Lippenherpes (Herpes labialis)

Steckbrief: Lippenherpes

  • Name(n): Lippenherpes; Herpes (Simplex) Labialis
  • Art der Krankheit: Virusinfektion
  • Verbreitung: Weltweit
  • Erste Erwähnung der Krankheit: Seit der Antike; im Mittelalter unter dem Namen Liphanbrândt
  • Behandelbar: Ja; aber nicht heilbar
  • Art des Auslösers: Herpes simplex Virus
  • Wieviele Erkrankte: Circa 60% – 70% der weltweiten Bevölkerung
  • Welchen Facharzt sollte man aufsuchen: Hausarzt; Immunologe
  • ICD-10 Code(s): B00

Lippenherpes
Lippenherpes
Jeder kennt es, beinahe jeder hatte es schon einmal und viele ekeln sich davor: Lippenherpes.

Diese weltweit verbreitete Infektionskrankheit begleitet einen ein Leben lang und kann immer wieder ausbrechen. In den meisten Fällen ist diese Erkrankung nicht wirklich gefährlich für den Betroffenen. Sie ist allerdings sehr unangenehm und kann teilweise sehr schmerzhaft werden. Darüber hinaus empfinden viele die Bläschen ALS sehr entstellend und schämen sich, wenn der Virus ausbricht.

In der Regel bricht diese Form des Herpes nicht spontan aus. Vielmehr geht ihm eine Erkältung, andere Infektionen, Stress oder ein generell geschwächtes Immunsystem voraus. Prinzipiell kann all das, was das Immunsystem in irgendeiner Weise beansprucht, zum auslösenden Faktor eines Lippenherpes werden.

Eine ultimative Heilung gibt es bei dieser Erkrankung leider nicht. Wer den Herpesvirus in sich trägt, wird ihn ein Leben lang nicht mehr los. Es stehen aber sehr effektive Medikamente zur Behandlung dieses Virus zur Verfügung.
Da es sich um eine so häufig auftretende Erkrankung handelt, wird darüber hinaus intensiv nach einer effektiven Heilung von Herpes geforscht. Aktuell stehen die Chancen dank einiger erfolgreicher Studien recht gut, dass die lästigen Bläschen womöglich schon bald der Vergangenheit angehören.

Definition Lippenherpes?

Lippenherpes, oder Herpes Simplex Labialis, geht auf den sogenannten Herpes Simplex Virus zurüCK. Dieser kann in zwei verschiedene Typen unterteilt werden: den HSV II und den HSV II. Während der zweite Typ überwiegend Genitalherpes verursacht, führt HSV I vor allem zum Gesichtsherpes, der sich in den typischen Bläschen an den Lippenrändern manifestiert.
Das Besondere am Lippenherpes ist, wie bei allen Simplexviren, dass er irreversibel ist. Er verankert sich gleichsam in den Nervenknoten (Ganglien) des Kopfes und ruht dort, bis das Immunsystem eine erneute Reaktivierung zulässt. Aus diesem Grund kann es immer wieder zu den spezifischen Symptomen einer Herpeserkrankung kommen, wenn eine Erkältung oder andere Krankheiten das Immunsystem vorübergehend schwächen und “ablenken”. Primärer Auslöser der Reaktivierung ist stets das Ausschütten von körpereigenen Stresshormonen in die betroffenen Nervenknoten. Nach einer Herpesepisode und der Normalisierung des Stresslevels bewirken spezifische Proteine, dass der Virus wieder in einen inaktiven Status zurückfällt. Bei immunsuppressiven Menschen kann dieser Mechanismus gestört sein, sodass nahezu immer ein Lippenherpes vorliegt. Im Normallfall sollten hingegen die inaktiven Phasen deutlich dominieren.


Was ist Lippenherpes?

Lippenherpes, auch als Herpes labialis bezeichnet, ist eine mögliche Ausprägung, die nach der Ansteckung mit Herpesviren (vornehmlich Herpes Simplex) erscheinen kann. Dabei sind, anders als der Name vermuten lassen könnte, nicht bloß die Lippen betroffen. Das ganze Gesicht kann möglicherweise in Mitleidenschaft gezogen sein. Dies liegt daran, dass Herpes Labialis sich immer an denselben Stellen manifestiert, an denen die erstmalige Infektion stattgefunden hat. Zumeist ist dies der Mund, es kann aber auch Nase, Wange, Augen oder Stirn betreffen. Gleichwohl das zugegebenermaßen eher selten der Fall ist. Unter Umständen kann ein Lippenherpes (Herpes Simplex Virus I), der sich marginal vom Genitalherpes (Herpes Simplex Virus II) unterscheidet, ebenso auf die Geschlechtsorgane weitergegeben werden. Sehr selten sind darüber hinaus die Finger, besonders um das Nagelbett herum, betroffen.

Des Weiteren handelt es sich bei Lippenherpes oder vielmehr bei den Herpes Simplex Viren um ein sogenanntes schlafendes Virus. Das heißt, dass die viralen Zellen, selbst wenn die Krankheit per se keine Symptome zeigt, im Organismus verbleiben. Man kann den Virus folglich, wenn man sich erst einmal angesteckt hat, nie mehr loswerden. Daher ist jederzeit ein Ausbruch des Lippenherpes zumindest theoretisch möglich.

Ein solcher Ausbruch zeigt sich in der Bildung kleiner Bläschen oder Pusteln, die den Eindruck einer nässenden Wunde machen. Diese Wunden können recht schmerzhaft sein, sind aber in der Regel eher nicht weiter gefährlich. Der kosmetische Aspekt einer Herpes Labialis ist dabei weitaus gravierender. Er gilt als unschön und wird als entstellend empfunden. Das verursacht emotionalen Stress bei den Betroffenen, der zusätzlich dafür sorgt, dass das Immunsystem sich weiterhin abschwächt. Das kann sogar zum längeren Bestehen des Lippenherpes beitragen.

Verbreitet ist dieses Leiden darüber hinaus weltweit. Nur sehr isoliert lebende Gruppen und Stämme sind frei von diesem Virus und reagieren oftmals gravierend auf eine Ansteckung.

Welche Ursachen gibt es?

