Herpes

Steckbrief: Herpes

  • Name(n): Herpes; Herpes simplex
  • Art der Krankheit: Virusinfektion
  • Verbreitung: Weltweit
  • Erste Erwähnung der Krankheit: Antike
  • Behandelbar: Nicht heilbar; Symptome behandelbar
  • Art des Auslösers: Herpes simplex Viren
  • Wieviele Erkrankte: Circa 75 % der Weltbevölkerung
  • Welchen Facharzt sollte man aufsuchen: Hausarzt; Immunologe; Frauenarzt; Urologe
  • ICD-10 Code(s): B00

Herpes
Herpes
Den meisten Menschen sind sie vertraut: Die juckenden, schmerzhaften Bläschen an den Lippen oder im Genitalbereich. Herpes gehört zu den weltweit häufigsten Erkrankungen des Menschen. Er kann in vielfältiger Form auftreten. Neben den bekannten Arten Lippenherpes und Genitalherpes finden sich beispielsweise auch Augenherpes oder die sogenannten Fieberbläschen. Herpesviren sind aber auch für eine Gürtelrose, Windpocken und die Herpangina verantwortlich.

In aller Regel gilt Herpes ALS ungefährliche Erkrankung, deren Symptome zwar lästig sind, aber keine bleibenden Schäden hinterlassen. Nur in Ausnahmefällen und bei einem schwachen Immunsystem können ernsthafte Komplikationen in Folge einer Infektion mit Herpesviren auftreten. Aus diesem Grund suchen Wissenschaftler derzeit nach einer Möglichkeit der Immunisierung oder Heilung gegen alle Arten Herpesviren. Denn bisher sind lediglich die Symptome dieser Krankheit behandelbar. Ein wirksamer Schutz besteht jedoch noch nicht. Daher reicht eine einmalige Infektion, um lebenslang Träger der Viren zu sein. Auch wenn keine Symptome sichtbar sind, verbleiben sie inaktiv in den Ganglien der Nervenzellen und können theoretisch jederzeit erneut aktiviert werden.

Definition Herpes?

Die Bezeichnung “Herpes” stellt eigentlich einen Sammelbegriff für eine Reihe von Krankheiten dar, die durch Viren hervorgerufen wird, welche zur Familie der Herpesviridae gehören. Diese zeichnen sich besonders durch ihre Persistenz aus. Das bedeutet, dass sie nach dem Befall eines Wirts lebenslang in ihm verbleiben, selbst wenn sie keine Symptome mehr verursachen. Darüber hinaus zählen sie zu den komplexesten Viren, die derzeit bekannt sind. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist es der Wissenschaft bislang noch nicht gelungen, diese Viren aktiv zu bekämpfen.

Die unterschiedlichen Angehörigen der Herpesviridae sind in der Regel stark an einen Wirt geknüpft. Ein Virustyp der den Menschen befällt, kann beispielsweise nicht auf Tiere übertragen werden. So sind von den über 100 verschiedenen Virustypen lediglich 8 für den Menschen relevant. Sie werden als “Humane Herpesviren”(HHV1-8) bezeichnet und führen nicht nur zu Lippenherpes und Genitalherpes, sondern auch zu Gürtelrose, Windpocken und dem Pfeiffer-Drüsenfieber.

Im Volksmund werden als Herpes in der Regel lediglich die lästigen Bläschen bezeichnet, die im Gesicht, vor allem an den Lippen, sowie im Schambereich auftreten. Diese werden von den Herpes Simplex Viren HHV 1 (Lippenherpes) beziehungsweise HHV 2 (Genitalherpes) ausgelöst. Symptomatisch werden diese Viren vor allen Dingen nach einer längeren übermäßig erhöhten Ausschüttung von Stress oder dann, wenn das Immunsystem geschwächt ist.


Was ist Herpes?

Unter dem Begriff Herpes werden in aller Regel die beiden Erkrankungen Herpes labialis und Herpes genitalis zusammengefasst. Hier verweist der Name vor allem darauf, welche Körperregion von einer Infektion betroffen ist. Beim Lippenherpes zeigen sich folglich im Gesicht und konkret an den Lippenrändern Symptome. Der Genitalherpes manifestiert sich hingegen vor allem im Schambereich. Ursächlich sind hierfür zwei die zwei verschiedenen Herpes Simplex Viren HHV 1 (Lippenherpes) und HHV 2 (Genitalherpes), die jeweils beide Krankheitsformen auslösen können.

Eine Infektion mit Herpes Simplex Viren erfolgt über Schmier- oder Tröpfcheninfektion. Neben dem direkten Kontakt beim Küssen oder Geschlechtsverkehr kann folglich auch beim Husten oder Niesen eine Übertragung stattfinden. Möglich ist dies jedoch nur, wenn Kontakt zu einer Person vorliegt, die akute Symptome einer Herpeserkrankung, also entsprechende infektiöse Bläschen aufweist. Beim Herpes simplex Virus handelt es sich um sogenannte schlafende oder persistente Viren. Nach einer Infektion wandern sie in die als Ganglien bezeichneten Nervenknoten des Betroffene und nisten sich hier ein. Folglich verbleiben die Viren lebenslang im menschlichen Körper und können theoretisch jederzeit einen Ausbruch der Herpessymptome verursachen.

Ein solcher Krankheitsausbruch ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass sich kleine Pusteln oder Blasen bilden, die sehr schmerzhaft und nässend sind. Prinzipiell geht von ihnen jedoch keine weitere Gefahr aus. Nur in seltenen Fällen, beispielsweise bei Aidspatienten, breiten sich die Blattern übermäßig aus und nehmen weite Teile der Haut ein.

Da bislang noch keine Immunisierung gegen Herpes Simplex vorliegt und darüber hinaus die Schmier- und Tröpfcheninfektion eine leichte Übertragung garantiert, gehört Herpes zu den sehr häufigen Erkrankungen. Schätzungen zufolge sollen zwischen 70 und 90 % der Weltbevölkerung mit HHV 1 und mindestens 20 % mit HHV 2 infiziert sein.

Welche Ursachen gibt es?

Herpesviren werden durch eine Schmier- und Tröpfcheninfektion übertragen. In den meisten Fällen geschieht dies beim direkten Kontakt mit der infektiösen Flüssigkeit, welche sich in den symptomatischen Bläschen befindet. Aus diesem Grund ist Küssen beziehungsweise Geschlechtsverkehr mit einem Infizierten der durchschnittlich häufigste Grund für eine Ansteckung. Darüber hinaus ist aber auch eine indirekte Übertragung möglich. Maßgeblich ist dann für eine Entstehung des Lippen- oder Genitalherpes der spezifische Eintrittsort der Viren in den menschlichen Körper. Gelangen Erreger an den Lippenrändern in den Organismus, werden sich in Folge hier die Symptome der Erkrankung manifestieren.

