Sprunggelenk

Sprunggelenk – Der Knöchel im Fuß

Das Sprunggelenk verbindet den Fuß mit dem Unterschenkel. Es ist umgangssprachlich unter dem Begriff „Knöchel“ bekannt. Im Sprunggelenk treten selten Abnutzungserscheinungen auf. Treten aber doch Verletzungen am Knöchel auf, sind diese sehr schmerzhaft und der Heilungsvorgang kann lange dauern. Das Sprunggelenk setzt sich aus zwei verschiedenen Gelenken zusammen und gehört zu den Zylindergelenken.

Was ist ein Sprunggelenk?

Das Sprunggelenk besteht aus dem oberen und unteren Sprunggelenk und ist das Verbindungsgelenk zwischen Fuß und Unterschenkel. Der umgangssprachliche Begriff für das Sprunggelenk ist „Knöchel“. Es gehört zu den Zylindergelenken und ist einachsig. Der lateinische Fachbegriff für das obere Sprunggelenk ist Articulatio talocruralis. Articulatio talotarsalis ist der lateinische Fachbegriff für das untere Sprunggelenk. Durch das Sprunggelenk wird der Fuß erst beweglich und die Gehbewegung und der aufrechte Gang werden möglich. Der Fuß kann abgesenkt und angehoben werden. Auch eine Auswärts- und Einwärtsdrehung ist möglich. In jedem Fuß befindet sich jeweils ein Sprunggelenk, welches unabhängig vom anderen Sprunggelenk funktioniert.
Durch seine Position lastet auf dem Sprunggelenk das gesamte Körpergewicht. Daher kommt es auch zu Abnutzungserscheinungen im Gelenk. Es gehört zu den Gelenken im Körper, die den größten Belastungen ausgesetzt sind. Der Knöchel schafft es, das Siebenfache des eigenen Körpergewichts zu tragen.
Damit das Sprunggelenk zuverlässig seine Arbeit erfüllen kann, ist es auf bestimmte Bänder angewiesen. Häufig werden bei einer Verletzung im Sprunggelenk die Bänder beschädigt.

Funktionen & Aufgaben

Das Sprunggelenk übernimmt beim Gang eines Menschen wichtige Aufgaben:

  • Aufrechtes Gehen wird möglich
  • Drehen und Wenden des Fußes
  • Sicherer Gang auf unebenem Grund

Ohne das Sprunggelenk wäre ein aufrechter Gang nicht möglich. Gleichzeitig macht das Sprunggelenk den Fuß flexibel. Durch das Sprunggelenk lässt sich der Fuß nach oben, unten, links und rechts bewegen. Dadurch kann man beim Rennen schnell die Richtung ändern und Sportarten wie Skifahren oder Klettern werden erst durch diese Beweglichkeit möglich. Zusätzlich erfüllt das Sprunggelenk wichtige Dienste beim Gang über einen unebenen Untergrund. Es sorgt dafür, dass sich der Fuß schnell an den unebenen Untergrund anpassen kann. Dadurch bekommt man einen sicheren Stand.

Die Bewegung des Fußes nach oben und unten wird erst im Zusammenspiel des oberen Sprunggelenks mit der Achillesverse ermöglicht. Durch das Anziehen der Achillesverse wird der Fuß gebeugt. Der maximale Beugungswinkel beträgt 30 Grad, während bei der Streckung 50 Grad möglich sind.
Kleine seitliche Bewegungen des Fußes werden dadurch möglich, dass der Kontakt zwischen Sprungbeinrolle und Knöchelgabel gelockert wird. Große Auswärts- und Einwärtsdrehungen werden durch das untere Sprunggelenk ermöglicht. Das untere Sprunggelenk hat ähnliche Eigenschaften, wie ein Kugelgelenk. Dadurch lässt sich der Fuß um bis zu 30 Grad nach außen drehen und um bis zu 60 Grad nach innen drehen.

Anatomie & Aufbau

Die einzelnen Teile des Sprunggelenks sind:

  • Oberes Sprunggelenk
  • Unteres Sprunggelenk
  • Kapsel-Band-Apparat
  • Sprunggelenkknorpel

Das obere Sprunggelenk wird vom Sprungbein, dem Wadenbein und dem unteren Teil des Schienbeins gebildet. Die Gelenkpfanne besteht aus dem Außenknöchel des Wadenbeins und dem Innenknöchel des Schienbeins. Die Sprungbeinrolle ist dabei der Gelenkkopf. Da es sich um ein Scharniergelenk handelt, sind Bewegungen nach unten und oben möglich. Gleichzeitig erfolgt über das obere Sprunggelenk die Kraftübertragung vom Bein auf den Fuß.