Lippenherpes ist eine sogenannte Schmierinfektion. Er entsteht dann, wenn der Herpes Simplex Erreger über die Schleimhaut des Mundes oder eine offene Wunde in den Körper des Menschen eindringt. Dies geschieht zum einen über den direkten Kontakt einer infizierten Körperstelle mit der Schleimhaut oder Wunde einer anderen Person. Küssen kann als Beispiel für diese Art der Ansteckung genannt werden. Andererseits können die Viren auch einen indirekten Übertragungsweg wählen. Wird eine infizierte Körperstelle berührt, haften die Viruszellen womöglich an den Fingern und treten bei anschließender Berührung eines geeigneten Übertragungsortes in den nächsten Körper ein. In den allermeisten Fällen betrifft der Lippenherpes natürlich die Gesichtsregion. Unter ungünstigen Umständen kann er jedoch auch auf andere Körperregionen übertragen werden. Hier seien exemplarisch der Schambereich, die Augen oder Finger genannt.

Hernach wandert er in die Nervenzellen des Gesichts und setzt sich schlussendlich im Ganglion geniculi, den Nervenknoten am Schläfenbein, fest. Hier ruht der Virus dauerhaft, bis er durch äußere Einflüsse aktiviert wird. Zu diesen Einflüssen gehören unter anderem:

  • Offene Verletzungen im Gesichtsbereich
  • Sonnenbrand
  • Fieber
  • Emotionaler oder physischer Stress
  • Allgemeine Schwächung des Immunsystems
  • Dehydration
  • Menstruation
  • Peelings
  • Kosmetika
  • Chirurgische Eingriffe
  • Gesichtstattoos

Die genannten Faktoren bewirken, dass ein immuneigenes Stresshormon in den Nervenknoten freigesetzt wird. Eben jenes Hormons bedient sich der Herpes Simplex Virus: Die biochemischen Botenstoffe bewirken eine Aktivierung nicht nur immunologischer Abwehrmechanismen, sondern eben auch der viralen Zellen. Diese beginnen nun, sich zu vermehren. Bemerkbar macht sich dies in Form der typischen Herpesbläschen, die sich oftmals am Übergang von Haut und Lippenrot bilden. Die Blasen sind mit einer hochinfektiösen Flüssigkeit gefüllt, die sozusagen die Brutstätte des Virus bildet. Sie vermag nun wieder mittels Schmierinfektion übertragen werden und bildet den eigentlichen Initiator einer Ansteckung.

Aufgrund der generellen Mannigfaltigkeit der Aktivierungsfaktoren kursieren viele Gerüchte darüber, was den Ausbruch eines Lippenherpes auslösen kann. Hier muss klar gesagt werden, dass im Prinzip alle Einflüsse ursächlich sein können, die das Immunsystem beanspruchen und über einen längeren Zeitraum hinweg Stresshormone freisetzen. Das hartnäckige Gerücht, Ekel könne Herpes auslösen, ist demnach schlichtweg falsch, da es sich hierbei lediglich um eine kurze Episode des Stresses handelt. Die dabei freigesetzten Hormone reichen nicht aus, um den Virus tatsächlich aktivieren zu können. Es bedürfe schon einer sehr langen Phase des Ekels, um die Herpes Simplex Viren tatsächlich aus ihrer Dormanz zu erwecken.

Unklarheit besteht des Weiteren darin, ob das Teilen eines Glases oder einer Trinkflasche den Lippenherpes auslösen kann. Hier muss unterschieden werden, ob bereits bei beiden Betroffenen Herpesviren vorliegen, oder ob einer der Beteiligten noch keinen Kontakt mit Herpes Simplex hatte. Ist dies der Fall, kann über ein Trinkgefäß selbstverständlich eine Infektion erfolgen. Sind jedoch beide Parteien bereits Träger des Virus, erreicht die gemeinsame Benutzung von Geschirr keine Aktivierung der viralen Zellen. In diesem Fall könnte theoretisch, gesetzt dem Fall, dass keine offenen Wunden vorliegen, auf Vorsichtsmaßnahmen verzichtet werden. Selbst Küssen wäre dann gefahrlos möglich. Aus rein hygienischen Gründen ist von einem solchen Verhalten jedoch abzuraten. Darüber hinaus besteht auch die Gefahr, dass Herpesviren eine neue Stelle im Gesicht “erobern” und später nicht nur am primären Infektionsort, sondern an noch weiteren Punkten auftauchen können.

Die Ursachen eines Lippenherpes lassen sich wie folgt noch einmal zusammenfassen: Eine Infektion findet bei Erstkontakt mit dem Virus via infektiöser Körperflüssigkeiten statt. Anschließend sorgt das Ausschütten von Stresshormonen dafür, dass auch Symptome der Erkrankung sichtbar zutage treten.


Symptome & Anzeichen

Normalerweise zeigen Herpesviren keine Symptome. Nämliches gilt ebenso für Viren, die Lippenherpes auslösen. Dies liegt schlicht daran, dass sie normalerweise inaktiv in den Ganglien (Nervenverbindungen) unterhalb der Schläfe sitzen. Aktiviert werden sie nur dadurch, dass das Immunsystem angegriffen ist und Stresshormone in die Nerven gelangen. In diesen Fällen kann es hernach zum Ausbruch eines Lippenherpes kommen. Interessanterweise leiden überwiegend jüngere Menschen und solchen Herpesaktivierungen. Mit zunehmenden Alter hingegen treten Herpesepisoden immer seltener oder gar nicht mehr auf.

Des Weiteren schwankt die Stärke, mit der Lippenherpes ausbricht, von Fall zu Fall sehr stark. Während einige Infizierte beinahe noch glimpflich mit den bekannten Bläschen an der Lippe davonkommen, trifft es andere um einiges härter. Bisweilen können die Herpeswunden den gesamten Mundinnenraum und den sichtbaren Rachen befallen. Das erschwert das Schlucken für den Patienten immens und kann in einigen Fällen sogar eine Pharyngitis (Entzündung des Rachenraumes) nach sich ziehen.

Wie die meisten Viren, die sich durch Bläschen, Ausschlag oder andere Hautoberflächenveränderungen manifestieren (beispielsweise Röteln oder Windpocken), erregt auch der Herpes Simplex Virus einen, zum Teil sehr starken, Juckreiz. Man sollte diesem Reiz aber auf keinen Fall nachgeben. Nicht nur deshalb, um Schmierinfektionen mittel der belasteten Finger zu vermeiden, sondern auch, da die Herpeswunden nicht selbstständig heilen können, wenn sie durch Kratzen stetig geöffnet werden. Dies kann zum einen Narbenbildung nach sich ziehen. Zum anderen bleiben die lästigen Bläschen dann wesentlich länger bestehen, als nötig.

