Cortisol

Auch bekannt als: 

acth, Aldosteron
Bezeichnung: 
Ähnliche Tests: acth, Aldosteron


Auf einen Blick

Warum wird Cortison untersucht?

Zur Diagnose eines Cushing-Syndroms oder eines Morbus Addison

Bei welchen Erkrankungen sollte Cortison untersuchen werden?
Verdacht auf einen Überschuß oder einen Mangel an Cortisonproduktion

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?
Aus einer Blutprobe aus einer Armvene. Die Untersuchung kann auch aus einer Speichelprobe durchgeführt werden.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Cortison ist ein Hormon, das von den Nebennieren (kleinen Organen an der Spitze jeder Niere gelegen) hergestellt wird. Produktion und Ausschüttung des Cortisons werden durch acth (adrenocorticotropes Hormon), einem Hormon das in der Hirnanhangsdrüse produziert wird, gesteuert. Cortison hat eine ganze Reihe verschiedener Funktionen im Körper. Es hilft beim Eiweiß-, Glukose- und Fettabbau, bei der Aufrechterhaltung des Blutdrucks und Regulation des Immunsystems. Hitze, Kälte, Infektionen, Trauma, Streß, Anstrengung, Übergewicht und schwächende Erkrankungen können die Cortisonkonzentrationen beeinflussen. Das Hormon wird in täglichen Rhythmen ausgeschüttet, mit einem Anstieg am frühen Morgen, einem Höhepunkt um 8 Uhr morgens und einem Abfall am Abend. Dieser Rhythmus, der auch als „zirkadiane Rhythmik“ oder „diurnale Variation“ bezeichnet wird, verändert sich, wenn man unregelmäßige Schichten (wie zum Beispiel Nachtschicht) arbeitet oder zu sich ändernden Zeitpunkten des Tages schläft.

Unangepasste Mengen an Cortison können unspezifische Symptome wie Gewichtsverlust, Muskelschwäche, Müdigkeit, niedrigen Blutdruck und Bauchschmerzen verursachen. Manchmal kann eine verminderte Produktion verbunden mit Streß eine adrenale Krise verursachen, die ein sofortiges medizinisches Eingreifen erfordert.

Zu viel Cortison kann zu einem erhöhten Blutdruck, einem erhöhten Blutzucker, Übergewicht, empfindlicher Haut, roten Streifen auf dem Bauch, Muskelschwäche und Osteoporose führen. Bei Frauen kann es zu Unregelmäßigkeiten der Menstruation und vermehrter Gesichtsbehaarung kommen; Kinder können ein verzögertes Wachstum und eine kleine Statur aufweisen.

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?
Typischer Weise wird eine Blutprobe aus einer Armvene entnommen, manchmal werden aber auch Speichel und Urin getestet. Cortisonblutuntersuchungen können um 8 Uhr morgens, wenn das Cortison seinen Höhepunkt erreicht hat, und um 4 Uhr nachmittags, wenn der Cortisonspiegel gefallen ist, abgenommen werden. Manchmal wird eine Ruheprobe spät abends, wenn das Cortison an seinem Tiefpunkt im Blut sein sollte (so um Mitternacht), abgenommen. Die Gewinnung mehrerer Blutproben erlaubt dem Arzt die Bewertung der Cortisonausschüttung im Tagesverlauf (zirkadiane Rhythmik). Dieses Muster kann durch eine übermäßige Cortisonproduktion gestört werden- das Maximum kann annähernd normale Konzentrationen aufweisen, aber die Spiegel können während des Tages nicht, wie sie sollten, abfallen. Eine einzelne Morgenprobe kann ausreichend sein, um eine verringerte Cortisonkonzentration aufzudecken.

Manchmal wird auch der Urin auf Cortison untersucht. Dazu ist es erforderlich den Urin über einen Tag und eine Nacht (also einen 24-Stunden-Urin) zu sammeln, aber manchmal kann auch eine einzelne Probe am Morgen gesammelt werden. Eine Untersuchung im 24-Stunden-Urin kann veranlasst werden, um die Menge an freiem (nicht an Eiweiß gebundenem) Cortison zu bestimmen. Diese Probe zeigt die gesamte Menge an ausgeschiedenen, ungebundenen Cortison im Urin an, aber es erlaubt dem Arzt nicht, die Veränderungen in der Cortisonausschüttung im Tagesverlauf zu beurteilen.

