Harnstoff

Auch bekannt als:

Harnstoff
Bezeichnung: HST, HSTN, BUN (engl. Blood Urea Nitrogen.deutsch: Harnstoff-N im Blut)
Ähnliche Tests: Kreatinin, CMP, BMP


Auf einen Blick

Warum wird der Harnstoff untersucht?

  • Um Aufschluß über den Grad einer Störung der Nierenfunktion bei höhergradiger Nierenschädigung zu erhalten;
  • um den Ort der Nierenschädigung bei einer Funktionsstörung zu bestimmen;
  • um die Effektivität einer Dialyse-Behandlung zu überwachen;
  • zur Therapiekontrolle bei Erkrankungen, die mit Störungen der Nierenfunktion einhergehen.

Wann sollte man den Harnstoff untersuchen lassen?

Als Teil einer umfassenden Routine-Blutkontrolle oder im Falle einer akuten oder chronischen Erkrankung die mit einer Störung der Nierenfunktion verbunden ist.

Mit welchem Probenmaterial wird der  Harnstoff-Test durchgeführt?
Der Harnstoff wird aus venösem Blut (Serum oder Plasma) oder aus Urin bestimmt.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Dieser Test mißt die Harnstoff-Konzentration entweder indirekt über eine enzymatische Umsetzung des Harnstoffs in Ammoniak, das auf verschiedene Weisen detektiert werden kann, oder über eine direkte Farbreaktion. Der Harnstoff dient im menschlichen Körper im wesentlichen zur Ausscheidung des anfallenden Stickstoffs. Stickstoff entsteht in Form von Ammoniak beim Abbau von Proteinen bzw. deren Bestandteilen – den Aminosäuren. Dieser Stoffwechselvorgang erfolgt in der Leber. Der entstandene Stickstoff wird dabei in einer biochemischen Reaktion zu Harnstoff umgewandelt, der mit dem Blutstrom zu den Nieren gelangt, wo er abgefiltert und mit dem Urin ausgeschieden wird. Da diese metabolischen Prozesse beim Gesunden kontinuierlich ablaufen und somit ein Gleichgewicht zwischen Produktion und Ausscheidung aufrechterhalten wird, zirkuliert nur eine kleine Menge Harnstoff im Blut.

Generell können alle Erkrankungen oder Krankheitszustände, die die Nieren– und Leberfunktion beeinträchtigen, auch Auswirkungen auf den Harnstoff-Metabolismus haben. So steigt die Harnstoff-Konzentration im Blut, wenn durch die Leber vermehrt Harnstoff produziert wird oder die Ausscheidungskapazität der Niere eingeschränkt ist. Im Gegensatz dazu werden bei gestörter Synthese-Funktion der Leber verminderte Harnstoff-Konzentrationen im Blut gemessen. Auch die Proteinzufuhr bzw. eine Verminderung oder ein Anstieg des Proteinabbaus beeinflussen die Harnstoff-Konzentration wesentlich.

Wie wird das Probenmaterial gewonnen?
Der Harnstoff wird in den meisten Fällen aus einer venösen Butprobe (Serum oder Plasma) bestimmt, die man durch Punktion einer Armvene gewonnen hat. Ergänzend kann bei bestimmten Fragestellungen auch die Konzentration im Urin bestimmt werden


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Der Harnstoffwert aus dem Blut wird in der Regel zusammen mit dem Kreatinin bestimmt, um Aufschluß über die Nierenfunktion zu erhalten, die bei einer Reihe von Krankheitsbildern gestört sein kann. Hier ist zu berücksichtigen, daß der Harnstoffwert

  1. erst bei höhergradigen Nierenfunktionsstörungen (glomeruläre Filtrationsrate
  2. von anderen Einflüssen wie der Proteinzufuhr über die Nahrung und dem Urinfluß in den Nieren abhängt. Er wird daher häufig zur Einschätzung der Restfunktion der Niere bei höhergradigen Störungen sowie zur Therapie- und Verlaufskontrolle bei bekannter akuter oder chronischer Niereninsuffizienz eingesetzt. Wichtig ist auch die Verwendung des Harnstoffwertes im Blut zur Klärung der Ursache einer Nierenstörung. In diesem Zusammenhang werden häufig andere Meßwerte wie Harnstoff im Urin und Kreatinin mit berücksichtigt (fraktionelle Harnstoff-Clearance, Harnstoff/Creatinin-Quotient). Darüber hinaus wird der Harnstoff-Test im Rahmen von Routine-Untersuchungen beim sogenannten BMP (Basal Metabolic Panelmetabolisches Basis-Programm) oder CMP (Comprehensive Metabolic Panel: Ausführliches metabolisches Programm) angewendet.