Ein weiteres Symptom ist, dass die entstehenden Wunden relativ stark brennen. Aber auch hier ist es empfehlenswert, zunächst nichts zu unternehmen und dieses Symptom einfach auszuhalten. Es lohnt sich. Schließlich verschwindet die Infektion meistens schneller, wenn man sie vollkommen in Ruhe lässt.

Die Symptome eines Lippenherpes finden Sie hier nun noch einmal zusammengefasst:

  • Bläschen, die sich häufig an der Lippe befinden, stark gespannt erscheinen und eine klare Flüssigkeit enthalten.
  • Hautrötungen, die sich um die Bläschen herum bilden.
  • Starker Juckreiz an den betroffenen Stellen.
  • Brennen an Bläschen und um diese herum.
  • Nach dem Kratzen der Bläschen: Infektionen, Blutungen und Flüssigkeitsaustritt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose erfolgt meist ganz simpel mittels der Augen des Arztes, ergo der sogenannten Blickdiagnose. Aber auch eine Selbstdiagnose durch den Patienten ist möglich. Eine bestätigte Infektion mit Herpes Labialis gehört zu den wenigen Fällen, in denen Selbstdiagnosen kein allzu großes Risiko für Leib und Leben des Betroffenen darstellen. Bei atypischen Symptomen sollte aber selbstverständlich ein Arzt konsultiert werden.

Falls keine sichere Blickdiagnose möglich ist, können Abstriche genommen werden. Dies geschieht aber so gut wie nie. Bisweilen sind auch Bluttests nötig, um determinieren zu können, um welchen Typ des Herpeserregers es sich genau handelt: Herpes Simplex I oder II. Jedoch sind diese Tests nur während eines Ausbruchs probat und liefern während der Dormanz keine klaren Ergebnisse.

Alles in allem ist eine Diagnose von Lippenherpes folglich keine Herausforderung für einen geübten Mediziner. Hinzu kommt, dass der Verlauf der Krankheit meist sehr typisch ist und von Fall zu Fall nicht allzu stark variiert. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass das Immunsystem eine wichtige Rolle spielt und es gilt als Faustregel: Je angegriffener das Immunsystem, desto länger halten sich sichtbare Herpessymptome.

Der typische Ablauf einer Herpesepisode lässt sich wie folgt beschreiben:

  1. Prodromale oder vorläufige Phase: Diese Phase dauert in etwa zwischen 12 und 24 Stunden. Sie äußert sich durch starkes Jucken und Brennen der betroffenen Stelle. Beginnt die Behandlung bereits in dieser Phase, also schon, bevor der Herpes zu sehen ist, kann bisweilen komplett vermieden werden, dass die Symptome voll zum Ausbruch kommen.
  2. Entzündung: Etwa einen Tag lang treten Rötungen und entzündliche Schwellungen am Infektionsort auf. Es lässt sich bereits ein deutliches Blasenwachstum bemerken.
  3. Geschlossene Phase: Diese Phase kann zwischen zwei und drei Tagen andauern. Hie schwillt die Herpesblase auf ihre größte Ausdehnung an und reagiert äußerst schmerzvoll auf leichteste Berührungen.
  4. Offene Phase: Nun beginnt die schmerzvollste und zugleich ansteckendste Phase. Sie dauert in der Regel ein bis zwei Tage. Die Wunde bricht nun auf und beginnt zu nässen. Die dabei abgesonderte Flüssigkeit gleicht einem Brutkasten für Viren. Sie enthält demzufolge ganz besonders viele Erreger und ist aus diesem Grund hochgradig ansteckend.
  5. Verkrustung: Je nachdem wie gut die Wundheilung des jeweils betroffenen Organismus ist, kann die Verkrustung zwischen einem Tag und drei Tagen andauern. Diese Phase äußert sich dadurch, dass die offene Wunde, welche sich zuvor gebildet hat, zunächst verschlossen wird. Es bildet sich eine Kruste über dem Gewebe. Die Wunde ist nach wie vor sehr schmerzvoll. Hinzu kommt, dass durch Bewegung der Lippen beim Sprechen oder Kauen, die Kruste regelmäßig beschädigt wird und oft aufreißt. Dies ist ebenfalls schmerzhaft für den Betroffenen.
  6. Heilungsphase: Innerhalb von zwei bis fünf Tagen vollzieht sich nun die Wundheilung. Dabei wird unter der Kruste eine neue Hautschicht gebildet. Jucken, Brennen und leichter Schmerz sind in dieser Phase noch immer möglich.
  7. Vollständige Heilung: Nach insgesamt circa zwei bis drei Wochen ist der Herpesausbruch komplett überstanden und der Virus kehrt in seinen inaktiven schlafenden Zustand zurück. Leichte Rötungen können jedoch über die Heilung hinaus für ein paar Tage sichtbar bleiben.

Häufigkeit & Diagnosedaten

Lippenherpes gehört zu den häufigsten Viruserkrankungen des Menschen. Dies allein zeigt bereits auf, dass der Herpes Simplex Virus hoch infektiös ist und sich sehr leicht übertragen kann. Es wird angenommen, dass zumindest zwei Drittel der weltweiten Bevölkerung mindestens einmal im Leben eine Lippenherpesepisode erleben. Folglich sind diese Menschen Träger des Virus. Darüber hinaus gibt es einige Betroffene, die ebenfalls infiziert sind, bei denen sich aber keine Lippenbläschen manifestieren, wodurch die Erkrankung nicht bemerkt wird. Auch dadurch, dass nicht zwangsläufig eine Behandlung durch den Arzt erfolgen muss, handelt es sich bei den statistischen Erhebungen vermutlich um Minimalangaben. Die Dunkelziffer im Bezug auf Lippenherpes sollte deutlich höher liegen. Da oftmals keine genaue Analyse des spezifischen Virustyps vorgenommen wird, handelt es sich auch hierbei mehr um Schätzungen. Bisher wird davon ausgegangen, dass circa 80 % der diagnostizierten Lippenherpeserkrankungen auf den Herpes Simplex Virus Typ I zurückzuführen sind. Lediglich 20 % resultieren demzufolge auf eine Infektion mit HSVirus II, der im Normalfall Genitalherpes verursacht.

Hinsichtlich Geschlecht der Betroffenen gibt es keine sonderliche Gewichtung. Männer und Frauen scheinen in etwa gleich häufig Träger des Virus zu sein, da der geschlechterspezifische Hormonhaushalt bei der Übertragung keine Rolle spielt. Hingegen lässt sich beobachten, dass Frauen häufiger als Männer mit einem Ausbruch des Lippenherpes zu kämpfen haben. Das lässt prinzipielle Rückschlüsse auf eine leicht variierende Arbeitsweise des jeweiligen Immunsystems zu. Frauen scheinen häufiger entsprechende Stresshormone freizusetzen, als dies bei Männern der Fall ist. Genauere statistische Angaben liegen hierzu jedoch noch nicht vor.

