Cyclosporin

Auch bekannt als: 

Therapeutisches Drug-Monitoring, Tacrolimus, Sirolimus, Mycophenol, Harnstoff, Kreatinin, Lipide, Leberwerte
Bezeichnung: Cyclosporin A
Ähnliche Tests: Ther. Drug MonitoringHarnstoffKreatininLipidprofil, Laboruntersuchungen der Leber


Auf einen Blick

Warum wird Cyclosporin untersucht?

Cyclosporin ist ein Ihochwirksames mmunsuppressivum, das insbesondere zur Prophylaxe der Transplantatabstoßung bei der Nierentransplantation, aber auch bei anderen rheumatischen Erkrankungen eingesetzt wird. Die Untersuchung erfolgt zur Ermittlung der Cyclosporinkonzentration im Blut, um eine Dosis festzulegen, die

  1. der therapeutischen Konzentration entspricht
  2. aber auch zu hohe und möglicherweise toxische Spiegel erkennt
  3. sowie auch eine Unterdosierung durch zu niedrige Dosen erkennt.

Wann sollte man Cyclosporin untersuchen lassen?

Sobald eine Cyclosporin-Therapie begonnen wird, wird in der Regel täglich oder 2-3-mal in der Woche der Spiegel kontrolliert. Nachdem die Dosis angepasst worden ist  oder aufrecht erhalten wird, werden die Spiegel nur noch in Intervallen periodisch kontrolliert.

Aus welchem Probenmaterial wird Cyclosporin untersucht?
Aus Blut, dass aus einer Armvene entnommen wird.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Der Test misst die Menge von Cyclosporin im Blut. Cyclosporin ist ein Medikament, das zur Unterdrückung der körpereigenen Immunabwehr eingesetzt wird. Cyclosporin ist ein Immunsuppressivum, das genutzt wird, um die körpereigene Abwehr bei Transplantation zu dämpfen. Typischerweise wird Cyclosporin bei Organ-transplantierten Patienten, insbesondere bei Nierentransplantation eingesetzt. Wenn ein Patient sich einer Organtransplantation unterziehen muss, erkennt das Immunsystemdas Transplantat als fremde Substanz und beginnt es zu bekämpfen als wäre es eine invasives Bakterium oder Virus.

Cyclosporin beeinflusst die die Fähigkeit bestimmter weißer Blutzellen im Immunsystem auf fremde Gewebe zu antworten. Das transplantierte Organ hat so eine bessere Überlebenschance und wird nicht so leicht abgestoßen. Cyclosporin wird routinemäßig bei der Transplantation von Nieren, Herzen, Lebern und anderen Organen verwendet.

Die immunsuppressiven Qualitäten des Cyclosporins sind ebenfalls nützlich zur Symptombehandlung einer Autoimmunerkrankung und anderer Krankheiten. Diese Erkrankungen sind gekennzeichnet von einer Immunsystemreaktion auf körpereigene Zellen oder Gewebe. Cyclosporin hilft bei der Kontrolle der Immunantwort in diesen Fällen und  schwächt die Symptomstärke ab. Cyclosporin kann gelegentlich auch zur Behandlung besonders schwere Fälle von Rheumatoider Arthritis, Psoriasis, sowie bei der schweren und sehr schweren Aplastischen Anämie (SAA und vSAA)., oder wenn die Medikamente der 1. Wahl nicht greifen. In der Regel haben die Symptome dieser chronischen Erkrankungen nicht gut auf andere Behandlungen oder Medikamente angesprochen. Cyclosporin wird in diesen Fällen mit Vorsicht gegeben und muss ebenso sorgfältig mit Bluttests überwacht werden, wie bei Organ-transplantierten Patienten.

Die Bestimmung des Cyclosporin-Blut-Spiegels hilft bei der Einstellung des Medikamentenspiegels in einen therapeutischen Bereich.  Falls der Spiegel zu niedrig ist, kann es zum Auftreten von Organabstoßungen kommen (im Falle einer Transplantation) oder dem Wiederauftreten von Symptomen (bei Autoimmunerkrankungen). Es ist außerdem wichtig sicherzustellen, dass die Spiegel nicht zu hoch sind und zur Toxizität durch Überdosierung führen.

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?
Aus einer Blutprobe, die aus einer Armvene gewonnen wird.

