Achillessehne

Die Achillessehne – eine starke Sehne und Schwachstelle

Die Achillessehne ist nicht nur die kräftigste Sehne des menschlichen Körpers, sondern auch eine von seinen großen Schwachstellen. Denn ohne die Achillessehne ist kein Gehen oder Laufen möglich. In diesem Artikel erfahren Sie, was die Achillessehne ist, wie sie funktioniert und warum sie besonders Sportlern Probleme bereiten kann.

Zudem finden Sie Informationen darüber, was bei einer Entzündung oder einem Riss der Achillessehne geschieht, wie sich eine mögliche Therapie gestalten kann und wie Sie einer krankhaften Veränderung oder Verletzung der Achillessehne vorbeugen können.


Was ist die Achillessehne?

Bei der Achillessehne (Tendo calcaneus) handelt es sich um die stärkste Sehne des menschlichen Körpers, welche die Unterschenkel- bzw. Wadenmuskulatur mit dem FußSkelett, genauer gesagt dem Fersenbein, verbindet. Ohne die Achillessehne ist weder ein Strecken des Fußes noch das Gehen überhaupt möglich. Die Achillessehne ist bis zu 25 Zentimeter lang, bis zu 8 Millimeter dick und bis zu 5 Zentimeter breit. Sie ist anfangs breit und wird dann schmäler, bevor sie unten wieder breiter wird und schließlich am Fersenbein endet.

Einer griechischen Sage nach wurde der berühmte Held Achilles als Kind von seiner Mutter, der Göttin Thetis, in den Fluss Styx getaucht, da dies ihn unsterblich machen sollte. Da die Göttin Thetis ihren Sohn jedoch an der Ferse festhielt, kam allein diese Stelle nicht mit dem magischen Wasser in Berührung. Aus diesem Grund blieb der ansonsten unsterbliche Achilles an seiner Ferse verwundbar. Im Kampf um Troja wurde Achilles mit einem Pfeil an genau dieser Stelle getroffen – und starb. Daraus entstand der oft zitierte Ausdruck der „Achillesferse“ als Schwachstelle einer Person.

Funktionen & Aufgaben

Die Achillessehne ermöglicht eine der wichtigsten Bewegungen des menschlichen Körpers überhaupt – das Laufen und Gehen. Nur mithilfe der Achillessehne kann sich der Fuß vom Boden abstoßen. Die Fachausdrücke für diesen Vorgang lauten Plantarflexion und Supination. Doch welche Aufgaben genau erfüllt die Achillessehne beim Gehen bzw. Laufen?

Über die Achillessehne erfolgt die Kraftübertragung von der Wadenmuskulatur auf das Fersenbein, den hinteren Teil des Fußskeletts, was u.a. eine Beugung des Fußes ermöglicht. Ein Zusammenziehen der Wadenmuskeln bewirkt einen Zug auf die Sehne am Fersenbein, wodurch der Fuß gestreckt und die Ferse gehoben wird. Dieser Vorgang wird als Plantarflexion bezeichnet. Die Achillessehne fungiert hierbei wie eine Art Band, dass die Kraft von der Wadenmuskulatur auf das Fußskelett bzw. das Fersenbein überträgt.

Ein Entspannen der Wadenmuskulatur ermöglicht dagegen ein Auftreten mit der gesamten Fußsohle und wird medizinisch als Supination bezeichnet.

  • Die Achillessehne ermöglicht durch Plantarflexion und Supination u.a. das Gehen und Laufen.

Anatomie & Aufbau

Als Achillessehne wird die Ansatz- oder auch Endsehne des Musculus triceps surae bezeichnet, welcher aus drei einzelnen Muskeln besteht. Deren medizinische Namen lauten Musculus plantaris, Musculus soleus und Musculus gastrocnemius. Dieser dreiköpfige Wadenmuskel, der Musculus triceps surae, geht also in die Achillessehne über.

Die Achillessehne verbindet diese Muskelbäuche mit dem Fersenbein, welches auch als Calcaneus bezeichnet wird. Dabei sind sowohl der obere als auch der untere Ansatz der Achillessehne breit, die Mitte dagegen schmal. Sie wird von einer Sehnenscheide ummantelt und setzt sich aus mehreren Sehnenbündeln zusammen, welche aus Kollagenfasern bestehen.
Die Länge der Achillessehne beträgt zwischen 15 und 25 Zentimeter, wobei sich die genaue Abgrenzung der Achillessehne aufgrund ihrer Verbindung mit den Muskeln nicht einwandfrei festlegen lässt.

