Inkubationszeit

Täglich versuchen Viren und Bakterien in den menschlichen Körper einzudringen, was jedoch durch unser Immunsystem größtenteils verhindern werden kann. Gelingt unserem Körper dies nicht, so gelangen kleinste Krankheiten verursachende Mikroorganismen in unseren Organismus, die während des Eintritts in unseren Körper und während ihrer Vermehrung zunächst unbemerkt bleiben.

 


 

Was ist die Inkubationszeit?

Bei der Erforschung und Behandlung bakterieller, viraler und protozoaler Infektionen spielt die Inkubationszeit (lat. incubare = ausbrüten) in den Bereichen der Medizin und der Biologie eine bedeutende Rolle. Sie beschreibt die Zeitspanne, die zwischen der Ansteckung bzw. dem Eindringen des oder der Krankheitserreger in den Körper und dem erstmaligen Auftreten der Krankheitssymptome liegt. Die Inkubationszeit ist je nach Krankheitserreger unterschiedlich. Bei einigen Krankheiten dauert die Inkubationszeit nur wenige Tage, bei anderen Krankheiten dagegen dauert es Monate ja sogar Jahre oder Jahrzehnte. Auch ist die Zeit, begonnen von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit, von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Bei nicht gegen Tetanus geimpften Personen, die sich mit dem Bakterium Clostridium tetani anstecken, kann die Inkubationszeit z. B. zwischen 3 und 21 Tagen betragen.

Die Medizin unterscheidet zwischen der Inkubationszeit und der Latenzzeit:
So wird aus medizinischer Sicht das Einwirken von schädigenden Substanzen wie z. B. Giftstoffen, Drogen, Säuren, radioaktiven Strahlungen oder mechanischen Belastungen auf den menschlichen Körper und dem ersten Auftreten von Beschwerden ALS Latenzzeit beschrieben. Jeder Stoff oder jeder Umstand, der auf den Körper eine schädigende Wirkung ausübt wird als Noxe bezeichnet. Während man bei den mikrobiologischen Noxen wie den Bakterien, Pilzen, den Parasiten und Viren von einer Inkubationszeit ausgeht, spricht man bei nicht mikrobiologischen Noxen von der Latenzzeit.


 

Überblick über noxische Faktoren hinsichtlich der Latenzzeit:

Physikalische Einflüsse

  • Extremtemperaturen
  • Mechanische Traumata (scharfe und stumpfe Gewalt, Lärm, Luftdruck, Vibration, Explosion, Über-, und Unterdruck
  • Elektrische Reizung, siehe Stromunfall
  • Ionisierende Strahlung wie UV-Strahlung oder Röntgenstrahlung

Chemische Substanzen

  • Drogen
  • Medikamente
  • Gifte, Toxine, Umweltgifte
  • Säuren
  • Basen

Psychosoziale Bedingungen

 


 

Überblick über noxische Faktoren hinsichtlich der Inkubationszeit:

Mikrobiologische Noxen

  • Bakterien
  • Pilze
  • Parasiten
  • Viren

 


 