Das untere Sprunggelenk besteht aus dem Fersenbein, dem Sprungbein und dem Kahnbein. Es unterteilt sich in das hintere untere und das vordere untere Sprunggelenk. Durch die spezielle Kombination der zwei zusammengesetzten Gelenken werden die seitlichen Bewegungen möglich.

Sprunggelenkknorpel kommen auf den Gelenkflächen des oberen Sprunggelenks vor. Diese befinden sich zwischen dem Sprungbein und dem Schienbein. Zwischensubstanz (Matrix) und Knorpelzellen (Chondrozyten) bilden das hyaline Knorpelgewebe. Hauptaufgabe des Sprunggelenkknorpels ist es, die Bewegungen abzudämpfen. Sprunggelenkknorpel fungieren also als Stoßdämpfer. Gleichzeitig verhindern Sprunggelenkknorpel, dass es im Gelenk zu Reibungen kommt. Bei abgenutzten Gelenkknorpel entstehen durch die Reibungen Schmerzen im Sprunggelenk.

Die Besonderheit des oberen Sprunggelenks ist die Gelenkkapsel. Diese ist sehr dünn und sorgt zusammen mit den Außenbändern dafür, dass das obere Sprunggelenk nicht verrutscht. Es gibt insgesamt drei Außenbänder: Ligamentum talofibulare posterius, Ligamentum talofibulare anterius und Ligamentum calcaneofibulare. Am Innenknöchel befinden sich noch einmal zwei Bänder, welche für die innere Stabilisierung des oberen Sprunggelenks sorgen. Eine weitere Stabilisierung erfolgt über das Syndesmose Band.
Beim unteren Sprunggelenk hat jedes Teilgelenk eine eigene Gelenkkapsel. Auch hier erfolgt die Stabilisierung des Gelenks durch zahlreiche Bänder.

Das Band Ligamentum deltoideum

Das Ligamentum deltoideum besteht aus vier Teilen und hat eine dreieckförmige Gestalt. Es ist das wichtigste Band im Sprunggelenk. Ein weiterer Begriff für das Band ist Deltaband. Das Band sorgt dafür, dass der Fuß nicht nach außen abknicken kann. Ist das Band geschädigt, hat der Patient weniger Halt im Sprunggelenk und ein Umknicken wird wahrscheinlicher. Bei einem Riss des Deltabands ist eine Operation nötig.

Oberes Sprunggelenk als Scharniergelenk

Beim Scharniergelenk handelt es sich um ein echtes Gelenk. der Gelenkkopf hat eine walzenförmige Gestalt und die Gelenkpfanne ist rinnenartig. Der Gelenkkopf ist zangenförmig in die Gelenkpfanne eingebettet. Gestraffte Seitenbänder sind für die Stabilisation dieses Gelenktyps unerlässlich. Durch knöcherne Bildungen kann das Scharniergelenk nur noch unten und oben bewegt werden. Es sind also Streck- und Beugebewegungen möglich.
Weitere Gelenke, die zum Typ des Scharniergelenks gehören:

  • Fingergelenk (Mittelgelenk, Endgelenk)
  • Teilgelenk zwischen Ellen und Oberarmknochen

Krankheiten, Beschwerden & Störungen

Obwohl das Sprunggelenk das gesamte Körpergewicht tragen muss, kommt es doch selten zu Krankheiten oder Schmerzen im Gelenk.

Arthrose
Bei der Arthrose handelt es sich um eine Gelenkerkrankung. Sie entsteht durch eine Gelenkabnutzung. Deformierungen im Gelenk, eine Osteoporose Erkrankung oder eine Überbelastung bei Übergewicht begünstigen die Entstehung von Arthrose. Zu Beginn ist die Arthrose meist schmerzlos. Typische Symptome während des Krankheitsverlaufs sind belastungsabhängiger Schmerz und Anlaufschmerz. Mittels Magnetresonanztomographie oder Computertomographie kann Arthrose diagnostiziert werden. Durch eine entsprechende Behandlung soll der Schmerz im Gelenk reduziert und das Fortschreiten der Arthrose gestoppt werden. Dafür werden Medikamente und Salben eingesetzt. Gleichzeitig sollten nur noch gelenkschonende Sportarten gemacht werden. Dazu zählt zum Beispiel Schwimmen.
Ist die Arthrose bereits so weit fortgeschritten, dass chronische Schmerzen vorhanden sind, so ist meist eine Operation unumgänglich. So wird bei einer Operation zum Beispiel eine Knorpeltransplantation durchgeführt. Dadurch wird die Reibung im Gelenk reduziert und die Bewegungsschmerzen nehmen ab.