Die Achillessehne kann ohne größere Schwierigkeiten ertastet werden, da sie aufgrund ihrer Verbindung mit dem Fersenbein ein wenig vom Unterschenkelknochen absteht. Der Bereich zwischen Sehne und Muskeln bzw. Unterschenkelknochen ist mit Fett- und Bindegewebe gefüllt.

Achillessehnenverkürzung beim Kind

Bei Kindern kann eine Verkürzung der Achillessehne zum sogenannten Zehenspitzengang führen. Dieser wird bei ungefähr 5 Prozent aller Kinder im Vorschulalter festgestellt. Die betroffenen Kinder laufen auf dem Vorfuß, wobei die Zehen flach auf dem Boden zu liegen kommen und nahezu kein Abrollvorgang stattfindet.

Es gibt verschiedene Ursachen für den Zehenspitzengang, in einigen Fällen kann auch weder eine psychische noch eine physische Ursache festgestellt werden. Sowohl beim idiopathischen als auch beim habituellen Zehenspitzengang ist allerdings in vielen Fällen die Achillessehne verkürzt. Es konnte jedoch noch nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden, ob dies eine Folge oder die Ursache des Zehengangs ist.

Als idiopathischer Zehenspitzengang bezeichnet man einen Zehenspitzengang, für den weder körperliche noch psychische Erkrankungen verantwortlich sind. Von einem habituellen bzw. gewohnheitsmäßigen Zehenspitzengang ist dagegen die Rede, wenn eine Muskelverkürzung als Ursache vorliegt, der Zehenspitzengang in einer Familie gehäuft auftritt oder Kinder nur in bestimmten Situationen durch einen Zehenspitzengang auffallen.

In vielen Fällen ist der Zehenspitzengang vollkommen harmlos und verschwindet nach kurzer Zeit von selbst wieder.


Achillessehne – die Schwachstelle der Läufer und Fußballer

Besonders unter Marathonläufern und Fußballern kommt es häufig zu Entzündungen der Achillessehne. Grund dafür ist oft eine Fehlbelastung durch falsches Training oder Überforderung. Warnsignale, die von jedem Läufer ernst genommen werden sollten, sind u.a. Schwellungen und Druckschmerzen im Bereich der Achillessehne. Werden diese einfach ignoriert, kann dies eine chronische Reizung zur Folge haben.

Eine chronische Reizung der Achillessehne führt in vielen Fällen zu einer Schwächung der Sehne, was auch einen Teilanriss oder einen kompletten Riss der Achillessehne verursachen kann. Die Beschwerden können zudem durch eine knöcherne Ansatzverdickung am Fersenbein intensiviert werden.

Übergewicht spielt bei den meisten Sportlern keine große Rolle, aber auch unpassende Laufschuhe stellen ein Risiko dar. Zudem kann es schon ab dem 40. Lebensjahr zu degenerativen Veränderungen kommen – auch manche Antibiotika können das Risiko zusätzlich erhöhen.

Bei einer akuten Reizung der Achillessehne können Sportler sich selbst mit Eispackungen helfen, wobei diese nicht länger als zehn Minuten und nie auf die nackte Haut aufgelegt werden dürfen. Zudem sollte der Fuß ruhiggestellt werden, was eine befristete Sportpause voraussetzt.

Bei chronischen Reizungen sollten Sportler ganz besonders auf darauf achten, sich vor dem Training entsprechend aufzuwärmen und zu dehnen. Auch Physiotherapien und spezielles Krafttraining können in solchen Fällen hilfreich sein.

Eine Absatzerhöhung reduziert nachgewiesenermaßen die Belastung der Achillessehne, kann allerdings über längere Zeit hinweg zu einer Sehnenverkürzung führen. Deshalb stellt sie auf Dauer keine befriedigende Lösung dar.

Anders sieht es dagegen mit Einlagen aus, welche Läufer sich im Anschluss an eine Laufbandanalyse am besten maßgeschneidert anfertigen lassen sollten.

Krankheiten, Beschwerden & Störungen

Reizung der Achillessehne bzw. Achillodynie

In Zusammenhang mit der Achillessehne kommt es häufig zu Reizungen und Entzündungen oder kleinen Verschleiß-Defekten. Sie gehören zu den am häufigsten auftretenden Überlastungsschäden der sportlich aktiven Bevölkerung.