Auch im Speichel kann Cortison untersucht werden. Obwohl die Probengewinnung weniger Streß verursacht als eine Blutprobe, erfordert sie besondere Sorgfalt und der Test ist bisher nicht weitverbreitet. Die Speicheluntersuchung ist eine Stichprobe des Cortisons zum Zeitpunkt der Abnahme.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Blut– und Urinuntersuchungen auf Cortison helfen bei der Diagnosestellung des Cushingsyndroms und des Morbus Addison, zwei schwerwiegende Störungen der Nebennieren. Einige Ärzte nutzen auch Speichelproben zur Diagnose sowohl des Cushingsyndroms als auch zur Bewertung anderer streß-assoziierter Störungen, obwohl diese Untersuchungen nicht weitverbreitet sind.

Sowohl Urin- als auch Speicheluntersuchungen werden am häufigsten zur Bewertung übermäßiger Cortisonproduktion benutzt.

Wurde einmal eine von der Norm abweichende Cortisonkonzentration entdeckt, wird der Arzt weitere Untersuchungen veranlassen, die den Überschuß oder Mangel bestätigen und bei der Ursachenforschung helfen.

Dexamethasonsuppression

Liegt eine übermäßige Cortisonproduktion vor, kann der Arzt eine Dexamethasonsuppression (Unterdrückung der körpereigenen Cortisonbildung durch Dexamethason) durchführen, um festzustellen, ob ein Zusammenhang zu einer übermäßigen acth-Produktion durch die Hirnanhangsdrüse besteht.

Bei dieser Untersuchung wird dem Patienten oral Dexamethason (ein synthetisches Glucocorticoid) verabreicht und dann die Cortisonspiegel in Blut und Urin bestimmt. Dexamethason hemmt die acth-Produktion und sollte dadurch die Cortisonproduktion senken, wenn die Quelle des Überschusses in der Hirnanhangsdrüse liegt. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Verabreichungsschemata, aber die Medikamente werden gewöhnlich alle 6 Stunden für entweder 2 oder 4 Tage vor Entnahme der Blut- oder Urinproben gegeben. Separate 24-Stunden-Sammelurin-Proben werden vor oder während der Testphase gesammelt, dann wird in den Blut- und Urinproben das Cortison bestimmt und bewertet.

acth-Stimulation

Sollten die Ergebnisse der anfangs bestimmten Blut- und/oder Urinuntersuchungen eine unzureichende Cortisonproduktion aufweisen, kann der Arzt einen acth-Stimulationstest anfordern. Diese Untersuchung beinhaltet eine Messung der Cortisonkonzentration im Blut des Patienten vor und nach der Injektion des synthetischen ACTHs. Funktionieren die Nebennieren normal, steigt das Cortison unter der acth-Stimulation. Sind sie hingegen krankhaft verändert, wird es nur zu einer begrenzten Antwort kommen. Eine längere Version dieses Testes (1-3 Tage) kann durchgeführt werden, um zwischen einem adrenalen (in den Nebennieren) und pituitären (in der Hirnanhangsdrüse) Versagen zu unterscheiden.

Wann könnte der Test sinnvoll sein?
Eine Untersuchung des Cortisons kann bei Patienten mit Symptomen, die auf ein Cushingsyndrom (Übergewicht, Muskelschwund, Muskelschwäche) oder Morbus Addison (unter anderem Schwäche, Müdigkeit, erhöhte Pigmentation) hinweisen, angefordert werden.

Eine Unterdrückung- oder Stimulationsuntersuchung kann bei anfänglichen von der Norm abweichenden Testergebnissen veranlaßt werden. Eine Cortisonuntersuchung kann auch bei Patienten während oder nach der Behandlung eines Cushingsyndroms oder Morbus Addison zur Kontrolle des Therapieerfolges angefordert werden.

Was bedeutet das Testergebnis?

