Fibrinogen

Auch bekannt als: 

Thromboplastinzeit-Bestimmung (TPZ), aktivierte Prothrombinzeit (aPTT oder PTT = aktivierte Thromboplastinzeit-Bestimmung), D-Dimer, Gerinnungsfaktoren, Thrombinzeit
Bezeichnung: Fibrinogen
Ähnliche Tests: pt, aPTTD-DimerGerinnungsfaktoren, crp, Cholesterin, hdl, Platelet Count


Auf einen Blick

Warum wird Fibrinogen untersucht?

  • Beurteilung des Fibrinogenspiegels, ob dieser eine normale Gerinnung erlaubt.
  • Diagnosestelllung einer disseminierten intravaskulären Koagulation (DIC).
  • Untersuchung auf erblichen Fibrinogenmangel oder Fehlfunktion.
  • Beurteilung des Risikos für die Entwicklung einer Herz– oder Gefässerkrankung.
  • Als Verlaufskontrolle von Entzündungen.

Bei welchen Erkrankungen sollte Fibrinogen untersucht werden?

Das Fibrinogen sollte bei Auftreten einer ungeklärten verlängerten Blutung, von der Norm abweichender Thromboplastinzeit-Bestimmung (TPZ) oder aktivierter Thromboplastinzeit (aPTT) oder bei entsprechender Anamnese (z.B. Angehöriger mit ererbtem Fibrinogenmangel oder Fehlfunktion) untersucht werden. Es kann auch bei der Einschätzung des Risikos, eine Herzerkrankung zu entwickeln, helfen.

Aus welchem Probenmaterial wird der Fibrinogen-Test durchgeführt?
Aus einer Blutprobe aus einer Armvene


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Fibrinogen ist ein Gerinnungsfaktor, also ein Protein (Eiweiss), das zur Bildung von Blutgerinnseln notwendig ist. Es wird in der Leber hergestellt und, je nach Bedarf, gemeinsam mit ca. 20 anderen Gerinnungsfaktoren ins Blut ausgeschüttet. Bei der Verletztung eines Gewebes oder Gefässes aktiviert der Körper in einer Gerinnungskaskade Schritt für Schritt einen Faktor nach dem anderen. Wenn sich die Kaskade ihrem Ende nähert, wird Fibrinogen in lösliches Fibrin (Fibrin, das in einer Flüssigkeit aufgelöst ist) und durch Quervernetzung dann zu unlöslichen Fibrinfäden umgebaut. Diese Fäden werden untereinander quervernetzt und stabilisieren dadurch die verletzte Stelle. Das Netz lagert sich dort gemeinsam mit aggregierten Zellfragmenten, die Plättchen genannt werden, an und bildet ein stabiles Gerinnsel. Diese Schranke schützt vor zusätzlichem Blutverlust und verbleibt bis zur vollständigen Abheilung an Ort und Stelle.

Fibrinogen ist einer von mehreren Faktoren, die Akute-Phase-Protein genannt werden; das bedeutet, dass der Fibrinogenspiegel unter Bedingungen, die eine akute Entzündung des Gewebes oder ein Trauma hervorrufen, stark ansteigt.

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?
Aus einer Blutprobe aus einer Armvene.
Alternativ, besonders bei kleinen Kindern, auch aus einer Blutprobe aus der Fingerkuppe.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Firinogen wird gewöhnlich gemeinsam mit anderen Gerinnungstests angefordert. Es hilft dem behandelnden Arzt bei der Beurteilung der Fähigkeit des Körpers, Gerinnsel zu bilden und abzubauen. Fibrinogen kann auch als Folgeuntersuchung nach einer auffälligen Thromboplastinzeit-Bestimmung (TPZ) oder aktivierten partiellen Prothrombinzeit (aPTT) und/oder bei verlängerter oder unerklärter Blutung bestimmt werden. Es kann gemeinsam mit Untersuchungen wie TPZ, aPTT, Plättchenzahl, und den D-Dimeren zur Diagnosestellung einer disseminierten intravaskulären Koagulation (DIC) Anwendung finden. Gelegentlich kann die Messung des Fibrinogens auch bei der Überwachung des Krankheitsverlaufes (wie bei Lebererkrankungen oder Entzündungen) hilfreich sein, oder eher selten, bei der Kontrolle eines erworbenen Zustandes (wie der DIC).

Manchmal wird Fibrinogen zusammen mit anderen Herzrisikofaktoren wie dem C-reaktiven Protein (crp) zur Bestimmung des Gesamtrisikos eines Patienten, eine Herz-/Kreislauferkrankung zu entwickeln, angefordert. Dieses Anwendungsgebiet des Fibrinogens ist bisher noch nicht allgemein anerkannt, da es keine direkten Behandlungsmöglichkeiten für gegebenenfalls erhöhte Spiegel gibt. Trotzdem sind viele Ärzte der Meinung, dass ihnen die Fibrinogenmessung zusätzliche Hinweise liefert, die zu einer verschärften Therapie der beeinflussbaren Risikofaktoren (wie Gesamtcholesterin, ldl und hdl) führen.

