hCG

Auch bekannt als:

hCG, ß-HCG
Bezeichnung: Schwangerschaftstest, qualitatives hCG, Humanes Chorion-Gonadotropin, beta-HCG
Ähnliche Tests: afp Maternal


Auf einen Blick

Warum wird hCG untersucht?

Um das Vorliegen einer Schwangerschaft zu sichern und um diese zu überwachen. Darüber hinaus zur Diagnose von Tumorerkrankungen, die von der Plazenta oder von Keimzellen ausgehen.

In welchen Situationen sollte hCG untersucht werden?

  • Erkennung einer Frühschwangerschaft: Urinteste werden in der Regel erst 8 – 10 Tage nach Ausbleiben der letzten Menstruation positiv (Serumtests können hCG bei Vorliegen einer Schwangerschaft häufig schon zum Zyklusende nachweisen).
  • Bei Verdacht auf eine Extrauterin-Gravidität, auf eine Mehrlingsschwangerschaft oder auf eine drohende Fehlgeburt.
  • Bei Verdacht auf das Vorliegen eines Tumors der von Plazentagewebe oder von Keimzellen ausgeht.

Aus welchem Probenmaterial wird der hCG-Test durchgeführt?

Entweder aus einer Urinprobe (am besten geeignet ist der erste Morgenurin) oder aus einer venösen Blutprobe.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Bei hCG handelt es sich um ein Hormon, das von der Plazenta (Mutterkuchen) einer schwangeren Frau produziert wird. Ein Schwangerschaftstest ist ein spezifischer Blut– oder Urintest, der dieses Hormon nachweisen und somit das Vorliegen einer Schwangerschaft sichern kann.  hCG kann in der Regel8 – 10 Tage nach einer ausgebliebenen Menstruation im Urin nachgewiesen werden (der Zeitpunkt ist abhängig vom verwendeten Test).Mit den meisten Serumtests kann hCG auch schon früher – häufig schon in der ersten Woche nach der Konzeption (Befruchtung) – detektiert werden.

Während der ersten Schwangerschaftswochen unterstützt das hCG die Funktion des Corpus luteum (Gelbkörper: entsteht aus dem Gewebsrest eines reifen gesprungenen Follikel). Im ersten Trimenon der Schwangerschaft (Dauer: 8 – 9 Wochen) steigt die Produktion von hCG kontinuierlich an und erreicht in der 8. bis 12. Schwangerschaftswoche das Maximum. Anschließend fällt der Spiegel wieder langsam im restlichen Verlauf der Schwangerschaft ab. Bereits wenige Wochen nach der Geburt ist hCG nicht mehr nachweisbar. Bei unkontrollierter Vermehrung von den Zellen der Plazenta, die normalerweise hCG produzieren (Zytotrophoblasten), kann das Hormon als Tumormarker verwendet werden. Darüber hinaus wird hCG auch von einigen Keimzelltumoren produziert.

Das hCG kann in verschiedenen Formen vorliegen, deren Konzentration von der Lokalisation (Plazenta / Blut / Urin) und von der Schwangerschaftsphase abhängt. Biologisch am bedeutendsten ist das reguläre (englisch: non-nicked) hCG, das aus zwei Untereinheiten besteht (a und ß). Die a-Untereinheit kommt bei verschiedenen Hormonen vor (neben dem hCG auch z.B. lh / luteinisierendes Hormon und fsh / follikelstimulierendes Hormon). Die ß-Untereinheit unterscheidet sich zwischen den genannten Hormonen und bedingt deren unterschiedliche Wirkung.

Neben der regulären hCG-Form liegt das hCG auch als gespaltene Form (englisch: nicked hCG) oder in hyperglykosilierter Form vor. Die letztgenannte Variante wird v.a. in der Frühschwangerschaft und bei invasiven Plazentatumoren gebildet. Weiterhin finden sich die a- und ß-Untereinheit auch als Einzelproteine, wobei die ß-Untereinheit v.a. im Urin gefunden wird.

Die verschiedenen Varianten haben auch in der labormedizinischen Diagnostik eine große Bedeutung, da die verschiedenen Testverfahren die Formen unterschiedlich gut detektieren. Der häufig gebrauchte Begriff „ß-hCG“ bezieht sich auf Testverfahren, die sowohl reguläres hCG als auch die frei vorliegende ß–Untereinheit nachweisen.