Direkt im Anschluss an eine Infektion treten nach einer Inkubationszeit von ungefähr zwei Wochen die ersten Symptome auf. In der Regel dauert dieser erste Ausbruch lediglich einige Tage. Anschließend verweilen die Viren in einem inaktiven Stadium in Nervenknoten des Betroffenen und äußern sich dann in keiner Form. Der Virus kann jedoch jederzeit wieder aktiviert werden. Hierfür sind diverse äußere Einflüsse nötig. Zu diesen gehören unter anderem:

  • Stress
  • Schwächung des Immunsystems
  • Verbrennungen
  • Fiebererkrankungen
  • Menstruation
  • Hautreizungen
  • Erkältungen
  • Offene Verletzungen im Gesichts- oder Genitalbereich
  • Hormonschwankungen
  • Dehydration

Es zeigt sich folglich, dass alle Faktoren, die einen schwächenden Einfluss auf das Immunsystem haben, prinzipiell auch eine Reaktivierung des Herpesvirus verursachen können. Ausschlaggebend hierfür ist mutmaßlich die Ausschüttung von Stresshormonen in die befallenen Nervenknoten. Diese Hormone benutzt der Körper eigentlich zur immunologischen Abwehr. Die Herpesviren werden durch diesen Stoff jedoch genauso mobilisiert wie körpereigene Abwehrzellen und beginnen sich gleichfalls zu vermehren.

Oftmals sind die Auslöser einer akuten Herpeserkrankung für den Betroffenen nicht direkt nachvollziehbar. Denn das menschliche Immunsystem arbeitet zum Teil im Verborgenen und beginnt Krankheiten bereits zu bekämpfen, bevor sich erste Symptome zeigen. Aus diesem Grund gibt es etliche Gerüchte und Fehlinformationen darüber, was primäre auslösende Faktoren für die Entstehung von Herpesbläschen sein können. Am hartnäckigsten hält sich beispielsweise die Meinung, dass Herpes in Folge von Ekel auftreten könne. Dies ist allerdings nicht richtig, da dieser Gemütszustand nicht in entsprechendem Maße zur Stresshormonausschüttung führt.


Symptome & Anzeichen

Im Normalfall lassen sich aufgrund einer Herpesinfektion keinerlei Symptome ermitteln. Denn die meiste Zeit ist der verantwortliche Virus komplett inaktiv. Er ruht dann in den Ganglien der Nerven und beeinflusst seinen Wirt nicht. Nach einer entsprechenden Aktivierung des Erregers durch Ausschüttung von Stresshormonen zeigt sich jedoch eine symptomatische Herpesepisode, die je nach Infektionsort diverse Merkmale aufweisen kann.

Beim Lippenherpes entstehen in der Regel tatsächlich kleinere Bläschen an den Rändern von Ober- oder Unterlippe. Es ist jedoch auch möglich, dass sich diese in den Mundinnenraum bis in den Rachen hinein verlagern. Hierdurch kann es zu einer Entzündung des Rachenraumes kommen. Liegt ein Genitalherpes vor, bilden sich die Pusteln an Vagina, Penis und After. Bei Frauen ist es möglich, dass sich auch im Inneren der Scheide Bläschen bilden.

Egal ob Genital- oder Lippenherpes, die Bläschen beider Krankheitsformen gehen mit einem starken Juckreiz und Brennen des betroffenen Gebiets einher. Leider neigen Betroffene deswegen häufig dazu, die Herpesblasen aufzukratzen. Dadurch kann es zu Entzündungen und späterer Narbenbildung kommen. Darüber hinaus führt ein solches Verhalten zur Selbstansteckung, was wiederum eine Ausbreitung des Herpes auf weitere Körperpartien nach sich ziehen kann.

Insgesamt gesehen schwankt die Stärke einer Herpesepisode je nach Typ, allgemeinen Wohlbefinden und abhängig vom Eintrittsort. So verursacht das humane Herpesvirus 2 beispielsweise einen großflächigeren Befall als HHV 1. In der Regel beschränken sich die Symptome aber dennoch auf die üblichen Bläschen und ihre Folgeerscheinungen. Diese sind im Folgenden noch einmal aufgeführt:

  • Bildung von kleinen bis mittelgroßen Bläschen, welche die betroffene Haut stark spannen und mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt sind
  • Rötung der Haut
  • sehr starker Juckreiz sowohl an den Bläschen als auch an der umliegenden Haut
  • Brennen und Schmerzen der Bläschen
  • Blutungen und Entzündungen infolge von Kratzen

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose einer Herpeserkrankung ist in der Regel recht einfach. Denn die typischen Herpesviren identifizieren eine Herpeserkrankung meist schon auf den ersten Blick. Hierdurch ist es Betroffenen auch möglich, eine Selbstdiagnose vorzunehmen, besonders wenn schon mehrmals Herpesepisoden aufgetreten sind. Ein gravierendes Risiko geht von einer Herpeserkrankung im Normalfall nicht aus. Aus diesem Grund kann ein Lippenherpes sogar selbstständig behandelt werden. Anders gestaltet sich die Situation bei Genitalherpes. Hier sollte ein Arzt nochmals entsprechende Untersuchungen vornehmen, da der betroffene Bereich für den Patienten zum einen nicht gut ersichtlich ist und zum anderen bei dieser Herpesform nicht selten größere Hautpartien in Mitleidenschaft gezogen werden. Für jede Art des Herpes gilt jedoch, dass unbedingt ein Arzt konsultiert werden muss, wenn atypische Symptome vorliegen.

Falls es einem Arzt nicht möglich ist, mittels Blickdiagnose ein klares Urteil über die vorliegende Erkrankung abzugeben, wird in aller Regel ein Abstrich von der Bläschenflüssigkeit vorgenommen. Dies ist allerdings her die Seltenheit. Manchmal kann es hingegen hilfreich sein über einen Bluttest herauszufiltern, welches Herpesvirus als ursächlich für die Erkrankung angesehen werden kann. Sowohl Abstrich als auch Bluttest können jedoch nur durchgeführt werden, wenn aktuell eine Herpesepisode vorliegt. Befindet sich der Erreger in der Phase der Dormanz, können nicht genügend Viren gesammelt werden, um eine eindeutige Typbestimmung vorzunehmen.

Summa summarum ist jede Form des Herpes Simplex leicht zu bestimmen. Auch wenn die einzelnen Fälle hinsichtlich Stärke und Beschwerden variieren können, sind immer typische Bläschen an einer Herpesepisode beteiligt, wodurch ein Arzt keine Mühe hat, die richtige Diagnose zu stellen.