Dies hängt damit zusammen, dass die stärkste Sehne des Menschen beim Sport besonders großen Kräften ausgesetzt wird. Dabei kann es zu minimalen Verletzungen, sogenannten Mikroverletzungen, im Sehnengewebe kommen. Diese können vom Körper selbst wieder repariert werden, solange die Belastungsgrenze der Sehne nicht überstiegen wird.

Besonders abgelaufenes Schuhwerk und das Laufen auf hartem oder unebenem Untergrund (wie z.B. Beton oder Sand) können die Achillessehne an den Rand ihrer Belastungsgrenze treiben, insbesondere wenn ruckartige Bewegungsabläufe wie beispielweise Sprünge hinzukommen. Auch physische Besonderheiten wie z.B. ein Senkspreiz-Fuß oder eine verkürzte Wadenmuskulatur können das Risiko einer Entzündung der Achillessehne erhöhen.

Liegt eine Reizung der Achillessehne vor, kommt es – neben den Schmerzen während und nach der Belastung – typischerweise auch zu Anlaufschmerzen. Das bedeutet, dass die Schmerzen bereits zu Beginn einer Belastung oder auch schon morgens nach dem Aufstehen auftreten. Das die Sehne umgebende Gewebe ist häufig angeschwollen und druckempfindlich. Bei einer akuten Reizung kann man zudem direkt über der Sehne ein Knirschen ertasten, beispielweise beim Senken des Fußes.

Da Reizungen der Achillessehne chronisch werden und dauerhaft Beschwerden verursachen können, sollte sie unbedingt professionell therapiert werden. Die Heilung wird durch eine langwierige Achillessehnenreizung zudem nicht nur deutlich erschwert – eine chronische Entzündung kann letzten Endes auch zu einem Riss der Achillessehne führen.

Aus diesem Grund muss auch die Belastung der gereizten Achillessehne reduziert werden. Dies muss nicht unbedingt den vollständigen Verzicht des Trainings zur Folge haben, wobei einige Tage Sportpause allerdings durchaus sinnvoll sind. Danach kann das Training mit Bedacht wieder aufgenommen werden, wobei auf intensives Lauf- oder Sprungtraining verzichtet werden sollte. Gute Alternativen stellen Schwimmen und das Training auf einem Fahrradergometer dar.

Doch eine Sportpause bzw. eine Entlastung der Achillessehne durch ein verändertes Trainingsverhalten stellen nicht die einzigen Maßnahmen dar, die bei einer Reizung der Achillessehne ergriffen werden sollten. Bei stärkeren Beschwerden ist es im Akutfall zudem ratsam, die betroffene Sehne mehrmals täglich für eine Viertelstunde leicht zu kühlen. Ist der akute Schmerz abgeklungen, können die Selbstheilungskräfte des Gewebes mit Wechselbädern zur Förderung der Durchblutung und intensiven Dehnübungen der Wadenmuskulatur unterstützt werden.

Eine Operation wird erst dann empfohlen bzw. in Erwägung gezogen, wenn mit konservativen Therapiemaßnahmen (wie z.B. Physiotherapie, Reizstrombehandlung, Ultraschallbehandlung, Infiltrationsbehandlung oder Akkupunktur) keine Heilung erzielt werden konnte.

Achillessehnenriss bzw. Achillessehnenruptur

Ein Achillessehnenriss bzw. Achillessehnenruptur wird in der Regel nicht durch Gewalteinwirkung von außen, sondern meist durch chronisch auftretende, starke Überbelastung verursacht, z.B. in Form von harter körperlicher Arbeit oder intensivem sportlichem Training.

Eine Achillessehnenruptur macht sich meistens dadurch bemerkbar, dass der Fuß – wenn überhaupt – nur noch unter starken Schmerzen aufgesetzt oder belastet werden kann. Zudem ist es der betroffenen Person nicht mehr möglich, sich auf die Zehenspitzen zu stellen.

Allerdings gilt es zu bedenken, dass eine gesunde Achillessehne so gut wie nie reißt. In der Regel ist das Sehnengewebe aufgrund anhaltender Reizung oder aufgrund einer durch Kleinstrisse, sogenannter Mikrotraumen, verursachten Entzündung bereits vorgeschädigt.

Es wird zwischen dem teilweisen und dem kompletten Riss der Achillessehne unterschieden.

Die Ursache für einen teilweisen Riss der Achillessehne ist meist eine degenerative Abnutzung. Dies zeigt sich auch dadurch, dass es vor einem solchen Teilriss über einen längeren Zeitraum hinweg zu belastungsabhängigen Beschwerden im Bereich der Achillessehne oberhalb des Fersenbeines kommt. Diese sind häufig mit Schmerzen, Schwellungen und Entzündungen verbunden. Obwohl die Achillessehne meistens noch funktionstüchtig ist, sind sportliche Aktivitäten aufgrund der genannten Beschwerden nur noch begrenzt möglich.

