Oxytocin

Oxytocin, auch bekannt unter dem Namen „Kuschelhormon“, ist ein Hormon, was in Säugetieren natürlich auftritt. Es wird in der vorderen Region des Gehirns namens Hypothalamus gebildet.

Dieses Hormon ist ausschlaggebend für die Paarbindung, die mütterliche Bindung zum Neugeborenen speziell nach der Geburt, sowie für Angst– und Gruppenverhalten.

Offiziell ist Oxytocin nur für Schwangerschaften und Geburten zugelassen, es bestehen aber noch einige weitere Anwendungsmöglichkeiten.

OxytocinWas ist Oxytocin?

Dieser Wirkstoff ist ein Hormon aus der Gruppe der Proteohormone.

Mittlerweile ist auch bekannt, dass er genauso als Neurotransmitter wirkt.

Oxytocin bedeutet auch altgriechisch „schnelle Geburt“ und kommt seinem Namen sehr gerecht, denn es wird vor allem im Kreissaal zur Beschleunigung der Geburt und als Vorbeugung potentieller Nachblutungen angewendet.

Derzeit wird an Oxytocin sehr viel geforscht, um noch mehr Vorteile und Funktionen zu erkennen, sodass das Hormon noch öfter gezielter eingesetzt werden kann.

Bei solchen Studien wurde bereits festgestellt, dass die Behandlung mit Oxytocin in Mäusen traumatische Erfahrungen, die durch soziale Interaktionen entstanden sind, gelöscht werden konnten.

Ebenso steht ein Einsatz bei Personen mit sozialen Defiziten wie sie bei Autismus, sozialen Angststörungen, Borderline-Persönlichkeitesstörungen oder chronischen Depressionen zu Debatte.

Vor allem bei Autisten wurde in mehreren Studien gezeigt, dass sich das Sozialverhalten während der Einnahme von Oxytocin deutlich gebessert hat.

Beispielsweise konnten die Patienten ihren Gesprächspartner deutlich besser einschätzen und länger Blickkontakt halten. Jedoch wurde der Wirkstoff noch nicht genug getestet, um ihn über einen langen Zeitraum klinisch anzuwenden zu können.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

Oxytocin wird unter anderem in den folgenden Situationen verwendet:

  • leitet Wehen ein bzw. verstärkt sie
  • stimuliert die Milchproduktion und ermöglicht somit das Stillen
  • verstärkt mütterliche Bindung zum Kind
  • verstärkt Paarbindung
  • um Stress und Angstgefühle zu reduzieren
  • unterstützende Wirkung beim Aufbauen von Vertrauen zu anderen Personen
  • Aggressionen eindämmen
  • unterstützt das Empfinden von Empathie

Allgemeines

Allgemeines
NameOxytocin
Andere Namen
  • Ocytocin
  • Oxitozin
PräkursorOxytocin-Neurophysin-1 (106 Aminosäuren)
WirkstoffklasseHormon

Wirkungsweise

So wirkt Oxytocin

Oxytocin wird im Hypothalamus gebildet und anschließend von der Hypophyse (auch Hirnanhangsdrüse genannt) ausgeschüttet. Danach gelangt es in den Blutkreislauf teilweise in das Gehirn und wird in andere Körperteile transportiert.

Der Wirkstoff verursacht Wirkungen, die unmittelbar mit der Geburt im Zusammenhang stehen. Zum Beispiel wirkt es kontraktionslösend auf die Gebärmuttermuskulatur. Diese wird bei Geburten als Wehen bezeichnet.

Außerdem kann er helfen überfällige Geburt einzuleiten, schwache Wehen zu verstärken und verhindert starke Nachblutungen, die nach der Geburt auftreten können, fördert das Ablösen der Plazenta aus der Gebärmutter und zieht die Milchdrüsen zusammen, sodass die Milch Richtung Brustwarzen geleitet wird. Dieser Prozess wird auch als Milchejektionsreflex bezeichnet.

