Nystatin

Nystatin wird typischerweise zur Behandlung von Pilz-Erkrankungen eingesetzt. Es handelt sich hierbei um einen der wichtigsten Wirkstoffe zur Behandlung von Hefepilzen.

Nebenwirkungen können zwar auftreten – kommen bei der Behandlung mit des Wirkstoffs aufgrund der Wirkung jedoch nur sehr selten vor.

Doch, um was handelt es sich bei Nystatin genau, wie wirkt der Wirkstoff und wann kommt er zum Einsatz? Nachfolgend werden die wichtigsten Fakten zu Nystatin in Erfahrung gebracht.

NystatinWas ist Nystatin?

Nystatin ist ein Wirkstoff, welcher der Gruppe der Antimykotika angehört.

Diese werden meist gegen durch Pilze verursachte Erkrankungen beziehungsweise gegen Pilze an sich eingesetzt. Diesem Zweck entspricht auch die Anwendung von Nystatin:

Der Wirkstoff dient unter anderem dem Zweck der Eindämmung des Wachstums von sämtlichen Hefepilzen. Weiterhin wird ein Pilzbefall der Haut und Schleimhäute durch den Wirkstoff bekämpft.

Ein weiterer Zweck liegt in der Behandlung von Soor und Windeldermatitis sowie Hefepilzen im Bereich der Geschlechtsorgane, des Afters und der Schleimhäute des Verdauungskanals.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Hemmung des Wachstums von Hefepilzen verschiedener Arten und verschiedener Ursprünge
  • Bekämpfung von Pilzen auf der Haut und den Schleimhäuten
  • Behandlung von Soor und Windeldermatitis
  • Behandlung von Hefepilzen in den Bereichen der Geschlechtsorgane, des Afters sowie der Schleimhäute des Verdauungskanals,

Allgemeines

Allgemeines
NameNystatin
Andere Namen3-(4-Amino-3,5-dihydroxy-6-methyl-tetrahydropyran-2-yl)oxy-19,25,27,29,32,33,35,37-octahydroxy-18,20,21-trimethyl-23-oxo-22,39-dioxabicyclo[33.3.1]nonatriaconta-4,6,8,10,14,16-hexaen-38-carbonsäure (IUPAC)
SummenformelC47H75NO17
Kurzbeschreibunggelblicher Feststoff

Wirkungsweise

So wirkt Nystatin

Nicht immer schafft der Körper es aus seiner eigenen Kraft heraus, Pilze abzuwehren.

Werden bestimmte Bereiche des Körpers mit Hefepilzen befallen und schafft das körpereigene Immunsystem nicht, gegen diese anzukämpfen, so kommt Nystatin zum Einsatz:

Befindet sich der Wirkstoff erst einmal im menschlichen Organismus, so findet dieser seinen Weg zu den Pilzzellen und setzt sich an die Zellmembran von diesen.

Hier sorgt der Arzneistoff dafür, dass sich kleine Poren an der Zellmembran bilden. Die Durchlässigkeit wird also erhöht. Dadurch strömen viele Teilchen aus den Pilzzellen heraus.

Es handelt sich dabei in erster Linie um Kalium-Ionen. Da diese für den Stoffwechsel der Pilzzellen von wichtiger Bedeutung sind, wird dieser nun gestört.

Die Pilzzellen sind dadurch nicht mehr intakt und sterben folglich ab. Nystatin hemmt also nicht nur das Wachstum der Pilzzellen untereinander, sondern sorgt auch für eine Abtötung von diesen.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Nystatin

Da Nystatin kaum über den Darm aufgenommen wird, wirkt dieser effektiv lokal. Dies ist auch der Grund für die verschiedenen Formen, in welchen der Wirkstoff angewendet wird.

Nach einer oralen Einnahme wird der Wirkstoff über den Stuhl wieder ausgeschieden.

Wird der Arzneistoff auf die Haut aufgetragen, so ist die Wirkung ausschließlich auf den Ort begrenzt, wo Nystatin aufgetragen wurde. Dies ist unter anderem auch der Grund für die seltenen Nebenwirkungen des Wirkstoffs.


Anwendungsgebiete

Angewendet wird Nystatin in erster Linie bei Hefepilzen unterschiedlicher Arten. Dabei kann die Behandlung je nach Anwendungsgrund kurzfristig oder langfristig ausfallen.

Wann wird Nystatin eingesetzt?

Zum einen kommt Nystatin bei Hefepilzen auf der Haut und den Schleimhäuten zum Einsatz. Dies kann unter anderen bei einem Pilz-Befall im Mund der Fall sein – hier wird auch von einem „MundSoor“ gesprochen.

Gleiches gilt für Behandlungen des Verdauungsbereiches und des Windelbereiches.