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?
Zur Erkennung einer Frühschwangerschaft („Schwangerschaftstest“) wird hCG üblicherweise aus dem Urin bestimmt. Am besten geeignet ist eine frische Probe des ersten Morgenurins. HCG kann jedoch auch im Blut nachgewiesen werden. Hierzu wird in der Regel venöses Blut aus einer Armvenenpunktion verwendet.


Der Test

Wie wird der HCG-Test eingesetzt?

Als Schwangerschaftstest wird routinemäßig ein qualitativer hCG-Test (qualitativ bedeutet, daß Das Ergebnis als positiv oder negativ angegeben wird) aus Urin eingesetzt. Dagegen wird in der Messung aus Serum die aktuell vorhandene Menge an hCG gemessen (quantitativer Test). Letzterer dient hauptsächlich der Diagnose einer ektopen Schwangerschaft, der Überwachung von Risikoschwangerschaften und bei einem drohenden bzw. stattgefundenen Abort.

Ausserdem kann der hCG-Test zur Diagnose von bestimmten Erkrankungen mit ungehinderter Zellwachstum (Tumorerkrankungen) eingesetzt werden. Hier sind Tumoren, die von der Plazenta ausgehen (Blasenmole, Chorionkarzinom) oder bestimmte Keimzelltumoren von Ovarien (Eierstöcken) und Hoden zu nennen. In diesen Fällen wird das Hormon bestimmt, um die Diagnose zu sichern, um den Therapieerfolg zu überwachen und um ggf. frühzeitig das Auftreten eines Rezidivs zu erkennen.

Wann könnte die Bestimmung von hCG sinnvoll sein?
Der qualitative hCG-Test aus Urin wird in der Regel 8 – 10 Tage nach einer ausgebliebenen Menstruation durchgeführt, um eine Schwangerschaft zu sichern(Vorsicht: Falsch-negative Testergebnisse sind möglich!). In bestimmten Fällen wird in dieser Fragestellung der empfindlichere Serumtest verwendet.. Zum Beispiel können mehrere quantitative hCG-Bestimmungen an verschiedenen Tagen durchgeführt werden, um eine ektope Schwangerschaft verifizieren zu können oder zur Verlaufskontrolle bei einer Frau mit drohendem oder stattgehabten Abort. Darüberhinaus kann der behandelnde Arzt diesen Test anfordern, wenn er den Verdacht auf das Vorliegen von Tumorerkrankungen hat, die von Plazentagewebe oder von Keimzellen ausgehen.

Was bedeutet das Testergebnis?
Bei einer nicht-schwangeren, gesunden Frau kann mit den üblichen Urintestverfahren kein hCG nachgewiesen werden. Ein positiver Test spricht somit für eine Schwangerschaft (Vorsicht: Falsch-positive Ergebnisse durch z.B. Medikamente möglich!). Während der Frühschwangerschaft verdoppelt sich die hCG-konzentration alle zwei bis drei Tage. Dagegen ist bei einer ektopen Schwangerschaft diese Verdopplungszeit verlängert. Bei Patientinnen, bei denen die Gefahr besteht, ihr Kind zu verlieren, kann dies auch der Fall sein oder die hCG-Werte können sogar abfallen. Nach einem Fruchttod oder Abort fällt der hCG-Spiegel in der Regel sehr rasch ab. Fällt dagegen das hCG nicht unter die Nachweisgrenze ab, so kann dies auf Reste von hCG-produzierendem Gewebe hinweisen, das entfernt werden muss.

Die Bestimmung von hCG wird auch zur Diagnose sowie zur Therapie- und Verlaufskontrolle von Patienten mit Tumorerkrankungen, die von Plazentagewebe (Trophoblasterkrankungen) oder von Keimzelltumoren der Ovarien bzw. des Hodens ausgehen, eingesetzt.  Während der Therapie zeigt ein Rückgang des hCG-Spiegels ein Ansprechen des Tumors an, während ein weiterer Anstieg dafür spricht, dass der Tumor therapieresistent ist. Ein Rezidiv kann daran erkannt werden, dass das hCG nach erfolgreicher Therapie erneut ansteigt.