Im Gegensatz zum kompletten Riss, der aufgrund der Symptome bereits vor Ort leicht diagnostiziert werden kann, kann ein Teilriss nur mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) zweifelsfrei festgestellt werden. Im Laufe der Untersuchung werden dann in vielen Fällen auch Sehnenfasern mit absterbendem Gewebe, sogenannten Teilnekrosen, nachgewiesen.

Teilrisse können sowohl mit als auch ohne operative Maßnahmen behandelt werden, wobei im Falle von vorliegenden Nekrosen meist zu operativen Behandlungsmethoden geraten wird, um eine langfristige Heilung zu gewährleisten. Wenn sich noch keine Nekrosen gebildet haben, kann auch eine Therapie mit entzündungshemmenden Medikamenten und einem weichen, polsternden Silikonfersenkeil erfolgsversprechend sein, unter der Voraussetzung, dass kein Sport ausgeübt und die Achillessehne nicht weiter belastet wird.

Der komplette Riss der Achillessehne wird auch als unfallbedingter Achillessehnenriss bezeichnet. Kommt es zu einem derartigen Riss der Achillessehne, ist meist ein Knall im Bereich des Fersenbereichs vernehmbar. Abgesehen von den Schmerzen im Bereich des Sehnenansatzes im hinteren Fersenbereich und dem Unvermögen, auf Zehenspitzen zu stehen, kommt es meist auch zur Bildung einer Delle oberhalb der Ferse.

Vom unfallbedingten Achillessehnnriss betroffen sind meistens Personen zwischen 30 und 50 Jahren, die neben ihrer sonstigen Tätigkeit in ihrer Freizeit sportlich aktiv sind. Die Häufigkeit dieser Art von Verletzungen der Achillessehne hat in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen.

Ein kompletter Riss der Achillessehne kann sowohl mit konservativen als auch mit operativen Methoden behandelt werden. Im ersten Fall wird der Unterschenkel mithilfe einer Schiene oder eines Spezialschuhs ruhiggestellt. Dies kann jedoch u.a. zu einem erhöhten Tromboserisiko führen. Operative Maßnahmen sind dagegen mit den gängigen Operations- und Anästhesierisiken verbunden.


Typische & häufige Erkrankungen

  • Reizung der Achillessehne
  • Entzündung der Achillessehne (Achillodynie)
  • Achillessehnenriss (Achillessehnenruptur)

Fragen & Antworten

Wie kann ich meine Achillessehne stärken?

Eine sehr effektive Übung, mit der die Achillessehne gestärkt werden kann, lässt sich leicht an einer Treppenstufe ohne zusätzliche Hilfsmittel ausführen. Im besten Fall erfolgt die Übung sogar ohne Schuhe. Stellen Sie sich mit Blickrichtung aufwärts an den Rand der Treppenstufe und stellen Sie sich für einige Sekunden auf die Zehenspitzen, bevor Sie die Fersen so weit absenken, dass diese sich unterhalb des oberen Randes der Treppenstufe befinden. Nach einigen Wochen können Sie die Übung auch einbeinig absolvieren, um somit den Trainingseffekt zu erhöhen.

Wie kann ich einem Riss der Achillessehne vorbeugen?

Um die Achillessehne nicht zu überfordern, sollte diese vor sportlichen Aktivitäten immer zunächst durch Aufwärm- und Dehnübungen auf die gesteigerte Belastung vorbereitet werden.
Außerdem ist es wichtig, die Intensivität der sportlichen Beanspruchung kontinuierlich zu steigern und besonders nach einer längeren Sportpause den Körper, insbesondere die Achillessehne, durch ein zu intensives Training nicht überzustrapazieren.

Was muss ich bei einer Reizung der Achillessehne beachten?

Damit es zu keiner chronischen Entzündung der Achillessehne kommt, ist es bei einer Reizung in der Regel am besten, das Sprunggelenk durch eine leichte Spitzfußstellung zu schonen. Dabei wird die Ferse angezogen und die Fußspitze nach unten gestreckt. Dadurch werden sowohl die Sehne als auch die Wadenmuskulatur entspannt. Zudem sollten Sie bei der Reizung der Achillessehne auf die Ausübung von Sportarten verzichten, bei denen auf die Achillessehne und die Wadenmuskulatur eine starke Belastung ausgeübt wird.

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