Funktionen und Aufgaben

Zu Beginn einer Infektionskrankheit dringen die Erreger meist unbemerkt und auf unterschiedliche Weise in den Organismus ein. Bei der Tröpfcheninfektion gelangen die Krankheitserreger, die sich bei einem kranken Menschen im Rachenraum oder dem Atmungstrakt befinden durch Husten, Sprechen oder Niesen an die Luft. Durch Einatmen dieser winzig kleinen Speichel-Tröpfchen oder auch über die Schleimhäute z. B. durch einen Kuss werden die Krankheitserreger auf einen anderen Menschen übertragen.
Bei der Tröpfcheninfektion (aerogenen Infektion) unterscheidet man zwei Größen der Tröpfchen:
Tröpfchen, die einen Durchmesser von mehr als 5 µm besitzen, sinken auf Grund ihrer Schwere schnell nach unten, so dass eine Ansteckung nur innerhalb eines Meters stattfinden kann. Jedoch können diese Tröpfchen auch an Gegenständen und Flächen haften bleiben, so dass es durch ein anschließendes Berühren der Schleimhäute von Augen, Nase oder Mund zu einer Ansteckung kommen kann. Andere Erreger, die eine sehr geringe Größe besitzen und unter 5 µm liegen sind in der Lage,sich über eine lange Zeit und über große Distanzen hinweg auszubreiten.
Bei der Schmierinfektion (alimentären Infektion) gelangen die Krankheitserreger durch unsaubere Hände oder durch Ausscheidungen ins Trinkwasser, in Lebensmittel oder an Gegenstände und gelangen über den Mund in den Verdauungstrakt.
Eine andere Form der Ansteckung bezeichnet man als Kontaktinfektion (transmissiv), die durch Berühren z. B. der Hand eines Kranken, stattfindet. Kontaktinfektionen kommen sehr häufig vor, insbesondere unter Menschen, die räumlich sehr eng zusammenleben. Es werden zwei Gruppen der Kontaktinfektion unterschieden. Bei der direkten Infektion findet die Ansteckung über den Körperkontakt und bei der indirekten Infektion über kontaminierte Gegenstände statt.
Ebenfalls werden Viren, die über den Harntrakt in den Körper gelangen, als urogenitale Infektion bezeichnet. Hierbei ist die häufigste Erkrankung die bakterielle Blasenentzündung, bei der Bakterien von außen in die Harnröhre gelangen. Die genitale Infektion findet über den Geschlechtsverkehr an den Geschlechtsorganen statt.

Mit der Ansiedlung der Krankheitserreger setzt die Inkubationszeit ein. Je nach Erreger vermehrt sich dieser nach Stunden, Tagen oder Wochen, jedoch treten noch keine Krankheitssymptome bzw. Beschwerden auf. Bei sehr vielen Infektionskrankheiten führt das Ende der Inkubationsphase meistens zu einer explosionsartigen Vermehrung der Erreger, so dass die Inkubationszeit mit dem Ausbruch der Krankheit endet.


 

Krankheiten und Beschwerden

Windpocken

Windpocken gehören zu den „fliegenden Infektionskrankheiten“ und sind hochansteckend. Sie werden wegen ihrer geringen Größe vom Wind hinweg übertragen. Die Varizelle-Zoster-Viren lösen die Windpockenerkrankung aus. Ihre Inkubationszeit beträgt zwischen 8 und 28 Tagen, wobei in den meisten Fällen die ersten Symptome nach 14 bis 16 Tagen auftreten. Beim Ausbruch der Krankheit treten rote Flecken im Gesicht, auf dem Rücken, am Bauch aber auch an Armen und Beinen auf, die im Verlauf kleine Bläschen bilden und eine hochansteckende klare Flüssigkeit enthalten. Auch haben die Erkrankten meist hohes Fieber, Kopf– und Gliederschmerzen und fühlen sich müde. Windpocken zählt zu den Kinderkrankheiten, da sie in erster Linie im Kindergartenalter auftreten.

Masern

Wie bei den Windpocken werden Masern ebenfalls über die Luft (aerogen) und auch durch den Körperkontakt übertragen. Die Masernviren stammen aus der Familie der Paramyxoviridae. Sie sind hochansteckend und können zu gefährlichen Komplikationen oder den Tod führen. Die Inkubation beträgt zwischen 8 und 10 Tagen. Meist treten bereits nach 3 bis 5 Tagen die ersten Symptome wie Fieber, Husten, Schnupfen, Bronchitis, Lichtempfindlichkeit eine Bindehautentzündung sowie Flecken an der Mundschleimhaut auf. Anschließend werden die typisch roten Flecken, die hinter den Ohren beginnen und sich anschließend am ganzen Körper verteilen, sichtbar. Ebenfalls ist hohes Fieber bis zu 40° Celsius nicht unüblich.
Masern treten sowohl im Kindesalter auf als auch im Erwachsenenalter.