Behandlungen der Scham – und Afterregion werden ebenfalls mit Nystatin durchgeführt. Ebenso lässt sich der gesamte MagenDarm-Trakt mit dem Wirkstoff behandeln, wenn in diesem bestimmte Arten von Hefepilzen vorliegen.

Besonders häufig erhalten Menschen, welche an einer Autoimmunkrankheit leiden, Hilfe durch Nystatin. Das liegt daran, dass sich Pilze hier leichter und schneller ausbreiten können.

Gleiches gilt für Menschen, welche eine langfristige Behandlung mit bestimmten Arzneimitteln wie Antibiotika, Zytostatika, Glukokortikoide oder orale Kontrazeptiva hinter sich haben, denn auch hier ist das Immunsystem geschwächt und das Risiko auf einen vermehrten Pilzbefall erhöht.


Richtige Anwendung

Je nach Anwendungsgrund wird eine unterschiedliche Wirkstoffmenge vorausgesetzt, um Erfolge in der Behandlung mit Nystatin zu sehen. Bei einer Selbstmedikation sollten stets die Angaben auf der Packungsbeilage des jeweiligen Arzneimittels beachtet werden.

So wird Nystatin angewendet

Da Nystatin für verschiedene Arten von Hefepilzen in unterschiedlichen Regionen des Körpers angewendet werden kann, existieren unterschiedliche Arten von Präparaten wie Tabletten, Salbe, Gele, Mundgele, Suspensionen und Vaginaltabletten.

Die Dosierung des Wirkstoffes fällt dementsprechend sehr unterschiedlich aus. Typischerweise ist die Wirkstoffmenge auf den unterschiedlichen Präparaten nicht in Milligramm angeben, sondern in „I.E“ – diese Bezeichnung steht für „International Einheiten“. So lässt sich Nystatin einfacher dosieren.

Es ist bei der Anwendung des Wirkstoffs vor allem auf eine Regelmäßigkeit zu achten. Wird der Wirkstoff nicht regelmäßig – und in ausreichender Menge angewendet, so können die Hefepilze eine Resistenz entwickeln.

Aufgrund dessen ist die Anwendung von Nystatin auch erst beendet, wenn die jeweilige Pilz-Erkrankung vollständig geheilt wurde.


Medikamente

Da es sich bei Nystatin um einen häufig angewendeten Wirkstoff handelt, befindet sich dieser in den unterschiedlichsten Medikamenten.

Je nach Medikament und Hersteller kann die Wirkstoffmenge dabei unterschiedlich ausfallen. Außerdem liegen Unterschiede in der Form der Anwendung vor.

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Nystatin?

  • Biofanal Salbe
  • Biofanal Vaginaltabletten
  • Biofanal-Suspensionsgel
  • Biofanal überzogene Tabletten
  • Candio-Hermal Creme
  • Candio Hermal Dragees
  • Candio-Hermal Salbe
  • Candio-Hermal Softpaste
  • Lederlind Heilpaste

Handelsnamen

Monopräparate

Monopräparate, welche den Wirkstoff Nystatin enthalten, sind unter folgenden Handelsnamen bekannt:

  • Adiclair
  • Biofanal
  • Candio-Hermal
  • Lederlind
  • Moronal
  • Multilind Suspension
  • Mycostatin
  • Mykundex
  • Nystaderm

Kombinationspräparate

Nystatin befindet sich in Kombinationspräparaten, welche unter folgenden Handelsnamen bekannt sind:

  • Candio-Hermal plus
  • Multilind Heilsalbe
  • Mycolog
  • Mykoderm
  • Mykundex Heilsalbe
  • Nystalocal
  • Topsym polyvalent

Indikationen

Als Hauptindikationen für eine Behandlung mit dem Wirkstoff Nystatin lassen sich sämtliche Infektionen mit Hefepilzen aufzählen. Lassen sich diese lokal behandeln, so wird der Wirkstoff häufig angewendet.


Gegenanzeigen

Wann darf Nystatin nicht verwendet werden?

Nicht immer kann eine Anwendung von Nystatin erfolgen: Verboten ist diese unter anderem bei Patienten, welche eine Überempfindlichkeit oder Allergie gegenüber dem Wirkstoff aufweisen.

Gleiches gilt für Patienten, welche eine allgemeine Allergie oder Überempfindlichkeit gegenüber Pilz-Mitteln auf Polyen-Basis aufweisen.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Während der Schwangerschaft darf der Wirkstoff Nystatin regulär eingesetzt werden.

