Bonding

Immer wieder Sprechen Wissenschaftler und Erziehungspsychologen darüber, wie wichtig das Bonding zwischen Eltern und ihrem neugeborenen Kind ist. Es gibt kaum eine Alternative, welche sich emotional so intensiv auf die Beziehung zwischen Eltern und Kind auswirkt. Daher ist es wichtig, sich direkt nach der Geburt eines Kindes so viel Zeit wie möglich für das Bonding zu nehmen. Dies ist zwar meist ohnehin der natürliche Instinkt der Mutter, allerdings wird die besondere Bedeutung häufig noch immer unterschätzt.

Was ist Bonding?

Beim Bonding handelt es sich um den abschließenden Teil der Geburt eines Kindes, welcher noch immer viel zu oft unterschätzt wird. Dabei geht es in erster Linie um den intensiven Kontakt zwischen der Mutter und dem Kind, welcher gerade in den ersten gemeinsamen Momenten von großer Bedeutung ist. Bonding reduziert nicht nur Stress beim Kind, es stärkt auch die emotionale Komponente zwischen Mutter und Baby.
Bonding ist dabei keinesfalls das Ergebnis einer neuen Studie, sondern eine Methode, welche schon seit Jahrzehnten bekannt und dessen positive Auswirkungen von zahlreichen Wissenschaftlern bestätigt wurden.

Funktion & Aufgabe

Schon in den 1940er-Jahren entwickelten Psychologen, welche sich mit der frühkindlichen Entwicklung befassten, eine Theorie, die bis heute Bestand hat. Die ersten gemeinsamen Momente zwischen Mutter und Kind können nach dieser These maßgeblich Einfluss auf die weitere Entwicklung und das Verhältnis zwischen den beiden Menschen haben. So wird auch heute noch angenommen, dass der Mensch von Geburt an ein Bedürfnis hat, enge und emotional intensive Bindungen zu den nächsten Bezugspersonen aufzubauen – und dazu gehört bei einer Geburt natürlich in erster Linie die Mutter.

Somit wird beim Bonding vor allem Wert darauf gelegt, dass das Kind nach seiner Geburt genügend Zeit und Ruhe bekommt, um die Nähe zur Mutter zu genießen. Verläuft die Geburt ohne Komplikationen, wird der Säugling sofort auf den Bauch der Mutter gelegt, so dass beide zur Ruhe kommen können. Die Aufregung und die Atmung beruhigen sich nach und nach, die Schmerzen der Geburt lassen bei der Mutter nach und auch das Kind kann sich mit der Situation anfreunden. In diesen Augenblicken wird das Bindungshormon Oxytocin in seiner höchsten Konzentration in den Körpern aller Beteiligten ausgeschüttet – die Aufnahmefähigkeit ist während dieser Zeit also besonders groß.

Warum ist Bonding so wichtig?

Am besten beschreiben lässt sich das Bonding als eine Art Klebstoff, welcher den Säugling und seine Mutter ein Leben lang emotional fest aneinander bindet. Diese enge Bindung lässt sich dann nicht mehr spurlos „verwischen“ und wird durch keine andere emotionale Bindung im Leben des Kindes übertroffen. Das Baby bildet ein tiefes Grundvertrauen, das den Eltern gleichzeitig viel Verantwortung überträgt: Sie lieben ihr Baby und würden für das Wohl ihres Kindes jedes Opfer bringen.

Nicht immer ist es der Fall, dass Eltern in den ersten Lebensmomenten ihres Kindes sofort diese romantische Liebe verspüren – oft dauert es einige Tage oder sogar Wochen, bis sich Mutter und Vater an die neue Situation und den neuen Menschen in ihrem Leben gewöhnt haben. Dieser Prozess findet stets individuell statt und lässt sich nicht durch äußere Faktoren beeinflussen. Doch die stetige Nähe, der Herzschlag des Kindes und der Duft des kleinen Körpers sorgen dafür, dass die Liebe stetig zunimmt und das Bonding somit irgendwann zu einer untrennbaren Verbindung zwischen den Eltern und dem Kind führt.

Die Phase des Bondings nimmt maßgeblich Einfluss darauf, wie das Baby im Laufe seines Lebens Beziehungen zu anderen Menschen in seinem Umfeld wahrnimmt und wie es mit ungewohnten Situationen umgehen wird. Bonding hilft dem Säugling dabei, schneller Vertrauen zu fassen und weniger Angst zu haben, wenn es in eine neue Umgebung gelangt.
Genau diese Sicherheit kann nur dann entstehen, wenn das Baby erlebt, wie seine Eltern mit seinen Wünsche und Bedürfnissen umgehen. Säuglinge können natürlich noch nicht sprechen und äußern, was ihnen behagt und was nicht – demnach haben sie nur die Möglichkeit, zu weinen oder zu schreien, neugierig in die Umgebung zu blicken oder auch vor sich hin zu plappern. In der Regel verstehen Eltern nach einigen Monaten leichter, was dem Kind gerade fehlt. Das Baby erhält dann durch die entsprechenden Reaktionen das Signal: Ich werde ernst genommen, ich bin in Sicherheit und jemand kümmert sich um mich. Auf diese Weise wird ein tiefes Vertrauen geschaffen, welche seiner gesamten Entwicklung zugute kommt. Es fördert das eigene Selbstbewusstsein und reduziert Ängste vor Unbekanntem.