Im Bezug auf die Herkunft zeichnet sich ab, dass Menschen in ärmeren Ländern häufiger betroffen sind, als in den westlichen Industrienationen. Beispielsweise liegt die Rate der Infizierten in einigen afrikanischen Ländern bei 87 %. In Deutschland hingegen sind circa 60 % der Bevölkerung betroffen. Ursächlich hierfür ist vermutlich die variierende Bedeutung von Hygienevorschriften sowie möglicherweise fehlendes Wissen um die Infektiosität der Lippenbläschen.

Es lassen sich darüber hinaus deutliche Unterschiede im Hinblick auf das Alter der akut Betroffenen beobachten. Personen über 50 entwickeln nur noch sehr selten oder gar keine Lippenherpesepisoden mehr. Kinder und Personen zwischen dem 20. Und dem 30. Lebensjahr sind hingegen besonders häufig betroffen. Kinder sind ferner auch besonders anfällig für eine ungünstige Entwicklung der Herpesinfektion. Bei ihnen entwickelt sich öfter eine Herpesenzephalitis als bei Erwachsenen, es sei denn jene leiden unter einer Immunsuppression. Generell ist das Risiko schwerer Komplikationen aber relativ niedrig anzusetzen. Nur bei circa 0,2-0,4 % der Infizierten dringt der Herpesvirus tiefer in Organe wie Hirn, Leber und Herz ein und verursacht dort eine Entzündung.


Komplikationen bei der Krankheit

An und für sich ist eine Herpesinfektion für den Betroffenen nicht gefährlich. In einigen seltenen Fällen können jedoch schwerere Erkrankungen entstehen. Hierzu gehören das Herpesekzem (Ekzema herpeticatum) sowie die Ausbreitung der Herpesviren in andere Organe als die Haut.

Unter einem Ekzem wird ein trockener Ausschlag verstanden, der mit zum Teil roten und juckenden Flecken der Haut einhergeht. Oftmals entsteht es in Folge einer allergischen Reaktion auf chemische Reinigungsmittel, Pollen oder toxische Stoffe. Kommt unter ungünstigen Umständen die Haut, die auch von einem Ekzem betroffen ist, mit dem Herpes Simplex Virus in Kontakt, potenzieren sich hernach die Symptome beider Erkrankungen. Der Hautausschlag wirft Blasen und bedeckt sehr große Areale der Haut. Die Wunden können darüber hinaus eitern, bluten und viel Flüssigkeit absondern. Neben starken Schmerzen treten außerdem die typischen Anzeichen einer schweren Entzündung auf, darunter Fieber, geschwollene Lymphknoten, Schüttelfrost und Abgeschlagenheit. Hierdurch wird das Herpesekzem durchaus gefährlich und sollte schnellst möglich mit antiviralen Medikamenten behandelt werden. Als Langzeitfolge bilden sich oftmals deutliche Narben, die es nach Möglichkeit zu vermeiden gilt, da Herpesekzeme nicht selten sichtbare Bereiche wie das Gesicht und den Hals betreffen. In jenen Fällen, in denen die Augenpartie in Mitleidenschaft gezogen wird, kann darüber hinaus Blindheit ob der Beschädigung der Hornhaut eintreten.

Circa 0,2 % entwickeln aufgrund einer Ansteckung mit Herpesviren eine Herpesenzephalitis, also eine Entzündung des Gehirns. In über 90 % der Fälle zeichnet sich Herpes Simplex I, der auch Lippenherpes verursacht, verantwortlich. Überwiegend sind Personen zwischen 20 und 30 Jahren betroffen. Diese Erkrankung resultiert daraus, dass die Herpesviren auf ihrer Wanderung zu den Ganglien des Felsenbeins nicht stoppen, sondern auch andere Nerven befallen (beispielsweise den Nervus trigeminus oder den Nervus vagus) und dergestalt schließlich ins Hirn eindringen. Ist schließlich das gesamte Zentralnervensystem angegriffen, führt dies unweigerlich zu einem schnellen, morbiden Tode.
Diese spezifische Herpesinfektion bedeutet nicht nur weit drastischere Folgen für den Betroffenen, sie unterscheidet sich auch hinsichtlich des Verlaufs von einer “normalen” Infektion. Unter anderem sind die einzelnen Phasen der Erkrankung wesentlich verkürzt. Zudem treten Begleiterscheinungen auf, die für den Lippenherpes sehr unüblich sind. Hier seien als Beispiel Nackensteifheit, Einschränkungen der Sprachfunktion und Krampfanfälle genannt. Die Behandlung der Herpesenzephalie erfolgt mit starken Virostatika, die in ungefähr 80% der Fälle Erfolge erzielen. Allerdings behalten circa die Hälfte aller Betroffenen Schäden des Hirns zurück.

In gleicher Weise, in der Herpesviren das Hirn angreifen, können sie auch die Nerven anderer Organe befallen und dort ebenso heftige Entzündungsreaktionen hervorrufen. Besonders häufig betroffen sind in diesen Fällen die Leber und das Herz. Selbstverständlich gehört auch diese Komplikation zu den eher seltenen bei einer Herpesinfektion. Betroffen sind hiervon vor allem kleine Kinder, immungeschwächte Personen wie HIV-Infizierte und ältere Personen.


Wann sollte man zum Arzt gehen?

Dadurch, dass Herpes Simplex Labialis eine Art Volkskrankheit ist und die allermeisten Infektionen keine gravierenden Auswirkungen haben, empfinden viele Menschen den Gang zum Arzt als unnötig. Eine Diagnose kann häufig vom Laien selbst gestellt werden. Besonders, wenn Mütter, die selbst Träger des Virus sind, diesen auf ihre Kinder übertragen, reicht die persönliche Erfahrung in der Regel aus, um Herpes zu identifizieren. Und nicht zuletzt lassen sich Medikamente und Salben, welche die Symptome des Herpes abmildern sollen, problem- und rezeptfrei in beinahe jeder Apotheke erwerben. Grundsätzlich gilt, dass bei milden und typischen Verlaufsformen die Hilfe eines Arztes nicht unbedingt notwendig ist. Anders verhält es sich selbstverständlich, wenn neben den klassischen Symptomen andere Auffälligkeiten zum Vorschein gelangen. Das gleichzeitige Auftreten von Herpesbläschen und neurologischen Ausfallerscheinungen wie Sprachstörungen oder Muskelkrämpfe gibt beispielsweise Anlass zur Sorge. Hier besteht zumindest der Verdacht auf eine Herpesenzephalitis, die so schnell wie nur möglich behandelt werden sollte. Auch dann, wenn die Bläschen in sehr großer Zahl auftreten oder weite Flächen des Gesichts bedecken, muss ein Arzt aufgesucht werden. Das gilt auch, wenn Herpesbläschen der Auslöser von Fieber zu sein scheinen.