Wann könnte der Test sinnvoll sein?
Der Test kann bei Patienten mit verlängerten oder unerklärten Blutungen und/oder von der Norm abweichender TPZ- und aPTT-Werten sinnvoll sein. Die Untersuchung kann auch bei Patienten mit Symptomen einer DIC, also Zahnfleischbluten, Übelkeit, Erbrechen, schweren Muskel- und Bauchschmerzen, Anfällen und Oligurie (verringerte Urinmenge) oder zur Überwachung  der Therapie bei DIC eingesetzt werden.

Fibrinogen kann gleichzeitig mit der Untersuchung anderer Gerinnungsfaktoren bei Verdacht auf einen erblichen Faktormangel oder dessen Fehlfunktion erfolgen oder bei der Verlaufsbeobachtung eines Patienten mit erworbenener Blutungsstörung verwendet werden.

In einigen Fällen wird Fibrinogen gemeinsam mit anderen Untersuchungen zur Bestimmung des kardiovaskulären Risikos herangezogen.

Was bedeutet das Testergebnis?

(Anmerkung: Für diesen Test steht kein Standard-Referenzbereich zur Verfügung. Da die Referenzbereiche von vielen unterschiedlichen Faktoren, wie z.B. Alter, Geschlecht und Referenzpopulation beeinflußt werden, und darüber hinaus Methoden- bzw. Verfahrensabhängig sind, sind die numerischen Testergebnisse zwischen verschiedenen Laboratorien nicht vergleichbar. Jeder Laborwert sollte daher auf den jeweiligen spezifischen Referenzbereich bezogen werden. Lab Tests Online empfiehlt daher ausdrücklich, die jeweiligen Testergebnisse mit dem behandelnden Arzt zu diskutieren. Weitere Informationen zu Referenzbereichen können der Rubrik „Referenzbereiche und Ihre Bedeutung“ entnommen werden.)

Die Fibrinogenwerte spiegeln die Gerinnungsfähigkeit und –aktivität des Blutes wider. Verminderte Konzentrationen von Fibrinogen können die Fähigkeit Blutgerinnsel zu bilden, vermindern. Chronisch verminderte Spiegel können mit einer verringerten Herstellung oder mit einem ererbten Zustand wie der Afibrinogenämie (=keine Produktion von Fibrinogen) oder einem erworbenem Zustand wie Lebererkrankungen oder Unterernährung (die zur Hypofibrinogenämie führt) in Zusammenhang stehen. Akut erniedrigte Spiegel an Fibrinogen, wie sie bei der dissemnierten intravaskulären Koagulation und bei einigen Krebsarten gesehen werden, Gehen meist mit Verbrauchsprozessen der Gerinnungsfaktoren einher. Hierbei werden grosse Mengen an Gerinnungsfaktoren verbraucht, was zunächst zu einer unangemessenen Gerinnselbildung führt und dann – bei Absinken der Gerinnungsfaktoren- zu überschiessenden Blutungen. Reduzierte Fibrinogenkonzentrationen können manchmal auch nach grossen Bluttransfusionen gefunden werden. Fibrinolytische Proteine, d.h. Proteine (Eiweisse), die Gerinnsel auflösen, können auch durch Angriff auf das Fibrinogen zu einem beschleunigten Abbau des Fibrins führen.

Normale Fibrinogenspiegel können auch bei Personen mit ausreichender Menge an Fibrinogen, aber unzureichender Funktion, gefunden werden. Dieser Zustand lässt sich normalerweise auf eine seltene Veränderung des Fibrinogen-Gens zurückführen. Dabei wird ein mutiertes (in der Struktur und Funktion abweichendes) Fibrinogenprotein produziert. Wenn das klinische Bild ein „Fibrinogenproblem“ nahelegt, können durch speziellere Untersuchungen diese Mutationen des Fibrinogen-Gens analysiert werden.

Fibrinogen ist ein Akute-Phase-Protein; das heisst, dass die Fibrinogenkonzentrationen bei akuten Gewebeentzündungen oder bei Verletzungen stark ansteigen. Erhöhte Fibrinogenspiegel sind unspezifisch — sie sagen nichts über die Lokalisation oder die Ursache der Veränderung aus. Oft überprüfen die Ärzte die Werte in solchen klinischen Situationen nicht, da sie ohnehin eine Erhöhung erwarten. Diese Erhöhungen sind normalerweise nur vorübergehend und normalisieren sich wieder, wenn das zugrunde liegende klinische Problem nicht mehr vorhanden ist. Erhöhte Werte können gefunden werden bei:

Während die Fibrinogenwerte erhöht sind, können sie das Risiko zur Bildung eines Blutgerinnsels leicht bis mittelgradig erhöhen und, über die Zeit betrachtet, das Risiko einer kardiovaskulären Erkrankung steigern. Darum fordern manche Ärzte gelegentlich Fibrinogen gemeinsam mit der Untersuchung anderer Herzrisikofaktoren an.