Krankheitsverlauf

Die typische Herpeserkrankung verläuft in fünf aufeinanderfolgenden Phasen. Sie beginnt mit der sogenannten prodromalen oder vorläufigen Phase, also dem Erwachen des Virus aus der Dormanz. Sie setzt dann ein, wenn entweder eine Erstinfektion vorliegt oder das Immunsystem eine Reaktivierung des Virus veranlasst hat. Während dieser Phase, die zumeist zwischen 12 und 24 Stunden andauert, stellt sich an den betroffenen Körperstellen ein leichter Juckreiz sowie ein Brennen ein. Unter Umständen zeigen sich sogar erste Rötungen. Doch nicht selten sind optisch noch keine Symptome der Herpesepisode erkennbar. Wer bereits mehrfach unter einem akuten Herpes gelitten hat, wird in der Regel die Krankheit schon in dieser Phase als solche erkennen und mit einer entsprechenden Behandlung beginnen. Sie ist während dieses Zeitpunktes am wirkungsvollsten. Mit entsprechenden Salben lässt sich beispielsweise die Bläschenbildung komplett verhindern.

Im Anschluss an die prodromale Phase kommt es zu starken Rötungen und Schwellungen der betroffenen Hautpartie. Es zeigen sich außerdem bereits die ersten Anzeichen des Blasenwachstums. Die Haut beginnt zu spannen und zu schmerzen. Darüber hinaus nimmt der Juckreiz entsprechend zu. Nun setzt die sogenannte geschlossene Phase ein: Die Herpesblase wird nun beständig größer und praller, bis sie schließlich ihre maximale Ausdehnung erreicht. Sie ist zudem äußerst schmerzempfindlich, selbst bei leichtesten Berührungen. Das Blasenwachstum kann etwas länger als drei Tage andauern, wenn sie nicht zuvor aufgrund von Kratzen mechanisch geöffnet wurde.

Hat die Herpesblase ihr Maximum erreicht, wird sie von allein aufplatzen. Ab diesem Zeitpunkt befindet sich die Erkrankung in der offenen Phase. Sie gilt als schmerzhafteste und zugleich ansteckendste Phase, da infektiöse Flüssigkeit geradezu unkontrolliert austreten kann. Die entstehenden nässenden Wunden werden abgesehen hiervon als besonders unästhetisch wahrgenommen. Sie liegen allerdings nur wenige Tage vor.

Nachdem die Flüssigkeit aus der Blase abgelaufen ist, kommt es zur allmählichen Verkrustung der Wunden. Bis jedoch die gesamte betroffene Hautstelle mit Kruste bedeckt ist, können wiederum einige Tage vergehen. Da das Gewebe in diesem Krankheitsstadium noch juckt und schmerzt, neigen Betroffene dazu, die Kruste mit den Fingern zu berühren. Hierdurch kann sich der Heilungsverlauf mitunter sehr lange verzögern. Besonders der Lippenherpes neigt dazu immer wieder aufzuplatzen, da der Mund beim Sprechen und Kauen viel in Bewegung ist.

Abhängig davon wie viel Zeit die Verkrustung der Wunden einnimmt, setzt schließlich die eigentliche Heilungsphase ein. Im Durchschnitt sind seit der ersten Phase etwa drei Wochen vergangen. Die Viren kehren nun in ihr inaktives Stadium zurüCK. Es bleiben zumeist keine Narben oder ähnliches zurück. Lediglich eine leichte Rötung kann noch einige Tage zu sehen sein.


Häufigkeit & Diagnosedaten

Herpesviren sind sehr komplex und gegen die meisten von ihnen gibt es noch keine Immunisierung. Da ist es natürlich nicht verwunderlich, dass sie sich in der Bevölkerung stark ausbreiten konnten. Die einfache Übertragung durch Schmier- und Tröpfcheninfektion begünstigt diesen Umstand noch zusätzlich. Doch obgleich die Diagnose eines Herpes recht einfach zu ermitteln ist, liegen keine exakten Fallzahlen, sondern nur Schätzungen zur Ausbreitung des Herpes, insbesondere des HHV 1 und HHV 2 vor. Dies ist damit begründet, dass sich Symptome lediglich während einer akuten Episode zeigen. Darüber hinaus gibt es keine Krankheitsanzeichen. Einige Menschen tragen zudem einen Virus in sich, der sich dauerhaft in der Phase der Dormanz befindet und nie aktiviert wird. Abgesehen hiervon, suchen einige Betroffene keinen Arzt auf, wenn sie eine Herpesinfektion bemerken. Vor allem Kinder werden in der Regel von selbst betroffenen Eltern behandelt. Unter Einbeziehung dieser Fakten vermuten viele Ärzte, dass sogar 90 % der weltweiten Bevölkerung mit einem Herpes Simplex Virus infiziert sein könnten. Andere Experten stufen den Wert hingegen auf 70 bis 75 % ein. Hier sind jedoch die anderen humanen Herpesviren noch nicht eingerechnet. So dürften die Fallzahlen im Gesamten vermutlich noch weitaus höher liegen. Daher ist Fakt, dass effektiv die Mehrheit der Weltbevölkerung von Herpesviren betroffen ist.

Der häufigste Virentyp beim Menschen ist das Herpesvirus 1. Es bildet die Hauptursache für Lippen- aber auch Genitalherpes. So sind lediglich 20 % der Herpes Simplex Infektionen auf HHV 2 zurückzuführen. Beide Typen finden sich jedoch in allen Regionen und Gesellschaftsschichten. In den Industrienationen lassen sich lediglich marginal niedrigere Fallzahlen finden, als in ärmeren Ländern der Erde. Beispielsweise gehen Mediziner davon aus, dass in Deutschland nur 65 % von einer Infektion mit dem Herpesvirus betroffen sind. In einigen afrikanischen Ländern ist hingegen eine Durchseuchungsrate von weit über 90 % denkbar. Als Grund hierfür gilt ein abweichender Umgang mit Hygiene. Fehlende Möglichkeiten der Desinfektion sowie ein dichteres Zusammenleben begünstigen nämlich eine Virenübertragung.

Obgleich es bei der Infektion mit Herpes Simplex keine sonderlichen geschlechtsspezifischen Unterschiede gibt, lässt sich doch feststellen, dass Frauen wesentlich häufiger unter akuten Herpesepisoden leiden als Männer. Das betrifft sowohl den Lippenherpes als auch den Genitalherpes. Diese Varianz ergibt sich aus der Verschiedenartigkeit des männlichen und weiblichen Hormonsystems, das selbstverständlich einen gravierenden Einfluss auf die Arbeit der Immunabwehr hat. Es ist davon auszugehen, dass der Körper einer Frau erheblich empfindlicher auf eindringende Erreger reagiert und dementsprechend schneller Stresshormone zu deren Bekämpfung freisetzt. Studien konnten bereits belegen, dass bestimmte Bakterien und Viren, wie zum Beispiel das Influenzavirus, vom weiblichen Organismus durchaus effektiver abgwehrt werden. Im Gegenzug erleichtert dies aber die Reaktivierung der Herpes Simplex Viren.