Wann wird der Test angefordert?

Die Bestimmung des Harnstoffs ist häufig Teil von Routine-Screening-Untersuchungen (z. B. BMP oder CMP). Die Untersuchung kommtzum Beispiel in Betracht

  • bei unspezifischen Beschwerden,
  • als Teil einer Routine-Blutuntersuchung,
  • zur Kontrolle der Nierenfunktion vor Beginn einer medikamentösen Therapie, die diese negativ beeinflussen kann,
  • wenn ein akut erkrankter Patient in die Notaufnahme eingeliefert oder stationär aufgenommen wird,
  • während eines Krankenhausaufenthalts.

In Kombination mit anderen Parametern (z. B. dem Urin-Harnstoff, dem Serum-Kreatinin oder dem Urin-Kreatinin) wird der Harnstoff bei spezifischen Fragenstellungen bestimmt:

  • Bei Verdacht auf eine höhergradige Störung der Nierenfunktion;
  • in regelmäßigen Intervallen zur Überwachung der Nierenfunktion bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus, arterieller Hypertonie, Herzinsuffizienz oder nach einem Myocardinfarkt;
  • zur Therapie- und Verlaufskontrolle bei bekannter Niereninsuffizienz;
  • vor und während einer Therapie mit nierenschädigenden Medikamenten;
  • in regelmäßigen Abständen zur Kontrolle der Effektivität einer Dialyse-Behandlung;
  • zur Kontrolle der proteinarmen Diät bei Patienten mit Nierenerkrankungen;
  • zur Klärung der Frage, ob die nierenschädigenden Ursachen bei bekannter Funktionsstörung in der Niere selbst oder außerhalb (z.B. den ableitenden Harnnwegen) liegt.

Was bedeutet das Testergebnis?

Eine gesteigerte Harnstoff-Konzentration im Blut kann auf eine hochgradig gestörte Nierenfunktion hinweisen, wie sie bei akutem oder chronischem Nierenversagen auftritt. Zudem kann eine starke Verminderung der Nierendurchblutung (z. B. bei Herzinsuffizienz, Schock– und anderen Streßzuständen, nach einem Herzinfarkt oder bei schweren Verbrennungen) zu einem Anstieg des Harnstoff-Wertes führen. Weitere mögliche Gründe sind ein verminderter Harnfluß oder eine Obstruktion im Bereich des urogenitalen Ausflußtrakts.

Erhöhte Werte für Harnstoff lassen sich jedoch auch bei Zuständen mit einem exzessiven Proteinkatabolismus (Abbau von Proteinen z. B. bei konsumierenden Erkrankungen), einer gesteigerten Proteinzufuhr im Rahmen bilanzierter Diäten oder nach einer gastrointestinalen Blutung beobachten. Bei letzterer wird vermehrt das aus dem Hämoglobin frei gewordene Eiweiß durch Bakterien im Darm abgebaut und anschließend in Form von Ammoniak aus dem Darm resorbiert.

Niedrige Konzentrationen an Harnstoff geben normalerweise keinen Anlaß zur Sorge. So haben Kinder und Schwangere eine relativ niedrige Harnstoffkonzentration im Blut. Sie können ausnahmsweise aber auch bei schweren Leberschäden, bei Mangelernährung oder zu starker Flüssigkeitssubstitution gefunden werden.

Während einer Schwangerschaft kann der BUN-Wert sowohl reduziert als auch erhöht sein, ohne daß ein krankhaftes Geschehen angenommen werden muß.

Was sollte man außerdem wissen?
Der Harnstoff-Wert ist von der Eiweißzufuhr in der Nahrung abhängig. Wird bei einer einseitigen Ernährung inadäquat viel Eiweiß zugeführt, kann der Harnstoff ansteigen. Analog fällt er bei zu niedriger Eiweiß-Zufuhr.