Arthritis
Arthritis ist eine Gelenkentzündung. Die Entzündung im Gelenk kann verschiedene Ursachen haben. Sie kann durch Viren oder Bakterien verursacht werden. Über äußere Wunden oder über die Blutbahn können die Bakterien oder Viren in das Sprunggelenk gelangen. Auch Autoimmunerkrankungen können die Ursache von Arthritis sein. Bei einer Autoimmunerkrankung greift sich der Körper selbst an. Typische Beispiele dafür sind Morbus Bechterew, Rheuma, Schuppenflechte und Morbus Crohn. Die Behandlung der Arthritis häng von der Ursache ab. So wird eine bakterielle Arthritis zum Beispiel mit Medikamenten behandelt. Arthritis in Folge von einer Autoimmunerkrankung kann nicht geheilt werden. Ziel der Behandlung ist es aber, die Entwicklung der Arthritis zu stoppen und die Schmerzen zu lindern.
Bei chronischen Gelenkentzündungen nehmen die Schmerzen mit der Zeit zu. Neben den Schmerzen treten außerdem rote Schwellungen auf. Auch Entzündungsherde entstehen, die warm oder heiß sind.

Gicht
Bei Gicht handelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung. Dabei nimmt die Harnsäurekonzentration im Blut zu. Starke Gelenkschmerzen und Gelenkentzündungen sind die Folge. Man unterscheidet zwischen primärer und sekundärer Gicht. Bei der primären Gicht wird mehr Harnsäure produziert, während bei der sekundären Gicht bereits irreparable Schädigungen im Körper aufgetreten sind. Gicht kommt meist bei älteren Menschen vor und tritt oft zum ersten Mal im Alter zwischen 40 und 60 Jahren auf. Meist sind genetische Veranlagungen die Ursache für Gicht. Eine Gicht kann nur entstehen, wenn eine Nierenfunktionsstörung vorliegt. Diese Nierenfunktionsstörung wird vererbt, die Niere funktioniert ansonsten wie eine ganz normale Niere.

Diabetes mellitus kann ebenfalls eine Gicht verursachen, da Blutgefäße durch den hohen Blutzuckerspiegel geschädigt werden. Dadurch wiederum erfolgt eine Beeinträchtigung der Nierenfunktion.
Gicht ist eine sehr alte Erkrankung bereits bei Dinosauriern wurde eine Gichterkrankung nachgewiesen. Im Laufe der Menschheitsgeschichte tritt Gicht immer wieder auf. Im Spätmittelhochdeutschen war Gicht auch unter dem Begriff „Zipperlein“ bekannt.

Bänderriss
Bei ruckartigen sportlichen Aktivitäten oder bei einer Überbeanspruchung der Bänder kann es zu einem Bänderriss kommen. Ein typisches Beispiel ist das Umknicken des Fußes. Das Außenband des Sprunggelenks reißt besonders oft. Neben dem Bänderriss kann auch eine Bänderdehnung oder Bänderzerrung auftreten. Bei Bändern, die einmal gerissen sind, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie noch einmal reißen.
Meist reicht es, wenn der Knöchel durch eine Schiene oder einen Gips für acht Wochen ruhiggestellt wird. Nur in sehr schlimme Fällen muss ein Bänderriss im Sprunggelenk operiert werden. Durch Röntgen oder Kernspintomographie kann ein Bänderriss eindeutig festgestellt werden.

Knochenbruch
Knochenbrüche im Bereich des Sprunggelenks sind sehr selten. Sie treten nur in Zusammenhang mit Unfällen oder bei Sportverletzungen auf. Dafür muss eine große Krafteinwirkung auf das Sprunggelenk stattfinden. Kompliziert wird es, wenn die Knochen mehrfach brechen. Dann sind meist aufwändige Operationen notwendig, um die Funktionalität des Sprunggelenks wiederherzustellen. Manchmal ist das Sprunggelenk aber so zertrümmert, dass das Sprunggelenk nicht wiederhergestellt werden kann. Dann wird der Fuß versteift, was zur Folge hat, dass der Fuß nicht mehr gedreht oder bewegt werden kann.