Grundsätzlich wird Oxytocin auf natürliche Weise vom Körper produziert, kann aber für die aufgeführten Gründe auch als Medikament verabreicht werden.

Dieses Hormon ist somit insbesondere für die sexuelle Erregung, das Bindungsverhaltung und die mütterliche Fürsorge für das Neugeborene speziell in der Zeit direkt nach der Geburt verantwortlich. In hoher Dosierung kann dieser Wirkstoff auch die Harnmenge reduzieren.

Allerdings wird das Hormon sehr schnell, oft innerhalb weniger Minuten abgebaut. Daher ist diese Wirkung nicht von sonderlicher Bedeutung.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Oxytocin

Oxytocin wird nach der Produktion und Ausschüttung in den Blutkreislauf aufgenommen. Von dort kann der Wirkstoff teilweise die Blut-Hirn-Schranke überwinden wodurch ein geringer Anteil in das Gehirn gelangt.

Der Großteil wird jedoch zu anderen Körperteilen transportiert. Nach wenigen Minuten (in der Regel nach ca. drei bis zwanzig Minuten) ist das Hormon wieder komplett abgebaut und wird über den Urin ausgeschieden.


Anwendungsgebiete

Wann wird Oxytocin eingesetzt?

Oxytocin ist für die folgenden Anwendungszwecke offiziell zugelassen:

  • Unterstützung der Geburtseinleitung
  • Verstärkung bzw. Anregung der Wehen
  • Blutungen nach der Geburt entgegen zu wirken (Blutungsprophylaxe)
  • Beschleunigung des Abstoßens der Plazenta

Außerdem kann Oxytocin auch bei der Therapie von Autisten und anderen Verhaltungsstörungen in den folgenden Situationen angewendet werden. Hierfür ist es allerdings derzeit nicht offiziell zugelassen.

  • Gefühle besser zeigen
  • Empathie entwickeln
  • emotionale Eigenschaften werdender Mütter unterstützen

Richtige Anwendung

So wird Oxytocin angewendet

Dieser Wirkstoff wird als Injektionslösung angewendet und wird zwischen einigen Minuten bis hin weniger Stunden verabreicht. Bei der Infusion ist eine gleichmäßige und stetige Gabe nötig, um einen gewissen Anteil im Blut zu halten, da der Wirkstoff sehr schnell wieder abgebaut wird.

Die Dosierung variiert je nach Patient, dessen Verfassung und dem Zweck weshalb Oxytocin eingesetzt wird.

Außerhalb des zugelassenen Anwendungsgebiet wird häufig ein Oxytocin-Nasenspray verwendet. Dies kann mehrmals täglich über einen längeren Zeitraum angewendet werden.

Daher ein Spray, weil es bei einer langen Behandlung praktischer als eine Infusion ist und nicht durch medizinisches Personal verabreicht werden muss.

Allerdings kann durch das Spray ein höherer Prozentsatz im Gegensatz zu der Infusion in das Gehirn gelangen. Dieser ist im Verhältnis aber immer noch sehr gering.


Medikamente

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Oxytocin?

Der Wirkstoff Oxytocin ist unter anderem in den folgenden Medikamenten vorhanden:

  • Oxytocin 10 HEXAL Injektions-/Infusionslösung
  • Oxytocin 10 Rotexmedica Ampullen 1 ml Injektionslösung
  • Oxytocin-3 HEXAL Injektions-/Infusionslösung
  • Oxytocin 3 Rotexmedica Ampullen 1 ml Injektionslösung
  • Oxytocin 5 HEXAL Injektions-/Infusionslösung

Handelsnamen

Monopräperate

Oxytocin, was hauptsächlich als Notfallarzneimittel im Kreissaal zum Einsatz kommt, ist unter dem Namen Syntocinon bekannt und ist in verschiedenen Stärken erhältlich.

Kombinationspräperate

Oxyticin ist handelsüblich nicht als Kombinationspräparat erhältlich, kann aber in Form von einer Kombinationstherapie angewendet werden.