Ein weiterer Unterschied in der Häufigkeit akuter Herpesanfälle lässt sich hinsichtlich des Alters der Betroffenen verzeichnen. Kinder und Jugendliche sowie Personen bis zum 30. Lebensjahr sind besonders häufig betroffen. Gerade in der Pubertät besteht ein überdurchschnittlich hohes Risiko des Krankheitsausbruchs. Kinder neigen darüber hinaus öfter zu Komplikationen und schweren Krankheitsverläufen, obgleich das Gesamtrisiko hierfür bei unter einem Prozent liegt. Im Gegensatz dazu bilden sich bei Betroffenen ab dem 50. Lebensjahr kaum noch Herpessymptome. Die Gründe hierfür sind allerdings noch nicht abschließend erforscht.


Komplikationen bei der Krankheit

Gemessen an der generellen Häufigkeit einer Herpes Simplex Infektion sind Komplikationen eher eine Seltenheit bei dieser Erkrankung. Nur sehr selten kann sie für den Betroffenen tatsächlich gefährlich oder sogar lebensbedrohlich werden. Zu den typischen und leicht behandelbaren Komlikationen gehören in erster Linie diverse Entzündungen der betroffenen Hautstellen. Vor allem beim Genitalherpes können leicht eine Balanitis und Urethritis beziehungsweise eineVulvovaginitis hervorgerufen werden.

Leidet ein Betroffener unter einem Hautekzem ist es möglich, dass die Herpesviren in dieses eindringen und ein sogenanntes Ekzema herpeticatum (Herpesekzem) begünstigen. Hierdurch können wesentlich stärkere Symptome in Erscheinung treten, als dies während eines normalen Herpesschubs der Fall ist. Die Bläschen schwellen dann entsprechend mehr an und sind darüber hinaus raumgreifender. Nicht selten zeigen sie sich dann an eher ungewöhnlichen Orten. Da sich ob eines Herpesekzems größere Wunden bilden, die oftmals blutig und eitrig sind, wird eine Herpesinfektion von Schüttelfrost, Fieber und Schwellung der Lymphknoten begleitet. Dadurch kann der Virus entsprechend gefährlich für den Organismus werden. Es bietet sich daher an, ihn mit antiviralen Mitteln zu behandeln. Im Gegensatz zum typischen Herpesanfall zeigen sich nach dem Abheilen eines Herpesekzems zudem Vernarbungen, die ein von Betroffenen als äußerst belastend empfunden werden können. Ist das persönliche ästhetische Empfinden sehr stark in Mitleidenschaft gezogen kann es sogar vorkommen, dass der Patient einer Depression anheimfällt.

Drastisch wird ein Herpesekzem auch dann, wenn es im weiblichen Genitalbereich vorliegt. Dann mündet es oftmals in einer schweren Entzündung der Fortpflanzungsorgane, die unter Umständen zur Unfruchtbarkeit und zu Inkontinenz führen können. Bei Männern lässt sich in einigen Fällen äquivalent eine Impotenz infolge des Ekzems feststellen.

Als gefährlichste Komplikation in Bezug auf Herpesviren gilt die sogenannte Herpesenzephalitis. Es handelt sich dabei um eine Entzündung des Gehirns, von der zumeist Personen zwischen dem 20. Und 30. Lebensjahr betroffen sind. Hier ziehen sich die Herpes Simplex Viren nicht in die Dormanzphase in die Ganglien zurück, sondern wandern im Nervensystem beständig weiter. Sie befallen hernach nicht nur die unterschiedlichen Gesichtsnerven (Nervus vagus oder Nervus trigeminus), sondern greifen auch das zentrale Nervensystem an. Dies führt schließlich zum Tode des Betroffenen. Zuvor können Krampfanfälle und motorische Ausfälle sowie Spasmen bemerkt werden. Eine Behandlung mit starken Virostatika führt jedoch in 80 % der Fälle zum Erfolg, wobei eine dauerhafte Schädigung des Hirns nicht auszuschließen ist. Darüber hinaus tritt die Herpesenzephalistis lediglich bei etwa 0,3 bis 0,2 % der Infizierten auf und gilt daher als eher seltene Erscheinung. Neben dem Hirn können theoretisch aber auch alle anderen inneren und äußeren Organe von Herpesviren in Mitleidenschaft gezogen werden. Zur Risikogruppe gehören hier überwiegend Menschen, die an einem geschwächten Immunsystem leiden wie zum Beispiel AIDS-Patienten sowie Kleinkinder. Die Wissenschaft hat allerdings noch keine ausreichende Erklärung für das abweichende Verhalten der Viren gefunden.

Im Folgenden seien die möglichen Komplikationen einer Herpes Simplex Infektion noch einmal im Überblick dargestellt:

  • Entzündungen (zum Beispiel Balanitis, Urethritis, Vulvovaginitis)
  • Herpesenzephalitis
  • Befall der Augen
  • Ekzema herpeticatum
  • Befall der inneren Organe
  • bei Genitalherpes: Impotenz, Unfruchtbarkeit, Inkontinenz
  • bei Lippenherpes: starke Beeinträchtigung der Ästhetik

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Es sei zunächst gesagt, dass ein Arztbesuch immer dann sinnvoll ist, wenn der Betroffene selbst nicht ermitteln kann, woher die kleinen Bläschen an den Lippen oder Mund kommen. Auch wenn nur ein einfacher Herpes vorliegt, kann also durchaus ein Arzt aufgesucht werden, der hernach Hinweise und Tipps zur schnelleren Linderung der Symptome geben kann. In den meisten Fällen wissen Betroffene jedoch um ihre Erkrankung und benötigen keine ärztliche Behandlung. Lediglich wenn untypische Symptome zu den Bläschen hinzukommen, sollte medizinischer Rat eingeholt werden. Starkes Fieber, Schüttelfrost, Krampfanfälle, Ausbreitung der Hautläsionen oder Herpesbläschen an ungewöhnlichen Stellen gehören beispielsweise zu jenen Indizien, die besser abgeklärt werden sollten. Darüber hinaus kann ein Arztbesuch auch sinnvoll sein, wenn sehr starke Schmerzen vorliegen. Bei einigen Patienten treten gleichzeitig mehrere Herpesblasen an den Lippen auf. Das Essen und Sprechen kann hierdurch beeinträchtigt sein. Der Einsatz von Schmerzmitteln sollte in solchen Fällen zumindest überdacht werden.