Scharlach

Scharlach (Scarlatina)ist eine Infektionskrankheit, deren Inkubationszeit 2 bis 4 Tage beträgt. Scharlach tritt meist im Kindesalter zwischen dem 4. und dem 7. Lebensjahr auf. Im Gegensatz zu den anderen Kinderkrankheiten, kann man an Scharlach mehrmals erkranken. Der Auslöser dieser Krankheit erfolgt durch Streptokokken, die durch Tröpfchen- und Kontaktinfektion über den Mund und Rachen stattfindet. Auch ist eine Infektion über offene Wunden möglich. Nach der Inkubationszeit treten als erste Symptome oft Fieber, Rachenentzündung (Pharyngitis), Bauch- oder Kopfschmerzen, Schüttelfrost oder Erbrechen auf. Die Gaumenmandeln sind geschwollen und der Rachen ist tiefrot. Es treten häufig auch Schluckschmerzen und Schwellungen auf. Anschließend zeigt sich der für Scharlach charakteristische intensiv rot gefärbte Ausschlag, der sich bevorzugt an den Achseln und den Leisten aber auch am gesamten Körper zeigt. Nach 14 Tagen kann es zu einer für diese Krankheit typischen Abschuppung der Haut an Zehen, Fingern, Handflächen und auch Fußsohlen kommen.

Norovirus

Noroviren sind wahre Überlebenskünstler denn sie überleben sowohl bei Hitze über 60° Celsius wie auch bei Kälte. Sie gibt es überall: Auf Gegenständen wie Türklinken, Handtüchern, Treppengeländern, Wasserhähnen, in Lebensmitteln oder Toiletten. Durch Erbrechen oder über den Stuhl werden sie in großer Zahl ausgeschieden und können sowohl über Tröpfchen als auch über den Kontakt mit Erkrankten z. B. durch Händeschütteln übertragen werden. Mit dieser Krankheit können sich alle Menschen jeden Alters und auch im Laufe des Lebens mehrfach anstecken. Beim Norovirus beträgt die Inkubationszeit 12 bis 48 Stunden. Die anschließenden typischen Symptome dieser Erkrankung sind plötzlich einsetzendes Erbrechen und starker Durchfall, verbunden mit heftigen Magen– und Darmkrämpfen. Die Betroffenen haben oftmals Kopfschmerzen und leichtes Fieber und fühlen sich ausgesprochen matt.

Grippe

Bei der Grippe (Influenza) handelt es sich um eine Atemweginfektion, die durch Influenza-Viren der Gruppe A, B oder C ausgelöst werden. Der am häufigsten und auch gefährlichste Influenza-Virus ist der Virus des Typs A. Er ist auf der ganzen Welt verbreitet und da er sich ständig verändert, ist es schwierig eine Infektion z. B. durch Impfung vorzubeugen. Meist stecken sich Menschen mit den Viren durch die Tröpfcheninfektion an, die dann die Schleimhautzellen der Nase oder Mund befallen und sich vermehren. Ebenfalls ist, da die Influenza-Viren über mehrere Stunden außerhalb des Körpers überleben können, eine Infektion über einen Kontakt mit den Händen durch Händeschütteln oder das Anfassen von Gegenständen möglich. Die Inkubationszeit beträgt bei der Grippe meist nur ein bis zwei Tage, bis sich die typischen Symptome bemerkbar machen. Bei einer Grippe treten die Symptome meist sehr plötzlich auf. Sie beginnt meist mit Frösteln und anschließend steigt die Körpertemperatur auf bis zu 40° Celsius. Halsschmerzen, tränende Augen, Übelkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, laufende Nase sowie Husten sind ebenfalls möglich.


 

Krankheiten im Überblick

Windpocken

  • Inkubationszeit: 8 bis 28 Tage
  • Übertragung durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion
  • ist hoch ansteckend durch Varizelle-Zoster-Viren verursacht
  • gelangt über die Atemwege oder die Schleimhäute in den Organismus
  • Symptome: Stark juckender roter Hautausschlag am ganzen Körper verteilt. Entstehung kleiner Bläschen, die mit einer klaren, hochansteckenden Flüssigkeit gefüllt sind.Zusätzlich hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und starke Müdigkeit
  • typische Windpockenzeit: Winter und Frühling

Masern:

  • Inkubationszeit: 8 bis 10 Tage
  • Übertragung durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion
  • ist hoch ansteckend verursacht durch Masernviren aus der Familie der Paramyxoviridae
  • gelangt über die Atemwege oder die Schleimhäute in den Organismus
  • Symptome: hohes Fieber, Schnupfen, Bronchitis, Bindehautentzündung, Lichtempfindlichkeit, Flecken im Wangenbereich der vorderen Backenzähne, später typisch rote Flecken auf der Haut, die hinter den Ohren beginnen und sich auf der ganzen Haut verteilen.