Medizinische Hilfe kann natürlich immer in Anspruch genommen werden, wenn starke Schmerzen den Betroffenen in einem Maße einschränken, dass ein normales Alltagsleben nicht mehr möglich ist. Es gibt beispielsweise Patienten, die während der Phase der Krustenbildung kaum Nahrung zu sich nehmen können, da besonders große Herpesblasen das Öffnen des Mundes kaum möglich machen. Gerade für kleine Kinder kann ein solcher Zustand sehr belastend sein und sie können unter Umständen die Nahrungsaufnahme komplett verweigern. Ein Arzt kann hernach den Einsatz von Schmerzmitteln prüfen.

Menschen, die beruflich in Bereichen tätig sind, die ein hohes Maß an Hygiene erfordern, sollten darüber nachdenken sich während eines akuten Herpesschubs krankschreiben zu lassen. Auf diese Art kann eine Übertragung des Virus zuverlässig ausgeschlossen werden.

Behandlungsmethoden & Therapie

Zunächst einmal soll gesagt sein, dass eine Infektion mit dem Herpes Simplex Virus bisher noch nicht heilbar ist. Wer sich einmal infiziert, wird den Virus ein Leben lang in sich tragen. Es existiert darüber hinaus auch kein zuverlässiger Schutz vor einer Infektion, obgleich die Forschung intensiv an der Entwicklung eines Impfstoffes arbeitet.

Bisher hat die Medizin lediglich Mittel zur Linderung der Symptome einer Herpesinfektion hervorgebracht. Beinahe alle gängigen Methoden zur Behandlung von Herpes Labialis umfassen dabei ausschließlich Medikamente. Ein operatives Vorgehen ist so gut wie niemals der Fall und kommt höchstens bei schweren Komplikationen wie beispielsweise einer Herpesenzephalitis zum Einsatz. Abgesehen davon kann hin und wieder die sogenannte Vereisungstherapie zum Einsatz kommen. Diese ist jedoch in der Fachwelt sehr stark umstritten und stellt darüber hinaus ein überproportioniertes Mittel für ein an und für sich kleines Problem an.

Zumeist werden spezielle Salben zum Auftragen auf akut befallene Körperstellen vom Arzt empfohlen. Diese können dabei sowohl rezeptpflichtig als auch frei erhältlich sein. Auch Tabletten werden bisweilen verschrieben, insofern diese eine antivirale Wirkung haben. Erfahrungsgemäß kommen sie aber nur zum Einsatz, wenn die Herpesviren einen komplizierten Verlauf vermuten lassen, also beispielsweise zu einem Herpesekzem oder einer Herpesenzephalitis führen. Alles in allem jedoch helfen Cremes, Salben und Tabletten nur in Maßen. Im Durchschnitt können sie den Heilungsprozess um etwa 10% beschleunigen, indem das Bläschen ausgetrocknet wird. Das mag dahin gehend besonders für Personen interessant sein, die großen Wert auf ein makelloses Äußeres legen oder sich vor den Schmerzen einer Herpes Labialis fürchten.

Salben und Cremes können bereits in der ersten Phase einer Herpesepisode angewendet werden und sollen das folgende Entstehen einer tatsächlichen Blase verhindern. Da dies nunmehr nicht immer möglich ist, gibt es noch eine Reihe von Mitteln, die bei bereits gebildeten Blasen Anwendung finden sollen. Neben den häufig verwendeten Salben, vornehmlich den zinkhaltigen Salben, werden auch spezielle Lippenpflaster zur Behandlung einer Herpesblase eingesetzt. Diese durchsichtigen, selbstklebenden kleinen Blättchen, werden über die Blase geklebt und schließen sie hermetisch ab. Dadurch soll die betroffene Stelle nicht nur austrocknen, sondern vor äußeren Einflüssen geschützt werden. Hersteller dieser Herpespflaster versprechen darüber hinaus einen stärkeren Schutz vor Übertragung des Herpes, da die infektiöse Flüssigkeit nicht offen zutage treten kann. Um ein Einreißen der Wunden zu verhindern, lösen sich die meisten Pflaster selbstständig auf.

Lippenherpes ist eine der wenigen Krankheiten, die man auch unbehandelt gut und schnell übersteht. Vorausgesetzt natürlich, dass es sich nicht um eine extreme Variante handelt, die auf das Innere des Munds oder andere Organe übergeht.


Vorbeugung – Impfung & Prävention

Generell gilt es als sehr schwierig, sich im Alltag nicht mit dem Herpes Simplex Virus anzustecken. Vorbeugende Maßnahmen sind kaum zu treffen. Da sich Herpes nicht zwingend offen zeigt und einige Menschen Überträger sind, ohne dass es ihnen anzusehen ist, kann leicht eine Schmierinfektion erfolgen. Bei der Umarmung des eigenen Kindes oder eines Bekannten, beim Küssen und Teilen von Besteck oder Gläsern ist dann bereits eine Ansteckung möglich. Selbstverständlich sollten solche Handlungen unterlassen werden, wenn Umgang mit einem offensichtlich an Herpes Erkrankten gepflegt wird. Darüber hinaus kann auch darauf geachtet werden, beispielsweise Trinkflaschen nicht mit fremden Personen zu teilen.

Mütter, die selbst an Herpes leiden, werden den Virus höchst wahrscheinlich an ihr Kind weiter geben. Die Medizin geht sogar davon aus, dass die überwiegende Mehrheit der Virusträger sich vor Vollendung des fünften Lebensjahres angesteckt hat. Um das Risiko einer Ansteckung zumindest ansatzweise zu minimieren, kann jedoch darauf geachtet werden, beim Vorliegen von Herpesblasen, dem Kind keine Küsse zu geben. Solange die Lippen nicht berührt werden und Viren nicht über die austretende Flüssigkeit an den Fingern haften bleiben, kann theoretisch keine Ansteckung über Berührungen erfolgen.