Ein Genitalherpes ist für den Laien oftmals genauso leicht identifizierbar wie der Herpes labialis. Dennoch sollte hier keine Selbstbehandlung vorgenommen werden. Das Risiko für Komplikationen liegt im Genitalbereich schlichtweg höher als dies im Gesicht der Fall ist. Ein Grund hierfür ist, dass Betroffene eher dazu neigen an den entsprechenden Stellen zu kratzen. Auch wenn tagsüber genau darauf geachtet wird, nicht gegen den Juckreiz anzugehen, kann dies im Schlaf ganz automatisch geschehen. Hierdurch bilden sich zum Teil häufiger Entzündungen, die unter Umständen eine gravierende Auswirkung haben können. Es sollte beim Auftreten eines Genitalherpes also dringlichst ein Gynäkologe oder Urologe aufgesucht werden.

Unbedingt sollten auch Schwangere bei einem Arzt vorstellig werden, wenn eine akute Herpesepisode kurz vor der Geburt vorliegt. Insbesondere Genitalherpes kann beim Geburtsvorgang auf das Kind übertragen werden und beispielsweise empfindliche Bereiche wie die Augen infizieren. Darüber hinaus muss unbedingt eine Neuinfektion in der Schwangerschaft gemeldet werden, da dies durchaus Einfluss auf den noch ungeborenen Nachwuchs haben kann. Das gilt in gleichem Maße für eine Infektion, die bei Säuglingen festgestellt wird. Da das Immunsystem eines Babys noch nicht entsprechend ausgereift ist, können Viren wesentlich größeren Schaden anrichten als bei erwachsenen Menschen.

Behandlungsmethoden & Therapie

Es wurde bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass zum jetzigen Zeitpunkt eine Infektion mit den humanen Herpesviren 1 und 2 noch nicht heilbar ist. Darüber hinaus gibt es so gut wie keine Möglichkeit einen Ausbruch der Viren, die sich ein Leben lang in den Ganglien des Menschen einnisten, zu kontrollieren oder einzudämmen. Die Forschung bemüht sich jedoch intensiv zumindest einen wirksamen Impfschutz gegen die Infektion zu entwickeln. Es kann jedoch noch einige Zeit dauern, bis diese Bemühungen von Erfolg gekrönt sein werden, obgleich sich diverse Impfstoffe bereits in der klinischen Testphase befinden.

Bisweilen gehört vor allem Lippenherpes zu den Erkrankungen, die auch unbehandelt relativ leicht zu überstehen sind. Mit entsprechenden Hausmitteln kann jedoch eine Linderung des Juckreizes und Brennens erreicht werden. Darüber hinaus existieren eine Reihe von Salben und Cremes, die auf die Bläschen aufgetragen werden und die Haut geschmeidig halten oder austrocknen sollen. Empfehlenswert sind hierfür beispielsweise Zinksalben. Mäßig starker Herpes kann im Gesicht auch mit sogenannten Herpespflastern behandelt werden. Diese dienen zum einen der Austrocknung der Blasen und sollen zudem das Übertragungsrisiko minimieren. Sie sind außerdem dafür geeignet, die lästigen Bläschen optisch zu überdecken und können hernach aus ästhetischer Sicht empfehlenswert sein. Insgesamt ist mit den genannten Mitteln keine direkte Abheilung der Symptome möglich. Sobald sich eine Herpesblase gebildet hat, durchläuft sie zwangsläufig alle Entswicklungsstufen. Es kann jedoch eine etwa 10 %ige Beschleunigung des Heilungsprozesses erreicht werden. Von der hin und wieder empfohlenen Vereisungstherapie sollte allerdings abgesehen werden. Es hat sich herausgestellt, dass dieses Verfahren sehr schmerzhafte und komplikationsreiche Auswirkungen haben kann, da Herpesblasen durchaus tief ins Gewebe reichen können.

Im Gegensatz zum Lippenherpes wird der Genitalherpes zumeist mit antiviralen Medikamenten behandelt. Aciclovir oder Famciclovir sind beispielsweise geeignete Virostatika. Grundlegend empfiehlt sich eine Behandlung mit Medikamenten bei dieser Herpesform, da sie öfter zu Komplikationen führen kann.

Selbstverständlich ist eine Behandlung mit Virostatika genauso zu empfehlen, wenn Komplikationen ob einer Herpesinfektion vorliegen. Die hier angewendeten Mittel sind oftmals, im Gegensatz zu den Salben und Cremes gegen normalen Herpes, rezeptpflichtig.


Vorbeugung – Impfung & Prävention

Herpesviren sind in der Regel hochinfektiös. Sie werden nicht nur durch direkten Kontakt mit der Blasenflüssigkeit übertragen, sondern werden ebenso beim Husten, Niesen oder anderem indirekten Kontakt weitergegeben. Aus diesem Grund lässt sich oftmals eine Infektion nicht vermeiden. Besonders Kinder sind kaum zu schützen, wenn bereits die Eltern an Herpes leiden. Zum einen kann eine Übertragung direkt während der Geburt geschehen, zum anderen ist eine Ansteckung in den ersten fünf Lebensjahren durch Küsse oder gemeinsame Nutzung von Geschirr üblich.

Generell sollte der enge Kontakt zu anderen Personen während einer akuten Herpesepisode vermieden werden. Küsse oder gar Geschlechtsverkehr beziehungsweise andere sexuelle Handlungen gilt es schlicht zu vermeiden. Doch obgleich Enthaltsamkeit bei Genitalherpes dringlichst erfolgen sollte, neigen einige Betroffene dazu, diesen Rat zu ignorieren. Sie sollten dann zumindest einen wirksamen Barriereschutz in Form eines Kondoms verwenden. Dadurch minimiert sich das Ansteckungsrisiko zum Teil.

Eine weitere präventive Maßnahme bildet die allgemeine Stärkung des Immunsystems. Hierzu gehört selbstverständlich eine gesunde Ernährung sowie regelmäßige körperliche Bewegung und die Vermeidung von Stress. Hierdurch kann natürlich nicht eine Infektion an sich vermieden werden. Allerdings verhindert ein starkes Immunsystem, dass häufig Herpesanfälle auftreten und die Viren diverse Komplikationen verursachen.

Seit geraumer Zeit wird intensiv nach einer Impfung gegen das Herpes Simplex Virus geforscht. Gegen andere Herpesviren, beispielsweise Varizella, konnte bereits ein entsprechender Impfstoff entwickelt werden. Im Bezug auf Lippen- und Genitalherpes, also die humanen Herpesviren 1 und 2, ist die Wissenschaft noch nicht entsprechend weit fortgeschritten. An Ratten und Mäusen wurden bereits einige Präparate erfolgreich getestet. Derzeit laufen außerdem eine Reihe klinischer Studien, die möglicherweise in näherer Zukunft Erfolge erzielen könnten. Bis dahin gilt jedoch weiterhin, dass Hygiene und ein verantwortungsbewusster Umgang mit der Herpeserkrankung die einzige mögliche Präventionsmaßnahme bildet.