Gibt es weiteres, das ich wissen sollte?
Wird ein hCG-Test bei einer Schwangerschaft zu früh durchgeführt (bevor eine ausreichende Menge an hCG produziert wwurde) kann das Tesergebnis falsch negativ ausfallen. Auch stark verdünnter Urin kann zu einem falsch-negativen Testergebnis führen. Deshalb sollten vor einem Schwangerschaftstest keine größeren Mengen an Flüssigkeit getrunken werden. Blut oder Proteine im Urin können hingegen falsch positive Resultate ergeben.

Bestimmte Medikamente, wie z. B. Diuretika oder Antihistaminika können ebenfalls falsch-negative Testergebnisse verursachen. Dagegen können andere Medikamente, wie Antikonvulsiva, Anti-Parkinson-Mittel, Sedativa und Tranquilizer wiederum falsch-positive Testresultate bedingen.

Es gibt zudem berichte über falsch positive Ergebnisse des hCG-Tests, die auf der Anwesenheit von störenden, körpereigenen Substanzen beruhen. Dazu gehören z. B. sogenannte heterophile Antikörper, die im Blut einiger Personen zirkulieren, und Fragmente des hCG-Moleküls. Grundsätzlich gilt, dass fragliche Ergebnisse bei der hCG-Bestimmung durch zusätzliche Tests abgesichert werden müssen.


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

Urin: Nach Zugabe eines Stabilisators (Natriumazid) 2-3 Tage stabil.
Serum: Reguläres hCG ist bei Raumtemperatur oder 4°C ca. 1 Woche stabil.

Referenzbereiche ß–hCG im Serum (Erwachsene)

Frauen prämenopausal:
Frauen postmenopausal:
Männer
Männer > 60 Jahre:

Serumwerte ß–hCG im Schwangerschaftsverlauf bei einem Kind (IU/l)

3. Woche
4. Woche
7. Woche 5000 – 90 000
10. Woche 40 000 – 230 000
13 Woche 40 000 – 140 000
2. Trimester 8000 – 100 000
3. Trimester 5000 – 65 000

Hinweis: Absolutwerte sind bei hoher interindividueller Schwankungsbreite weniger aussagekräftig als Verlaufsbeurteilungen (z.B. Verdopplungszeit).

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten

  • Falsch-positive hCG-Ergebnisse sind u.a. durch Medikamente wie Antikonvulsiva, Anti-Parkinson-Mittel, Sedativa und Tranquilizer möglich
  • Heterophile Antikörper können zu falsch-positiven Ergebnissen im Serum führen (nicht jedoch im Urin!)
  • Falsch-negative Befunde eines Urin-Schwangerschaftstests finden sich häufig aufgrund eines zu frühen Untersuchungszeitpunkts, bei nicht adäquater Temperatur der Reagentien (Problem: Sehr kurze Inkubationszeit der Schnellteste) sowie bei Aufnahme großer Flüssigkeitsmengen (Verdünnungseffekt) bzw. nach Gabe eines wasserfördernden Medikamentes (Diuretika)
  • Serumtests (Laboranalytik) sind in der Regel sensitiver als Urintestverfahren (u.a. bedingt durch größere Sensitivität für hyperglykosiliertes hCG, das in der Frühschwangerschaft wesentlich ist, und der generell größeren hCG-Konzentration im Serum im Vergleich zu Urin)

Richtlinien zur Qualitätskontrolle

Der Parameter Humanes Choriongonadotropin (hCG) im Serum ist nach der Richtlinie „Labor“ der Bundesärztekammer vom 24.08.2001 (letzte Änderung 14.11.2003) entsprechend der Anlage 1a ringversuchspflichtig. Die maximal zulässige Unpräzision beträgt 12%, die maximal zulässige Unrichtigkeit 14% und die maximal zulässige Abweichung des Einzelwertes 38% (verfahrensabhängiger Sollwert). Eine interne Qualitätskontrolle ist ebenfalls durchzuführen.


Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich ein zu Hause durchgeführter Schwangerschaftstest von dem, der in einem professionellen Labor durchgeführt wird?
Schwangerschaftstests, die zu Hause durchgeführt werden können ähneln sehr stark dem Verfahren der qualitativen hCG-Bestimmung im Labor. Aber die sichere Durchführung erfordert, einige Bedingungen einzuhalten:

  • Zunächst müssen die spezifischen Anweisungen zum jeweiligen erworbenen Testsystem penibel eingehalten werden.
  • Häufig werden die Fertig-Tests für zu Hause zu früh nach der ausgebliebenen Menstruation angewandt, um ein positives Ergebnis trotz eventueller Schwangerschaft überhaupt erhalten zu können, da es mindestens 10 Tage nach der Konzeption dauert, bis quantitativ messbare Mengen von hCG im Blut oder Urin vorhanden sind. Dies ist der Grund dafür, warum der beim behandelnden Arzt durchgeführte Test positiv ausfällt, obwohl der Fertigtest zu Hause negativ war. Meistens vergehen ja noch einige Tage bis zum Arztbesuch, so dass dann hCG bereits in ausreichenden Mengen produziert wird.
  • Wenn möglich sollte jede qualitative hCG-Bestimmung wenn möglich aus einer Probe des ersten Morgenurins durchgeführt werden. Nach Aufnahme größerer Mengen Flüssigkeit (z. B. Kaffee, Saft oder Wasser) wird der Urin stärker verdünnt und damit wird auch die hCG-Konzentration niedriger. Folglich wird auch die Wahrscheinlichkeit eines positiven Tesergebnisses geringer.

Im Allgemeinen sollte aber auch der zu Hause durchgeführte Test, sofern er korrekt benutzt wird,das gleiche Ergebnis liefern, wie der Test beim behandelnden Arzt. Zudem ist zu beachten, dass die qualitative hCG-Bestimmung aus Blutplasma sensitiver ist, als die aus dem Urin. Daher ist manchmal auch der Blutest trotz eines negativen Urintests positiv.

Im Gegensatz dazu erfolgt die quantitative hCG-Bestimmung immer aus dem Blut und erfordert eine Untersuchung durch ein professionelles Labor.

Was ist eine ektope Schwangerschaft?
Unter ektoper Schwangerschaft versteht man den Sachverhalt, dass sich die befruchtete Eizelle (Blastozyste) nicht im dafür vorgesehenen Uterus einnistet, sondern an einer anderen Stelle des Organismus. Dies ist eine ernste Komplikation und erfordert eine sofortige Behandlung der betroffenen Frau. Die ersten Symptome einer solchen ektopen Schwangerschaft sind oftmals abdominelle Schmerzen und/oder eine uterine Blutung. Normaler Weise entsprechen bei einer ektopen Schwangerschaft die hCG-Werte nicht dem Normalen und zeigen auch im zeitlichen Verlauf einen langsameren Anstieg.

Wann ist eine Bestimmung von hCG aus Blut anstatt Urin erforderlich?
Die hCG-Bestimmung aus dem Blut misst die tatsächlich im Blut vorhandene Menge des Hormons. Die Bestimmung über den Urintest dient einfachen Feststellung, ob hCG vorhanden ist oder nicht. Da bei einer Frau, die nicht schwanger ist auch kein hCG nachweisbar ist, reicht der Urintest aus, um eine Schwangerschaft zu sichern. In einigen Fällen ist es allerdings wichtig, die tatsächliche hCG-Konzentration und ihren zeitlichen Verlauf zu kennen: Beispielsweise um den Verdacht einer ektopen Schwangerschaft zu sichern oder zu Verlaufskontrolle nach einer Fehlgeburt. In diesen Fällen wird der behandelnde Arzt eine Bestimmug aus dem Blut anfordern.

Wie lange dauert es, bis nach einer Fehlgeburt ein Schwangerschaftstest wieder negativ ausfällt?
Sowohl das hCG im Blutserum als auch das im Urin wird nach 9-35 Tagen wieder negativ mit einem Median von 19 Tagen. Dieser Zeitraum hängt unter anderem davon ab, wie hoch der hCG-Spiegel jeweils zum Zeitpunkt der Fehlgeburt war. Wiederholte Fehlgeburten werden mittels der quantitativen hCG-Bestimmung überwacht. Fällt die hCG-Konzentration nicht in der erwarteten Zeitspanne unter die Nachweisgrenze besteht der Verdacht auf einen Verhalt von hCG-produzierendem Gewebe, das unbedingt entfernt werden muss.


Weiterführende Links zum Thema

AWMF Leitlinie, Diagnostik von Hodentumoren: https://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll-na/043-019.htmAWMF

Leitlinie, Diagnostik von Kraniopharyngeomen: https://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/025-026.htm

AWMF Leitlinie, Diagnostik und Therapie des wiederholten Spontanaborts: https://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/015-050.htm

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