In einer Partnerschaft sollte verstärkt darauf geachtet werden, keinen Oralverkehr zu vollziehen, während ein Lippenherpes aktiv ist. Zwar wird Genitalherpes in der überwiegenden Zahl der Fälle von einem anderen Herpes-Simplex-Typ, dem HSV II, hervorgerufen, hin und wieder kann jedoch auch der Typ I diese Krankheit verursachen.

Darüber hinaus kann man dem Ausbruch der Erkrankung selbst recht effektiv vorbeugen, indem man sein Immunsystem stärkt. Hierzu dienen zuvorderst eine gesunde Ernährung, ausreichend Wasser trinken, genügend Bewegung und sportliche Ertüchtigung sowie das Vermeiden von Stress im Alltag. Wer diese Maßnahmen beherzigt, wird weniger häufig mit den Symptomen eines Lippenherpes zu kämpfen haben. Abgesehen davon ist es tröstlich zu wissen, dass die Rate, mit der Herpesbläschen auftreten, mit zunehmendem Alter immer stärker abnimmt.


Prognose zur Heilung

Bisher gibt es noch kein Heilmittel gegen den Herpes Simplex Virus. Wer sich einmal angesteckt hat, trägt ihn ein Leben lang in sich. Auch wenn keine Episoden mit Lippenbläschen mehr auftauchen, sind die Viren noch vorhanden. Sie verweilen inaktiv in den Nervenzellen und könnten unter ungünstigen Umständen reaktiviert werden.

Es gibt jedoch eine Reihe von Studien, die sich mit der Heilung von Herpes Labialis auseinandersetzen. Die derzeit erfolgversprechendste Studie aus den USA scheint der Lösung bereits nahezukommen. Forscher fanden hier heraus, dass gewisse Proteine, den Virus derart beeinflussen können, dass er auch inaktiv bleibt, wenn Stresshormone in die betroffenen Nervenzellen gelangen. Die Proteine fungieren hernach als Hemmstoff. An Mäusen gab es bereits erfolgreiche Tests.Bei ihnen konnte das Ausbrechen von Herpes dauerhaft unterdrückt werden. Derzeit wird nun versucht, ein geeignetes Präparat für den Menschen zu entwickeln, das einen ähnlichen Effekt erzielt.


Herpes in der Schwangerschaft

Besonders häufig wird vor einer Infektion mit Herpesviren während einer Schwangerschaft gewarnt. Und tatsächlich bildet der Herpes Simplex Virus eine Gefahr in diesem Zusammenhang. Hierbei muss selbstverständlich unterschieden werden, ob Lippenherpes aufgrund einer bereits vor der Schwangerschaft erfolgten Infektion auftritt oder ob es sich um eine tatsächliche Neuinfektion handelt. Bei Unsicherheit sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden.

Im günstigeren Fall tritt Lippenherpes auf, weil bereits vor der Schwangerschaft eine Virusinfektion stattgefunden hat. Denn auch wenn Herpes dauerhaft im Körper verweilt, bildet der menschliche Organismus entsprechend Antikörper gegen die Infektion. Diese werden an das noch ungeborene Kind weitergegeben. Kommt es nun während der Schwangerschaft zu einer Reaktivierung, und das geschieht in dieser Lebensphase besonders häufig, dann ist der Embryo ausreichend geschützt. Es besteht hier kein Grund zur Beunruhigung.

Anders verhält es sich jedoch, wenn eine Frau im Laufe der Schwangerschaft erstmals mit dem Herpes Simplex Virus in Kontakt kommt. Der Fötus verfügt dann über keinen ausreichenden Schutz gegen die eindringenden Viren. Das kann im ungünstigsten Fall zum Abbruch der Schwangerschaft und einer Fehlgeburt führen. Darüber hinaus ist es möglich, dass Herpesviren die bereits gebildeten Organe nachhaltig schädigen und nach der Geburt des Kindes mit bleibenden Erkrankungen beispielsweise des Gehirns zu rechnen ist. Wird die Herpesinfektion der Schwangeren frühzeitig erkannt, dann kann der Einsatz von Virostatika jedoch Schlimmeres verhindern. Am besten ist es jedoch, eine Infektion per se zu vermeiden. Schwangere sollten daher keinen Kontakt zu Menschen pflegen, bei denen eine akute Herpesepisode mit Mundbläschen besteht. Es lohnt sich auch, keine Flaschen oder Besteck mit anderen Personen zu teilen.

Während der Geburt ist ein Lippenherpes nicht zwangsläufig problematisch. Lediglich in den Fällen, in denen Herpesviren in den Genitalbereich vorgedrungen sind, muss von einer natürlichen Geburt abgesehen und ein Kaiserschnitt vorgenommen werden. Die Herpesviren könnten andernfalls leicht die Augen, den Mund und eventuell kleinere Wunden des Neugeborenen infizieren.

Nach der Geburt gilt es, besondere Vorsicht walten zu lassen. Nicht allein, dass ein Herpesvirus sehr entstellend sein kann und die empfindliche Babyhaut derart verletzt, dass deutliche Narben entstehen können: Babys verfügen noch nicht über ein stabiles Immunsystem und sind diversen Krankheiten folglich schutzlos ausgeliefert. Daher kann die sonst eher ungefährliche Infektion mit Herpesviren für Neugeborene eine große Gefahr darstellen. Besonders in den ersten sechs Wochen nach der Geburt ist eine Ansteckung problematisch. Den Herpesviren gelingt es dann leicht, sämtliche Nerven des Körpers zu durchdringen. Dabei können viele Organe geschädigt werden. Besonders häufig kommt es dann zur sogenannten Herpesenzephalitis und der Schädigung des Herzens. Symptomatisch zeigt sich dann ein großflächiger Herpesbefall des Gesichts und der Genitalregion. Außerdem treten Krampfanfälle, Atembeschwerden, Erbrechen, hohes Fieber und Muskelkrämpfe ein. Bereits beim Verdacht auf eine Infektion mit Herpes sollten Neugeborene dringlichst und frühstmöglich in ärztliche Behandlung gebracht werden. Dann ist ein Einsatz virushemmender Mittel, der zumeist intravenös erfolgt, nicht zu umgehen.