Prognose zur Heilung

Da bislang noch kein Heilmittel und kein Impfstoff gegen Herpes Simplex entwickelt wurde, ist aktuell keine Heilung möglich. Wer sich einmal mit den entsprechenden Erregern infiziert hat, wird diese lebenslang in sich tragen. Im besten Falle verweilen sie dauerhaft in einem Stadium der Dormanz in den Ganglien der Nerven. Der menschliche Körper scheint zudem einen ganz eigenen Mechanismus zu entwickeln, die Reaktivierung der Viren zu vermeiden. Denn ab dem 50. Lebensjahr ist ein Ausbruch der Symptome nur noch selten anzutreffen. Darüber hinaus treten nur in den wenigsten Fällen Komplikationen in Folge einer Infektion auf. Dies kommt im Prinzip einer Selbstheilung des Körpers schon sehr nahe. Und nicht zuletzt stellt Herpes meist eine eher harmlose Erkrankung dar, mit welcher sich durchaus leben lässt.


Herpesviren im Überblick

Die Familie der Herpesviridae gehört zu den größten Virenfamilien. Sie umfasst über 100 verschiedene Virentypen, die sich mehr oder weniger voneinander unterscheiden und unterschiedliche Erkrankungen hervorrufen können. Sie betreffen nicht nur Säugetiere, sondern auch Vögel, Fische und Reptilien. Beispielsweise existiert ein Schildkröten- sowie ein spezieller Aalherpes. Im Folgenden sollen alle für den Menschen relevante Herpeserkrankungen im Überblick erläutert werden.

Zunächst sei gesagt, dass sich die Herpesviridae in drei Gruppen unterteilt: Die Alphaherpesviridae, die Betaherpesviridae und die Gammaherpesviridae. In jeder dieser Gruppe befinden sich einige Virentypen, die den Menschen als Wirt benutzen. Da sie allesamt als persistent gelten, sind darüber hinaus keine anderen Wirte möglich. Aus diesem Grund werden die Viren, die nur beim Menschen anzutreffen sind als humane Herpesviren (HHV) bezeichnet. Insgesamt existieren hiervon acht verschiedene, die eine jeweils spezifische Krankheit hervorrufen. Eine Gemeinsamkeit aller Herpesviren besteht darin, dass sie persistent sind. Sie verbleiben also ein Leben lang im Körper des Wirts. In der Regel liegen sie lediglich inaktiv in Teilen der Nerven vor. Ferner bilden alle Herpesviren in irgendeiner Form einen deutlich sichtbaren Ausschlag mit Pusteln und Bläschen auf der Haut aus.

Zu den Alphaviridae gehören zum einen die Herpes Simplex Viren sowie das Varicellovirus. Herpes Simplex unterteilt sich wiederum in HHV 1 und HHV 2. Beide Erreger können sowohl den Lippen- als auch den genitalherpes hervorrufen. Dabei erweist sich HHV 1 als dominanter Typ, denn ungefähr 80 % der Erkrankungen lassen sich auf ihn zurückführen. Er gilt zudem als verhältnismäßig gefährlicher. Circa 85 % der Komplikationen sind durch diesen Virentyp herbeigeführt. Darüber hinaus unterschieden sich die beiden Arten aber nur marginal. Die werden zudem mit den gleichen Virostatika behandelt und rufen kaum zu unterscheidende Symptome hervor.

Das Varicellovirus, auch Varizella-Zoster genannt, ist dafür bekannt, nach einer Erstinfektion die Windpocken hervorzurufen. Hier zeigt sich die Gruppenzugehörigkeit zu den Alphaviridae und die Verwandtschaft zum Herpes Simplex. Denn auch Varizella lösen einen typischen Hautausschlag mit kleinen Bläschen aus. Diese beziehen sich allerdings nicht auf den spezifischen Eintrittsort des Virus, sondern sind ein hiervon unabhängige Symptom der Erkrankung. Nach dem Abheilen der Windpocken liegen ebenso wie beim klassischen Herpes die Viren weiterhin in den Ganglien vor. Sie können unter Umständen jedoch aktiviert werden und führen hernach zur Gürtelrose (Herpes Zoster). Er ähnelt ebenfalls einer Infektion mit Herpes simplex.

Gegen diese spezifischen Herpesviren wurde inzwischen ein Impfstoff entwickelt, der in der Regel gemeinsam mit der Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR) verabreicht wird. Hierdurch kann eine Infektion mit Varizellen sowie ein Ausbruch der Windpocken oder der Gürtelrose mit über 80 %iger Wahrscheinlichkeit vermieden werden.

Zur Gruppe der Betaviridae gehören zunächst die Cytomegaloviren, unter denen sich auch das humane Herpesvirus 5 (HHV 5) befindet. Infolge einer Infektion mit diesen Erregern kommt es zu einem Ausbruch der Cytomegalie. Diese Krankheit bleibt in beinahe 99 % der Fälle geradezu symptomfrei. Lediglich Schwellungen der Lymphknoten und leichtes Unwohlsein kann sie nach sich ziehen. Für immunschwache Menschen stellt sie allerdings eine erhebliche Gefahr da. Bei ihnen ist HHV 5 in der Lage schwere Organschäden zu verursachen. Darüber hinaus können Komplikationen im Bezug auf Schwangerschaften auftreten. Insgesamt handelt es sich allerdings um eine sehr leichte Erkrankung. Circa 60 % der weltweiten Bevölkerung tragen diesen Virustyp in sich, ohne es selbst zu bemerken.

Eine weitere Unterform der Betaviridae sind die Roscoloviren, zu denen die humanen Herpesviren 6 und 7 gehören (HHV 6, HHV 7). Eine Ansteckung mit diesen Viren bewirkt in der Regel den Ausbruch des Drei-Tage-Fiebers, von dem überwiegend Kleinkinder betroffen sind. Hier ist ein typischer Hautausschlag zu verzeichnen, der mit jenem von Masern und Röteln vergleichbar ist. Darüber hinaus treten Grippeähnliche Symptome auf. Generell sind die durch Roscoloviren hervorgerufenen Erkrankungen komplikationsfrei. Dennoch arbeitet die Wissenschaft aktuell an einem Impfstoff, der eine Ansteckung möglichst vermeiden soll.

Die letzte Gruppe der Herpesviridae stellen die sogenannten Gammaviridae dar. Dieser Gattung gehören die Lymphocryptoviren an, die wiederum den Ebstein-Barr-Virus (HHV 4) umfassen. Ebstein-Barr ist vor allem dafür bekannt, das Pfeiffer-Drüsenfieber auszulösen. Diese grippeähnliche Erkrankung ist jedoch kaum besorgniserregend. Wesentlich wichtiger ist an dieser Stelle, dass HHV 4 zu den Onkoviren gehört. Das bedeutet, dass sie verschiedene Krebserkrankungen hervorrufen können. Unter anderem Lymphdrüsen- und Kehlkopfkrebs sind hierbei denkbar. Da Ebstein-Barr vor allem beim Geschlechtsverkehr übertragen wird, sollte stets ein Kondom verwendet werden, um eine Infektion nach Möglichkeit zu verhindern.

