Bilirubin

Auch bekannt als:

Gesamt-Bilirubin, neonatales Bilirubin, direktes Bilirubin (konjugiertes Bilirubin), indirektes Bilirubin (unkonjugiertes Bilirubin)
Bezeichnung: Bilirubin
Ähnliche Tests: Laboruntersuchungen der Leber, ggt


Auf einen Blick

Warum wird Bilirubin untersucht?

Zur Suche nach oder Überwachung von Lebererkrankungen oder Hämolytischen Anämien

Bei welchen Erkrankungen sollte Bilirubin untersucht werden?
Bei Verdacht auf Leberschäden, Lebererkrankungen, Verschluß der Gallengänge, hämolytischer Anämie oder leberabhängigen metabolischen Störungen

Aus welchem Probenmaterial wird die Bilirubin-Untersuchung durchgeführt?
Bei Erwachsenen aus einer Blutprobe aus einer Armvene;
Bei Neugeborenen aus einer Blutprobe aus einem Stich in die Ferse

V.a. auf Neugeborenenstationen, in Kinderkliniken und einigen Kinderärzten ist eine nicht-invasive Technik zur Messung des Bilirubins (durch das Aufsetzen eines Instruments auf die Haut = transkutanes Bilirubinmeter) verfügbar. Diese Methode kann bei Neugeborenen und Kleinkindern, die noch wenig andere Pigmente in der Haut haben ebenfalls gute Ergebnisse liefern. Bei Erwachsenen ist die Messung durch Farbpigmente in der Haut gestört.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Das Bilirubin ist ein Orange-gelbes Pigment, das sich in der Galle findet. Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) zersetzen sich normalerweise nach 120 Tagen Zirkulation im Blutkreislauf. Zu dieser Zeit wird ein Bestandteil der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), das Hämoglobin (das rote Pigment der Erythrozyten, das den Sauerstoff in das Gewebe transportiert), zu Bilirubin abgebaut. Annährend 250 bis 350 mg Bilirubin werden täglich im Körper eines normalen, gesunden Erwachsenen gebildet, wovon 85% aus zerstörten oder alten „toten“ Erythrozyten stammt und die restliche Menge aus dem Knochenmark oder der Leber.

Unkonjugiertes Bilirubin wird in die Leber transportiert, wo Zuckermoleküle angehängt werden; dadurch entsteht konjugiertes Bilirubin. Dieses konjugierte Bilirubin wird von der Leber an die Galle abgegeben, durch Bakterien im Dünndarm weiterabgebaut und schließlich mit dem Fäzes (Stuhlgang) ausgeschieden, der seine charakteristische Farbe durch die Abbauprodukte des Bilirubins erhält. Eine bestimmt Menge Galle wird in der Gallenblase gespeichert. Steigen die Bilirubinspiegel an, wird dies als Ikterus (Gelbsucht) auffällig. Normalerweise ist fast der gesamte Anteil an Bilirubin im Blut unkonjugiert.

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?
Bei Neugeborenen wird die Blutprobe oft mittels eines Stiches in die Ferse gewonnen, einer Technik, bei der mit einer kleinen scharfen Klinge in die Haut der Ferse geschnitten und eine kleine Menge Blut in ein kleines Behältnis aufgesammelt wird. Bei Erwachsenen wird die Blutprobe normalerweise aus einer Armvene entnommen.

In einigen Neugeborenenstationen, in Kinderkliniken und einigen Kinderärzten ist eine nicht-invasive Technik zur Messung des Bilirubins (durch das Aufsetzen eines Instruments auf die Haut = transkutanes Bilirubinmeter) verfügbar.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Sind die Bilirubinspiegel hoch, tritt Ikterus (Gelbsucht) auf und weitere Untersuchungen zur Ursachenaufklärung werden erforderlich. Zu viel Bilirubin kann bedeuten, dass zu viel anfällt (gewöhnlich durch eine erhöhte Zerstörung von roten Blutkörperchen (Hämolyse) oder einer inadäquaten Entfernung des Bilirubins aus der Leber (durch einen Verschluß des Gallenganges, Lebererkrankungen (wie Zirrhose oder akuter Hepatitis) oder Erbkrankheiten, die den Bilirubinstoffwechsel betreffen).