Indikationen

Oxytocin kann bei einigen Indikationen, die unmittelbar mit der Geburt zu tun haben angewendet werden. Bei Schwangeren dient es vor der Geburt dazu die Wehnen einzuleiten bzw. zu verstärken.

Auch bei einer verspäteten Geburt kann Oxytocin helfen, die Geburt einzuleiten. Nach der Geburt unterstütz Oxytocin dabei Blutungen zu vermeiden, die Plazenta schneller abzulösen und die mütterliche Fürsorge zu verstärken.


Gegenanzeigen

Wann darf Oxytocin nicht verwendet werden?

Oxytocin darf nicht bei einer bekannten Allergie oder Überempfindlichkeit auf Oxytocin oder andere Inhaltsstoffe des jeweiligen Medikaments angewendet werden.

Ebenso darf es frühestens sechs Stunden nach vaginaler Verabreichung von Prostaglandinen verwendet werden.

Was müssen Sie bei der Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Wird Oxytocin bereits im Laufe der Schwangerschaft angewendet, besteht für das ungeborene Kind in der Regel keine Gefahr.

Während der Stillzeit kann das Hormon in geringer Menge in die Muttermilch gelangen und somit von dem Baby aufgenommen werden. Auch hier sind keine Auswirkungen auf das Kind zu erwarten.

Allerdings könnte durch die zusätzliche Zufuhr des Hormons der Milchspendereflex der Mutter leicht gestört werden, wodurch das Stillen behindert werden könnte.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Es gibt noch nicht genügen Studien, um die Auswirkung von Oxytocin bei Kindern einzuschätzen. Kinder sollten daher nicht in Berührung mit diesen Wirkstoff kommen.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Oxytocin?

Wie bei allen Medikamenten kann es auch bei der Verwendung von Oxytocin zu Nebenwirkungen kommen.

Diese können je nach Form des Wirkstoffes, der körperlichen Verfassung des Patienten und des Schweregrades der Erkrankung in Stärke und Häufigkeit variieren oder ganz ausbleiben.

Sollten die unten angeführten oder weitere Nebenwirkungen auftreten ist es sinnvoll den behandelnden Arzt zu kontaktieren.

Sehr häufige Nebenwirkungen:

  • starke Wehtätigkeiten, gelegentlich mit Tetanus uteri und dadurch verursachte kindliche Hypoxie

Häufige Nebenwirkungen:

Gelegentliche Nebenwirkungen:

  • Allergische Reaktionen verschiedenen Grades
  • Dauerkontraktionen der Gebärmutter

Außerdem besteht bei einer Überdosierung die Gefahr einer Uterusüberstimulation. Dies kann zu einem fetalen Distress, fetalen Asphyxie oder zum Tod des Ungeborenen kommen. Auch können hypertone Wehen oder eine Uterusruptur die Folge sein.

Wird Oxytocin zu schnell intravenös verabreicht, kann es zu Hautrötungen und einer Reflextachykardie in Verbindung mit einer kurzfristigen, aber akuten Hypertonie oder einer QTc-Verlängerung kommen.

Hier ist besondere Vorsicht und Aufmerksamkeit geboten, denn bei Patientinnen, die bereits unter kardiovaskulären Störungen leiden, kann dies zu schnellen Myokardischämie führen.


Wechselwirkungen

Welche Wechselwirkungen zeigt Oxytocin?

Oxytocin ist prinzipiell ein natürliches Hormon. Dadurch treten seltener als bei anderen Wirkstoffen Wechselwirkungen in Verbindung mit anderen Arzneimitteln auf. Diese sind jedoch auf keinen Fall ausgeschlossen und können unterschiedlich bei den Patienten ausfallen.