(Anmerkung: Da die Referenzbereiche von vielen unterschiedlichen Faktoren, wie z.B. Alter, Geschlecht und Referenzpopulation beeinflußt werden, und darüber hinaus Methoden- bzw. Verfahrens-abhängig sind, sind die numerischen Testergebnisse zwischen verschiedenen Laboratorien nicht vergleichbar. Jeder Laborwert sollte daher auf den jeweiligen spezifischen Referenzbereich bezogen werden. Lab Tests Online empfiehlt daher ausdrücklich, die jeweiligen Testergebnisse mit dem behandelnden Arzt zu diskutieren. Weitere Informationen zu Referenzbereichen können der Rubrik „Referenzbereiche und Ihre Bedeutung“ entnommen werden.)

Bei Gesunden ist der Cortisonspiegel während der Schlafenszeit sehr niedrig und erreicht seinen Höhepunkt kurz nach dem Aufstehen. Dieser Rhythmus ändert sich, wenn eine Person unregelmäßige Schichten (wie Nachtschicht) arbeitet und zu verschiedenen Zeitpunkten des Tages schläft. Beim Cushingsyndrom geht dieses Muster typischerweise verloren.

Erhöhte oder normale Cortisonkonzentrationen am Morgen zusammen mit Spiegeln, die am Nachmittag und Abend nicht abfallen, lassen eine Cortisonüberproduktion vermuten. Kann dieser Cortisonüberschuß während eines Dexamethason-Suppressions-Versuches unterdrückt werden, so weist das darauf hin, dass der Grund für die überschüssige Cortisonherstellung in einer gesteigerten acth-Produktion der Hirnanhangsdrüse liegt. Wird sie nicht gehemmt, dann kann das erhöhte Cortison durch einen acth-produzierenden Tumor außerhalb der Hirnanhangsdrüse, eine Nebennierenerkrankung oder durch die Medikamente des Patienten verursacht werden.

Liegt eine Überfunktion der Nebennieren vor, kann der Patient an einem Cushingsyndrom leiden, das mit Symptomen und Anzeichen einhergeht, die durch die Überproduktion des Cortisons durch die Nebennieren (meist durch einen gutartigen Tumor) oder durch übermäßige acth-Stimulation (durch einen Tumor der Hirnanhangsdrüse oder einen anderen acth-produzierden Tumor) verursacht werden. Diese können auch bei Patienten beobachtet werden, die Corticoidsteroide, wie bei der Behandlung des Asthmas, einnehmen müssen. Liegt eine unzureichende Cortisonproduktion vor und der Patient reagiert auf einen acth-Stimulations-Test, liegt das Problem wahrscheinlich an einer unzureichenden acth-Herstellung in der Hirnanhangsdrüse. Spricht das Cortison nicht auf den acth-Stimulation-Test an, ist es wahrscheinlicher, dass das Problem in den Nebennieren zu suchen ist. Wenn die Nebennieren aufgrund eines Nebennierenschadens oder einer unzureichenden acth-Produktion, nicht aktiv genug sind, leidet der Patient an einer Nebenniereninsuffizienz. Wenn sich der erniedrigte Cortisonwert auf einen Nebennierenschaden begründet, leidet der Patient an einen Morbus Addison.

Wurde einmal eine Abweichung festgestellt und mit der Hirnanhangsdrüse, den Nebennieren oder einer anderen Ursache in Verbindung gebracht, wird der Arzt andere Testverfahren wie CT (Computertomographie) oder MRT (Magnetresonanztomographie) veranlassen, um die Quelle der Überproduktion (wie Hirnanhangsdrüse, Nebennieren oder andere Tumoren) zu lokalisieren und das Ausmaß der Schädigung der Drüsen zu bewerten.

Gibt es weiteres, das ich wissen sollte?
Schwangerschaft, körperlicher und emotionaler Streß und Krankheit können den Cortisonspiegel heben. Die Werte können auch als Folge eines Hyperparathyreoidismus oder bei Übergewicht erhöht sein. Eine Anzahl von Medikamenten kann den Spiegel anheben, besonders orale Kontrazeptiva (Anti-Baby-Pille), Hydrocortison (eine synthetische Form des Cortisons) und Spironolacton. Erwachsene haben einen etwas höheren Cortisonspiegel als Kinder.