Ist irgendwelche Vorbereitung für die Sicherstellung der Probenqualität nötig?
Es ist keine Testvorbereitung nötig.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Die Bestimmung von Cyclosporin wird zur Ermittlung der Medikamentenmenge im Blut durchgeführt und um zu erfahren, ob die Medikamentendosis therapeutische Konzentrationen erreicht hat, ohne einen toxischen Wert zu erreichen. Es ist aus folgenden Gründen wichtig die Cyclosporinkonzentrationen direkt zu messen:

  • Es gibt keine gute Korrelation wie bei anderen Medikamenten zwischen der gegebenen Cyclosporin-Dosis und der Medikamentenkonzentration im Blut
  • Die Absorption aus dem Darm und der Metabolismus (die Verstoffwechslung) des als Tabelle genommenen Cyclosporins kann von Patient zu Patient enorm variieren und auch bei dem selben Patienten von der Zeit der Dosis und der Nahrung abhängen
  • Es gibt außerdem eine Variation der Blutkonzentrationen zwischen den verschriebenen Präparate-Marken des Cyclosporins
  • Bei Transplantationspatienten ist es für das Überleben des Transplantats wichtig sicherzustellen, dass die Cyclosporinkonzentration hoch genug ist, um  bei einer unmittelbar bevorstehenden Operation Abstoßungsreaktionen gegenüber dem Transplantat zu verhindern
  • Cyclosporin im Blut muss im Falle der Rheumatoiden Arthritis oder Psoriasis zur  Symptomabschwächung hoch genug sein
  • Im Falle von Nierentransplantationen hilft die Blutkonzentration bei der Unterscheidung zwischen Nierenabstoßung und Nierenschaden in Folge zu hoher Cyclosporinkonzentrationen
  • Cyclosporin ist mit vielen ernsthaften Nebenwirkungen assoziiert, die durch Überwachung der Blutkonzentrationen und Dosisanpassungen bei zu hohen Spiegeln vermieden werden können.
    Mit der Überwachung der Cyclosporinkonzentrationen im Blut kann sichergestellt werden, dass jeder einzelne Patient die individuell richtige Menge und Rezeptur des Medikaments erhält, die benötigt wird, um seinen speziellen Fall zu behandeln.

Wann wird der Test angefordert?

Cyclosporin wird regelmäßig zu Beginn der Therapie auch täglich kontrolliert, wenn ein Dosisregime festgesetzt werden soll. Wenn einmal eine angemessene Dosis bestimmt worden ist, kann der Spiegel weniger häufig in etwa alle 1-2 Monate getestet werden.

Oft wird bei Transplantationen die Startdosis des Cyclosporins höher gewählt und dann über die Zeit der Langzeittherapie gesenkt. Bei Autoimmunerkrankungen kann beispielsweise bei Rheumatoider Arthritis oder bei Psoriasis, die Dosis erhöht werden, um die Symptome weiter zu verbessern wenn der Patient das Medikament gut verträgt. Mit jedem Dosiswechsel muss der Blutspiegel gemessen werden. Zusätzlich hängt die Häufigkeit der erforderlichen Blutuntersuchungen von einer Vielzahl von Faktoren ab:

  • Art des transplantierten Organs
  • Alter und allgemeiner Gesundheitszustand des Patienten
  • Grunderkrankung
    Ein Patient mit transplantierter Leber muss zum Beispiel regelmäßiger überwacht werden, da Cyclosporin hauptsächlich über die Leber metabolisiert wird. Eine gestörte Funktion der Leber kann die Beseitigung des Cyclosporins aus dem Blut verlangsamen. Tests werden außerdem häufiger angeordnet, wenn eine Organabstoßung oder Nierentoxizität vermutet wird.

Was bedeutet das Testergebnis?

Der therapeutische Bereich des Cyclosporins hängt sowohl von der Messmethode des Medikaments, als auch von dem Typen des Transplantates ab. Erhaltene Ergebnisse verschiedener Beispieltypen und Methoden sind nicht gegenseitig austauschbar. Der Arzt bekommt vom testenden Labor die jeweils entsprechende therapeutische Breite, um so das Testergebnis des Patienten einordnen zu können.