Krankheiten & Beschwerden

Babys drücken ihre Emotionen in erster Linie durch ihre Körpersprache und ihre Mimik aus. Eltern können hier nur mit Geduld lernen, diese Signale ihres Kindes richtig zu deuten. Die Basis des Ganzen ist jedoch intensiver Hautkontakt, denn nur so können sowohl das Baby als auch die Eltern den Duft des anderen wahrnehmen und ihn sich einprägen. Durch die Nähe und Wärme erfährt das Baby Sicherheit und Geborgenheit.
Wie intensiv die Beziehung zwischen Eltern und Kind in der Jugend und im Erwachsenenalter tatsächlich sein wird, kann natürlich nicht zu 100 % vorhergesehen werden, jedoch ist wissenschaftlich bewiesen, dass die Intimität zwischen Eltern und Kind in den ersten Lebensmonaten eine große Rolle dabei spielt.

Körperliche Nähe ist in den ersten Monaten im Leben eines Kindes wichtiger denn je und kann nur dadurch gefestigt werden, dass ein ständiger Kontakt zwischen Mutter und Kind besteht. Zahlreiche Studien belegen inzwischen, dass Menschen, die kein Bonding nach ihrer Geburt erfahren haben, später ein Verhalten zeigen, welches bei Säuglingen mit Bonding nicht der Fall ist. So beweisen Untersuchungen unter anderem auch, dass ein Baby generell unruhiger, ängstlicher und ungeduldiger wird, wenn es direkt nach der Geburt nicht für eine Weile auf dem Bauch der Mutter ruhen kann. Babys, bei denen das Bonding mit genügend Zeit und Ruhe durchgeführt wurde, zeigten dagegen mehr Sicherheit, positive Neugierde und Ausgeglichenheit.

Findet kein Bonding statt, kann sich dies auf das Zugehörigkeitsgefühl und auch auf die innere Balance des Babys negativ auswirken. Daher ist es wichtig, jegliche unnötige Trennung zwischen Mutter und Kind in den ersten Lebenswochen zu vermeiden bzw. so kurz wie möglich zu halten. Eine Trennung ist für das Kind in dieser Zeit starker psychischer Stress und gibt ihm das Gefühl, verlassen und allein zu sein. Es empfindet Angst, sehnt sich nach der vertrauten Nähe der Mutter und fühlt sich, als ob seine Bedürfnisse nicht ernst genommen werden. Dieses Gefühl kann sich so tief einprägen, dass es auch im Erwachsenenalter noch Spuren zeigt: Ein geringes Selbstwertgefühl, Frustrationen, unkontrollierte Aggressionen, eine grundsätzliche Unzufriedenheit oder seelische Schmerzen sind häufige Auswirkungen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass sich das Kind automatisch zum Negativen entwickeln wird, wenn aus gesundheitlichen Gründen nicht permanent körperlicher Kontakt mit dem Kind bestehen kann. Das Bonding spielt zwar aus emotionaler Sicht eine sehr wichtige Rolle, doch auch später lassen sich diesbezüglich noch einmal die Weichen neu stellen. Spätestens, sobald Eltern und Kind einmal zu Hause angekommen sind, bleibt noch genug Zeit, um die emotionale Bindung zueinander zu festigen und um so viel Zeit wie möglich miteinander zu verbringen.

Fragen & Antworten zum Thema Bonding

Lässt sich das Bonding zwischen Eltern und Kind noch nachholen?

Zwar sind die ersten Momente nach der Geburt eines Kindes entscheidend für die Wirkung des Bondings, allerdings sollte dieser Aspekt nicht überbewertet werden. In dieser Phase kann vieles in die richtigen Bahnen gelenkt werden, was die Emotionen zwischen Eltern und Kind betrifft – doch verloren ist noch längst nicht alles, wenn das Bonding aus einem Grund versäumt werden sollte. Oft erfordern medizinische Behandlungen oder eine Frühgeburt eine längere körperliche Trennung zwischen Mutter und Kind. In diesem Fall kann das Bonding natürlich auch später noch nachgeholt werden. Wichtig ist hierbei allerdings, dass die gemeinsame Zeit entsprechend intensiver und liebevoller gestaltet werden sollte.

