFR ist besser als die Kreatininbestimmung, sie zeigt aber bei bestimmten Patienten Abweichungen zur tatsächlichen gfr.

Das Cystatin C steigt bei einem Abfall der gfr; hohe Spiegel zeigen somit eine verminderte gfr an.

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?
Aus einer Blutprobe aus einer Armvene.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Cystatin C kann alternativ zu Kreatinin und der Kreatinin-Clearance zur Überprüfung und Überwachung einer Nierenfehlfunktion bei bekannter oder vermuteter Nierenerkrankung eingesetzt werden. Besonders zur Früherkennung einer sinkenden Nierenfunktion (gemessen durch die EGFR) und bei Problemen mit der Kreatininmessung kann diese neue Methode sinnvoll sein: zum Beispiel bei Patienten mit Leberzirrhose, hohem Übergewicht, Mangelernährung oder sehr geringer Muskelmasse (Kreatinin wird in den Muskeln hergestellt).

Wann könnte der Test sinnvoll sein?
Cystatin C wird bisher noch nicht verbreitet eingesetzt oder akzeptiert, aber es kann bei einem Verdacht auf Erkrankungen, die potentiell die Nierenfunktion und die gfr beeinflussen, angefordert werden. Der behandelnde Arzt kann Cystatin C bestimmen, wenn er ein frühes Stadium einer Nierenfunktionstörung vermutet und/oder eine bekannte Einschränkung der Nierenleistung im zeitlichen Verlauf überwachen will.

Das frühe Stadium einer Nierenfehlfunktion muss nicht unbedingt mit erhöhten Kreatininspiegeln oder Symptomen einhergehen. Sollte der behandelnde Arzt mit dem Untersuchungsergebnis des Kreatinin-Tests nicht zufrieden sein, oder meinen, die gfr mit einer anderen Methode besser erfassen zu können, kann er Cyststin C als Alternative anfordern.

Was bedeutet das Testergebnis?
Der behandelnde Arzt wird das Ergebnis auf erhöhte Cystatin C-Werte überprüfen. Ein hoher Cystatin-Wert im Serum geht mit einer niedrigen gfr und Nierenfunktion einher. Da das Cystatin C im Körper in einer konstanten Menge hergestellt und durch die glomeruläre Filtration entfernt wird (und nachfolgend in anderen Teilen der Niere abgebaut wird), sollte im Körper dadurch ein gleichmäßiger Spiegel erhalten bleiben, wenn die Nieren effektiv arbeiten und die gfr normal ist.

Cystatin C kann auch durch maligne und Rheumatische Erkrankungen sowie manche Medikamente beeinflußt werden: genannte Erkrankungen und Corticoidsteroide erhöhen den Wert, wohingegen Cyclosporin ihn senkt. Der Wert wird aber im Allgemeinen nicht durch andere MedikamenteInfektionen, Ernährung, Entzündungen oder die Tumorlast (die Menge an Krebszellen im Körper eines Patienten) verändert. Er wird auch nicht durch Geschlecht, Alter (ausgenommen bei ganz jungen und sehr alten) oder Rassenzugehörigkeit beeinflußt.

Gibt es weiteres, das ich wissen sollte?
Da Cystatin C erst seit kurzer Zeit kommerziell eingesetzt und noch immer kontrovers betrachtet wird, ist die Zahl der Laboratorien, die diese Untersuchung durchführen, begrenzt. So kann die Zeit bis zur Übermittlung des Ergebnisses länger dauern als bei weit verfügbaren Tests.


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

Bei Raumtemperatur 1 Woche stabil.

Referenzbereich
Als Anhalt gelten 0,5-1,2 mg/dl beim Erwachsenen.

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
Aufgrund der Bestimmung durch Nephelometrie bzw. Turbidimetrie stören Lipämie aber auch Hämolyse, Bilirubin und Rheumafaktoren.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Cystatin C unterliegt nicht der Rilbaek, die Teilnahme an Ringversuchen ist möglich.


Häufige Fragen

Kann Cystatin C im Urin gemessen werden?

Nein. Anders als das Kreatinin wird Cystatin C aus dem glomerulären Filtrat rückresorbiert und in den Nieren verstoffwechselt. Unter normalen Umständen kommt Cystatin C nicht in nachweisbaren Mengen im ausgeschiedenen Urin vor.

Kann Cystatin C für andere Untersuchungen außer für die gfr verwendet werden?

Forscher suchen nach anderen Anwendungsgebieten für das Cystatin C und es kann sein, dass sich seine Bandbreite noch ausweitet. Bisher wurde es, abgesehen von der Nierenfunktion, mit der Hyperhomocysteinämie (oft bei nierentransplantierten Patienten) in Verbindung gebracht und ein Anstieg mit fortschreitender Lebererkrankung beobachtet. Wenigstens eine Studie verglich die Cystatin C-Spiegel im Serum mit dem Auftreten eines Pleuraergusses (einer Flüssigkeitansammlung, die sich in den Lungen bei einer Vielzahl von Krankheitsbildern bildet), um die Ursache der Flüssigkeitsansammlung zu bestimmen. Dieser Zusammenhang kann sich unter Umständen als klinisch hilfreich erweisen.

Auf welche andere Art kann die gfr bestimmt werden?
Die gfr kann nicht direkt gemessen werden. Die beste Methode eine Abschätzung der gfr (EGFR) zu erhalten, stellt die so genannte Inulin-Clearance dar. Diese wird aber aufgrund der Aufwendigkeit und der Kosten nicht routinemäßig durchgeführt. Diese Untersuchung setzt das Verabreichen von Flüssigkeiten über die Venen (IV=intravenös) und die Sammlung des Urins über Stunden nach vorgebenenem Zeitschemata fest. Andere Clearance-Untersuchungsmethoden setzten radioaktive Marker ein und erlauben ähnliche Rückschlüsse.

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