Die Mehrzahl der Institutionen benutzt Vollblut-Proben anstatt von Serum oder Plasma und entnehmen Proben 12 Stunden nach der letzten Dosis oder kurz vor der nächsten Medikamentendosis (Konzentrations-Tiefpunkt). Manche Labormethoden sind spezifischer für die Cyclosporinausgangsdosis, während andere Methoden den Ausgangswert plus seiner Metabolite messen, so dass ihre jeweiligen Bereiche schwanken.
Falls am Tiefpunkt die Spiegel unter den gewünschten Bereich fallen, besteht ein Risiko der Transplantatabstoßung oder dem Wiederauftreten von Symptomen. Falls die Spiegel über dem gewünschten Bereich liegen, besteht ein Risiko für toxische Nebeneffekte.

Einige Zeichen und Symptome der Cyclosporin-Toxizität sind:

  • Nierenschaden
  • Hoher Blutdruck
  • Tremor
  • Blutungen, Schwellungen, Überwachsungen des Zahnfleisches
  • Hirsutismus
  • Hyperlipidämie
  • Proben von Transplantationspatienten, die zwei Stunden nach Cyclosporin-Einnahme gewonnen werden, zeigen die Konzentrationsspitzen auf. Hohe Cyclosporinspiegel in Konzentrationsspitzen-Proben korrelieren mit verminderten Abstoßungsraten insbesondere im ersten Jahr nach der Transplantation.

Gibt es weiteres, das ich wissen sollte?

Da die therapeutischen Bereiche des Cyclosporins mit der vom Labor durchgeführten Art der Analyse variieren können, wird geraten, die Blutproben in der gleichen Institution während der Therapie testen zu lassen. Die Ergebnisse werden so gleichmäßiger und korrelieren besser mit dem therapeutischen Bereich.
Für andere Erkrankungen als Transplantationen kann Cyclosporin mit anderen Medikamenten wie Nichtsteroidale-Antirheumatika (NSARs) verordnet werden.  Bei Transplantationen können andere nicht-abstoßende Medikamente zusammen mit Cyclosporin verwendet werden.  Diese Medikamente arbeiten gemeinsam, um die Erkrankung zu behandeln.  Darüber hinaus können  Cyclosporin-Blutkonzentrationen von anderen eingenommenen Medikamenten beeinflusst werden. Der Patient sollte den behandelnden Arzt über zusätzlich genommene Medikamente informieren.

Cyclosporin kann einen Nierenschaden, besonders bei Patieten mit hohen Blutdruck verursachen. Deshalb sollte die Nieren mit Funktionstests überwacht werden. Anstiege der Blutfette können in einigen Fällen festgestellt werden und die Leberfunktion kann bei einer Cyclosporintherapie ebenfalls beeinflusst werden. Es sollten zusätzliche Labortests durchgeführt werden, um erhöhte Lipidwerte aufzuspüren oder um zu sehen, ob die Leber beeinträchtigt wird.


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

Das Serum kann ungekühlt versendet werden, Temperaturschwankungen sind zu vermeiden. Aufgrund der Bestimmung des Talspiegels erfolgt unmittelbar vor der nächsten Dosis jeweils etwa 12 Stunden nach der letzten Einnahme die Bestimmung  der Cyclosporin-Konzentration.

Referenzbereich
Für Cyclosporin werden für die unterschiedlichen Anwendungen jeweils therapeutische Bereiche definiert und zwischen Erstbehandlung und Erhaltungstherapie unterschieden:

  • Nierentransplantation:
    • Initialtherapie 150-225 µg/l
    • Erhaltungstherapie 100-150 µg/l
  • Lebertranplantation
    • Initialtherapie 225-300 µg/l
    • Erhaltungstherapie 100-150 µg/l

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten

Die Bestimmung erfolgt in der Regel aus EDTA-Blut. Es kommen HPLC, LC-ms/ms sowie immunologische (EIA) Verfahren zur Anwendung. Die verschiedenen Metabolite werden in geringem Umfang mit erfaßt und können die Spezifität der immunologischen Assays beeinflussen.