Letztlich gehören zu den Gammaherpesviridae die Rhadinoviren, welche neben anderen das humane Herpesvirus 8 (HHV 8) umfassen. Dieser Erreger kommt beim Menschen vergleichsweise selten vor. Jedoch gehen mit ihm die im Vergleich gravierendsten Erkrankungen einher. Beispielsweise verursacht er nicht selten ein Kaposi-Sarkom sowie diverse maligne Lymphone, aber auch Morbus Castleman. Betroffen sind jedoch in erster Linie immungeschwächte Menschen. Für AIDS-Patienten kann HHV 8 aus diesem Grund sehr gefährlich werden.

Es zeigt sich, dass Herpesviridae vielfältige Erkrankungen hervorrufen können. Abhängig vom spezifischen Virustyp sind diese für den Menschen ungefährlich bis gravierend einzustufen. Gemeinsam ist jedoch allen Erregern, dass sie den menschlichen Organismus nach einem einmaligen Befall nicht mehr verlassen, sondern sich in den Lymphozyten, den Nerven oder den Nervenknoten im Stadium der Dormanz befinden. Darüber hinaus veranlassen sie alle eine epidermale Veränderung.

Im Folgenden sollen nochmals alle humanen Herpesviren sowie jene, durch sie ausgelösten, Erkrankungen im Überblick dargestellt werden:

  • HHV 1: Lippenherpes
  • HHV 2: Genitalherpes
  • HHV 3: Windpocken, Gürtelrose
  • HHV 4: Pfeiffer-Drüsenfieber, diverse Krebserkrankungen
  • HHV5: Cytomegalie
  • HHV 6: Drei-Tage-Fieber
  • HHV 7: grippeähnliche Fiebererkrankungen
  • HHV 8: Karposi-Sarkom, Morbus Castleman, diverse Krebserkrankungen

Alternative Behandlungsmethoden

Es existieren eine Reihe von alternativen Behandlungsmöglichkeiten bei Bestehen einer akuten Herpesepisode. Dazu gehören Hausmittel wie Sitzbäder und entzündungshemmende Heilkräuter und hautberuhigende Öle. Diese dienen allerdings lediglich der Linderung der Symptome. Generell gilt, dass ein aktiver Herpes alle Stadien der Erkrankung durchläuft und diese nur verkürzt, nicht aber umgangen werden können. Darüber hinaus existieren keine Mittel, die Herpes heilen oder ihm vorbeugen können.

Bei der Anwendung aller Mittel gilt in erster Linie, dass äußerste Vorsicht bestehen sollte. Herpesblasen enthalten eine hochinfektiöse Flüssigkeit, mit der nicht nur andere Personen infiziert werden können. Wird, beispielsweise beim Auftragen einer Salbe, die Flüssigkeit verschmiert, können weitere Bereiche des Körpers mit den Viren angesteckt werden, wodurch sich Bläschen erneut bilden können. Außerdem kann es hierdurch zu Entzündungen der betroffenen Stellen kommen. Desinfektion und gründliches Händewaschen bilden also die Grundvoraussetzung bei der Behandlung mit diversen alternativen Methoden.

Welche Hausmittel können helfen?

Hausmittel können durchaus zur Linderung der Symptome bei Herpesanfällen verwendet werden. Besonders jene Mittel, die entzündungshemmend wirken, eignen sich zur Behandlung. Bei Genitalherpes sind darüber hinaus Sitzbäder, beispielsweise in einem Kamille- oder Salbeisud, sinnvoll, da hierdurch der eklatante Juckreiz gemildert werden kann. Aber auch der Einsatz von Eiswürfeln zur Kühlung des betroffenen Gewebes ist geeignet. Immer wieder wird zudem auf den Einsatz von Zahnpasta gegen Lippenherpes verwiesen. Ärzte raten von dieser Methode allerdings ab, da in moderner Zahnpasta etliche Inhaltsstoffe enthalten sind, die sich eher negativ auf eine Herpesblase auswirken können. Wer dennoch nicht auf dieses Mittel verzichten möchte, sollte darauf achten, eine stark zinkhaltige Paste zu verwenden. Wesentlich empfehlenswerter ist jedoch, direkt eine Zinksalbe aufzutragen.

Im Folgenden finden sich die gängigsten Hausmittel zur Behandlung einer akuten Herpesepisode:

  • Sitzbäder
  • Manukahonig
  • zinkhaltige Salben und Zahnpasta
  • Alkohol
  • Kamillenumschläge
  • Ionensalbe

Die genauen Daten zur Dosierung und zur Art der Anwendung sind der Packungsbeilage zu entnehmen oder mit dem zuständigen Heilpraktiker abzuklären.

Heilkräuter & Heilpflanzen

Heilkräuter und Heilpflanzen können selbstverständlich weder eine Herpesinfektion verhindern, noch diese in irgendeiner Form heilen. Allerdings sind sie durchaus zu empfehlen, wenn während einer akuten Herpesepisode Entzündungen auftreten. Dann eignen sich prinzipiell alle antibakteriellen und entzündungshemmenden Pflanzen, die entweder oral eingenommen werden oder direkt auf die betroffene Stelle aufgetragen werden können. Hierbei sollte allerdings vorsichtig vorgegangen werden. Denn jede Berührung der infektiösen Bläschen stellt ein erhebliches Ansteckungsrisiko dar.

Zu den gängigsten Heilkräutern gehören beispielsweise Knoblauch oder Ingwer. Im Bezug auf den Genitalherpes verspricht aber auch Kamille eine angenehme Linderung. Hier sind Sitzbäder sehr empfehlenswert.

Zu den wirksamsten Heilkräutern im Bezug auf Lippen- oder Genitalherpes gehören folgende:

  • Knoblauch
  • Ingwer
  • Kamille
  • Salbei
  • Aloe Vera
  • Echinacea
  • Oregno
  • Ysop
  • Sandelholz

Die genauen Daten zur Dosierung und zur Art der Anwendung sind der Packungsbeilage zu entnehmen oder mit dem zuständigen Heilpraktiker abzuklären.

Ätherische Öle

  • Jahonniskrautöl
  • Melissenöl
  • Teebaumöl
  • Bergamotte
  • Sternanis
  • Pfefferminzöl
  • Zitronenöl
  • Citrusöl
  • Calophyllumöl

Die genauen Daten zur Dosierung und zur Art der Anwendung sind der Packungsbeilage zu entnehmen oder mit dem zuständigen Heilpraktiker abzuklären.

Homöopathie & Globuli

  • Arsenicum album
  • Rhus toxicodendron
  • Croton tiglium
  • Natrium moriaticum
  • Causticum Hahnemanni

Die genauen Daten zur Dosierung und zur Art der Anwendung sind der Packungsbeilage zu entnehmen oder mit dem zuständigen Heilpraktiker abzuklären.