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

Harnstoff ist relativ stabil und kann bei Raumtemperatur bis zu zwei Tage, bei 4° C bis zu einer Woche gelagert werden, ohne daß die Konzentration sich wesentlich ändert.

Referenzbereich
Harnstoffkonzentration Serum / Plasma: 17-43 mg/dl (2,8-7,2 mmol/l)
Bei Frauen (besonders auch bei Schwangeren), Kindern und Personen Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
In jedem Fall ist bei der Interpretation der Harnstoffwerte neben der Nierenfunktion (glomeruläre Filtrationsrate) die Abhängigkeit vom Harnfluß (Diurese) und vom Proteinkatabolismus bzw. der Proteinzufuhr zu berücksichtigen.

Methodische Störfaktoren finden sich vor allem bei der Diacetylmonoxim-Methode, bei der verschiedene Medikamente und Kreatinin zu einer Signalverstärkung führen können, während die Meßmethoden, die auf einer Urease-Reaktion beruhen, relativ spezifisch sind. Hier können Ammoniakbeimengungen im Probenmaterial kritisch sein.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Der Parameter „Harnstoff“ im Serum / Plasma ist nach der Richtlinie „Labor“ der Bundesärztekammer vom 24.08.2001 (letzte Änderung 14.11.2003) entsprechend der Anlage 1a ringversuchspflichtig. Die maximal zulässige Unpräzision beträgt 7%, die maximal zulässige Unrichtigkeit 8%, die maximal zulässige Abweichung des Einzelwertes 22%. Eine interne Qualitätskontrolle ist ebenfalls durchzuführen.


Häufige Fragen

Welche anderen Tests werden zur Kontrolle der Nierenfunktion durchgeführt?

Die Bestimmung von Harnstoff und Kreatinin im Blut sind die beiden Tests, die am häufigsten durchgeführt werden, um die Kapazität der Nieren zur Ausscheidung von Abbauprodukten des Stoffwechsels zu kontrollieren. Sie werden auch als Retentionsparameter bezeichnet. Darüber hinaus kann auch eine Bestimmung der Elektrolyte wie Natrium, Kalium und Chlorid Aufschluß über die Nierenfunktion geben. Grundsätzlich ist zu berücksichtigen, daß beide Parameter erst bei mittelgradiger (Kreatinin) oder hochgradiger Einschränkung (Harnstoff) der Nierenfunktion ansteigen. Abschätzungen der glomerulären Filtrationsrate mit Hilfe der Kreatinin-Clearance oder Berechnungen wie die Cockroft-Gault-Formel bzw. gfr nach MDRD sind zur frühzeitigen Erkennung von Funktionseinschränkungen der Niere besser geeignet.

Wie verändert sich die Harnstoffkonzentration mit zunehmendem Lebensalter?

Mit zunehmendem Lebensalter steigt der Harnstoff-Wert im Blut an. Bei Säuglingen beträgt sein Wert nur etwa 2/3 von dem eines gesunden jungen Erwachsenen, während bei älteren Menschen über 60 Jahre die Werte gegenüber denen von jüngeren Menschen leicht erhöht sind. Männer haben höhere Harnstoff-Werte als Frauen.

Was ist der Harnstoff-/Kreatinin-Quotient?
Der behandelnde Arzt wird die Berechnung des Verhältnisses von Harnstoff und Kreatinin im Blut anstreben, um die Ursache von inadäquat erhöhten Werten der Retentionsparameter näher eingrenzen zu können. Das Verhältnis aus Harnstoff zu Serum-Kreatinin beträgt normalerweise etwa 25:1. Eine Verminderung des Quotienten kann auf eine verminderte Proteinzufuhr, eine Leberzirrhose oder eine akute Tubulusnekrose hindeuten. Häufig findet sie sich jedoch auch bei einer verstärkten Harnausscheidung (Diurese). Ein erhöhter Quotient kann auf einem verstärkten Proteinmetabolismus oder einer Verminderung der Nierendurchblutung (prärenale Azotämie) bzw. einem Urinstau in den ableitenden Harnwegen beruhen (postrenale Azotämie).

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