Wie viel Zeit nimmt Bonding in Anspruch?

Beim Bonding zwischen Mutter und Baby handelt es sich nicht um ein Ereignis, das nur einige Minuten in Anspruch nimmt. Vielmehr geht es dabei um eine Phase, in der beide Generationen Zeit haben, um sich kennen zu lernen und um eine emotionale Bindung zueinander aufbauen zu können. Das dies nicht binnen weniger Minuten von statten geht, versteht sich fast von selbst. Das Bonding beginnt ab dem Moment, in dem die Mutter ihr Kind das erste Mal in ihrem Arm hält oder es auf dem Bauch liegt. Es geht nicht zwingend um die ersten Momente direkt nach der Geburt, sondern mehr darum, dass möglichst viel gemeinsame Zeit in den ersten Lebensmonaten verbracht wird. Genau dabei ist Körperkontakt eine wichtige Komponente, die sich durch nichts anderes ersetzen lässt und für die gesamte seelische Entwicklung des Kindes von größter Bedeutung ist. Das Bonding endet zudem nicht schon nach wenigen Monaten, sondern meist nach zwei bis drei Jahren.

Wie reagiert das Baby seelisch auf das Bonding?

Nach seiner Geburt ebbt die Aufregung nach und nach vom Baby ab und es machen sich die ersten Gefühle breit, die sich durch die Einflüsse der Umgebung auf das Kind entwickeln. Das Kind reagiert auf individuelle Weise abhängig von der Situation, womit die Eltern erst lernen müssen, umzugehen. Sie müssen in dieser Phase intensiv mit ihrem Kind kommunizieren, befassen sich viel mit ihm und werden mit der Zeit gelassener. Das Baby ist freudig, neugierig und an seiner Umgebung interessiert. Das Bonding ist die erste emotional intensive Phase im Leben des Kindes und sollte daher möglichst ausführlich gestaltet werden. Rund zwei bis drei Stunden Ruhe nach der Geburt, in der sich Mutter und Baby ganz aufeinander konzentrieren können, sollten es mindestens sein. Dadurch wird das Vertrauen zwischen Mutter und Kind gefestigt, das Baby erfährt Schutz und Zuwendung. Babys können sich unmöglich alleine versorgen und benötigen daher Sicherheit und Vertrauen – also jemanden, auf den sie sich verlassen können. Das emotionale Band zwischen Eltern und Kind stärkt sich deutlich mehr, wenn dem Bonding genügend Zeit und Geduld eingeräumt wird.

Wie läuft das Bonding genau ab?

Rund 10 bis 15 Minuten, nachdem das Kind auf die Welt gekommen ist, wird es das erste Mal seine Augen öffnen und sich neugierig umsehen. Es nimmt in diesen Augenblicken auch das erste Mal den Geruch seiner Mutter und seines Vaters wahr – ein prägendes Erlebnis, denn diesen Duft wird das Kind sein ganzes Leben lang nicht mehr Vergessen. Häufig kann man beobachten, dass ein Kind in den ersten zwei bis drei Stunden während des Bondings kaum schreien oder weinen, da diese Nähe sich äußerst beruhigend auf ihre Psyche auswirkt. Liebevoller Blickkontakt, Kuscheln und Streicheln sind in dieser Phase von großer Wichtigkeit. Bonding ist ein emotionales Bindemittel, das auch dem Kind dabei hilft, später besser seine Gefühle ausdrücken zu können.

Unser Fazit zum Thema Bonding

Abschließend bleibt zu sagen: Bonding ist von großer Bedeutung für die Beziehung zwischen Eltern und Kind, aber nicht zwingend nötig. Es bezeichnet nicht nur ein kurzes Ereignis, sondern einen Prozess, der nicht nur am Tag der Geburt, sondern auch fortlaufend währt.
Die erste Stunde nach der Geburt des Kindes ist jene, in der der Säugling am empfänglichsten für emotionale Reize ist. Das Baby ist – genau wie seine Mutter – aufmerksam, nimmt seine Umgebung wahr und kann sich an die Nähe der Mutter gewöhnen. Auch die Hormone werden in dieser Phase besonders hochkonzentriert im Körper ausgeschüttet.

Das Bonding beginnt nicht unmittelbar mit der Geburt des Kindes, sondern vielmehr erst dann, wenn die Mutter und das Kind sich das erste Mal bewusst wahrnehmen und die Zeit alleine miteinander genießen können. Mütter sollten deshalb nicht darauf verzichten und der Hebamme bereits im Vorfeld mitteilen, wie wichtig ihnen das Bonding nach der Geburt ist – denn diese Momente währen ewig

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