Hohe Bilirubinspiegel sind bei Neugeborenen im Alter von 1-3 Tagen nicht ungewöhnlich und führen zur sogenanten physiologischen Gelbsucht oder auch Neugeborenenikterus genannt. In den ersten 24 Lebensstunden weisen bis zu 50% der zeitgemäß geborenen Säuglinge und ein sogar noch größerer Anteil der Frühgeborenen erhöhte Bilirubinspiegel auf. Dies ist dadurch bedingt, dass die Leber des Neugeborenen zum Zeitpunkt der Geburt nicht voll ausgereift ist und die Fähigkeit, das Bilirubin so gut wie erwünscht zu verarbeiten, noch nicht ganz erfüllen kann. Dies gibt sich im Verlauf einiger Tage von selbst. In anderen Fällen können die Erythrozyten (roten Blutkörperchen) des Neugeborenen auch durch Blutunverträglichkeiten zwischen der Mutter und dem Kind zerstört werden, was man als hämolytischen Neugeborenenikterus bezeichnet.

Bei Erwachsenen oder älteren Kindern wird Bilirubin zur Diagnose und/oder Überwachung von Lebererkrankungen wie Zirrhose, Hepatitis oder Gallensteinen eingesetzt. Bei Patienten mit Sichelzellanämie oder anderen hämolytischen Anämien können Episoden mit massiver Erythrozytenzerstörung auftreten, wodurch die Bilirubinspiegel deutlich ansteigen.

Wann könnte der Test sinnvoll sein?
Der behandelnde Arzt fordert bei Patienten mit Anzeichen einer veränderten Leberfunktion oder bei Verdacht auf eine hämolytische Anämie den Bilirubin-Wert zusammen mit anderen Laboruntersuchungen (Alkalische Phosphatase, Aspartat-Aminotranferase, Alanin-Aminotransferase, ldh, freies Hämoglobin, Haptoglobin) an. Der Bilirubinspiegel kann auch bei Anzeichen eines Ikterus (Gelbsucht; einer Gelbfärbung der Augen oder Haut), einer Vorgeschichte von Alkoholmißbrauch, Verdacht auf Medikamentenvergiftung oder einer Hepatitisvirus-Exposition veranlaßt werden. Andere Symptome, die auftreten können, beinhalten dunklen, braunen Urin, Übelkeit/Erbrechen oder Bauchschmerzen oder Schwellung des Bauchumfanges. Müdigkeit und allgemeines Mißempfinden begleiten oft chronische Lebererkrankungen. Die Messung des Bilirubinspiegels bei Neugeborenen wird zur medizinischen Standardversorgung gerechnet.

Was bedeutet das Testergebnis?
Neugeborene:

Hohe Bilirubinspiegel schädigen bei Säuglingen Gehirnzellen und können so zu einer geistigen Retardierung, physischen Fehlbildungen oder Blindheit führen. Es ist also wichtig, dass das Bilirubin nicht zu hoch steigt. Übersteigt der Bilirubinwert einen kritischen Grenzwert, müssen spezifische Maßnahmen ergriffen werden, um den Spiegel wieder zu senken. Ein stark erhöhtes Bilirubin kann durch eine massive Zerstörung der roten Blutkörperchen als Folge einer Rhesusunverträglichkeit (die Mutter ist Rh negativ (RH-), der Vater RH positiv (RH+) und der Fötus ebenfalls RH+; die Mutter entwickelt Antikörper gegen die Erythrozyten des Neugeborenen, welche durch diese Reaktion zerstört werden.) auftreten.

Erwachsene und Kinder:
Der Bilirubinwert kann bei der Diagnose von Leberschäden/-erkrankungen und der Überwachung des Verlaufs eines Ikterus (Gelbsucht) helfen. Ist das konjugierte Bilirubin erhöht, kann eine Art von Blockade in den Leber- oder Gallengängen, eine Hepatitis, ein Lebertrauma, eine Medikamentenwirkung oder lange währender Alkoholkonsum als Ursache vorliegen. Erbkrankheiten (Gilbert-Meulengracht-, Rotor-, Dubin-Johnson-, Crigler-Nijjar-Syndrom), die einen veränderten Bilirubinstoffwechsel zur Folge haben, können auch zu erhöhten Werten führen.