Schüssler-Salze

  • 8 Natrium chloratum
  • Nr. 21 Zincum chloratum
  • Nr. 10 Natrium sulfuricum
  • Nr. 9 Natrium phosphoricum
  • Nr. 11 Silicea

Die genauen Daten zur Dosierung und zur Art der Anwendung sind der Packungsbeilage zu entnehmen oder mit dem zuständigen Heilpraktiker abzuklären.

Diät & Ernährung

Eine Infektion mit Herpes Simplex Viren kann selbstverständlich nicht mit einer Diät oder speziellen Ernährung vermieden werden. Dennoch bildet die richtige Nahrung einen entscheidenden Aspekt im weiteren Krankheitsverlauf, denn sie hat zum Teil einen enormen Effekt auf die Stabilisierung und Gesunderhaltung des menschlichen Immunsystems. Hierdurch kann eine Aktivierung der Herpesviren, die zu den typischen Krankheitssymptomen führt, entsprechend verhindert werden.

Prinzipiell gesehen, ist es egal, welche Ernährungsform bevorzugt wird. Es sollten jedoch einige Faktoren berücksichtigt werden, die allgemein als gesundheitsfördernd gelten. Dazu gehört beispielsweise auf Fertignahrung und Fast Food zu verzichten. Die hier enthaltenen Zucker und Zusatzstoffe können durchaus einen negativen Effekt auf den Körper haben. Generell sollten nur wenige zuckerhaltige Nahrungsmittel konsumiert werden. Auch tierische Fette gilt es nach Möglichkeit nicht übermäßig zu verspeisen. Hingegen sollten frisches Obst, Gemüse und Fisch auf dem Speiseplan stehen. In der Hauptsache sollten alle Mahlzeiten frisch zubereitet werden, da hierdurch eine höhere Vitaminausbeute erlangt werden kann und zudem eine Kontrolle über die Inhaltsstoffe bewahrt wird. Versteckte Zucker können dann beispielsweise wesentlich leichter identifiziert werden.

Nicht zuletzt sollten Suchtstoffe in Form von Nikotin und Alkohol am besten vermieden werden. Ärzte empfehlen darüber hinaus auch Kaffee nur in Maßen zu konsumieren. Empfehlenswert ist demgegenüber, den Flüssigkeitsbedarf des Körpers ausreichend mit Wasser oder ungesüßten Tees zu decken.

Im Folgenden findet sich ein Überblick über besonders empfehlenswerte Lebensmittel, die für eine gesunde Ernährung förderlich sind:

  • Nüsse und Samen
  • Fisch, der reich an Omega-3-Fettsäuren ist (z.B. Lachs)
  • ballastoffreiche Lebensmittel (zum Beispiel Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte)
  • frisches Obst und Gemüse
  • Bienenhonig

Die folgenden Lebensmittel gilt es möglichst zu vermeiden oder nur mäßig zu verzehren:

  • Alkohol
  • tierische Fette
  • Industriezucker
  • Fast Food
  • Fertiggerichte mit vielen Konservierungs- und Zusatzstoffen

FAQ – Fragen & Antworten

Geschlechtsverkehr trotz Genitalherpes – ist das möglich?

Mediziner raten dringlichst davon ab, während einer akuten Herpesepisode aktiven Geschlechtsverkehr auszuüben. Denn hierdurch ist eine Übertragung der Viren nicht nur möglich, sondern garantiert. Darüber hinaus sind die kleinen Bläschen und Wunden durchaus sehr schmerzempfindlich. Der betroffene Partner wird so kaum Freude an sexuellen Handlungen empfinden können. Außerdem kann die Reibung beim Verkehr dazu führen, dass Bläschen einreißen und sich hernach entzünden. Das begünstigt schwerere Erkrankungen, die Inkontinenz oder Impotenz zur Folge haben können. Wer dennoch nicht auf Geschlechtsverkehr während eines Herpesanfalls verzichten will, sollte unbedingt für ausreichend Schutz sorgen, um den Partner nach Möglichkeit nicht anzustecken. Hierfür eignen sich lediglich Kondome.

Was sollte bei Herpes in der Schwangerschaft beachtet werden?

Eine Herpesepisode während der Schwangerschaft stellt per se erst einmal keine besondere Gefahr dar. Problematisch wird die Krankheit erst, wenn es sich um eine Neuinfektion handelt und der Organismus noch keinerlei Antikörper gebildet hat, die auf den Fötus übertragen wurden. Im ungünstigsten Fall kann dies sogar zum Abbruch der Schwangerschaft führen oder das Ungeborene schädigen. Bei erstmaligem Auftreten von Herpes während der Schwangerschaft sollte also unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Dieser wird in der Regel sofort Virostatika verschreiben

Problematisch kann sich darüber hinaus ein aktiver Genitalherpes im Zeitraum der Geburt gestalten. Eine Übertragung der Viren ist dabei nämlich kaum zu vermeiden. Allerdings ist eine Ansteckung des Neugeborenen gefährlich, da Viren hier einen wesentlich größeren Schaden anrichten können als bei einem Menschen mit fertig entwickeltem Immunsystem. Darüber hinaus können während der Geburt auch ungewöhnliche Bereiche, wie beispielsweise die Augen, infiziert werden. Zumeist empfehlen Ärzte aus diesem Grund einen Kaiserschnitt und keine natürliche Geburt.

Kann Herpes vererbt werden?

Oftmals lässt sich beobachten, dass Kinder an Herpes leiden, deren Eltern ebenfalls Träger des Virus sind. Dies liegt allerdings nicht daran, dass Herpes Simplex Viren über das Erbgut weitergegeben werden. Vielmehr handelt es sich bei diesen Erregern um hochinfektiöse Viren, die sehr leicht übertragbar sind. Aus diesem Grund ist eine Ansteckung der eigenen Kinder mehr als wahrscheinlich. Studien zufolge wird sich die Mehrheit der Nachkommen innerhalb von fünf Jahren bei den eigenen Eltern infizieren, obgleich alle Möglichkeiten des Infektionsschutzes genutzt wurden.

Gibt es eine Impfung gegen Herpes??

Abhängig vom spezifischen Virustyp ist eine Immunisierung des Körpers mittels Impfstoff möglich. Beispielsweise wurde bereits ein Serum gegen das humane Herpesvirus 3, also den Varizella-Zoster-Virus entwickelt. Hierdurch kann unter anderem eine Windpockenerkrankung so gut wie ausgeschlossen werden. In Hinblick auf das Herpes Simplex Virus ist die Wissenschaft bei der Impfstoffentwicklung noch nicht so weit fortgeschritten. Allerdings laufen bereits einige klinische Studien, bei denen diverse Mittel zur Immunisierung getestet werden.

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