Hypothyreoidimus kann den Cortisonspiegel senken. Auch Medikamente, die einige Steroidhormone beinhalten, senken den Spiegel.

Für die Blutuntersuchung sollte vorher eine Diät mit normalem Salzgehalt (2-3 Gramm am Tag) eingehalten werden und schwere körperliche Anstrengung 10-12 Stunden vor dem Test vermieden werden.

Die Speicheluntersuchungen werden häufiger zur Diagnostizierung des Cushingsyndroms und streß-assoziierter Störungen eingesetzt, aber setzen immer noch hochspezialisiertes Personal voraus und sind noch nicht weitverbreitet verfügbar.


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

Probenlagerung bei 22°C oder 4°C für 4 Tage möglich

Referenzbereich:
Aufgrund der zirkadianen Rhythmik ist die Angabe des Referenzbereiches nur für eine definierte Tageszeit möglich.

Plasma-/Serumcortisol:

Kinder: 8.00 Uhr Alter:

 

bis 2 Mon.: 17 – 550 nmol/l (0,6-20 µg/dl)
2 Mon. – 15 J: 69 – 630 nmol/l (2,4-23 µg/dl)
16 J – 18 J: 66 – 800 nmol/l (2,4-29 µg/dl)
Erwachsene: 8.00 Uhr 138 – 690 nmol/l (5-25 µg/dl)
24.00 Uhr bis 138 nmol/l (bis 5 µg/dl)

Freies Cortisol im Urin:

  Kinder: Alter: 1-10 J: 2-27 µg/24h (6-74 nmol/24h)
11-20 J: 5-55 µg/24h (14-152 nmol/24h)
Erwachsene: 20-90 µg/24h (55-248 nmol/24h)

Freies Cortisol im Speichel:

Erwachsene: 8.00 Uhr 11 – 28 nmol/l (0,4-1,0 µg/dl)
24.00 Uhr 2 – 4 nmol/l (0,08 – 0,13 µg/dl)

(Die Referenzbereiche sind methoden- und verfahrensabhängig!)Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten: 

In Abhängigkeit von den Immunoassays ist von einer Kreuzreaktivität mit anderen Corticosteroiden auszugehen (etwa 1-5% für 11-Desoxycortisol und Corticosteron, über 20% für Prednisolon.

Nahrungsaufnahme führt zu einem Anstieg des Cortisols nach einer Stunde von im Mittel 90%, wenn diese mittags und etwa 50% wenn diese abends erfolgt.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Cortisol ist ein RiliBÄK-pflichtiger Parameter, für den 4 Ringversuche im Jahr durchgeführt werden müssen.


Häufige Fragen

Müssen beide Tests (Blut und Urin) durchgeführt werden oder ist einer besser als der andere?

Bei Verdacht auf ein Cushing-Syndrom werden gewöhnlich sowohl Blut als auch Urin untersucht. Das Cortison im Blut ist leichter zu gewinnen, wird aber mehr durch Streß beeinflußt als die Urinprobe. Das Cortison im Speichel kann manchmal anstatt des Blutcortisons bestimmt werden. Abgesehen davon, setzt das Speichelcortison spezialisiertes Personal zur Durchführung voraus und ist bisher noch nicht weitverbreitet verfügbar.

Wie kann man unterscheiden, ob der hohe Cortisonwert nicht nur vom Streß kommt?
Es gibt mehrere Ansätze die der Arzt ergreifen kann. Der einfachste ist, den Test zu wiederholen, wenn subjektiv ein geringeres Streßniveau vorliegt. Der behandelnde Arzt kann dem Patienten auch wechselnde Dosen eines Medikamentes verabreichen, welches das Cortison ersetzt (normalerweise Dexamethason), um zu sehen, ob dadurch der Cortisonspiegel gesenkt wird. Oft werden mehrere Tests benötigt, um zwischen Streß und Erkrankung als Ursache des hohen Cortisonspiegels unterscheiden zu können.

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