Scharlach:

  • Inkubationszeit: 2 bis 4 Tage
  • Übertragung durch Tröpfchen- Kontaktinfektion sowie über offene Wunden
  • ist hochansteckend ansteckend durch Streptokokken
  • gelangt über die Atemwege oder die Schleimhäute in den Organismus
  • Symptome: Fieber, Erbrechen, Rachenentzündung (Pharyngitis), Bauch- oder Kopfschmerzen, Schüttelfrost, anschließend intensiv rot gefärbte Flecken sowie Schuppung der Haut

Noroviren

  • Inkubationszeit: 12 bis 48 Stunden
  • Übertragung durch Tröpfchen- oder Kontaktinfektion
  • ist hoch ansteckend durch Noroviren verursacht
  • gelangt über die Atemwege oder die Schleimhäute in den Organismus
  • Symptome: Heftiges Erbrechen und Durchfall verbunden mit starken Magen- und Darmkrämpfen, leichtem Fieber sowie Kopfschmerzen.

Grippe

  • Inkubationszeit: 1 bis 2 Tage
  • Übertragung durch Tröpfchen- oder Kontaktinfektion
  • ist hoch ansteckend und wird durch Influenza-Viren verursacht
  • gelangt über die Atemwege oder die Schleimhäute in den Organismus
  • Symptome: Frösteln, hohes Fieber, tränende Augen, Übelkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, laufende Nase und Husten.

 


 

Fragen und Antworten zu Inkubationszeit

Welche Krankheiten werden durch Tröpfcheninfektion übertragen?

Häufig werden Viren, z. B. die Grippeviren, Windpocken (Varizelle-Zoster-Viren) oder Masern (Masernviren) über Tröpfchen übertragen. Diese Viren können über eine größere Entfernung in der Luft getragen werden, so dass eine Infektion auch über eine größere Distanz zu einem mit einem Virus Erkrankten übertragen werden kann.
Ebenfalls können Bakterien über Tröpfchen übertragen werden wie z. B. Scharlach durch die Streptokokken oder die gefährlichen Meningokokken-Infektion, die Hirnhautentzündungen auslösen.

Was ist das Pfeiffersche Drüsenfieber und wer kann daran erkranken?

Das Pfeiffersche Drüsenfieber wird durch den Eppstein-Barr-Virus mit infiziertem Speichel meist über das Küssen übertragen. Ebenfalls kann die Übertragung auch über die Tröpfcheninfektion, durch Husten oder Niesen erfolgen. An Pfeiffersches Drüsenfieber kann jeder Mensch erkranken, am häufigsten tritt diese Erkrankung jedoch bei Menschen zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr auf. In Westeuropa sollen laut Schätzungen über 95 % der Menschen unter 30 Jahren mit dem Eppstein-Barr-Virus infiziert sein.

Worin liegt der Unterschied zwischen einem grippalen Infekt und einer Grippe?

Im Gegensatz zum grippalen Infekt handelt es sich bei einer „echten Grippe“ um eine Infektion mit Influenza-Viren. Bei einem grippalen Infekt (Erkältung) liegt eine Infektion mit einem bestimmten Erkältungsvirus vor, von denen es mehr als 200 Arten gibt.
Während man bei einer Grippe schlagartig Krank wird, verbunden mit hohem Fieber und starker Abgeschlagenheit, beginnt der grippale Infekt meist mit einem leichten Kratzen im Hals, leichtem Fieber und Schnupfen und kann meist mit eingesetzten Hausmitteln behandelt werden. Bei der Grippe muss ein Arzt konsultiert und Antibiotika eingenommen werden.


 

Unser Fazit zu Inkubationszeit

Alle Krankheiten, die durch Viren, Pilze, Parasiten oder Bakterien entstehen, werden während der Inkubationszeit nicht bemerkt. Die Inkubationszeit dauert je nach Krankheitserreger, Immunsystem des Menschen, sowie je nach Temperatur und Vermehrung im menschlichen Organismus unterschiedlich lange. Oft besteht schon die Ansteckungsgefahr einer Erkrankung bereits während der Inkubationszeit, so dass sich meist im Vorfeld kaum jemand gegen die Ansteckung schützen kann.

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