Komplikationen oder Schädigungen in der Entwicklung des ungeborenen Kindes wurden nicht festgestellt. Auch während der Stillzeit stellt der Einsatz des Wirkstoffs kein Risiko dar.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Grundsätzlich darf Nystatin bei Kindern zum Einsatz kommen. Auch bei Neugeborenen und Säuglingen ist dies der Fall. Jedoch sollte kein Einsatz bei untergewichtigen Frühgeborenen erfolgen.

Nur unter strenger Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses kann auch hier Nystatin eingesetzt werden.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Nystatin?

Trotz der allgemeinen guten Verträglichkeit von Nystatin bestehen auch bei diesem Wirkstoff gewisse Risiken und Nebenwirkungen, welche sich durch die Einnahme bemerkbar machen können.

Kommt es zu starken Nebenwirkungen oder treten Nebenwirkungen vermehrt auf, so sollte in jedem Fall ein Arzt kontaktiert werden.

Häufige Nebenwirkungen

Häufig kann die Anwendung von Nystatin zu Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Störungen, Durchfall sowie Übelkeit und Erbrechen führen.

In einigen Fällen können diese Nebenwirkungen auch immer wieder auftreten. Grundsätzlich treten diese Nebenwirkungen aber nur bei einer oralen Einnahme des Wirkstoffs auf.

Gelegentliche Nebenwirkungen

Gelegentlich führt die Anwendung von Nystatin zu Hautausschlägen und Nesselfieber.

Seltene Nebenwirkungen

Nur in seltenen Fällen kommt es durch die Anwendung von Nystatin zu schweren Hautreaktionen. Dazu zählt zum Beispiel das Steven-Johnson-Syndrom.

Speziell bei der lokalen Anwendung des Wirkstoffs in Form von Cremes, Salben oder Gelen kann es zu Überempfindlichkeitsreaktionen kommen. Diese können sich unter anderem durch ein Brennen, Rötungen sowie einen Juckreiz auf der Haut oder Schleimhaut bemerkbar machen.


Wechselwirkungen

Welche Wechselwirkungen zeigt Nystatin?

Aufgrund der lokalen Wirkung von Nystatin sind keine Wechselwirkungen zu erwarten. Der Wirkstoff kann daher problemlos in Kombination mit anderen Medikamenten eingenommen werden.

Bei einer gleichzeitigen Einnahme von starken Wirkstoffen kann eine ärztliche Absprache dennoch für mehr Sicherheit sorgen.


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Nystatin zu beachten?

Um eine sichere und effektive Anwendung von Nystatin zu gewährleisten, sollten stets die auf das Packungsbeilage angegebene Dosis und der Behandlungszeitraum beachtet werden, da nur so der Erfolg der Behandlung einer Pilz-Erkrankung garantiert werden kann.

Wird der Wirkstoff im Anal – oder Genitalbereich angewendet, so kann die Reißfestigkeit von Latexprodukten wie Kondomen je nach Zusammensetzung der jeweiligen Salbe eingeschränkt werden.

Daher ist genau auf die Angaben des jeweiligen Präparates zu achten, welches den Wirkstoff Nystatin enthält.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Nystatin

Da es sich bei Nystatin um einen Wirkstoff handelt, welcher nicht mit starken Nebenwirkungen und Wechselwirkungen verbunden ist, kann dieser frei in der Apotheke erworben werden.

Ein Rezept ist nicht notwendig, um Nystatin zu erwerben. Dennoch sollte stets vorsichtig mit Medikamenten umgegangen werden, welche den Wirkstoff enthalten.


Geschichte

Seit wann ist Nystatin bekannt?

Es handelt sich bei Nystatin um den ersten Wirkstoff, welcher als wirksames Mittel gegen Hefepilze entdeckt wurde. Schon 1948 wurde die effektive Wirkung des Wirkstoffs gegen sämtliche Infektionen mit Hefepilzen festgestellt.

Seither wird der Wirkstoff weltweit eingesetzt und ist auch noch heute fester Bestandteil der Behandlung von Pilz-Erkrankungen.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Es sollte bei der Anwendung von Nystatin stets beachtet werden, dass der Wirkstoff zu allergischen Reaktionen führen kann, welche sich beispielsweise auf der Haut oder der Schleimhaut bemerkbar machen können.

Machen sich während der Behandlung mit Nystatin Symptome einer Allergie bemerkbar, so sollte die Behandlung mit Nystatin sofort beendet werden und auf eine Alternative zurückgegriffen werden.


Quellen

  • Herdegen, T.: Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2010
  • Joos, L: Pharmakologie aktiv, Govi-Verlag, 1. Auflage, 2009
  • Mutschler, E.: Arzneimittelwirkungen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 10. Auflage, 2013
  • Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin: www.embryotox.de (Abruf: 05.04.2014)
  • Swain, M.H. et. al.: Mississippi Women -Their Histories, Their Lives, University of Georgia Press, 2003

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