Gibt es weiteres, das ich wissen sollte?
Blutübertragungen während des vorhergehenden Monats (insbesondere die Gabe von Fresh-Frozen Plasma und bestimmter isolierter Plasmaproteine) können die Ergebnisse des Fibrinogentests beeinflussen. Bestimmte Medikamente, einschliesslich anabolischer Steroide, Androgene, Phenobarbital, Streptokinase, Urokinase und Valproinsäure, können die Werte senken. Manchmal werden in der Schwangerschaft, bei Rauchern und unter oraler Kontrazeption oder Östrogengabe leichte Fibrinogenerhöhungen gesehen.

Die Dysfibrinogenämie (eine seltene Gerinnungsstörung durch eine Mutation des Fibrinogen-Gens,) führt dazu, dass in der Leber von der Norm abweichendes Fibrinogen produziert wird, welches sich nach seiner Umwandlung zu Fibrin schlechter abgebaut wird. Die Dysfibrinogenämie ist überwiegend mit venösen Thrombosen (unangemessenen Blutverklumpungen in den Venen) vergesellschaftet. Die TPZ, aPTT und die Thrombinzeit werden bei der Suche nach diesem Zustand angewandt, der dannach durch spezialisierte zusätzliche Blutuntersuchungen bestätigt werden sollte. Bei Patienten mit einem Fibrinogenmangel oder dessen Fehlfunktion kann es zu Wundheilungsstörungen kommen.


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

Möglichst unverzügliche Zentrifugation des Citratblutes. Für längere Lagerung muss das Citratplasma eingefroren werden (-20°C bzw. -80°C)

Referenzbereich
1,8-3,5 g/l
Mit dem Alter nimmt die Fibrinogenkonzentration im Plasma zu.

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
Bestimmung nach Clauss: Hohe Konzentrationen an Heparin stören in der Regel nicht. Fibrin(ogen)spaltprodukte, wie sie unter einer thrombolytischen Therapie auftreten können, täuschen falsch niedrige Werte vor.

Abgeleitete Fibrinogenbestimmung nach Clauss: Hohe Konzentrationen an Heparin können stören. Fibrin(ogen)spaltprodukte, wie sie unter einer thrombolytischen Therapie auftreten können, führen zu deutlich höheren Werten als bei der Clauss-Methode.
Bei den immunologischen Methoden finden sich in der Anwesenheit von Fibrin(ogen)spaltprodukten falsch hohe Werte.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Das Fibrinogen selber muss nicht bei der externen Qualitätskontrolle überprüft werden, Ringversuche werden aber angeboten. Die Qualitätskontrolle für die Prothrombinzeit (pt, Quick, inr) und die Thromboplastinzeit (PTT) muß entsprechend der Richtlinien der Bundesärztekammer (RILIBÄK) durchgeführt werden, die Teilnahme an externen Ringversuchen ist Pflicht.


Häufige Fragen

1. Kann man etwas tun, um seine Fibrinogenspiegel zu senken?

Wenn die Fibrinogenkonzentration aufgrund von Schwangerschaft oder einer akuten Entzündung erhöht ist, kehren in der Regel die Werte von alleine zur Norm zurück. Wenn sie aufgrund eines erworbenen Zustandes, wie bei rheumatoider Arthrits, erhöht sind, gibt es nur sehr wenig was man tun kann. Ist der Arzt in einem Fall der Meinung, dass durch die erhöhten Werte das Risiko für eine Herzkranzgefässerkrankung gesteigert sind, kann man Änderungen des Lebensstiles (wie eine Reduktion des Cholesterins und eine Steigerung des hdl) in Betracht ziehen. Es gibt Hinweise, dass eine Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren-reiche Ernährung (Fischöle) bei der Veringerung des Fibrinogenspiegels helfen kann.

2. Worin besteht der Unterschied in der Untersuchung von Fibrinogen, D-Dimeren und Fibrinogenabbauprodukten?

Der Fibrinogentest misst das im Blut vorhandene gelöste Fibrinogen, bevor dieses zu unlöslichen Fibrinfäden umgewandelt und zu Fibrinnetzen querverbunden wird. Die D-Dimere und FDP helfen beide bei der Beurteilung des lytischen Systems des Körpers — also der Fähigkeit des Organismus Gerinnsel abzubauen und abzutransportieren, wenn sie nicht länger benötigt werden. Durch die D-Dimere können sehr sensitiv eine Erhöhung der quervernetzten Anteile des Fibrins untersucht werden.

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