Sofortmaßnahmen beim Bänderriss

Ein Bänderriss kann im Sport schnell passieren. Nach einem Bänderriss kommt es sehr schnell zur Anschwellung des Sprunggelenks. Um eine starke Schwellung zu verhindern, sollte deshalb das Sprunggelenk schnell gekühlt werden. Gleichzeitig sollte ein leichter Druck ausgeübt werden. Die Kühlung muss immer wieder unterbrochen werden. Denn eine Dauerkühlung bewirkt eine Weitung der Gefäße und dadurch eine noch viel stärkere Durchblutung, was in diesem Fall verhindert werden soll. Wird das Gelenk zusätzlich hochgelagert, wird der Blutfluss noch einmal reduziert. Damit wird eine starke Schwellung verhindert.

Nach der Sofortmaßnahme ist ein kühlender Druckverband zu empfehlen. Dieser sollte auch die nächsten ein bis zwei Tage nach der Verletzung angebracht werden. Der Fuß sollte zunächst erst ruhiggestellt und dann nach und nach langsam wieder belastet werden. Treten Schmerzen auf, sollte die Belastung sofort unterbrochen werden. Eine Stützschiene kann ebenfalls helfen, die Belastung des betroffenen Sprunggelenks zu reduzieren.

In nur sehr seltenen Fällen muss bei einem Bänderriss operiert werden. In der Regel reicht eine längere Schonfrist aus. Insgesamt benötigt ein Bänderriss ca. sechs Wochen bis die Verletzung verheilt und das Sprunggelenk wieder vollständig belastet werden kann. Wird das Sprunggelenk zu früh wieder zu stark belastet, kann es zu einem erneuten Bänderriss kommen.

Bänderdehnung & Bänderzerrung

Von einer Bänderdehnung oder Bänderzerrung spricht man, wenn die Bänder des Sprunggelenks in Folge von ruckartigen oder extremen Bewegungen zu einer Überdehnung der Bänder kommen. Nach der Bänderdehnung tritt meist sofort eine starke Schwellung am betroffenen Knöchel auf und das Belasten des Gelenks ist mit Schmerzen verbunden. Blutergüsse können ebenfalls auftreten. Um Folgeschäden zu vermeiden, sollte das betroffene Sprunggelenk entlastet und gekühlt werden. Auch eine Bänderdehnung und Bänderzerrung benötigt ausreichend Zeit, um wieder heilen zu können. Wird das Sprunggelenk zu früh wieder belastet, besteht die Gefahr einer erneuten Bänderdehnung oder Bänderzerrung. Eine Ruhezeit von ein bis zwei Wochen ist daher zu empfehlen. Sind die Beschwerden bis dahin noch nicht verschwunden, sollte man einen Arzt aufsuchen und überprüfen lassen, ob nicht noch eine schwerwiegendere Verletzung vorliegt.

Typische & häufige Erkrankungen

 

  • Arthrose
  • Arthritis
  • Gicht
  • Bänderriss
  • Knochenbruch

Fragen & Antworten

Wie häufig kommt ein Bänderriss vor?

Ein Bänderriss im Sprunggelenk gehört tatsächlich zu den häufigsten Verletzungen bei sportlichen Aktivitäten. Bänderrisse insgesamt sind die häufigste Verletzung, die in der unfallchirurgischen Ambulanz behandelt werden. Werden alle Sportverletzungen verglichen, befindet sich der Kreuzbandriss auf Platz drei der häufigsten Sportverletzungen.

Bei welchen Sportarten tritt ein Bänderriss am Sprunggelenk auf?
Bei Sportarten, bei denen ruckartige Bewegungen durchgeführt werden, oder eine Überbelastung auf das Sprunggelenk stattfindet, sind besonders betroffen. Dazu gehören zum Beispiel Handball, Fußball, Volleyball, Basketball und Tennis. Bei Wassersportarten treten Bänderrisse im Sprunggelenk in der Regel nicht auf.

Wann muss operiert werden?
Der Bänderriss muss im Sprunggelenk nur sehr selten operiert werden. Meist wird eine Operation empfohlen, wenn neben dem Band auch Knorpel oder Sehnen verletzt sind. Ein Kreuzbandriss im Knie hingegen wird meist immer operiert.

Bitte empfehlt diese Seite oder verlinkt uns:

Bitte bewerten Sie den Artikel

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (85 Stimmen, Durchschnitt: 4,91 von 5)
Loading...
Top