Gibt es weiteres, das ich wissen sollte?
Obwohl Bilirubin bei Neugeborenen toxisch auf die Gehirnentwicklung wirkt (bis zu einem Alter von 2-4 Wochen), birgt das Bilirubin bei älteren Kindern und Erwachsenen nicht dieselbe Gefahr. Erhöhte Bilirubinspiegel deuten allerdings auf Krankheitsbilder hin, die dringend untersucht und behandelt werden sollten.

Der Bilirubinspiegel scheint bei Männern etwas höher als bei Frauen zu sein, während Amerikaner afrikanischer Herkunft niedrigere Werte aufweisen. Auch Große Anstrengung kann das Bilirubin anheben.


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

Bei Raumtemperatur ist die Probe für 1 Tag stabil, bei Lagerung bei 4°C für 7 Tage und bei -20°C ist die Probe für 6 Monate stabil.

Referenzbereich
Erwachsene (Gesamtbilirubin):Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
Die Probe muss im Dunkeln aufbewahrt werden (> 8 h Lagerung).

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Bilirubin gehört zu den RILIBÄK-pflichtigen Parametern. Die analytischen Qualitätskriterinen für die maximal zulässige Unpräzision und Unrichtigkeit sowie für die maximal zulässige Abweichung des Einzelwerts müssen daher den Richtlinien der Bundesärztekammer entsprechen.


Häufige Fragen

Besteht bei manchen Menschen ein höheres genetisches Risiko für veränderte Bilirubinspiegel?

Verschiedene ererbte chronische Krankheitsbilder wie das Gilbert-Meulengracht-Syndrom, Dubin-Johnson-Syndrom, Rotor-Syndrom und das Crigler-Najjar-Syndrom bringen ein erhöhtes Risiko mit sich. Das Crigler-Najjar-Syndrom hat von diesen vier Syndromen die ernsthaftesten Auswirkungen und kann zum Tod führen. Die anderen drei verlaufen gewöhnlich als milde, chronische Krankheitszustände, die sich unter gewissen Umständen verschlimmern können, im Allgemeinen aber keine wesentlichen Gesundheitsprobleme verursachen.

Wie werden normabweichende Bilirubinspiegel und/oder Gelbsucht behandelt?
Die Behandlung hängt von der Ursache der Gelbsucht ab. Bei Neugeborenen können Phototherapie (spezielle Lichttherapie), Blutaustauschtranfusionen (in schweren Fällen) und bestimmt Medikamente den Bilirubinspiegel senken. Beim Gilbert-, Rotor- und Dubin-Johnson-Syndrom ist gewöhnlich keine Behandlung notwendig. Das Crigler-Najjar-Syndrom reagiert unter Umständen auf eine bestimmte Enzymtherapie oder erfordert eine Lebertransplantation. Eine Gelbsucht, die durch einen Verschluß verursacht wird, kann oft durch eine chirurgische Entfernung der Blockade behandelt werden. Gelbsucht, die aufgrund einer Zirrhose besteht, ist meist Resultat eines langzeitigen Alkoholmißbrauchs und wird nicht gut auf jegliche Art von Therapie ansprechen, obwohl die Alkoholabstinenz und eine gute Ernährung die Situation verbessern können, wenn die Leber noch nicht zu sehr geschädigt wurde.

Kann man etwas tun, um die Bilirubinspiegel im normalen Bereich zu halten?
Obwohl es kein Allheilmittel gibt, ist klar, dass ein übermäßiger Alkoholkonsum über lange Zeit zu Leberzirrhose und bleibenden Leberschäden führen können. Das Vermeiden von Alkohol, übermäßiger Medikamenteneinnahme und die Umstellung auf eine vernünftige Ernährung können helfen, die Leber gesund zu erhalten. Verschlüsse aufgrund von Gallengangssteinen, Pankreaskrebs (Bauchspeicheldrüsenkrebs) oder Zysten können einen chirurgischen Eingriff notwendig machen.

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