Neben der Temperatur beeinflussen zahlreiche Faktoren des Patienten, wie z.B. die Lipoproteinkonzentration und der Hämatokritdas Blut/ Plasma-Konzentrationsverhältnis von Cyclosporin. Aus diesem Grund wird häufig eine Bestimmung aus Hämolysat vorgenommen. Bei den chromatographischen Testverfahren kann durch eine Trennung zwischen endogenen Substanzen und von Cyclosporin diese Störung vermieden werden

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Alle für Patienten durchgeführten Labortests in Deutschland müssen entsprechend der Richtlinien zur Qualitätssicherung für labormedizinische Untersuchungen der Bundesärztekammer durchgeführt werden (siehe RiliBÄK, Deutsches Ärzteblatt 105(7):2008). Dies gilt sowohl für die im Labor durchgeführten Untersuchungen als auch für die sogenannte Patienten-nahe Sofortdiagnostik bzw. Schnelltests, die z.B. in Arztpraxen, auf Stationen, in der Notaufnahme oder beim Heilpraktiker durchgeführt werden. Es dürfen nur validierte Verfahren eingesetzt werden, d.h. das Verfahren muß für den Zweck geeignet sein und diese Eignung muß bewiesen worden. Die Mindestanforderungen umfassen die interne Qualitätssicherung mit einem Kontrollprobensystem, die mindestens zweimal innerhalb von 24 Stunden über Kontrollprobeneinzelmessung bestimmt wird und die externe Qualitätssicherung über die regelmäßige (mindestens 4-mal jährliche) Teilnahme an externen Ringversuchen. Die Etablierung eines Qualitätsmanagementsystems, das zusammen mit allen Dokumenten der Prozesse in einem laufend aktualisierten Qualitätsmanagementhandbuch zu erstellen ist, ist vorgeschrieben und wird von den entsprechenden staatlichen Stellen auch überprüft. Bei Laboruntersuchungen außerhalb der Heilkunde, wie sie z.B. in Apotheken oder durch die Patienten selber durchgeführt werden, ist keine Qualitätssicherung vorgeschrieben.


Häufige Fragen

Wie lange muss ich Cyclosporin nehmen?

In der Regel müssen Transplantationspatienten lebenslang mit Immunsuppressiva behandelt werden. Falls es Abstoßungszeichen sogar bei Blutkonzentrationen im therapeutischen Bereich z.B. von Cyclosporin gibt, kann auf ein anderes Immunsupressivum gewechselt werden.  Desweiteren besteht eine größere Chance für toxische Nebenwirkungen je länger Cyclosporin eingenommen wird. Aus diesem Grund wird häufig eine  Therapieveränderung erwogen, wenn ein Patient über 2-3 Jahre Cyclosporin eingenommen hat.
Patienten mit Autoimmunerkrankungen wie z.B. rheumatoider Arthritis oder Psoriasis werden nur dann mit Cyclosporin behandelt, wenn ihre Symptome akut sind oder eine andere Therapie nicht effektiv ist. Es wird davon abgeraten, diesen Patienten Cyclosporin für mehr als ein Jahr zu geben, da die Wahrscheinlichkeit für toxische Symptome steigt, je länger sie Cyclosporin nehmen. Ratsamer sind kurzfristige oder intermittierende Einnahmen von 12 Wochen.

Wer ordnet die Cyclosporin-Tests an?
Cyclosporin wird in der Regel von Ärzten überwacht, die spezielles Wissen über die Erkrankungen haben, für die das Medikament verschrieben wird. Sie pflegen einen sehr engen Kontakt mit den Cyclosporin.therapierten Patienten und verstehen die Wichtigkeit der Medikamentenüberwachung. Bei diesen Ärzten kann es sich um einen Internisten, Urologen, Chirurgen oder andere Ärzte handeln, die sich speziell mit der Theapie mit Immunsuppressiva (das Immunsystem unterdrückenden Medikamenten) auskennen.

Können Cyclosporinwerte auch zuhause getestet werden?
Nein, Cyclosporintests sind komplexe Untersuchungen, die einen speziellen Umgang mit der Probe sowie ein spezielles Testverfahren mit speziellen Instrumenten benötigen.

 

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Labortests: 
Therapeutisches Drug-Monitoring, Tacrolimus, Mycophenol, BUN (Blut Harnstoff-Stickstoff), Kreatinin, Lipide, Leberwerte

Krankheitsbilder:
Autoimmunerkrankungen,  entzündliche Darmerkrankungen, Rheumatoide Arthritis

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