Um eine Ansteckung möglichst zu verhindern, empfiehlt sich Frauen, die an Herpes leiden, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um eine Weitergabe des Virus an den Nachwuchs zu verhindern. Zum einen können Virostatika eingenommen werden, wodurch die Vermehrung der viralen Zellen gehemmt wird. Des Weiteren sollten alle Handlungen unterlassen werden, bei denen möglicherweise Viren auf das Baby übertragen werden können. Auf Küsse, die gemeinsame Nutzung von Handtüchern, das Berühren des Schnullers mit dem Mund und Ähnliches sollte demnach verzichtet werden. Beim Stillen kann darüber hinaus eine Schutzmaske getragen werden.

Nach der kritischen Phase, also nach der vollständigen Entwicklung des Immunsystems beim Kind, können die präventiven Maßnahmen durchaus weiter befolgt werden. In den meisten Fällen wird sich das Kind jedoch dennoch bei den Eltern mit dem Virus infizieren. Das muss jedoch dann keinen Anlass zur Sorge mehr geben. In der Regel verhält sich ein Herpes dann wie bei einem Erwachsenen.


Alternative Behandlungsmethoden

Ja, es gibt eine ganze Bandbreite an alternativen Heilungsmethoden für Lippenherpes. Viele sind probat und helfen tatsächlich, manche sind jedoch bestenfalls fragwürdig.

Alle alternativen Ansätze, die operative oder chirurgische Eingriffe einschließen, sollte man grundsätzlich meiden. Gerade auf dem indischen Subkontinent werden solche Eingriffe oftmals von Straßenärzten angeboten. Betroffene Touristen seien darum gewarnt, von einer solchen Behandlung abzusehen. Sie ist schmerzhaft und von einem medizinischen Standpunkt aus betrachtet vollkommener Humbug.

Alternative Arzneien dagegen sind oftmals nicht viel weniger wirksam als die pharmakologisch hergestellten Medikamente. So finden sich beispielsweise auch in den Apotheken ganzheitliche Cremes und Salben, die bei Lippenherpes solide Abhilfe leisten können. Es lohnt sich, einfach mal danach zu fragen.

Generell gilt bei einer Behandlung von Herpes bei alternativen Mitteln genau das gleiche, was auch in der Standardmedizin empfohlen ist: Hygiene verhindert eine Übertragung des Virus. Wenn Salben aufgetragen werden, sollte nie die Flüssigkeit der Herpesblase verschmiert werden. Pflegestifte dürfen nicht in direkten Kontakt mit der infizierten Stelle kommen. Und nicht zuletzt sollten nach der Behandlung die Hände gründlich gewaschen und gegebenenfalls desinfiziert werden.

Heilkräuter & Heilpflanzen

Die Alternativmedizin bietet eine Reihe von Heilkräutern und -pflanzen, mit denen die Symptome einer akuten Herpeserkrankung gelindert werden sollen. Ganz allgemein eignen sich beispielsweise alle Pflanzen, die auch bei anderen Entzündungen zum Einsatz kommen, wie beispielsweise Knoblauch oder Ingwer. Zu den besonders wirksamen Naturheilmitteln gehören unter anderem:

  • Aloe Vera
  • Rhabarberwurzel
  • Salbei
  • Sonnenhut
  • Oregano
  • Pfefferminze
  • Thymian
  • Ysop
  • Sandelholz
  • Ingwer

Die genauen Daten zur Dosierung und zur Art der Anwendung sind der Packungsbeilage zu entnehmen oder mit dem zuständigen Heilpraktiker abzuklären.

Welche Hausmittel können helfen?

Hausmittel sind ebenso zahlreich wie alternative Heilmethoden. Aber auch hier sollte man Vorsicht walten lassen. Die berühmte Zahnpaste kann helfen, muss es aber nicht. Das kommt tatsächlich auf die Zahnpasta an.

Des Weiteren kann man festhalten, dass alle Hausmittel, die das Immunsystem stärken, auch die Heilung einer Herpeswunde beschleunigen.

Zu den häufig empfohlenen Hausmitteln gehören:

  • Manukahonig
  • Propolis
  • Ionensalbe
  • zinkhaltige Zahnpasta
  • Alkohol (zur Desinfektion)
  • Eiswürfel (Kühlung)

Die genauen Daten zur Dosierung und zur Art der Anwendung sind der Packungsbeilage zu entnehmen oder mit dem zuständigen Heilpraktiker abzuklären.

Ätherische Öle

  • Teebaumöl
  • Melissa officinalis
  • Lavendelöl
  • Johanniskrautöl
  • Ravintsara
  • Calophyllumöl
  • Sternanis
  • Bergamotte
  • Zitrone

Die genauen Daten zur Dosierung und zur Art der Anwendung sind der Packungsbeilage zu entnehmen oder mit dem zuständigen Heilpraktiker abzuklären.

Homöopathie & Globuli

  • Rhus toxicodendron
  • Arsenicum album
  • Croton tiglium
  • Natrium muriaticum
  • Thuja occidentalis

Die genauen Daten zur Dosierung und zur Art der Anwendung sind der Packungsbeilage zu entnehmen oder mit dem zuständigen Heilpraktiker abzuklären.

Schüssler-Salze

Unter den Schüssler Salzen wird besonders Nr. 10. Natrium sulfuricum zur Anwendung gegen akute Herpessymptome hervorgehoben. Es kann sowohl innerlich angewendet werden, als auch in Form von Salben auf die betroffene Stelle aufgetragen werden. Nr. 21 Zincum chloratum und Nr. 8 Natrium chloratum hingegen sollen das Immunsystem stärken und hierdurch von Grund auf ein Ausbrechen des Virus verhindern, noch bevor Symptome sichtbar werden. Eine tatsächliche Wirksamkeit der Schüssler Salze ist bisher jedoch noch nicht durch Studien belegt. Im Folgenden sind dennoch die am häufigsten empfohlenen Salze aufgeführt:

Die genauen Daten zur Dosierung und zur Art der Anwendung sind der Packungsbeilage zu entnehmen oder mit dem zuständigen Heilpraktiker abzuklären.