Medikamente, die die QT-Zeit verlängern, was bei einer speziellen Form der Herzrhythmusstörung auftritt, beispielsweise bei:

können ebenso zu einer verminderten Wirkung des Hormons führen.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Oxytocin zusammen mit Arzneimittel gegen Bluthochdruck eingenommen wird. Da das Hormon von Hause aus den Blutdruck erhöhen kann, wird die Wirkung des Bluthochdruckmittels gegebenenfalls reduziert.

Vor der Anwendung von Oxytocin sollte mindestens sechs Stunden vorher kein Prostaglandine eingenommen werde, da die Gebärmutter deutlich stärker auf den Wirkstoff reagieren würde.

Wechselwirkungen bei diesem Hormon sind bei psychischen Erkrankungen nicht ausreichend getestet. Es kann daher durchaus möglich sein, dass es hier zu Komplikationen kommen kann.


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Oxytocin zu beachten?

Das Auftreten von Allergien oder Überempfindlichkeiten sind in der Regel unwahrscheinlich, da Oxytocin ein körpereigenes Hormon ist.

Die Gefahr besteht natürlich trotzdem noch, denn bei der medikamentösen Behandlung wird der Wirkstoff synthetisch hergestellt, entspricht jedoch dem natürlichen Aufbau.

Trotzdem sollten bei ersten Anzeichen einer Allergie ein Arzt oder Apotheker umgehend informiert werden.

Außerdem sollte auf die Einnahme von Oxytocin verzichtet werden, wenn eine Neigung zu Tetanus uterie (Dauerkontraktion der Gebärmutter) nachzuweisen ist.

Auch bei einem drohenden Gebärmutterriss (Uterusruptur), einer vorzeitigen Plazentaablösung oder einem unreifen Cervix sollte dieser Wirkstoff nicht eingenommen werden.

Besondere Vorsicht und sorgfältige Kontrolle bei der Mutter sowie dem Kind sind geboten, wenn es im Laufe der Geburt zu einer Öffnung der Gebärmutterhöhle (Cavum uteri) gekommen ist.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Oxytocin

In der Regel wird dieser Wirkstoff direkt vom behandelnden Arzt eigenständig verabreicht. Das Nasenspray wird seit 2008 in Deutschlang als Fertigarzneimittel nicht mehr verkauft.

Wird einem das Spray ärztlich verschrieben, können die Apotheken es in der Regel nach individueller Rezeptur trotzdem herstellen und ausschließlich an den Patienten verkaufen.


Geschichte

Seit wann ist Oxytocin bekannt?

Oxytocin wurde Anfang des letzten letzten Jahrhunderts entdeckt. Bereits 1906 hat der britische Biochemiker Henry Hallett Dale die Wirkung auf die Gebärmutter und die Zusammenhänge mit der Geburt festgestellt.

1927 wurde dann der heute bekannte Name vergeben, der aus altgriechisch so viel wie leichtgebärend bedeutet.

Der strukturelle Aufbau ist erst seit 1953 bekannt. Dennoch ist Oxytocin das erste Polypeptid-Hormon, was synthetisch hergestellt werden konnte.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnamen

Auf keinen Fall sollten Oxytocin-Nasensprays aus dem Internet bestellt werden.

Außerdem sollte einem bewusst sein, dass sie das Verhalten von Autisten nicht normalisieren können auch wenn die Werbung noch so überzeugend wirkt. Die zusätzliche Hormoneinnahme kann auch keine Beziehungen retten.

Um eine Überdosierung und ihre Folgeschäden zu vermeiden, muss die Anwendung und Dosierung auf jeden einzelnen Patienten genau abgestimmt werden.

Durch eine Überdosierung oder bei zu schneller Einnahme können beispielsweise hypertone Wehen entstehen.


Quellen

  • Chang S. W. C. et al.: Inhaled oxytocin amplifies both vicarious reinforcement and self reinforcement in rhesus macaques (Macaca mulatta), in: Proc Natl Acad Sci USA (2012), Ausgabe 109 (3), S. 959-64.
  • Aktories, K. et al.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 11. Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2013.

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