Diät & Ernährung

Mit Ernährung oder einer Diät kann selbstverständlich keine Infektion mit dem Herpes Simplex Virus verhindert werden. Allerdings spielen die richtigen Ernährungsgewohnheiten eine übergeordnete Rolle bei der Verhinderung eines Ausbrechens von Lippenherpes. Denn nur ein geschwächtes Immunsystem setzt genügend Stresshormone in den Nervenzellen frei, die dann wiederum den Herpesvirus reaktivieren. Es ist also notwendig, die Immunabwehr möglichst zu unterstützen. Ernährung bildet dabei eine der wichtigsten Maßnahmen. Hierbei ist es nahezu unerheblich, welche spezielle Ernährungsweise individuell bevorzugt wird. In der Hauptsache sollte sie aber gesund sein. Das bedeutet zum einen, dass auf alle Lebensmittel weitgehend verzichtet wird, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Dazu gehören Fast Food, Nahrungsmittel mit vielen Allergenen und Konservierungsmitteln, stark zuckerhaltige Lebensmittel, Alkohol und andere Suchtstoffe sowie fettige Speisen. Hingegen sollten vitaminreiche Speisen und ballaststoffhaltige Lebensmittel verzehrt werden. Es empfiehlt sich darüber hinaus auf die Verwendung gesunder Pflanzenfette zu achten, hingegen aber tierische, gesättigte Fette in Massen zu meiden.

Einige Lebensmittel gelten als besonders förderlich für die Gesunderhaltung des Immunsystems. Dazu gehören unter anderem:

  • Nüsse und Samen
  • Fisch, der reich an Omega-3-Fettsäuren ist (z.B. Lachs)
  • Zitrusfrüchte
  • Kresse
  • Bienenhonig

FAQ – Fragen & Antworten

Ist Herpes erblich?

Es kann überdurchschnittlich oft beobachtet werden, dass Kinder Herpes entwickeln, wenn bereits die Eltern von diesem Leiden betroffen sind. Allerdings handelt es sich dabei nicht um eine Vererbung der Krankheit. Es gestaltet sich vielmehr so, dass herpesinfizierte den Virus leicht auf ihren Nachwuchs übertragen können. Die hohe Infektiosität des Herpes Simplex Virus lässt es kaum zu, dass bei einem engen Zusammenleben die Ansteckung ausbleibt. Versuche dies zu verhindern, bleiben in der Regel leider erfolglos.

Bekommt man Lippenherpes von Oralsex?
Lippenherpes ist im Grunde genommen ein Symptom des sogenannten Herpes Simplex Virus I. Der Genitalherpes hingegen wird durch die Infektion mit dem Herpes Simplex Virus II hervorgerufen. Allerdings unterschieden sich beide Viren nur sehr minimal voneinander. In etwa 20 % der Fälle löst Gesichtsherpes eine Infektion der Genitalregion aus und führt andersherum der Genitalherpes zu einem Befall des Mundes. Eine Übertragung beim Oralsex ist demzufolge durchaus möglich. Aus diesem Grund sollte einiges beachtet werden: Wenn aktuell ein Lippenherpes vorliegt, sollten Sie keinen ungeschützten Oralverkehr mit einer anderen Person vornehmen. Dies empfiehlt sich auch nicht, da die betroffene Stelle durch die starke Beanspruchung noch mehr beeinträchtigt werden kann indem beispielsweise die Kruste einer abheilenden Blase aufreißt. Genauso muss oraler Verkehr unterlassen werden, wenn die Genitalien von Herpes betroffen sind. Dies gilt in gleichem Maße natürlich auch für andere sexuelle Spielarten wie vaginalen und analen Verkehr. Möchten Sie dennoch nicht auf sexuelle Handlungen verzichten, sollten zumindest geeignete Schutzmaßnahmen zu Verhinderung einer Übertragung ergriffen werden. Hier empfiehlt sich zum Beispiel der Einsatz von Kondomen.

Herpes und HIV – Was muss beachtet werden?
HIV-Infizierte haben generell mit einer Schwächung des Immunsystems zu kämpfen. Das hat selbstverständlich auch Auswirkungen auf eine vorliegende Herpeserkrankung. Zum einen müssen diese Betroffenen damit rechnen, dass die Viren viel öfter das Stadium der Inaktivität verlassen. Folglich tritt der Lippenherpes wesentlich öfter auf, als bei anderen Personen. Auch der jeweilige Schweregrad unterschiedet sich. Die Bläschen können sich häufen und nehmen darüber hinaus einen größeren Raum ein. Da das Immunsystem möglicherweise nicht mehr aktiv gegen die Viren vorgehen kann, ist zudem ein Ausbreiten auf andere Organe wahrscheinlich. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, als HIV-Patient beim Auftauchen eines Lippenherpes einen Arzt aufzusuchen.

Besondere Vorsicht ist in der Zeit eines aktiven Herpes auch im Bezug auf einen Intimpartner angeraten. Durch die offenliegende Wunde sowie die Blasenflüssigkeit erhöht sich das Ansteckungsrisiko auch für HIV.

Kann ich Herpes mit Make-up überdecken?
Haben sich bei einem Betroffenen erst einmal Herpesbläschen entwickelt, ist dies nicht nur sehr schmerzhaft. Auch die aus ästhetischen Gründen kann der Herpes als sehr unangenehm empfunden werden, zumal er sich nicht mit Kleidungsstücken bedecken lässt. In der Phase der Krustenbildung oder beim Aufplatzen einer prall gefüllten Herpesblase kann die Krankheit tatsächlich sehr unschön anzusehen sein. Das ist selbstverständlich eine Belastung, nicht nur für Personen deren Beruf ein gepflegtes Äußeres verlangt. Aus diesem Grund liegt der Wunsch nahe, so viel wie möglich von der “ensttellenden” Blase abzudecken und unter Einsatz verschiedener Kosmetika zu maskieren. Von diesem Vorgehen muss jedoch dringlichst abgeraten werden. Sie sollten sich stets vor Augen halten, dass eine Herpesblase nichts anderes als eine Wunde darstellt. Sie reagiert entsprechend genauso anfällig auf Verunreinigungen wie andere offenliegende Hautstellen. Wird sie mit Make-up oder Lippenstift verklebt und verunreinigt, können sich schnell Entzündungen bilden und das Leiden noch verlängern. Gerade bei Einsatz eines Lippenstiftes ist es den Viren zudem möglich, sich weiter auszubreiten. Bei der nächsten Benutzung des Stiftes kann es leicht zu einer Neuinfektion kommen, die hernach andere, vormals noch nicht betroffene Partien des Mundes in Mitleidenschaft zieht. Das Problem wird folglich nur noch verstärkt.

Wer dennoch etwas gegen den scheußlichen Anblick einer Herpesblase tun möchte, dem empfiehlt sich eine ordnungsgemäße Behandlung des Herpes, die zum schnelleren Abklingen der akuten Episode führt. Es können auch Herpespflaster zum Einsatz kommen, die zumindest einen minimalen kosmetischen Effekt erzielen. Abgesehen hiervon stellt die Prävention einer Virusreaktivierung durch Gesundhalten des Immunsystems natürlich den besten Schutz dar.

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